Analyse der Karlsruher Entscheidung: Gleiches Adoptionsrecht für alle

dapdDas Bundesverfassungsgericht hat entschieden: Schwule und Lesben dürfen zumindest vorerst die Adoptivkinder ihrer Partner auch adoptieren. Ist damit auch das Verbot der gemeinschaftlichen Adoption hinfällig geworden? Rechtlich lautet die Antwort: nein. Praktisch läuft es aber genau darauf hinaus.

http://www.spiegel.de/panorama/justi...-a-884356.html
  1. #1

    Widerspruch

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    (...)

    Auch das Argument, ein Kind sollte nicht durch "tätige Mithilfe" des Staates in eine gleichgeschlechtliche Elterngemeinschaft vermittelt werden, "in der ihm komplementäre Elemente einer Erziehung durch verschiedengeschlechtliche Eltern", also Vater und Mutter, fehlen, greift danach nicht. Diese Mithilfe leistet der Staat ja schon bei der Einzeladoption durch Homosexuelle. Und die lässt sich nach dem Grundgesetz und erst recht nach der Europäischen Menschenrechtskonvention nicht verbieten.

    (...)
    Wer sich in den Kommentaren zum Adoptionsrecht auskennt, weiss, dass die Einzeladoption nur wegen 2 Ausnahmefällen in Deutschland nicht verboten ist:

    Wenn während der der Adoption vorausgehenden Adoptionspflege die Ehe geschieden wird oder ein Ehepartner stirbt, kann die Einzeladoption dann erfolgen, wenn dem Kind keine weitere Veränderung der Bezugspersonen mehr zugemutet werden kann.

    Es gibt also de facto keine Einzeladoptionsrecht in Deutschland. Homosexuelle können Kinder im Ausland adoptieren und dann von ihren Partnern per Sukzessiv-Adoption annehmen lassen. Eine solche Adoption erkennt quasi den status quo der familär bestehenden Verhältnisse an - das Kind lebt sowieso schon bei den Partnern - und verbessert lediglich den rechtlichen Status des Kindes.

    Der Deutsche Staat ermöglicht jedoch nicht per Sukzessiv-Adoption quasi ein uneingeschränktes Adoptionsrecht für Homosexuelle Paare. Entweder muss der Erstadoptierer verheiratet sein, um ein Kind in Deutschland adoptieren zu können und sich dann scheiden lassen oder das Kind muss zunächst im Ausland adoptiert werden.

    Anders als bei der Sukzessiv-Adoption handelt es sich bei einer Erstadoption nicht um eine nachträgliche Anerkennung einer bereits bestehenden Beziehung zwischen Kind und Adoptiveltern. Ein allgemeines Adoptionsrecht für Homosexuelle Paare folgt daher nicht aus der Anerkennung eines sukzessiven Adoptionsrechts.
  2. #2

    Zitat von Scheidungskind Beitrag anzeigen
    Anders als bei der Sukzessiv-Adoption handelt es sich bei einer Erstadoption nicht um eine nachträgliche Anerkennung einer bereits bestehenden Beziehung zwischen Kind und Adoptiveltern. Ein allgemeines Adoptionsrecht für Homosexuelle Paare folgt daher nicht aus der Anerkennung eines sukzessiven Adoptionsrechts.
    Da wäre für mich aber nun doch die Frage, wenn durch das sukzessive Adoptionsrecht überhaupt festgestellt wird, dass das Kindeswohl bei einer homosexuellen Beziehung nicht beeinträchtigt wird, wie das Gericht heute ausdrücklich betont hat, warum dann homosexuelle Paare dann beim allgemeinen Adoptionsrecht dieses Kindeswohl dann wieder im Voraus abgesprochen werden soll? Das leuchtet mir ehrlich gesagt nicht ein.
  3. #3

    Die Rechtswirklichkeit

    Zitat von Scheidungskind Beitrag anzeigen
    Wer sich in den Kommentaren zum Adoptionsrecht auskennt, weiss, dass die Einzeladoption nur wegen 2 Ausnahmefällen in Deutschland nicht verboten ist:

    Wenn während der der Adoption vorausgehenden Adoptionspflege die Ehe geschieden wird oder ein Ehepartner stirbt, kann die Einzeladoption dann erfolgen, wenn dem.....
    Erstaunlich, dass Ihr Hinweis auf die deutsche Rechtswirklichkeit hier veröffentlicht wird.

    Vergleichbare Hinweise, beispielsweise darauf, dass künstliche Befruchtung in Deutschland nur in Fällen legal ist, in denen Frauen verheiratet sind und die Kinderlosigkeit auf Krankheit eines der Ehepartner oder beider Ehepartner zurückzuführen ist, werden meist nicht veröffentlicht.
  4. #4

    Ein logisches Urteil

    War die Entscheidung nicht zu erwarten?

    Sie ist doch nur logisch.
    Würde derjenige, der das Kind zuerst adoptierte, verunglücken / sterben, wäre das Kind ohne Erziehungsberechtigten und hätte Anspruch auf Waisenrente oder was auch immer.
    Jetzt darf der Partner auch adoptieren und der Staat ist finanziell aus dem Schneider.
  5. #5

    -----------

    Zitat von Scheidungskind Beitrag anzeigen
    Wer sich in den Kommentaren zum Adoptionsrecht auskennt, weiss, dass die Einzeladoption nur wegen 2 Ausnahmefällen in Deutschland nicht verboten ist:
    Wenn während der der Adoption vorausgehenden Adoptionspflege die Ehe geschieden wird oder ein Ehepartner stirbt, kann die Einzeladoption dann erfolgen, wenn ......
    Danke. Das ist die Erläuterung, die in allen Presseartikeln gefehlt hat.
    Kaum jemand würde es wohl für normal halten, wenn ein Single (homo oder nicht) ein Kind adoptieren kann. Da wird das Kind schnell zur "Lifestyle-Choice" oder vielleicht sogar zum Objekt von Perversen und Kriminellen. (was natürlich auch sonst nie ganz ausgeschlossen werden kann).
    Ein Lücke scheinen mir aber die Auslandsadoptionen zu sein. Es gibt sicherlich genug Staaten, wo die Eltern zu arm sind und der Staat zu korrupt, um Missbrauch zu verhindern.
  6. #6

    Ganz oder gar nicht

    Hier zeigt sich mal wieder gut, wie verlogen die CSU mit dem Thema umgeht. Keine klaren Worte, man tut im allgemeinen so, als wäre man nicht gegen Homosexualität und gibt sich aufgeklärt, aber eben nur soweit, wie man sich dann keine Homofeindlichkeit anlasten können muss. Gerade heutemorgen noch im DLF, Norbert Geis, der ständig rumgedruckst hat, weil er seine Meinung nicht aussprechen darf, wenn er seinen Job nicht verlieren will. Da war die Rede von "unnatürlich" und "nicht der Natur entsprechend", das lässt tief blicken.

    Entweder ganz oder gar nicht. Man kann nicht Gleichberechtigung und Ehe für Homosexuelle fordern und auf der anderen Seite solche Paare dann in irgendeiner Form benachteiligen.
  7. #7

    ...

    Zitat von macrifice Beitrag anzeigen
    Man kann nicht Gleichberechtigung und Ehe für Homosexuelle fordern und auf der anderen Seite solche Paare dann in irgendeiner Form benachteiligen.
    Das Adoptionsrecht dient nicht dazu, Familien mit Kindern zu versorgen, sondern Kinder mit Familien.

    Wenn die kindliche Entwicklung, z.B. der Geschlechter-Identität bei gleich-geschlechtlichen Paaren anders verläuft, als bei verschieden-geschlechtlichen, dann muss das bei der Adoptionsentscheidung bedacht werden - Gleichberechtigung hin oder her.
  8. #8

    Zitat von Scheidungskind Beitrag anzeigen
    Das Adoptionsrecht dient nicht dazu, Familien mit Kindern zu versorgen, sondern Kinder mit Familien.

    Wenn die kindliche Entwicklung, z.B. der Geschlechter-Identität bei gleich-geschlechtlichen Paaren anders verläuft, als bei verschieden-geschlechtlichen, dann muss das bei der Adoptionsentscheidung bedacht werden - Gleichberechtigung hin oder her.
    Wo steht denn das?
    Nebenbei - darum ging es gar nicht!
    Die Kinder wachsen in den Beziehungen auf, in denen sie aufwachsen (manchmal auch in keinen).

    Jetzt ging es nur darum abzuklären ob es irgendeinen Grund gibt einem Familienmitglied und einem Kind ein Recht zu verweigern nur weil dieses Familienmitglied homosexuell is,t oder gibt es den nicht.
  9. #9

    ...

    Zitat von Achmuth_I Beitrag anzeigen
    Wo steht denn das?
    Nebenbei - darum ging es gar nicht!
    Die Kinder wachsen in den Beziehungen auf, in denen sie .....
    Im Gerichtsentscheid ging es darum tatsächlich nicht, aber in dem Post, auf das ich geantwortet habe wohl schon.