Sechster Sinn für Nager: Ratten fühlen das Licht

CorbisNeurobiologen haben Ratten zu Supersinnen verholfen: Sie verbanden das Nagergehirn mit Infrarotsensoren - die Tiere konnten den Sicht-Reiz nun spüren. Die Ergebnisse sollen auch Menschen helfen können, deren Sehzentrum geschädigt ist.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-883971.html
  1. #10

    ein Experiment von vielen

    Zitat von cassandros Beitrag anzeigen
    Neu daran ist, daß es etwas derartiges in der Physiologie noch nicht gegeben hat.
    Na, so richtig neu scheint das aber wirklich nicht zu sein. Ich habe gerade ein Buch gelesen, "Neustart im Kopf" von Norman Doidge (sehr empfehlenswert!), in dem es um die Plastizität des Gehirns geht und sehr viele ähnliche Experimente geschildert werden.
    Unter anderem eines aus dem Jahr 1969 (!): Eine Kamera überträgt Bildsignale an ein Array aus vibrierenden Stimulatoren, das an einer Stuhllehne befestigt ist. Geburtsblinde Personen lernen mit Hilfe dieser Stimulatoren zu "sehen", trotz miserabler Auflösung (400 Bildpunkte) immerhin so gut, dass sie einem geworfenen Ball ausweichen können.

    Die dort geschilderten Versuche und Fallbeispiele belegen alle die erstaunliche Anpassungsfähigkeit des Gehirns, egal ob man nun die Hirnrinde direkt mit Elektroden reizt oder einen vorhandenen Sinn "zweckentfremdet".

    Im Rahmen des erwähnten "Walk again" Projekts dürfte es eine ganze Reihe ähnlicher Experimente geben, das im Artikel erwähnte ist vielleicht ein wichtiger Puzzlestein, aber eben nicht sensationell.
    Im Übrigen gibt es auch schon fertige oder in der Entwicklung befindliche Anwendungen, z.B. das Cochleaimplantat oder die Idee, eine Art CCD-Chip in ein erblindetes Auge zu pflanzen und die elektrischen Signale an den Sehnerv zu leiten.
  2. #11

    Übertragbarkeit vonTierversuchen

    Statistisch gesehen ist die Übertragbarkeit von Tierversuchen auf den Menschen nicht besser als ein Münzwurf. Das bedeutet zwar einerseits, dass Tierversuche in einigen Fällen korrekt das Ergebnis vorhersagen, es liegt aber nicht an der Methode. Genauso können Tierversuche für den Menschen geeignete Therapien verhindern, was aber schwerer nachweisbar ist, da Substanzen, die im Tierversuch scheitern, beim Menschen nicht mehr oder nur selten (z.B. Pantoprazol) angewendet werden.
  3. #12

    Grundlagen der Medizin

    @cassandros:
    Ich versuch gar nicht erst, Werke wie z. B. "Die Anfänge der Medizin" von Sigerist usw. zusammenzufassen, aber interessant scheint mir zu sein, dass der Wert von TV auf vielen Gebieten übertrieben wird. Die Entdeckung der Anästhetika ist vor allem eine Geschichte der erfolgreichen Selbstversuche (Chloroform, Lachgas), wenngleich hierzu auch parallel TV durchgeführt wurden. Harvey hat den Blutkreislauf mit TV bestätigt, aber nicht entdeckt. Hundeversuche haben die Entwicklung von Bypässen verzögert, genauso wie die Entdeckung des Herzkatheders durch Tierversuche verzögert worden wäre, da Hunde bereits am Kontrastmittel sterben. Die Schädlichkeit von Asbest wurde durch Humanstudien entdeckt, während Tierversuche jahrzehntelang "Unbedenklichkeit" bestätigten. Banting & Best haben mit ihren Tierversuchen in der Diabetes-Forschung letztlich nur das i-Tüpfelchen auf das gesetzt, was in Jahrtausenden durch Beobachtung von Menschen Schritt für Schritt zusammengetragen wurde. Die Gehirnfunktionen wurden durch pathologische Tatsachen und Beobachtungen von Patienten lokalisiert (Broca, Jackson), was Hitzig, Ferrier u. a. durch TV lediglich nachvollzogen (aber nicht entdeckt) haben. Alle mittelalterlichen Seuchen (Pest, Cholera, Rote Ruhr, Syphilis) sind dank hygienischer Maßnahmen (Körperhygiene und bautechnische Hygiene wie z. B. Kanalisationen, sanitäre Anlagen usw.) eingedämmt worden. An TV entwickelte Massenimpfungen kamen erst danach. In einem tierexperimentellen Labor in Berlin, so las ich vor Wochen, hängt an einer Pinwand die Aussage, dass der Sieg über die Pest ohne TV nicht möglich gewesen wäre, und das ist falsch. Und so weiter: Röntgen, Desinfektion, Vitamin C, Bekämpfung von Tuberkulose (dank Verbesserungen der hygienischen u. sozialen Verhältnisse). Die leidvollen Tierexperimente von Harry Harlow (Bindungstheorie) waren überflüssig, da Bowlby das Gleiche ohne TV vor ihm herausgefunden hatte - durch jahrzehntelange Beobachtung von Kindern. Nobelpreise durch TV? Viel Blendwerk: Die Katzenversuche von Hess waren derart grausam, dass sie schon wieder unwissenschaftlich waren (Tierexperimentatoren legen heute ja selbst Wert darauf, dass leidende Tiere keine Erkenntnisse bringen). Die Blutdruckexperimente von Corneille Heymanns? Der Chirurg und Medizinhistoriker Beddow Bayly schrieb dazu, dass nur ein moralisch völlig korrupter Wissenschaftler solche TV 30 Jahre lang durchführen konnte, und dass diese, selbst wenn sie sich als richtig herausstellen sollten, die medizinische Wissenschaft dem Verständnis des erhöhten Blutdrucks im Menschen um keinen Schritt vorangekommen wäre.

    Kürzen wir das ab, hier „ein paar“ weitere Erkenntnisse, die ohne TV gewonnen wurden (zwar mit Quellen, aber eine unvoreingenommene Überprüfung dieser Daten auf Hieb- und Stichfestigkeit bedarf wohl mehrerer Forscherleben):

    http://www.freewebs.com/scientific_anti_vivisectionism/index.htm
  4. #13

    Wie Menschen sind zu frei!

    Zitat von derjansel Beitrag anzeigen
    Klar, stimmt zum Teil, viele Erkenntnisse kommen direkt aus den Versuch mit Menschen. Zum Großteil aus purer Not(Kriegszeiten) oder ohne, dass sich betreffende Personen wehren können(Indien, Afrika).
    Man hätte also die nicht sehr erfolgreichen Ergebnisse anstatt an Tieren an Menschen testen sollen?
    Das man Ergebnisse nicht 1:1 übernehmen kann ist allen klar, darüber muss man nicht streiten. Aber das geht auch teils Richtung Grundlagenforschung.
    Die meisten Ursachen der Zivilisationskrankheiten sind bekannt und werden einfach ignoriert, daran kann die Forschung wenig ändern.

    10 bis 15 Milliarden Tiere? Mehr nicht? Soviel verspeisen wir in einem Jahr. Und dann handelt es sich nicht zu 99% im Ratten,Mäuse und andere kleine Tierchen, sondern um Schweine, Rinder und Geflügel.
    Die Anzahl der Tiere ist sehr winzig im Gegensatz zudem, was allen für unser Essen zu leiden hat.
  5. #14

    Zitat von derjansel Beitrag anzeigen
    Klar, stimmt zum Teil, viele Erkenntnisse kommen direkt aus den Versuch mit Menschen. Zum Großteil aus purer Not(Kriegszeiten) oder ohne, dass sich betreffende Personen wehren können(Indien, Afrika).
    Man hätte also die nicht sehr erfolgreichen Ergebnisse anstatt an Tieren an Menschen testen sollen?
    Das man Ergebnisse nicht 1:1 übernehmen kann ist allen klar, darüber muss man nicht streiten. Aber das geht auch teils Richtung Grundlagenforschung.
    Die meisten Ursachen der Zivilisationskrankheiten sind bekannt und werden einfach ignoriert, daran kann die Forschung wenig ändern.

    10 bis 15 Milliarden Tiere? Mehr nicht? Soviel verspeisen wir in einem Jahr. Und dann handelt es sich nicht zu 99% im Ratten,Mäuse und andere kleine Tierchen, sondern um Schweine, Rinder und Geflügel.
    Die Anzahl der Tiere ist sehr winzig im Gegensatz zudem, was allen für unser Essen zu leiden hat.
  6. #15

    Wissen und Macht sind brandgefährlich wenn sie ohne die richtige Ethik bestehen

    Die Tugenden und die"Freiheit"* im Lichte der´stammesgeschichtlich
    dominanten Antriebsdynamik* reflektieren lernen.`*

    `Die Freiheit ist`, wie die Menschheits-, Religionsgeschichte ind unser Umgang mit den anderen Tieren zeigen, `eine Negation der Wirklichkeit`.* Wir haben nur kleine Wahlfreiheiten und
    durch die menschlichen Antriebsdynamik die Macht zu geschichtsprägender
    Willkür. Es gilt unsere Tierheit zu überwinden, um zu der besonderen Würde
    zu finden, die der Mensch sich schon immer eitel zu unrecht anmaßte.
    Deshalb würde ich lieber von den` Tugenden zur Menschwerdung und
    zur reflektiven vernünftigen Befreiung von den natürlich gegebenen Deter-
    miniertheiten und Zwängen` sprechen. Zwänge, die stammesgeschichtlich
    bedingt auch des Menschen Bewußtsein dominant unbewußt dominant
    wirksam antreiben, um die natürlich gegebenen Wahlfreiheiten vernünftig
    ausbauen zu können.
    Das kann nur gelingen, wenn wir die falschen `Selbst-und Weltbilder
    erkenntnisstandgemäß korrigieren und ethisch-moralisch reflektieren`*
    lernen.Antriebsdynamisch bedingt falsche Begriffs-,Welt- und Selbstbilder
    führen zu falschem Leben. Anders kann man die törichte - die eigenen
    Existenzgrundlagen zerstörende - Menschheitsgeschichte gar nicht erklären

    Dem Dasein wohnt der Sinn an sich inne.

    Wir leben in einem Universum, von dem wir beinahe nichts wissen.
    So können wir auch nichts über dessen Sinn und Gerechtigkeit sagen -
    wir können nur hochwahrscheinliche Annahmen postulieren.
    Wir leben und das so gedeihlich - und heute - so nachhaltig lebens-
    förderlich wie möglich - das ist unser natürlich `"gesollter" Sinn`* der auch
    den Tod noch sinnvoll macht, denn die generativen Wechsel ermöglichen so
    gar gen-programmatische Veränderungen, damit das Leben sich
    gedeihlicher den natürlichen Lebensbedingungen anpassen und die
    gesellschaftlichen Verhältnisse optimieren kann. Dabei hat eine ethische,
    demokratisch erarbeitete und gelebte Maxime höchste Priorität.

    Tugenden, Wissen und Macht sind ohne rational reflektierte Ethik*,
    demokratische Transparenz und Kontrolle* hochgefährlich und eitel-töricht
    wie dies die Menschheitsgeschichte eindeutig zeigt.

    Weil dies so ist, sind wir von Natur aus verpflichtet, so `nachhaltig lebens-
    förderlich`*, d. h., tugengendhaft, zu leben. Wir haben kaum eine Wahl -
    deshalb müssen wir jede Entscheidung im Licht der unbewußt dominant-
    wirkendenden Antriebsdynamik ethisch-moralisch reflektieren, um endlich
    so ein Mensch zu werden, wie wir ihn uns als Humanisten vorstellen.

    Die Einsicht in natürlichen Notwendigkeiten kann bestenfalls die Wahlfreiheit
    demokratisch stabilisieren, wenn die Massen zugunsten der Solidarität und
    Gerechtigkeit ihre eigene "Freiheit" *als Pflicht zu politischer Aktivität und
    Mitgestaltung verstehen und diese lebenspraktisch realisieren.

    Mehr dazu unter Google:
    Klaus Roggendorf oder >de.sci.philosophie< +/- *