BRD-Epos "Quellen des Lebens": Happy End im Spießer-Land

X VerleihWo ist die Wut? Oskar Roehler hat seine besten Filme stets über seine exzentrische Familie gemacht. Mit "Quellen des Lebens" erzählt er deren Geschichte nun mit epischer Geste - und schlägt irritierend versöhnliche Töne an. Selbst dem Nazi-Opa kann er nicht recht böse sein.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/qu...-a-883342.html
  1. #1

    Negativ-Film.de

    „Wo ist die Wut?...Leerstellen und Mehrdeutigkeiten - sie sind hier nicht erlaubt. Auch fehlen die (endlich korrigiert!) Wut, die Unsicherheit, der Rotz von Roehlers besten Arbeiten...Aber die verbrämte Spießer-Idylle provoziert ohnehin nicht, dazu fehlt ihr die politische Dimension. Schließlich, so hat Roehler in Interviews erzählt, hat er seinen Opa eben sehr gern gehabt. Gesellschaftlich relevanter Diskurs sieht anders aus.“

    Hätte der Autor für einen seiner anderen Kunden, (TV-Movie!?) geschrieben, hätte er wohl so formuliert:

    „Die ewige Gebrochenheit der Protagonisten zeigt sich hier eben nicht in der düsteren Beleuchtung fahler Gesichter, den pseudohumoresken Dialogen á la „Tatort Castrop-Rauxel“, verbunden mit der ausgelaugten Attitüde politisch-historischer Überkorrektheit. Wohltuend anders!“
    Die Lawine an Kommentaren bestärkt mich in dieser Vermutung!
  2. #2

    Wie wir werden, was wir sind ....

    Sehr bewegend, ganz ohne Moral- und Politkeule, dafür mit feinem Humor erzählt: in den vielschichtigen „Bundesbürgern“ in Oskar Roehlers Film steckt immer auch ein Teil von uns. Auch vom verbissenen SPON-Kritiker, mit seiner Sehnsucht nach vordergründiger Wut und plakativem Rotz, nach spießiger „politischer Dimension“ und „gesellschaftlich relevanten Diskurs“. Roehler gelingt ein – im deutschen Kino – so seltenes Kunststück: Respekt- und liebevoller Umgang mit seinen Charakteren (und den sie verkörpernden Schauspielern!), ganz ohne sich anzubiedern, und ohne Verständnis einzufordern. Und keine der 173 Minuten zu lang! Großartig.
  3. #3

    Karikaturen

    Alles, was Roehler anfasst, gerinnt zu Karikaturen. Blutleere Gestalten - und ständig raschelt das Papier des Drehbuchs.

    Oskar Roehler kann's einfach nicht. Es fehlt ihm schlichtweg an durchdachten Ideen und sicherem Handwerk.
  4. #4

    optional

    Röhler den neuen Fassbinder zu nennen, wirkt so absurd wie der Vergleich zwischen Moritz Bleibtreu und Klaus Kinski, obwohl letzterer, wie man weiss, ebenfalls immer wieder auch in sehr schlechten Filmen mitgespielt hat.

    Damit wären wir schon bei einem der Kernprobleme des Films: Moritz Bleibtreu.

    Röhler liebt ihn ja, bleibt ihm treu, sozusagen. Es ist bereits der vierte Röhler-Film in dem der sympathische Hamburger mitspielt. Es war in vier von Röhlers jüngeren Filmen, vier seiner schlechteren. Selbst wenn man ein gewisses Maß an Verständnis für die Rücksichtnahme auf Marktmechanismen, die scheinbar große Namen fordern, haben sollte, wird nicht verständlich, warum man Moritz Bleibtreu als einen sozial eingeschränkten komplizierten Schriftstellertypen besetzen will. Das ist er einfach nicht und das kann er nicht spielen. Jedes Mal wenn er befiehlt „Trink deine Milch!“ oder zu sonstigen Anfällen von väterlich unfähiger Härte übergeht um im nächsten Moment wieder unser schnuffiger charmanter Moritz zu sein, macht er sich unglaubwürdig bis zum Fremdschämen. Natürlich kann Röhler immer sagen „Aber genau so war mein Vater“, schließlich ist es ja seine ganz persönlich Geschichte. Aber die Figur die Bleibtreu sich da abspielt wird keine, denn so zerfahren ist keiner, auch nicht der Vater von Oskar Röhler.

    http://joriswolff.wordpress.com/2013/02/19/quellen-des-lebens-von-oskar-rohler/