Mäster im Vergleich: Das Schweinesystem

SPIEGEL ONLINEDer konventionelle Schweinemäster trimmt seine Tiere unbarmherzig auf Wachstum, beim Biobauern dagegen toben die Tiere auf der Weide herum. Treffen diese Klischees zu? Ein Besuch auf zwei Höfen zeigt: Große Herden bedeuten nicht automatisch Tierquälerei, doch ein besseres Leben kostet Geld.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...-a-882816.html
  1. #90

    Belehrung?

    Zitat von Goldwin Beitrag anzeigen
    Ich habe aber auch schon jede Menge Schweine gesehen die aufgrund von verpilztem Stroh übelste Atemwegserkrankungen hatten. Jedes System hat sein Vor- und Nachteile. Der Verbraucher kann entscheiden welches System er bevorzugt.
    Finden Sie das ausreichend? Jeder, der sein Fleisch anonym konsumiert und dann sagt: "Naja, die Gesellschaft könnts ja anders entscheiden...Wenns 90% wollen, dann machen die drei Schnitzel in meinem Einkaufswagen auch nichts mehr aus..." Ich finde dieses Denken gefährlich. So schiebt jeder in einer anonymen Masse die Schuld von sich weg.

    Zitat von Goldwin Beitrag anzeigen
    Leider meinen sehr viele sie müssten alle andersdenkenden belehren und von ihrem System überzeugen.
    Das Gefühl des Belehrtwerdens, das Fleischkonsumenten in Gesprächen mit Vegetariern empfinden, resultiert nicht daraus, dass sie etwa belehrt werden, sondern das ist ein Prozess, der sich im Fleischkonsumenten abspielt. Das nennt man in der Sozialpsychologie Dissonanzreduktion. Die Fleischkonsumenten wissen (bewusst oder unbewusst), dass es vielen Tieren dreckig geht, gleichzeitig haben sie aber unbändige Lust auf Fleisch. Um diesen inneren Konflikt zu mindern, greift die Psyche auf die verschiedensten Mittel zurück. Das "will ich nicht hören, ich lass mich nicht belehren" Muster ist ein Ausdruck dieses Mechanismus.

    Zitat von Goldwin Beitrag anzeigen
    SPON hat mit diesem sehr nüchternen Artikel beide System verglichen. Soll doch jeder für sich entscheiden was er macht.
    Richtig, die Systeme wurden verglichen; ABER: Die Schlüsse, welche die meisten daraus ziehen sind falsch: Die dargestellten Biobauernhofverhältnisse sind die absolute Ausnahme bei 0,5 bis 3% Marktanteil des Biofleisches. Viele Leser wurden durch diesen Beitrag dazu verleitet hier wieder zu schreien: "Seht her, war doch klar, ist alles halb so wild." Dass aber 97 bis 99,5% der Tiere ganz andere Zustände erleiden müssen, das sehen viele eben nicht.
  2. #91

    Sie meinen Diese?

    Zitat von GoetzSolmos Beitrag anzeigen


    Richtig, die Systeme wurden verglichen; ABER: Die Schlüsse, welche die meisten daraus ziehen sind falsch: Die dargestellten Biobauernhofverhältnisse sind die absolute Ausnahme bei 0,5 bis 3% Marktanteil des Biofleisches. Viele Leser wurden durch diesen Beitrag dazu verleitet hier wieder zu schreien: "Seht her, war doch klar, ist alles halb so wild." Dass aber 97 bis 99,5% der Tiere ganz andere Zustände erleiden müssen, das sehen viele eben nicht.
    Vergesst Bioschweine! Sie haben es NICHT viel besser. » Unverbissen vegetarisch

    Oder die nackten Hühner?

    Erneut katastrophale Zustände bei Bio-Hennenhaltung

    Ach, wie habens manche Tiere gut, auf dem Bio-Bauernhof.
  3. #92

    Zitat von regelaltersrentner Beitrag anzeigen

    Ach, wie habens manche Tiere gut, auf dem Bio-Bauernhof.
    Danke! Guter Beitrag! Ich korrigiere: Auch nicht alle 0,5 bis 3% der "Biotiere" leben in dargestellten Verhältnissen!
  4. #93

    Ich denke der hier dargestellte Gewinn ist in wirklichkeit der Deckungsbeitrag, denn erst nach Abzug der Fix-kosten wie z.B. Arbeitslöhne, Gebäudekosten, Versicherung etc. kann von Gewinn gesprochen werden. Bei der momentanen Marktsituation liegt dieser Deckungsbeitrag deutlich unter 25€ sodass oftmals nur kostendeckend produziert werden kann!
  5. #94

    Ich betreibe eine Demo-Farm auf den Philippinen und dort experimentieren wir seit einiger Zeit mit Schweinehaltung in kleinen, ortsüblichen Hinterhofställen. Es gibt bereits einige interessante Erfahrungen:

    1. Obwohl der Stallboden zementiert ist gibt es keine Probleme mit der Sauberkeit weil die Tiere alle in dieselbe Ecke koten. Spätnachmittags werden die Böden und Tiere mit dem Wasserschlauch abgespritzt. Das funktioniert natürlich nur wenn entsprechend Platz vorhanden ist.

    2. Wir mischen das Futter alle paar Tage selber. Dazu muß man allerdings die optimale Zusammensetzung kennen. Im Vergleich zum Fertigfutter war die Gewichtszunahme 10-20% höher. Das dürfte nach Auskunft von Fachleuten u.a. daran liegen dass keine Konservierungs-, Farb- und Geruchsstoffe verwendet werden müssen um das Futter haltbar zu machen.

    3. Die Tiere bekommen morgens und abends Futter bis sie satt sind. Mittags gibt es etwas Grünfutter, das bringt Mineralien und Vitamine, und die Tiere haben Beschäftigung.

    4. Die Schlachtung erfolgt mit Ausnahmegenehmigung auf der Farm, also kein Transportstreß.

    5. Ausser einer Impfung bekommen die Tiere keinerlei Medikamente. Schwänze werden nicht kupiert, es gab noch keinerlei Probleme mit gegenseitigen Verletzungen und die Ausfallrate liegt immer noch bei Null.

    Mit dieser quasi Halb-Bio Methode kommen wir auf Produktionskosten die höchstens 20% über der Massenhaltung liegen, aber dafür ist die Fleischqualität extrem hoch, man kann sich noch in den Spiegel schauen und das Fleisch mit gutem Gewissen verkaufen.
  6. #95

    Zitat von GoetzSolmos Beitrag anzeigen
    Danke! Guter Beitrag! Ich korrigiere: Auch nicht alle 0,5 bis 3% der "Biotiere" leben in dargestellten Verhältnissen!
    Jürgen Foß von Tierfreunde e.V. spricht davon, dass was man in den Bildern sieht, die Regel wäre. Biohaltung wie sie meistens betrieben wird.
  7. #96

    Zitat von peter1988 Beitrag anzeigen
    Ich denke der hier dargestellte Gewinn ist in wirklichkeit der Deckungsbeitrag, denn erst nach Abzug der Fix-kosten wie z.B. Arbeitslöhne, Gebäudekosten, Versicherung etc. kann von Gewinn gesprochen werden. Bei der momentanen Marktsituation liegt dieser Deckungsbeitrag deutlich unter 25€ sodass oftmals nur kostendeckend produziert werden kann!
    Laut dem LEL Schwäbisch Gmünd muss der Dekungsbeitrag (Neubau 500€ je Mastplatz)bei 26 Euro liegen. Lohnansatz 15 Euro je Platz, oder 5,55 Euro je Mastschwein.
  8. #97

    Zitat von GoetzSolmos Beitrag anzeigen
    Finden Sie das ausreichend? Jeder, der sein Fleisch anonym konsumiert und dann sagt: "Naja, die Gesellschaft könnts ja anders entscheiden...Wenns 90% wollen, dann machen die drei Schnitzel in meinem Einkaufswagen auch nichts mehr aus..." Ich finde dieses Denken gefährlich. So schiebt jeder in einer anonymen Masse die Schuld von sich weg.
    lesen Sie bitte nochmal mein Posting. das habe ich so nicht gesagt/gemeint.
    Ich sage nur dass jeder die Wahl hat welches System er bevorzugt. Ein Großteil der Verbraucher beschäftigen sich in der Tat nicht damit wo das Fleisch her kommt, aber auch das ist ihre freie Entscheidung.
    Das Gefühl des Belehrtwerdens, das Fleischkonsumenten in Gesprächen mit Vegetariern empfinden, resultiert nicht daraus, dass sie etwa belehrt werden, sondern das ist ein Prozess, der sich im Fleischkonsumenten abspielt. Das nennt man in der Sozialpsychologie Dissonanzreduktion. Die Fleischkonsumenten wissen (bewusst oder unbewusst), dass es vielen Tieren dreckig geht, gleichzeitig haben sie aber unbändige Lust auf Fleisch. Um diesen inneren Konflikt zu mindern, greift die Psyche auf die verschiedensten Mittel zurück. Das "will ich nicht hören, ich lass mich nicht belehren" Muster ist ein Ausdruck dieses Mechanismus.
    Genau das meine ich! Sie gehen pauschal davon aus dass jeder der Fleisch isst ein Ignorant und Wegschauer ist und wollen ihn diesbezüglich belehren. Auch wenn Sie es nicht glauben wollen es gibt auch bei den Fleischessern aufgeschlossener und denkende Menschen die sich mit dem was Sie tun auseinander setzen. Der Unterschied liegt darin wie sie persönlich die Fakten bewerten.
    Sie gehen wie oben geschrieben davon aus dass es den "Tieren dreckig geht". ICH komme nahezu wöchentlich auf Bauernhöfe und SEHE wie die die Tiere da gehalten werden. Aus diesem Wissen heraus esse ich gerne Fleisch. PUNKT.

    Richtig, die Systeme wurden verglichen; ABER: Die Schlüsse, welche die meisten daraus ziehen sind falsch: Die dargestellten Biobauernhofverhältnisse sind die absolute Ausnahme bei 0,5 bis 3% Marktanteil des Biofleisches. Viele Leser wurden durch diesen Beitrag dazu verleitet hier wieder zu schreien: "Seht her, war doch klar, ist alles halb so wild." Dass aber 97 bis 99,5% der Tiere ganz andere Zustände erleiden müssen, das sehen viele eben nicht.
    Das ist Quatsch hoch 3 und die typische Reaktion von Menschen wie Ihnen. nur weil dieser Bericht nicht in ihr ideologisches Weltbild passt ist er falsch. Wie verbohrt muss mein sein?
    Konkrete Fragen auf die ich mir konkrete Antworten erhoffe:
    1. Auf wie vielen landwirtschaftlichen Höfen waren Sie in den letzten fünf Jahren
    2. Wie viele TV-Berichte zu dem Thema haben Sie gesehen?
  9. #98

    Zitat von Goldwin Beitrag anzeigen
    Ein Großteil der Verbraucher beschäftigen sich in der Tat nicht damit wo das Fleisch her kommt, aber auch das ist ihre freie Entscheidung.
    Ich habe Sie gut verstanden, eben genau das war meine Antwort: Die Frage der Massentierhaltung darf nicht in der freien Entscheidung liegen, eben weil es die meisten nicht interessiert. Sie vermitteln hier den Eindruck, als würde ein Grundrecht auf Fleisch bestehen - wie argumentieren Sie das? Es handelt sich hierbei ausschließlich um ein vom Menschen geschaffenes Gewohnheitsrecht, das zunehmend immer perverser missbraucht wird. Wenn es um Lebewesen geht, die zu weit über 90% aus Haltungen stammen, für die der Begriff Massentierhaltung zutreffend ist, ist falsche Liberalität ("Jeder soll machen was er will") genau der falsche Weg.

    Zitat von Goldwin Beitrag anzeigen
    Genau das meine ich! Sie gehen pauschal davon aus dass jeder der Fleisch isst ein Ignorant und Wegschauer ist und wollen ihn diesbezüglich belehren.
    Da möchte ich Sie zitieren:
    Zitat von Goldwin Beitrag anzeigen
    Das ist Quatsch hoch 3 und die typische Reaktion von Menschen wie Ihnen. nur weil dieser Bericht nicht in ihr ideologisches Weltbild passt ist er falsch.
    "Typische Reaktion von Menschen wie Ihnen" - Sie hüten sich ja geradezu vor Pauschalisierungen. Zum Thema: Ich habe nicht jeden Fleischesser hier in den Topf geworfen, es ging definitiv um Fleischesser, die sich in Gesprächen mit Vegetariern angegriffen fühlen. Auf diese trifft dieser Verdrängungsmechanismus sehr wohl zu.

    Zitat von Goldwin Beitrag anzeigen
    Sie gehen wie oben geschrieben davon aus dass es den "Tieren dreckig geht". ICH komme nahezu wöchentlich auf Bauernhöfe und SEHE wie die die Tiere da gehalten werden.
    Wie objektiv sind Ihre Aussagen ausgehend von Ihrem Berufsstand (Sie kommen WÖCHENTLICH auf Höfe)? Halten Sie Ihre Aussagen für objektiv / repräsentativ, nur weil Sie eventuell in einem ländlichen Gebiet Einblicke in die noch bäuerlich geprägte Landwirtschaft haben? Lesen Sie mal meine zurückliegenden Beiträge, in denen anhand von Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums klar zu erkennen ist, dass sich die Betriebe zu Massenhaltungsanlagen entwickeln.
    Aber mir ist das schon klar: Sie halten wahrscheinlich auch Betriebe mit 5000 oder 6000 Schweinen für Wohlfühloasen. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie Menschen sich anmaßen, darüber zu entscheiden, was ein Tier fühlt oder nicht fühlt, was es wahrnimmt oder auch nicht. Anthropozentrismus in Reinstform!
  10. #99

    Ein objektiver Vergleich?

    Keine Frage, die Bilder der Schweine mit viel Platz auf Stroh erwecken beim unbedarften Betrachter den Eindruck der eindeutig tierfreundlicheren Haltung. Verstärkt wird dieser Eindruck durch verschwiegene Fakten.
    Betrachten wir aber einmal das verwendete Tiermaterial näher: Diese Hybridschweine sind quasi Nacktschweine, denen zusätzlich noch die schützende Speckschicht weggezüchtet wurde. Draußen bekommen sie im Sommer Sonnenbrand und im Winter frieren sie. Sie wurden nun mal für klimatisierte Ställe gezüchtet. Solche Tiere im Freien zu halten, weil sie ja von Wildschweinen abstammen, ist ungefähr so geistreich, wie chinesische Nackthunde im Zwinger zu halten, weil sie ja vom Wolf abstammen.
    Dann ist das schnelle Wachstum durch Zucht in den Genen festgelegt. Wenn die Schweine beim Bio-Bauern „langsamer“ wachsen, dann nur wegen permanenter Mangelernährung. Wenn ein Kind aufgrund permanenter Mangelernährung im Wachstum hinter Gleichaltrigen zurückbleibt, kommt wohl auch niemand auf die saublöde Idee, dass dies für ein Kind besonders gut sein könnte.
    Was Tierverluste und Medikamenteneinsatz betrifft, da werden nur die Angaben des konventionellen Mästers gebracht. Hat sich das Bio-Bäuerlein die Aussage verweigert? Wie viele Schweine überleben die homöopathischen Tierversuche bei Infektionskrankheiten?