Neue Bildungsstudie: Hauptschüler tun Hauptschülern nicht gut

CorbisReformen sollen immer alles besser machen - aber gelingt das auch? In Bayern gab es früher die Realschule erst ab Klasse 7, dann teilte man die Kinder schon nach der Grundschule auf. Forscher zeigen jetzt: Die Schüler wurden dadurch schlechter.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...-a-883704.html
  1. #20

    Gymnasien abschaffen!

    Vor dreißig Jahren gab es in Hamburg eine ideale Gesamtschule, die es heute leider in der Form nicht mehr gibt. Zu der Zeit herrschte Aufbruchsstimmung. Viele betuchte Linke, darunter Bürgerschaftsabgeornete, Ärzte, Richter und auch Leute aus der Wirtschaft schickten ihre Kinde auf diese Schule, weil sie an sie glaubten.
    Zudem ließen sich aus dem ganzen Bundesgebiet Lehrer an diese Schule versetzten weil sie dabei sein wollten.

    So wurde die in einem armen Stadtteil gelegene Schule ordentlich aufgemischt. Die aus dem Einzugsgebiet stammende Schülerschaft wurde durch Schüler bereichert, die eigentlich aufs Gymnasium gegangen wären.
    Und was soll ich Ihnen sagen - das funktionierte!
    Ich kann ihnen zahlreiche Beispiele nennen, bei denen die Biografien bilderbuchartige Verläufe genommen haben. Diese sind heute Ärzte, Anwälte oder Unternehmer. Obwohl sie Arbeiterkinder oder Ausländerkinder waren.

    Aber was für den Einen positiv ist, ist für den Anderen natürlich auch eine Bedrohung. Von daher gehen große Teile der Diskussion um eine bessere Schulausbildung in Deutschland am Problem vorbei.

    Denn Eines hat die denkwürdige Auseinandersetzung über die Primarschule in Hamburg gezeigt. Viele Argumente für die Separierung von Schülern sind einfach nur von der Angst der Mittelschicht vor dem Abstieg motiviert.
  2. #21

    Blaue Fee II

    "Gut, dann mag das nur auf dem Land anders gewesen sein. Die Grundschulen gingen grundsätzlich nur bis zur 4. Klasse, dann musste man zum nächsten Marktflecken oder zur Kreisstadt und dann eben, je nach Durchschnitt auf die Hauptschule, Realschule oder das Gymnasium."

    Nein, auch das ist falsch. Nach der vierten gingen einige auf´s Gymnasium, (man konnte noch nach der fünften Klasse Hauptschule wechseln), alle anderen auf die Hauptschule. Nach der sechsten war dann wieder eine Zäsur: Die einen blieben, die anderen gingen auf die Realschule. Die war damals vierklassig. Was Sie vielleicht meinen: Die Grundschule ging (und geht) bis zur vierten. Da etliche Schulen aber keinen Hauptschulzweig hatten, gab es an zentralen Orten so genannte Teilhauptschulen.
    Erst mit der Reform wurde dann die Relaschule sechszügig. Der Übertritt erfolgt seither - wie auf´s Gymnaium - nach der vierten Klasse.
  3. #22

    Gemeinsames Lernen

    Vielleicht haben viele Schreiber zu verklärte Erinnerungen an ihre Schulzeit?
    Ich bin 29, zur Schule gegangen bin ich bis Klasse 4 an einer Münchner Grundschule in eher lauer sozialen Lage. Ich erinnere mich an Folgendes:

    Mitschüler die kaum Deutsch konnten
    die eher zuschlagen als reden konnten
    Ich glaube ich hätte mir das Leben genommen wenn ich von dieser Horde Vollidioten nicht nach Klasse 4 erlöst worden wäre und endlich aufs Gymnasium durfte - und die ganzen "lieben Freunde" aus der Grundschule endlich los war.

    Bei der Vorstellung wie sich Kinder die vielleicht etwas mehr in der Birne und dafür etwas weniger Prügelneigung haben sich bis Klasse 9 mit einem Mob aus lernschwachen Prügelkindern in einen Raum setzen sollen wird mir Angst und Bang. Das halte ich eher für unverantwortbar.
    Trennung nützt den Guten jedenfalls in dem Alter extrem.
  4. #23

    Frage

    Wem tun denn "Hauptschüler" gut? Oder sollte man vielleicht diese Klassifizierung meiden ? Jedes Kind hat Stärken und Schwächen, auch wenn das deutsche Schulsystem dies nicht wahrhaben will und bei bestimmten Schülern die Stärken überbewertet.
  5. #24

    Vollkommener Schwachsinn...

    Es ist vollkommener Schwachsinn nach der vierten Klasse zu entscheiden welche Schulart ein Kind besucht...
    Wenn ich daran denk was dabei rauskam an meiner Grundschule damals... Ich besuchte eine in Ulm (BW), diese ach so fähigen Lehrer schickten mich TROTZ passenden Noten (2,0 Schnitt) auf die Hauptschule... Andere schickte man auf das Gymnasium... Komisch die meisten (locker über 50%) die auf das Gymi geschickt wurden brachen spätestens nach der 10ten Klasse das Gymi ab. Dank dieser ach so tollen Schulform, musste ich die Odyssee durch das komplette deutsche Bildungssystem machen indem es hieß, auch noch nach Antrag meiner Eltern in der 7ten Klasse, später dann auf einer weiterführenden Schule mich ins Gymnasium zu stecken, das ich für das Gymnasium ungeeignet sei...
    Komisch nur eine Schule erkannte meine Begabung und nahm mich schlussendlich auf... Nun habe ich einen Bachelor in Physik...
    Während manch ehemaliger Klassenkamerad aus der Grundschule welcher aufs Gymnasium geschickt wurde aber dann abbrach nun Hartz4 Empfänger ist...
    Es ist traurig und schlichtweg frustrierend der WILLKÜR von Lehrern ausgesetzt zu sein... Die meisten haben von ihrem Beruf soviel Ahnung wie ein Affe im Kongo... Glaubt mir ich weiß wovon ich spreche hab jede Schulform hinter mir...
    Meine Kinder kommen später auf eine Privatschule, falls nötig nehm ich dafür ein Darlehen auf, aber meine Kinder sollen diese Odyssee durchs Bildungssystem wie bei mir nicht durchleben...
    Denn die Lehrer wissen nicht was sie den Kindern damit antun... Wie kann man ein Kind mit überdurchschnittlichen IQ und guten Noten auf die Hauptschule schicken... UND ICH WAR KEIN EINZELFALL...
    Bei Fragen stehe ich gern zur Verfügung...
  6. #25

    Wirklich schade finde ich, dass gerade diejenigen Eltern die besonders die "Wettbewerbsfähigkeit" und "Fortgeschrittenheit" unseres Schulsystems für den "Wirtschaftsstandort Deutschland" verlangen, häufig auch diejenigen sind die an dem dreigliedrigen System festklammern. Es kann nicht sein, dass entgegen wissenschaftlicher Erkenntnis und der Gefahr Klassenundurchlässigkeit zu verstärken, einfach weiter gemacht wird wie bisher.
  7. #26

    Von wegen!

    Zitat von eigene_meinung Beitrag anzeigen
    dass Menschen verschieden sind. Wenn man alle Schüler gleich unterrichtet, muss man sich nach dem Schwächsten richten, und die Leistungsstarken können ihr Potential nicht ausschöpfen.
    Tatsächlich sollte schon viel früher als in der vierten Klasse eine Auslese stattfinden - mit der Möglichkeit, später die Schulform zu wechseln (evtl. mit spezifischen Fördermaßnahmen verbunden). Das passt aber natürlich nicht zu der Ideologie, nach der alle Menschen gleich sind (ausgenommen natürlich die Wirtschafts- und Politik-Bonzen, die ihre Kinder auf teure Privatschulen schicken).
    Wer wirklich logisch denken kann, kommt zu ganz anderen Schlussfolgerungen. Die Annahme, dass einen die anderen (die vermeintlich dümmeren) wie ein Klotz am Bein am Aufstieg hindern, dient nur als Rechtfertigung, den anderen die Chancen zu vorzuenthalten. Diese Argumentation ist Teil eines Verteilungskampfs um die (vermeintlich knappen) Bildungschancen. Diese Gesellschaft ist zu einer Chancenverweigerungsgesellschaft geworden. Und Sie reden diesem Trend das Wort.
  8. #27

    Ich persönlich verstehe nicht wie immer wieder die Gesamtschule als Einheitsschule mit allen Schülern gemeinsam unterrichtet gefordert werden kann. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass sich das Klassentempo immer an den Langsamsten orientiert hat, ich in der Zeit Däumchen drehen durfte (auf dem Gym wohlgemerkt). Achja, und zum Vergleich habe ich auch mal Hauptschulabschlusstests gesehen die mancher Schüler nicht lösen kann (sowas wie Kästchen zählen und anschließend angeben wie viel Prozent der Fläche das sind....).

    Da grausts mir ehrlich gesagt davor wie weit das Tempo und die Stofffülle da noch abgesackt wäre wenn man alle in eine Klasse gesteckt hätte. Die Lehrer haben ja so schon geklagt, dass sie viele Sache die sie mit Klassen noch vor 10 Jahren machen konnten jetzt garnicht mehr anfangen brauchen weil man da sowieso nichtmehr hinkommt das die Schüler das verstehen. Das Niveau scheint also auch abgesackt (nun ja nur zu verständlich wenn die Devise heisst: Religion und Musik statt Mathematik).

    Was ich mir allerdings vorstellen könnte wäre eine Gesamtschule mit Spezialklassen. Daher: In jeder Klassenstufe werden ähnlich wie der Oberstufe eine Art Grund und Leistungskurse angeboten (gleiche Zeit, mehr Stoff bei den Leistungskursen; eventuell sogar mit angepassten Stundenzahlen). So könnte man deutlich gezielter Fördern.

    Man ordnet also nicht nach "durschnittlicher" Leistung (in allen Fächern) sondern danach wie gut der einzelne in jedem einzelnen Fach ist. *kann man durchaus auch dreistufig machen, Kurse mit Hauptschul, Realschul und Gymnasialniveau* Das wäre vom Grundsatz her deutlich durchlässiger als das bisherige System, mindestens dahingehend, dass jemand der vielleicht in Deutsch nur Hauptschulniveau hat trotzdem immer noch in Mathe auf Gymnasialniveau unterrichtet werden kann (wenn ers drauf hat). *als extrembeispiel*

    Einfach nur mit alle Schüler zusammenschmeißen und in einer Klasse unterrichten und sonst nichts ändern ist jedenfalls nicht die Lösung aller Probleme.
  9. #28

    Fragen @ dschmi #24

    Wie kommen Sie darauf, dass eine Privatschule automatisch besser ist? Ich bezweifle das aus Erfahrung. Tragen Sie nicht gerade so zur Segregation bei, stärker als jedes gegliederte, öffentliche Schulsystem? Mit 2,0 auf die Hauptschule? Was stand im Gutachten? So etwas habe ich noch nie gehört. Lehrerbashing aus Frust? Bitte schauen Sie mal zu den Privatschulen, was da verdient wird und welche Lehrer deshalb dort arbeiten ( oft ohne entspr. Berufabschluss). Man sollte nicht von Salem auf alle schließen. Großer Fehler!
  10. #29

    Wieso beachtet man nur die schwachen Schüler?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Reformen sollen immer alles besser machen - aber gelingt das auch? In Bayern gab es früher die Realschule erst ab Klasse 7, dann teilte man die Kinder schon nach der Grundschule auf. Forscher zeigen jetzt: Die Schüler wurden dadurch schlechter.

    Schulreform in Bayern: Getrennt lernen schadet der Leistung - SPIEGEL ONLINE
    Eine Frage: Wieso wird so gut wie immer nur über die schwachen Schülerinnen und Schüler diskutiert? Haben die guten kein Recht erwähnt oder beachtet zu werden. Müssen die nicht ebenfalls optimal gefördert werden?
    Im Sport ist ein Beschäftigen mit den begabten selbstverständlich, wieso nicht in der Schule? ich möchte hier keine Präferenz für eine Schulform äußern. Ich bin kein Experte. Ich wünschte mir nur, dass diese Schülerinnen und Schüler wenigstens ein klein wenig in der Diskussion auftauchen würden.