Streitthema Ehrenrunde: "Sitzenbleiben ist peinlich"

CorbisWenn Schüler Glück haben, schadet ihnen Sitzenbleiben nicht. Aber sinnvoll ist das einfache Wiederholen einer Klassenstufe nicht, sagt Bildungsforscher Ingmar Hosenfeld. Man könne Kindern und Jugendlichen auch anders klarmachen, dass sie im Unterricht mehr Gas geben müssen.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...-a-884286.html
  1. #100

    freiwillige Wiederholung in Sachsen

    Das Interview zeigt keinen Bezug zur Praxis und gehandhabten Realität. Wir standen letztes Schuljahr vor folgender Problematik. Unser Sohn war in seiner Persönlichkeitsentwicklung noch nicht reif genug die Anforderungen einer 2. Klasse zu bestehen. U.a. räumten Ihm die Lehrer einen Zeitbonus bei Klassenarbeiten ein, die motorische Entwicklung im Werkunterricht entsprach einem Erstklässler, die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit reichten für ca. 30 Minuten. Auch durch tägliches Üben konnte keine Verbesserung der Situation erreicht werden. Wir entschlossen uns GEMEINSAM mit den Lehrern zur Wiederholung der 2. Klasse. Wir können allen Eltern die vor ähnlichen Problemen stehen nur zur diesem Schritt raten. Die Leistungen haben sich verbessert und die Motivation zur Leistungsbereitschaft ist deutlich höher. Seelische Veränderung bei unserem Kind haben wir auch nicht festgestellt. Wichtig ist bei solch einer Entscheidung, die enge Kommunikation mit den Lehrern.
    P.S. "Verschwendung von Steuergeldern", dieser Kommentar ist eine Frechheit! Ich denke ein guter schulischer Abschluss mit einer guten beruflichen Entwicklung ist für den Steuerzahler preiswerter als ein Wiederholungsjahr.
  2. #101

    Zitat von christ71 Beitrag anzeigen
    Das Interview zeigt keinen Bezug zur Praxis und gehandhabten Realität. Wir standen letztes Schuljahr vor folgender Problematik. Unser Sohn war in seiner Persönlichkeitsentwicklung noch nicht reif genug die Anforderungen einer 2. Klasse zu bestehen. U.a. räumten Ihm die Lehrer einen Zeitbonus bei Klassenarbeiten ein, die motorische Entwicklung im Werkunterricht entsprach einem Erstklässler, die Aufmerksamkeit ....
    Eigentlich ein wohltuender Kommentar, denn im Gegensatz zu den: "mir hat sitzenbleiben gut getan"-Kommentaren werden hier schlüssige und nachvollziehbare Gründe für ein Wiederholen der gesamten Klasse dargelegt.
    Das meiner Erfahrung nach leider nicht immer der Fall - sogar eher in den allerseltensten Fällen. Zudem finde ich persönlich ein freiwilliges Wiederholen einer Klasse auch in Ordnung - aber eben nicht wegen Fehlleistungen in einzelnen Fächern, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen ergeben ohne eine gesonderte Förderung in diesem einen Fach.

    Und was Steuergelder angeht: Jedem (!) sollte klar sein, dass jemand, der einen guten Abschluss hat und einen ordentliche Beruf ergreift, sptäter Steuern zahlt. Und ggf. auch die eigene Rente.
    Daher sollte schon aus egoistischen Gründen (verkürzt gesprochen) jedem daran gelegen sein, so viel Geld wie möglich in die Bildung zu stecken. Denn sie ist eines der wenigen Güter, die Deutschland noch besitzt.
  3. #102

    Sitzenbleiben ist eine Chance ...

    ich spreche aus eigener Erfahrung ... zweimal habe ich das Klassenziel nicht erreicht ... das erste Mal mit Hängen und Würgen die Nachprüfung in Latein bestanden, nur um im nächsten Jahr wieder mit den gleichen Fächern erwischt zu werden. Nach erfolgreichem Sitztenbleiben und schmerzloser Integration in die neue Klasse, ein erfolgreiches Abitur, Studium, Promotion und Anstellung als Universitätsprofessor (alledings im Ausland). ... Ich denke nur mit Grausen an die Möglichkeit, mich, wie jetzt geplant, mit Förderkursen von einer Zwangsversetztung in die nächste prügel zu lassen. ... Mir hat das zusätzliche Jahr Zeit zur Besinnung gegeben, neue Freunde und die Möglichkeit alte Freundschaften auf ihre Belastbarkeit zu prüfen. ... Und ein Neues Selbstwertgefühl ... Peinlich ist Sitzenbleiben nicht ... Peinlich, schädlich oder gar fatal sind die überzogenen Ansprüche unserer ach so leistungsoptimierten Gesellschaft.
  4. #103

    Leichte Minderwertigkeitskomplexe?

    Zitat von fuzzi-vom-dienst Beitrag anzeigen
    Dass die "Humanistischen" schon immer einen Spleen hatten und auch heute noch haben, stimmt leider. "Wer kein Latein und Griechisch kann, ist für mich kein Mensch" - O-Zitat des Vaters einen Studienkollegen von mir. Ich selbst war auf einer Schule in Darmstadt, die sogar früher "Altes Realgymnasium" hieß - bis in Hessen das Wort "Gymnasium" verpönt wurde.
    Mein Vater war laut ihm "auf dem humoristischen Gymnasium" und hat keine Probleme mit Leuten, die auf einem anderen Gymnasium oder auf einer Realschule waren.
    Er beschwert sich sogar, dass ihm das Altgriechisch in Griechenland nie nützlich war.

    Apropos: Er ist im technischen Bereich tätig gewesen, hat Leute aus TUs im In- und Ausland instruiert und sogar einige Patente.
    Machen Sie also nicht die Altsprachler runter.

    Gruss von einem Neusprachler mit MINT-Geschwisterchen.
  5. #104

    Kompetenz

    Denkt doch mal darüber nach… der Zweck der Schule ist nicht NICHT das Lernen von Inhalten (Schule vermittelt keine Kompetenz, Lesen und Schreiben im richtigen Rahmen und im richtigen Moment, ist in einem Bruchteil der Zeit erlernt als es in der Schule möglich ist) sondern das Vorbereiten und Anpassen auf unsere Arbeitswelt, auf unsere Industrie. Solange wir keine Einigkeit darüber haben was die Schule tatsächlich ist und was sie eigentlich soll bewegen wir uns im Kreis. mfg
  6. #105

    Sitzenbleiben ist nur ein Symptom, nicht das Problem.

    Wer sitzenbleibt, der konnte mit seinen Talenten nicht gut genug umgehen - und seine Lehrer auch nicht.
    Sitzenbleiben als Nichtkönner unter Nichtkömnnern ist nicht die Lösung.
    Als Ich-kann-Schule-Lehrer sehe ich nur LERNEN als Lösung, und damit müssen sie LEHRER anfangen und mit mitreißendem Beispiel vorausgehen.
    Guten Erfolg!
    Franz Josef Neffe
  7. #106

    schwierig schwierig...

    Zitat von Hosenfeld
    : Ich halte es für eine Illusion, dass schwache Schüler die Klasse ausbremsen.
    Frau Hosenfeld hat offenbar noch nie vor einer Klasse mit schwachen Schülern gestanden. Entweder man fährt das Tempo herunter, um die letzten Bremser mitzunehmen, oder man hängt sie ab.

    Sitzenbleiben müsste nicht sein, wenn es als Alternative effektive Förderkurse an der Schule gäbe. Wie diese aber zu organisieren und zu bezahlen wären, habe ich noch nirgendwo gelesen. Es wäre ja prinzipiell Einzelnachhilfe. Wie durch diese unverdiente Nachhilfe die potentiellen Sitzenbleiber wirklich motiviert werden, entzieht sich auch meiner Kenntnis.

    Wir sind nicht Finnland und nicht England - und können (und wollen?) das auch gar nicht sein.
  8. #107

    und immer schlechte Noten nicht peinlich?

    Niemand muss eine Klasse zum Spaß der Lehrer wiederholen. Bei uns in der Grundschule ist ein Junge, der kann fast nichts (3. Klasse). Notendurchschnitt über 5, aber der Lehrer muss ihn mitziehen, obwohl er das nicht will. Anweisung der Schulleitung.
    Da winkt nach der Grundschule sofort die Förderschule. Ist das nicht peinlich?
    Ach ja. Deswegen will die SPD mit dem Grünen Unkraut ja auch die Förderschule abschaffen.

    Damit dann nach der Schule mit unterirdischen Noten eine Karriere als Ultrabilliglöhner winkt. Das ist auch nicht peinlich?