Neue Bildungsstudie: Hauptschüler tun Hauptschülern nicht gut

CorbisReformen sollen immer alles besser machen - aber gelingt das auch? In Bayern gab es früher die Realschule erst ab Klasse 7, dann teilte man die Kinder schon nach der Grundschule auf. Forscher zeigen jetzt: Die Schüler wurden dadurch schlechter.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...-a-883704.html
  1. #120

    So viel Unwissen

    Zitat von Blaue Fee Beitrag anzeigen
    Mal ganz blöd gefragt: Wieso wird hier im Forum so viel Wert auf das soziale Lernen in der Schule gelegt?
    Ist die Schule nicht für Bildung, also Wissensvermittlung da und das Elternhaus für die Erziehung, also die sozialen Kompetenzen zuständig?
    Sollen wir Eltern wirklich unsere komplette Verantwortung den Schulen in die Hände legen?
    Ob das nun eine "blöde" Frage ist, bleibt mal dahin gestellt.
    Offenkundig können viele nichts Vernünftiges mit dem Begriff Pädagogik anfangen.
    Darum zum Einstieg: Pädagogik

    Dass Wissensvermittlung UND Erziehung damit zwei Seiten ein und derselben Medaille sind, dürfte eineluchten.

    Darüber hinaus: Wie soll Wissen vermittelt werden, wenn "Unerzogenheit" die Klasse prägt?
  2. #121

    Zitat von lindenbast Beitrag anzeigen
    Oder meinten was meinten Sie mit 'richtigem Leben'?)
    Mit "richtigem Leben" meine ich:
    - sich den Arsch aufreissen müssen, um sein Einkommen zu sichern und dennoch immer eine gewisse Existenzangst haben zu müssen
    - Im Sinne von "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" Arbeiten wie kehren, putzen, aufräumen diktiert zu bekommen und widerspruchslos ausführen zu müssen; sich also ganz generell mal in der Position "in der Hierarchie ganz unten" befunden zu haben, wo man einfach zu tun hat, was angesagt wird und nicht diskutieren kann. Als Lehrer steht man in der Hierarchie gegenüber seinen Schülern ja "ganz oben".
    - Wochenendarbeit, Schichtarbeit, 24 Urlaubstage, unbezahlte Überstunden usw. statt zig Wochen Ferien
    - statt wie als Lehrer immer Recht zu haben (selbst wenn es nicht so ist) sich in einer Position befinden, wo man besser den Mund hält, selbst wenn man im Recht ist.

    Das kommt nämlich auf die grosse Mehrheit in ihrem zukünftigen Berufsleben zu.

    Ein guter Lehrer kann nur sein, der sich in seine Schüler hineinversetzen kann; der Situation/Zukunft erahnen kann, auf die er die Schüler vorbereiten soll. Meine Erfahrung ist jedoch, dass in dieser Hinsicht eine Vielzahl von Lehrern "weltfremd" ist.

    Oder wie kann folgendes erklären: Unsere Schule ist nicht fähig, mehr als eine Woche im Voraus einen Elternabend zu planen. Mit der Begründung, dass der Lehrkörper dies nicht leisten kann aufgrund der vielfältigen Umstände der einzelnen Lehrer. Und wenn man bittet, ob man das nicht doch längerfristiger planen kann, weil ja manche Eltern ggfs. Dienste oder Schichten planen/tauschen müssen, dann heisst es, man soll sich doch Grosseltern oder anderweitige Betreuung organisieren, wenn einem sein Kind wichtig ist.

    Ich bleibe daher dabei: Lehrer befinden sich in einer unheimlichen Machtsituation. Macht über die Schüler und indirekt Macht über die Eltern. Dies erfordert sensiblen Umgang mit dieser Macht, welche erlernt werden muss und am besten durch eigene Erfahrung in einem geeigneten Lebensabschnitt (wie z.B. eine Lehre).
  3. #122

    Der Arbeitsmarkt

    Lesen Sie doch mal die gegenwärtigen Stellenangebote durch was hier teilweise als "Voraussetzung" verlangt wird:
    Da werden Supermarkt Verkäufer gesucht -> Vorausetzung Abitur. AZUBI Stellen als Bankkaufmann -> Abitur (sonst werden Sie gar nicht eingeladen) Fachinformatiker -> Abitur...
    Ja - es gibt nicht wenige renomierte Firmen, die sich damit brüsten nur Abiturienten einzustellen. Alles andere ist unter Ihrer Würde.
    Machen wir uns doch nichts vor. Wenn Ihre Kinder heute kein Abitur vorweisen können, dann können Sie von freier Ausbildung/Jobwahl nur träumen! Dann haben Sie sich wohlmöglich bereits hier Ihr zukünftiges Leben verbaut. Und diesen Trend zu immer höheren Qualifikationen als "Job-Vorraussetzung" ist nicht nur hier in Bayern zu beobachten.
    Ist doch klar das Eltern Ihre Kinder mit allen nur erdenklichen Mitteln zum Abitur "prügeln", damit einem noch alle Türen offen stehen. Aber so ist doch die Realität. Warum gehen denn sonst immer mehr Schüler auf das Gymnasium? Kann mir doch keiner erzählen das Durchquälen mit zig Nachhilfestunden für viele ein riesen Spaß ist! Schauen Sie mal warum "Schulförder-Einrichtungen" (Nachhilfe-Zentren, geschulte Hausaufgaben-Betreuung sowie schulpädagogische Angebote seit ein paar Jahren Hochkonjunktur haben. Schulhilfen schießen an allen Ecken wie Pilze aus dem Boden.
    Genau so sieht die Realität aus. Ein Zusammenlegen der Haupt- und Realschule zu einer "Mittelschule" halte ich daher auch für einen sehr kurzsichtig durchdachten Schritt.
    In wenigen Jahren wird die Wirtschaft merken was da von der "Mittelschule" auf den Ausbildungsmarkt kommt und für viele weitere Jobs die Voraussetzung auf "Abitur" erhöhen. Das ist nur eine logische Konsequenz...und dann sehe ich vor meinem geistigen Auge den Arbeitgeber-Präsidenten WauWau, der wieder über angeblich nicht genügend vorhandene qualifizierte Arbeitskräfte jammert...
  4. #123

    Zitat von schensu Beitrag anzeigen
    Ob das nun eine "blöde" Frage ist, bleibt mal dahin gestellt.
    Offenkundig können viele nichts Vernünftiges mit dem Begriff Pädagogik anfangen.
    Darum zum Einstieg: Pädagogik

    Dass Wissensvermittlung UND Erziehung damit zwei Seiten ein und derselben Medaille sind, dürfte eineluchten.

    Darüber hinaus: Wie soll Wissen vermittelt werden, wenn "Unerzogenheit" die Klasse prägt?
    Ja, aber Erziehung beginnt im Elternhaus und dort wird das soziale Verhalten und Respekt vor Älteren und anderen Menschen eingeübt. Lehrer können das nur begrenzt leisten, da ihnen inzwischen die Instrumente fehlen.
    Oder sollen die anderen Schüler durch Gewalteinwirkung die Hierarchie und das soziale Miteinander bestimmen?
  5. #124

    Zitat von Blaue Fee Beitrag anzeigen
    Oder sollen die anderen Schüler durch Gewalteinwirkung die Hierarchie und das soziale Miteinander bestimmen?
    Neulich fiel hier der Satz: Schüler lernen am besten von anderen Schülern, nicht vom Lehrer. In diesem Sinne lautet die Antwort auf Ihre Frage ganz klar: ja.
  6. #125

    Völlig richti!

    Zitat von Hans_Nase Beitrag anzeigen
    Mit "richtigem Leben" meine ich:
    - sich den Arsch aufreissen müssen, um sein Einkommen zu sichern und dennoch immer eine gewisse Existenzangst haben zu müssen
    - Im Sinne von "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" Arbeiten wie kehren, putzen, aufräumen diktiert zu bekommen und widerspruchslos ausführen zu müssen; sich also ganz generell mal in der Position "in der Hierarchie ganz unten" befunden zu haben, wo man einfach zu tun hat, was angesagt wird und nicht diskutieren kann. Als Lehrer steht man in der Hierarchie gegenüber seinen Schülern ja "ganz oben".
    - Wochenendarbeit, Schichtarbeit, 24 Urlaubstage, unbezahlte Überstunden usw. statt zig Wochen Ferien
    - statt wie als Lehrer immer Recht zu haben (selbst wenn es nicht so ist) sich in einer Position befinden, wo man besser den Mund hält, selbst wenn man im Recht ist.

    Das kommt nämlich auf die grosse Mehrheit in ihrem zukünftigen Berufsleben zu.

    Ein guter Lehrer kann nur sein, der sich in seine Schüler hineinversetzen kann; der Situation/Zukunft erahnen kann, auf die er die Schüler vorbereiten soll. Meine Erfahrung ist jedoch, dass in dieser Hinsicht eine Vielzahl von Lehrern "weltfremd" ist.

    Oder wie kann folgendes erklären: Unsere Schule ist nicht fähig, mehr als eine Woche im Voraus einen Elternabend zu planen. Mit der Begründung, dass der Lehrkörper dies nicht leisten kann aufgrund der vielfältigen Umstände der einzelnen Lehrer. Und wenn man bittet, ob man das nicht doch längerfristiger planen kann, weil ja manche Eltern ggfs. Dienste oder Schichten planen/tauschen müssen, dann heisst es, man soll sich doch Grosseltern oder anderweitige Betreuung organisieren, wenn einem sein Kind wichtig ist.

    Ich bleibe daher dabei: Lehrer befinden sich in einer unheimlichen Machtsituation. Macht über die Schüler und indirekt Macht über die Eltern. Dies erfordert sensiblen Umgang mit dieser Macht, welche erlernt werden muss und am besten durch eigene Erfahrung in einem geeigneten Lebensabschnitt (wie z.B. eine Lehre).
    Ich kann Ihre Meinung nur rundherum bestätigen.
    Um es mit einem Wort zusammenzufassen: Demut.
    Es fehlt den Herrschaften bisweilen schlicht die Erdung - eben der Bezug zum "richtigen Leben", wie Sie es ausgezeichnet darstellten.

    Es gab mal eine Zeit, da gingen die Lehrkörper mehr oder weniger freiwillig in ihrer "unterrichtsfreien Zeit" für ein, zwei Wochen in die Produktion, die Landwirtschaft - eben ins richtige Leben.
    Damit konnte erstens erreicht werden, dass die Sicht auf die alltäglichen Plagen der wertschöpfenden Elternteile nicht völlig in der Kulisse der wärmenden Beamtenwelt unterging, und dem Pädagogen wurde überdies eine Handreichnung gegeben, den Schülern eine halbwegs fundierte Beratung für ihr kommendes Leben angedeihen zu lassen.

    Was kann daran schlecht sein?
    Dass die üppige Freizeit des Lehrers beschnitten wird? Lächerlich!
    Wir haben immer noch die mit am besten bezahlten "Pädagogen" in der ganzen Welt.
    Was dürfen wir von denen erwarten?
  7. #126

    Da ist was dran.

    Zitat von amberstar Beitrag anzeigen
    Lesen Sie doch mal die gegenwärtigen Stellenangebote durch was hier teilweise als "Voraussetzung" verlangt wird:
    Da werden Supermarkt Verkäufer gesucht -> Vorausetzung Abitur. AZUBI Stellen als Bankkaufmann -> Abitur (sonst werden Sie gar nicht eingeladen) Fachinformatiker -> Abitur...
    Ja - es gibt nicht wenige renomierte Firmen, die sich damit brüsten nur Abiturienten einzustellen. Alles andere ist unter Ihrer Würde.
    Machen wir uns doch nichts vor. Wenn Ihre Kinder heute kein Abitur vorweisen können, dann können Sie von freier Ausbildung/Jobwahl nur träumen! Dann haben Sie sich wohlmöglich bereits hier Ihr zukünftiges Leben verbaut. Und diesen Trend zu immer höheren Qualifikationen als "Job-Vorraussetzung" ist nicht nur hier in Bayern zu beobachten.
    Ist doch klar das Eltern Ihre Kinder mit allen nur erdenklichen Mitteln zum Abitur "prügeln", damit einem noch alle Türen offen stehen. Aber so ist doch die Realität. Warum gehen denn sonst immer mehr Schüler auf das Gymnasium? Kann mir doch keiner erzählen das Durchquälen mit zig Nachhilfestunden für viele ein riesen Spaß ist! Schauen Sie mal warum "Schulförder-Einrichtungen" (Nachhilfe-Zentren, geschulte Hausaufgaben-Betreuung sowie schulpädagogische Angebote seit ein paar Jahren Hochkonjunktur haben. Schulhilfen schießen an allen Ecken wie Pilze aus dem Boden.
    Genau so sieht die Realität aus. Ein Zusammenlegen der Haupt- und Realschule zu einer "Mittelschule" halte ich daher auch für einen sehr kurzsichtig durchdachten Schritt.
    In wenigen Jahren wird die Wirtschaft merken was da von der "Mittelschule" auf den Ausbildungsmarkt kommt und für viele weitere Jobs die Voraussetzung auf "Abitur" erhöhen. Das ist nur eine logische Konsequenz...und dann sehe ich vor meinem geistigen Auge den Arbeitgeber-Präsidenten WauWau, der wieder über angeblich nicht genügend vorhandene qualifizierte Arbeitskräfte jammert...
    Die Wirtschaft - das unbekannte und bequem gewordene Wesen - erwartet vollumfänglich auf ihre Bedürfnisse hin ausgebildeten Nachwuchs. Die Unternehmen sind im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten in der BRD nicht mehr bereit, diese (kostenverursachend) auszubilden.

    Erinnert sich noch jemand an die Zeit, als die Bauern von ihren Feldern regelrecht weggekauft wurden, um in die Produktionshallen von Daimler, BASF oder MTU zu wechseln? Da wurde sogar ein sogenanntes Kartoffelgeld für Ausfälle bei der kostenfreien Stoppelernte angeboten und teilweise heute noch bezahlt...

    Wieso ging das damals und heute nicht mehr?
    Vermutlich weil es Geld kostet, dass den Shareholdern dann nicht mehr zur Verfügung steht.

    Für die Rendite werden unternehmerische Pflichten dem Staat übertragen und - wie Sie richtig anmerkten - ansonsten über die schlechten Fachkräfte gejault.
    Diese Entwicklung ist perfide!
  8. #127

    Hm

    Zitat von Blaue Fee Beitrag anzeigen
    Ja, aber Erziehung beginnt im Elternhaus und dort wird das soziale Verhalten und Respekt vor Älteren und anderen Menschen eingeübt. Lehrer können das nur begrenzt leisten, da ihnen inzwischen die Instrumente fehlen.
    Oder sollen die anderen Schüler durch Gewalteinwirkung die Hierarchie und das soziale Miteinander bestimmen?
    "Hüte dich vor Menschen, die ihren Satz mit "Ja, aber..." beginnen"..., sagt ein altes russische Sprichwort.
    Natürlich sind Lehrer nur Teil der Erziehung - in meinen Augen durchaus ein wesentlicher.
    Sehen Sie, die Kinder kommen mit 6 oder 7 Jahren in die Schule. Sie treten dem Lehrer mit großem Respekt, vielleicht auch einer gewissen Angst entgegen. Sie sind wenigstens den halben Tag in der Schule, mithin unter der erzieherischen Hoheit des Lehrers.
    Wie kommt es Ihrer Meinung dann in den kommenden Jahren zu den Defiziten im sozialen Verhalten und Respektlosigkeiten ggü. Älteren (resp. Lehrern)?
    Was läuft bereits in der Grundschule offenbar schief, dass auf weiterführenden Schulen gelegentlich Anarchie Einzug hält?
    (Man könnte noch einen Schritt zurückgehen: Kindergärten. Wird nicht bereits dort ein Fundament sozialen Umgangs gelegt?)

    Könnte es auch daran liegen, dass die Lebens- und Betreuungsabschnitte der Kinder über keine oder keine ausreichende Verzahnung verfügen dergestalt, dass sich die Verantwortlichen über eine klare erfolgversprechende Pädagogik austauschen und einig sind?

    Soll man das unter Verweis auf die Politik den unter ähnlichen Defiziten des Lebenshorizontes leidenden Staatsbeamten überlassen, wie in diesem Lande Schule aus einem Guss aussehen könnte?

    Ich hatte in jener Zeit, als meine Kinder noch aufs Gym gingen, ein erhellendes, wenngleich erschreckendes Gespräch mit einer sog. Philologin. Auf meine Frage, ob sie denn Grundschullehrer persönlich kenne oder gar mit denen mal über die Verzahnung der unterschiedlichen Altersstufen gesprochen hätte, antwortete sie lakonisch, das bekäme sie doch gar nicht bezahlt.

    So. Und da soll man nicht vom Glauben abfallen? Wenn genau jene ach so überlasteten und natürlich unterbezahlten Pädagogen anonsten während ihrer den Klagen nach doch gar nicht vorhandenen Freizeit in allen möglichen Parteien, Ausschüssen, Vereinen und sonstwo mitmischen?
    Schule in Deutschland weist eine ungesunde Schieflage auf.
  9. #128

    ..........

    Nur ist es so, daß die Abiturienten ganz gerne studieren wollen ( galt zumindest für den Jahrgang meiner Großen, die übrigens nicht zum Abitur geprügelt wurde, über die Gesamtschule zum klassischen Gym marschierte und während der meisten Schuljahre ein eher mittelmäßiges Zeugnis hatte. Nur in den letzten Jahren hat sie sich ins Zeug gelegt.)
    und sich für die meisten Ausbildungsplätze - Banken, Informatik und Co mal ausgenommen- gar nicht interessieren.

    Ich habe lange in der Gastronomie/Hotellerie gearbeitet, und wir waren schon in den letzten Jahren froh, wenn sich überhaupt genügend Azubis beworben haben, um die Ausbildungsplätze besetzen zu können. Und wenn diese dann nicht abgebrochen haben, war das schon ein echter Erfolg.
    Handwerksbetriebe haben ähnliche Probleme. Der Handel z.B. auch.

    Es gibt auch hier vor Ort ein,zwei wirklich beliebte Arbeitgeber, die sich vor Bewerbungen kaum retten können. Der große Rest würde vielleicht gerne den optimalen Azubi mit dem bestmöglichen Abschluß einstellen- der bewirbt sich da aber gar nicht erst.

    Ich weigere mich übrigens, meine jüngeren Töchter zu irgendeinem Abschluß zu "prügeln" oder Nachhilfe zu bezahlen, wenn diese nicht unbedingt nötig ist. Ich bin auch der Meinung, man kann auch ohne Abitur ziemlich gut durchs Leben kommen. Mag auch daran liegen, daß ich mit einem ehemaligen Hauptschüler verheiratet bin, der nach neun Schuljahren eine Ausbildung im Handwerk gemacht gemacht, später den Industriemeister und über mein Einkommen - nach Abitur und Studium- milde lächelt. Er würde dafür vermutlich nicht mal mehr aufstehen. Und nein, ich habe kein "Orchideenfach" studiert. Nur eben auch kein "MINT"-Fach, wo gute Gehälter gezahlt werden.
  10. #129

    Sie haben es noch nicht verstanden

    Man ordnet also nicht nach "durschnittlicher" Leistung (in allen Fächern) sondern danach wie gut der einzelne in jedem einzelnen Fach ist. *kann man durchaus auch dreistufig machen, Kurse mit Hauptschul, Realschul und Gymnasialniveau* Das wäre vom Grundsatz her deutlich durchlässiger als das bisherige System, mindestens dahingehend, dass jemand der vielleicht in Deutsch nur Hauptschulniveau hat trotzdem immer noch in Mathe auf Gymnasialniveau unterrichtet werden kann (wenn ers drauf hat). *als extrembeispiel*

    Einfach nur mit alle Schüler zusammenschmeißen und in einer Klasse unterrichten und sonst nichts ändern ist jedenfalls nicht die Lösung aller Probleme.[/QUOTE]


    Aber genau das ist es doch, was man in der modernen (Gesamt-)Schule anstrebt:
    Die Klassen bleiben zusammen, aber die Schüler werden individuell gefördert und gefordert, mit individuellen Lerncurricula, Aufgaben und Tests. Außerdem kooperierende Lehrerteams in den Klassen. Es gibt die neuen Rahmenlehrpläne, mit dreigliedrigem Anforderungsbereichen. Das ist alles andere als Einheitsschule, die sich nach den schwächsten richtet. Die Schüler lernen selbständig, jeder in seinem Tempo, das Material (individuell abgestimmt) bekommen sie vom Lehrer, der jetzt weniger der Pauker für alle gleichzeitig als vielmehr Berater jedes einzelnen ist. Außerdem hat er auf diese Weise mehr Zeit, Schüler (egal ob stark oder schwach) individuell zu betreuen. Erklären Sie mir doch bitte, wie das in einer Klasse mit 30 Schülern und Frontalunterricht gehen soll - da redet vor allem einer und das ist der Lehrer, während die Schüler passiv Wissen "erfahren". Das ist Quatsch! Lernen vollzieht sich aktiv! Und weil Lernen ein aktiver Prozess ist, brauchen Schüler intelligent aufbereitetes Material an die Hand, an dem sie wachsen können, begleitet und betreut vom Lehrer.
    Sogar die Lehramtsstudenten werden schon längst gezielt darauf vorbereitet, dass sie Schüler mit unterschiedlichsten Fähigkeiten zu unterrichten und damit umzugehen haben.