Doku "The Act of Killing": "Wir sind Gäste eines kannibalischen Gelages"

Berlinale / WOLFWie tötet man Menschen? In der Berlinale-Dokumentation "The Act of Killing", prahlen Ex-Paramilitärs aus Singapur mit Massenmorden in den sechziger Jahren. Regisseur Joshua Oppenheimer erklärt im Interview, warum wir alle den Mördern viel näher sind, als wir glauben.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/jo...-a-883335.html
  1. #20

    optional

    "...Vielleicht sind nicht die Schlächter die widerlichsten Gestalten...." (der Krieger)
    Es sind die Mitläufer und Ignoranten, die erst möglich machen, dass solche Ereignisse nicht nur geschehen, sondern auch zur Gewissensberuhigung der eigenen Feigheit gegenüber dafür sorgen, dass solche Menschen zu Helden stilisiert werden und damit keinerlei echte Aufarbeitung möglich ist. Ich habe mich zum xten Male beunruhigt gefragt, wie viel von dieser Haltung in jedem von uns, mich eingeschlossen, steckt. Wichtig auch, dass Oppenheimer das Thema als ein menschliches generalisiert und nicht, wie so viele seiner jüdischen Kollegen vor ihm, zu glauben scheint, nur die Juden waren Opfer des Holocausts- oder immer 'nur' Opfer.
  2. #21

    Produkt

    der Evolution, in uns steckt alles, das Raubtier und der Heilige, je nach Bedarf
    bedient sich die menschliche Spezies dessen. Die wenigsten von uns würden z.B. dermaßen viel Fleisch konsumieren, wenn sie den Massenschlachtungen beiwohnen müßten, weil unter uns viele harmlose
    Pflanzenesser (psychisch gesehen) leben.
    Der Mensch ist des Menschen Wolf, guter Spruch, wobei dieser Ausspruch fast eine Beleidigung für den Wolf ist, immerhin auch schon fast ausgerottet.
  3. #22

    Prinzip

    Vielen ernstgemeinten Dank an Sie Herr Oppenheimer,das sie,im Kontext ihrer persönlichen Familiengeschichte(also als indirekt Betroffener)den unverholenen Wahnsinn der Täterschaft,der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben.Sie haben damit einen wichtigen Grundstein gelegt,das sich nicht mehr die "Einen"an den "Anderen" ihre Missetaten schönreden können,sondern das das Prinzip Vernichtung oder Auslöschung,die Maßlosigkeit an sich herbeiführt.
    Wäre es nicht an der Zeit für Deutschland und andere betroffene Länder,das Maßhalten mit dem Leben und den Wirtschaftsgütern voranzutreiben,statt das Prinzip Ausbeutung,Vergewaltigung,Ausmerzung,als "notwendige"Erfolgstaktik im globalen Handeln,als "unvermeidbar"gutzuheißen,um dann mit mahnendem Zeigefinger auf den Kleinfaschißmus in die Verzweiflung getriebener zu deuteln.
  4. #23

    Wurzeln der Gewalt

    Ich glaube es ist wichtig,Gewalt von ihrer Entstehungsgeschichte her zu begreifen,anstatt sie immer wieder auf einige wenige zu projezieren die als "Täter" dann exemplarisch ausersehen werden,nach dem Motto:Dies sind die Schuldigen,wir haben nichts damit zu tun.
    Gewalt ist aus meiner Sicht ein viel umfassenderes und vielschichtigeres Problem das sich nicht auf Einzelne beschränken lässt.Für mich ist strukturelle Gewalt in vielen Bereichen unserer Geselschaft sichtbar.So zum Beispiel im Konkurrenzdenken,im Leistugsprinzip oder im Glauben Probleme durch Gewaltanwendung in Form von Sanktionen lösen zu können.
    Die Ursachen sind dabei mittlerweile gut erforscht und vor allem in falsch verstandenen Beziehungsmethoden zu finden,die immer mehr dessen hervorbringen was sie zu vermeiden suchen.So ist der Zwang zur Anpassung und die Unterdrückung von Gefühlen für mich bereits Teil dessen,was zu immer mehr verdrängten Aggressionen führt,die sich schliesslich In unterschiedlichster Form von Gewaltausbrüchen ihren Weg bahnen.
    Notwendig wäre hier,die Bewusstheit zu schaffen die Veränderung erst möglich macht.Das Wissen dazu ist vorhanden.leider wird es kaum angewandt.
    Vielleicht kann der Film zumindest Denkanstösse geben,die weg führen von einseitigen Sichtweisen.
    Bleibt aber die Erarbeitung tieferen Verständnisses der Wurzeln,wofür hier einige Hinweise zu finden sind:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/joachim-bauer-schmerzgrenze-diesseits-der-schmerzgrenze-1628163.html
    und:
    http://www.alice-miller.com/index_de.php
    Leider werden gerade diese Themen-aus meiner Sicht - in den Medien sehr vernachlässigt und vermieden.
    So werden viele Chancen vertan die mit dem was wir heute Wissen möglich wären.Schade,den noch nie war so viel Wissen über die Ursprünge vorhanden.Heute wäre es möglich diesen jahrtausende alten Kreislauf zu beenden.
    Wie viel wird noch passieren,bevor wir damit beginnen das was heute an Wissen vorhanden ist ernst zu nehmen?
  5. #24

    Warum wußte ich bisher nichts von diesem Völkermord?

    500.000 - 3.000.000 Tote sind ja nun keine Pappenstiel.

    Ich denke mal, wenn das in einem kommunistischen Staat passiert wäre, hätte wir davon erfahren.

    Oder?
  6. #25

    So einfach kann recht verstandener Journalismus sein

    Zitat von laolu Beitrag anzeigen
    500.000 - 3.000.000 Tote sind ja nun keine Pappenstiel.

    Ich denke mal, wenn das in einem kommunistischen Staat passiert wäre, hätte wir davon erfahren.

    Oder?
    Oder wenn es diese bösen Islamisten gewesen wären. Es waren aber nur Mohammedaner, die Mohammedaner umgebracht haben. Um den Kongo rum sind seit den Neunzigern auch so zwei bis fünf Millionen Menschen irgendwie umgekommen. Nichts Genaues weiß man nicht, aber die Aussage von Madeleine Albright, es wären fünf Millionen gewesen und es wäre das größte Verbrechen seit dem Weltkrieg, ist wie von Zauberhand aus der Wikipedia verschwunden. Wie so manches andere.

    Die Jungs haben sich bei dem Thema etwas verhoben, scheint es.

    Es ist übrigens völlig wurst, ob man sich über unser geliebtes Staatsfernsehen oder den Spiegel informiert. Die Meldungen sind identisch gleich. Genau gleich wie in der gesamten westlichen Welt. Information pur.
  7. #26

    alles ganz interessant, ABER:

    "Und ihre Bedingungen sind so schlecht, weil es Leute wie die von mir gezeigten ehemaligen Paramilitärs gibt, die ihnen Gewalt androhen, sollten sie für eine Verbesserung ihrer Lage kämpfen."
    Natürlich liegt es auch an den politischen Systemen in den entsprechenden Ländern, dass die Menschen unter so schrecklichen Bedingungen arbeiten müssen. Aber wir als Verbraucher, die die so produzierten Artikel trotzdem einfach so weiterkaufen, tragen doch mindestens genauso viel Schuld!!!!