Buchmesse-Preis Kandidatin Lisa Kränzler: Rechts Standpauke, links Arschvoll

Unterschicht? Immer schön die Distanz wahren! Lisa Kränzler liefert mit ihrem Roman "Nachhinein" den radikalen Gegenentwurf zu Wolfgang Herrndorfs Road Novel "Tschick" - ihr bitteres, realitätsnahes Buch ist einer der Kandidaten für den Preis der Leipziger Buchmesse.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...-a-883367.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Unterschicht? Immer schön die Distanz wahren! Lisa Kränzler liefert mit ihrem Roman "Nachhinein" den radikalen Gegenentwurf zu Wolfgang Herrndorfs Road Novel "Tschick" - ihr bitteres, realitätsnahes Buch ist einer der Kandidaten für den Preis der Leipziger Buchmesse.

    Lisa Kränzler: "Nachhinein" Rezension - SPIEGEL ONLINE
    "Am Ende ist "Nachhinein" auch eine Selbstanklage des standesbewussten, blasierten Bürgertums. Also der bildungsbesoffenen Elite ("Wer vor 20 oder nach 20.15 Uhr schon oder noch immer fernschaut, ist ein Prolet. So viel steht fest."), die sich schon immer so gut auf die Distanzwahrung zu den Unterprivilegierten verstanden hat."

    Der Kulturbetrieb in seinem Elfenbeinturm erkennt nichtmal, wie paradox seine Aussagen sind.

    Es wird also ein Buch beschrieben, welches 2 Schichten vergleicht - und an der einen Schicht wird nichts gutes gelassen. Der "Arbeiter"-Vater ist also ein Vergewaltiger, der "Arbeiter"-Bruder ein Perversling, die "Arbeiter"-Tochter chancenlos.
    Die andere Schicht macht eigentlich alles richtig: Kümmert sich um die Bildung des Kindes, sorgt für eine schöne Kindheit usw.

    Dennoch das Fazit:
    Das "standesbewusste, blasierte" Bildungsbürgertum ist Schuld!
    Warum eigentlich?
    Weil man das Verhalten der anderen Schicht verachtet?

    Ist denn Kindesmissbrauch nicht verachtenswert?
    Ist nicht alles was dort dem "Arbeiter" angedichtet wird verachtenswert?
    Ist deshalb die Reaktion darauf nicht die einzig Richtige?

    Um nochmal ein Wort zur Realität zu sagen:
    Ich wohne als Akademiker auch zwischen Arbeitern. Doch weder ich, noch meine Nachbarn lassen ihre Kinder verlottern, es besteht normale Freundschaft zwischen den Nachbarskindern, egal aus welchem Haus, und auch sonst werden die genannten Klischees nicht erfüllt.

    Doch was bliebe dem Kulturbetrieb, wenn alles in Ordnung wäre?
  2. #2

    Absolut richtig!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Unterschicht? Immer schön die Distanz wahren! Lisa Kränzler liefert mit ihrem Roman "Nachhinein" den radikalen Gegenentwurf zu Wolfgang Herrndorfs Road Novel "Tschick" - ihr bitteres, realitätsnahes Buch ist einer der Kandidaten für den Preis der Leipziger Buchmesse.

    Lisa Kränzler: "Nachhinein" Rezension - SPIEGEL ONLINE
    Ich werde mir das Buch kaufen und verschlingen. Der Vorwurf gegenüber der blasierten Bildungselite kann ich jeden Tag miterleben! Dieser letzte Satz im Artikel hat mich sofort an dieses Buch erinnert:

    Totgedacht-Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören!

    Totgedacht: Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören: Amazon.de: Roland Baader: Bücher
  3. #3

    ja

    dem ersten kommentator kann ich mich nur anschließen. schön wäre mal ein buch über abgründe einer vermeintlich heilen welt. es gibt auch akademikereltern, die ihre kinder misshandeln, man zupft dann halt den weißen kragen vorm geigenuntericht ein bisschen höher, damit keiner die blauen flecke sieht. von den emotionalen geißelungen einer kindheit im goldenen käfig gar nicht zu reden. ich habe jedenfalls keine lust, das buch zu lesen, wenn es nur vorurteile über arbeiterfamilien schürt. denn da gibt es vielleicht nicht immer geld, aber oft mehr liebe und respekt vor dem individuum als in oberschichtfamilien, die nur profillose porzellanpüppchen züchten wollen.
  4. #4

    Zitat von henrywotton Beitrag anzeigen
    dem ersten kommentator kann ich mich nur anschließen. schön wäre mal ein buch über abgründe einer vermeintlich heilen welt. es gibt auch akademikereltern, die ihre kinder misshandeln, man zupft dann halt den weißen kragen vorm geigenuntericht ein bisschen höher, damit keiner die blauen flecke sieht. von den emotionalen geißelungen einer kindheit im goldenen käfig gar nicht zu reden. ich habe jedenfalls keine lust, das buch zu lesen, wenn es nur vorurteile über arbeiterfamilien schürt. denn da gibt es vielleicht nicht immer geld, aber oft mehr liebe und respekt vor dem individuum als in oberschichtfamilien, die nur profillose porzellanpüppchen züchten wollen.
    Die von Ihnen geforderten Bücher gibt es doch regalmeterweise. Und verlangen Sie jetzt von mir keine Titelliste, denn die werde ich nicht liefern. Die müssen Sie schon selbst finden. Das ist aber nicht so schwer.
  5. #5

    nach der Beschreibung im Artikel

    [QUOTE=sysop;12023815]Unterschicht? Immer schön die Distanz wahren! Lisa Kränzler liefert mit ihrem Roman "Nachhinein" den radikalen Gegenentwurf zu Wolfgang Herrndorfs Road Novel "Tschick" - ihr bitteres, realitätsnahes Buch ist einer der Kandidaten für den Preis der Leipziger Buchmesse.

    langweilig, einfältig; möchtegernbetroffenes Gutmenschengedöns.
    Da ist die Reaktion der ach so intellektuellen Kritikerkaste vorhersehbar. Ich werde diese offenbar platte Geschichte nicht lesen.
  6. #6

    missbrau - gebrauch

    Das Wort Missbrauch - mal wieder - ist nicht der Begriff, der der stattfindenden Vergewaltigung gerecht wird.
    Missbrauch ist nur falscher Gebrauch, impliziert also, es gebe einen richtigen Gebrauch von Kindern und da ist scho eine Wurzel des Übels. Die Sprache ist da keineswegs unwichtig.
    Es gibt keine Statistik, die belegen kann, dass es in sozial unterprivilegierten Schichten häufiger zu sexueller Gewalt gegen Kindern kommt, als in den sogenannt höheren klassen, der Akademiker vergewaltigt seine Kinder statistisch gesehen genauso häufig. es gibt allerdings zwei Merkmale, die schichtenspezifisch sind. der arbeitslose Vater ist mehr Zuhause und kann die Tochter heranreifen sehen.... In den finanziell besser ausgestatteten Schichten, ist das vertuschungspotential höher (Therapeuten,Internate, Jurisprudenz etc).
    Das ist mein momentaner kenntnisstand. hier nur in aller Kürze skizzenhaft wiedergegeben. wer anderes weiß, möge sich dazu äußern
  7. #7

    Zitat von chuckal Beitrag anzeigen
    Das Wort Missbrauch - mal wieder - ist nicht der Begriff, der der stattfindenden Vergewaltigung gerecht wird.
    Missbrauch ist nur falscher Gebrauch, impliziert also, es gebe einen richtigen Gebrauch von Kindern und da ist scho eine Wurzel des Übels. Die Sprache ist da keineswegs unwichtig.
    Das "Missbrauch" bezieht sich mMn auf die Macht. Im Sinne von Machtmissbrauch.
    Der Vater Missbraucht seine Macht um eine Vergewaltigung durchzuführen.
    Der korrekte Gebrauch der Macht wäre, dass Kind vor sich selbst zu schützen (Drogen und Alkohol verbieten zB) und es damit vor Schaden zu bewahren, sowie im eine Erziehung zu vermitteln.
    Das geht aber initial nur in einem asymetrischen Machtverhältnis.
  8. #8

    Verstehe, was Sie meinen,

    Zitat von testthewest Beitrag anzeigen
    Das "Missbrauch" bezieht sich mMn auf die Macht. Im Sinne von Machtmissbrauch.
    Der Vater Missbraucht seine Macht um eine Vergewaltigung durchzuführen.
    Der korrekte Gebrauch der Macht wäre, dass Kind vor sich selbst zu schützen (Drogen und Alkohol verbieten zB) und es damit vor Schaden zu bewahren, sowie im eine Erziehung zu vermitteln.
    Das geht aber initial nur in einem asymetrischen Machtverhältnis.
    aber es ist nun einmal immer wieder von "Kindesmissbrauch" die Rede.
    Der Vater missbraucht die Tochter, heisst es auch in diesem Text wieder.
    Machtmissbrauch ist nicht immer Vergewaltigung, wenngleich Vergewaltigung immer Machtmissbrauch ist.
    Schon das, macht deutlich, was ich meine, hoffe ich.
  9. #9

    asozial

    Zitat von testthewest Beitrag anzeigen
    "Am Ende ist "Nachhinein" auch eine Selbstanklage des standesbewussten, blasierten Bürgertums. Also der bildungsbesoffenen Elite ("Wer vor 20 oder nach 20.15 Uhr schon oder noch immer fernschaut, ist ein Prolet. So viel steht fest."), die sich schon immer so gut auf die Distanzwahrung zu den Unterprivilegierten verstanden hat."

    Der Kulturbetrieb in seinem Elfenbeinturm erkennt nichtmal, wie paradox seine Aussagen sind.

    Es wird also ein Buch beschrieben, welches 2 Schichten vergleicht - und an der einen Schicht wird nichts gutes gelassen. Der "Arbeiter"-Vater ist also ein Vergewaltiger, der "Arbeiter"-Bruder ein Perversling, die "Arbeiter"-Tochter chancenlos.
    Die andere Schicht macht eigentlich alles richtig: Kümmert sich um die Bildung des Kindes, sorgt für eine schöne Kindheit usw.

    Dennoch das Fazit:
    Das "standesbewusste, blasierte" Bildungsbürgertum ist Schuld!
    Warum eigentlich?
    Weil man das Verhalten der anderen Schicht verachtet?

    Ist denn Kindesmissbrauch nicht verachtenswert?
    Ist nicht alles was dort dem "Arbeiter" angedichtet wird verachtenswert?
    Ist deshalb die Reaktion darauf nicht die einzig Richtige?

    Um nochmal ein Wort zur Realität zu sagen:
    Ich wohne als Akademiker auch zwischen Arbeitern. Doch weder ich, noch meine Nachbarn lassen ihre Kinder verlottern, es besteht normale Freundschaft zwischen den Nachbarskindern, egal aus welchem Haus, und auch sonst werden die genannten Klischees nicht erfüllt.

    Doch was bliebe dem Kulturbetrieb, wenn alles in Ordnung wäre?
    Für mich ist dieser Roman eher eine Studie zum Thema "asozial": einmal im geläufigen Sinn für das beschriebene Milieu gebraucht (da passt der väterliche sexuelle Missbrauch auch besser hin als in die "Arbeiterschicht), einmal im psychischen Sinn für die ohne engere emotionale Beziehungen ihr Leben lebende Ich-Erzählerin (die einzige Freundin, die beschrieben wird, wird im Stich gelassen, die Beziehungen zum anderen Geschlecht beruhen mehr auf sexueller Neugier als auf Verliebtsein, eine liebevolle Beziehung zu den Eltern, die ihrerseits durchaus als liebevoll beschrieben sind, kann ich ebenfalls nicht erkennen). In diesem Licht gesehen wird für mich der bedrückende Schluss des Buches akzeptabel.
    Ansonsten finde ich es toll geschrieben!