Medienecho zum Rücktritt: Revolution des Retro-Papstes

AFPHat Benedikt XVI. das Amt entzaubert? So kommentiert Europas Presse den Rücktritt: Er stehe für eine "kopernikanische Wende", schreibt "El País". Sein "revolutionärster Schritt", meint "La Stampa". Ein Angriff "auf seine Magie und Spiritualismus", urteilt der polnische Radiosender TOK FM.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-883572.html
  1. #1

    Die letzten Dinge.

    Wir Menschen leben im Nebel und Dunst in einer Gedankenwelt, deren Blickrichtungen für die Zukunft erschwert. Der Rücktritt von Papst Bendikt XVI. ist ein "formaler Akt" jedoch eine Entscheidung von gelebter Demut und Hingabe zu Gott. Diese Gottesliebe werden wir Menschen in allen Gedanken unterschiedlich interpretieren. Verstehen wird es erst die Nachwelt und die Erben. Ausgerechnet ein konservativer Theologe praktiziert, das was lange Zeit tabu gewesen zu schein war.
    Wenn nun manche Christen unter dieser Entscheidung leiden, bangen oder sogar spötteln, verraten diese, dass sie selbst im Dunst leben und ihre Unsicherheiten in Neugierde, Gerüchte und Spekulationen zum Inhalt ihrer Sorgen vortragen. Papst Bendikt XVI. hat die höchste Verantwortung und er hat diese getragen und Jesus hat auch geklagt und ist gefallen. Die "Auszeit" ist die Zeit um die letzten Dinge zu vollbringen wie Jesus in der Gründonnerstagnacht. Lassen wir den Papst auch so einsam zurück?
  2. #2

    Mutiger Schritt

    Man kann über Kardinal Ratzinger denken was man will, ob er als rückwärtsgewandter Dogmatiker oder als Papst, dem die Macht in seinen Händen weder willkommen war, noch dass er sie nutzen konnte, bzw. wollte, in Erinnerung bleiben. Dieser eine kleine Schritt macht den Kardinal zu dem, was er auch vorher schon war: zu einem kleinen zerbrechlichen Menschen, der weder Jesus und schon gar nicht Gottes Stellvertreter war oder ist. Ein Mensch mit einem durchaus symphatischen Zug.
  3. #3

    Auch die Medien können nur wenig Gutes über Benedikt XVI. sagen.
    Denn er hinterlässt einen Augiasstall:
    * mindestens drei der Kardinäle, die als Wahlmänner und potentielle Päpste ins Konklave ziehen werden, waren massiv in die Mißbrauchsfälle verwickelt. Der Papst hat sie nicht abgesetzt oder exkommuniziert.
    * die Vatikanbank steht weiterhin im Verdacht, ein Geldwäscheinstitut für die internationale Mafia, Diktatoren und korrupte Politiker zu sein.
    * die Probleme der Stellung der Frau in der Kirche, Empfängnisverhütung, Abtreibung, Homosexualität, Wiederverheiratung Geschiedener und vieles mehr bleiben ungelöst
    * Widerstand ist zwecklos: nach den Befreiungstheologen und liberalen Bibeltheologen traf es die amerikanischen Nonnen: Seelsorge für die Ärmsten wurde als "radikaler Feminismus" verdammt, die Frauenorden wurden vatikanischer Männeraufsicht unterstellt
    American Nuns Fight Back Against Vatican Crackdown

    Dagegen freuen sich die deutschen Muslime schon auf einen neuen Papst: "Von einem neuen Papst erhoffen wir uns, dass die katholische Kirche Anregungen gibt für ein gemeinsames Gespräch aller Gläubigen, wie wir den Herausforderungen des Säkularismus und Rationalismus begegnen können." Es sei, so Mazyek, "ein Problem für alle Gläubigen, ob Christen, Juden oder Muslime", dass "die spirituellen und religiösen Dimensionen des Menschen zurückgedrängt" würden.
  4. #4

    Domine, quo vadis?

    Petrus floh während der Christenverfolgungen im Jahr 67 oder 68 n. Chr. aus Rom und begegnete vor der Stadt Christus. Petrus fragte ihn: „Domine, quo vadis?“. Als Christus antwortete, er gehe hin, um sich für ihn noch einmal kreuzigen zu lassen, sagte Petrus beschämt: „Herr, ich werde zurückkehren und dir folgen.“
  5. #5

    Weichgespülter Hardliner

    Wie lässt sich dieser Rücktritt mit dem Glaubensverständnis, dass der Papst den Katholiken abverlangt in Einklang bringen?In keinster Weise.Sein Amt ist auf Lebenszeit, und sein Rücktritt ist kein sympathischer , menschlicher Zug, sondern ein Ausdruck seines, Versagens und zugleich Kritik an Gottes Entscheidung, ihn in dieses Amt zu erheben.(Schließlich wird im Konklave ja nach göttlicher Eingabe, und nicht nach politischen Gesichtspunkten gewählt- will man uns jedenfalls glauben machen!)
    Nein, nach seinem eigenen Glaubensverständnis hätte Benedikt Gott entweder um die Kraft für dieses Amt oder seinen baldigen Tod beten müssen.
    Kein Priester, der die Bürde des Zölibats nicht mehr ertragen kann darf laut Papst sein Amt niederlegen, um endlich die Frau die er liebt zu ehelichen, und seinen bereits vorhandenen Sprößlingen endlich ein guter Vater sein. Keine Frau, deren Ehe wegen körperlichen Übergriffen nur noch ein Jammertal ist, darf sich scheiden lassen.Keine Vergewaltigte, die nun Nachwuchs erwrtet,darf abtreiben:alle müssen Gott darum bitten, ihnen einen Ausweg zu zeigen oder ihnen die Kraft zu geben,weiter auszuhalten-so die katholische Lehre und Aussagen des Herrn Ratzinger.Aber der Clubchef erweist sich als Weichei und legt dieses Schwere Amt nieder-jetzt ist es endgültig Zeit, aus diesem Verein auszutreten.
  6. #6

    optional

    Der Papst, so streitbar er auch sein mag und so wenig ich mit irgendeiner Kirche zu tun habe, hat dem Amt etwas ganz wichtiges (zumindest nachträglich...) gegeben: eine natürliche (neben der rein formalen) Autorität. Und diese hat er zum einzigen Maßstab erhoben. Doch kein absoluter Absolutist. Le roit est mort, vive le roit hat er vom body politic getrennt. Und das halte ich doch schon auch für ehrenhaft (so wenig ich teilweise seine Ansichten teile), denn das hat Tugend. Und das hat so viel Verstand, um sich selbst noch treu zu bleiben. Als Mensch, will ich sterben (denn als das wurde ich auch geboren). Und wenn ihr Euch nun um meine Amtszeit und Akte dort den Kopf zerschlagt: Ich war ein Mensch. Eure Wahl hab ich angenommen, aber dann lasst mich nun auch meine Wahl treffen, denn ich kann meine eigene Autorität gegen mich selbst anlegen. Er hats ausgenutzt, an einem Rosenmontag auf Lateinisch. 'Lasst mich Narr sein unter Narren.' Oder vielleicht auch: 'In diesem Jahr werd ich mit Euch karnevall machen.' Vielleicht war er auch ein 'Narr', aber jetzt darfs jeder sehen.
    Wenn man bedenkt, dass dieser Mann nur schreiben wollte: Ja, er war ein Narr gewesen.
  7. #7

    re: wenn der Papst das darf, dann darf ich das auch...
    Zitat von tispe Beitrag anzeigen
    Kein Priester, der die Bürde des Zölibats nicht mehr ertragen kann darf laut Papst sein Amt niederlegen, um endlich die Frau die er liebt zu ehelichen, und seinen bereits vorhandenen Sprößlingen endlich ein guter Vater sein. Keine Frau, deren Ehe wegen körperlichen Übergriffen nur noch ein Jammertal ist, darf sich scheiden lassen. Keine Vergewaltigte, die nun Nachwuchs erwrtet,darf abtreiben:alle müssen Gott darum bitten, ihnen einen Ausweg zu zeigen oder ihnen die Kraft zu geben,weiter auszuhalten - so die katholische Lehre und Aussagen des Herrn Ratzinger. Aber der Clubchef erweist sich als Weichei und legt dieses Schwere Amt nieder
    da nehmen Sie etwas auf, das auch Fernsehpfarrer Fliege in einer Diskussion bei Maischberger sagte: dass der Papst mit seinem Rücktritt ganz neue Perspektiven eröffnet hätte.
    -jetzt ist es endgültig Zeit, aus diesem Verein auszutreten.
    nun, dann wünsche ich Ihnen viel Spass bei den Pius-Brüdern. Die sind genau Ihrer Meinung, dass die RKK nicht mehr die Kirche Gottes wäre, wenn die Regeln, nach denen Katholiken zu leben haben, nach und nach aufgeweicht werden.
    Oder warten Sie noch, wer demnächst Papst wird. Es könnte ein Hardliner sein, der die RKK zu einem elitären Club macht.
  8. #8

    Der Papst Benedikt kann den Vatikan nicht mehr regieren

    Er mußte nach 8 Jahren Illusionen feststellen, dass die Verstrickungen und Machtspiele innerhalb der Kurie sich nicht wesentlich von den Verhältnissen in der Reanissance im Vatikan unterscheiden und vielleicht ist er auch isloliert und ohne Durchsetzungsmacht und das bei einer gebrechlichen Gesundheit und einer fehlenden Herrschernatur.
    Also besser raus aus dem Spiel und vielleicht noch ein paar Jahre in Isolation beten und meditieren.
    Benedikt hat mit seinem Rücktritt laut auf die gefährlichen Entwicklungen in der röm. Kurie den Klerus hingewiesen.
    Man muss ihm jetzt noch ein paar ruhige Jahre wünschen.
  9. #9

    ..

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Hat Benedikt XVI. das Amt entzaubert? So kommentiert Europas Presse den Rücktritt: Er stehe für eine "kopernikanische Wende", schreibt "El País". Sein "revolutionärster Schritt", meint "La Stampa". Ein Angriff "auf seine Magie und Spiritualismus", urteilt der polnische Radiosender TOK FM.

    Europas Presse über den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. - SPIEGEL ONLINE
    Dann erkläre mir mal einer, wie sein Vorgänger in seiner letzten Amtszeit die Aufgaben eines Papstes ausgeübt hat. Die Bilder die um die Welt gingen waren Mitleid erregend. Ist das die Magie und Spiritualismus eines Papstes?