Strafe für schlechte Doktorarbeiten: Nur Kopf-ab, Kopf-dran ist zu wenig

dapdSchavan hat geschlampt und nicht betrogen, meint der Düsseldorfer Erziehungswissenschaftler Hartmut Steuber. Die Ministerin hätte den Titel nicht verlieren müssen. Ein Plädoyer für einen Mittelweg zwischen Entzug und Titelschmuck: die nachträgliche Korrektur.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-882672.html
  1. #160

    Zitat von kfp Beitrag anzeigen
    Trotzdem war das Erstellen dieser selbst bei dieser "endlichen" Zahl eine sehr fehleranfällige Fleißarbeit, so dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass da ohne böse Absicht einiges an Flüchtigkeitsfehlern reinrutschen kann (die auch beim Korrekturlesen praktisch nicht mehr zu erkennen sind), wenn man Hunderte dieser Werke verwalten und auch alle im Text an den richtigen Stellen ausnahmslos fehlerfrei zitieren muss.
    Frau Schawan werden ja nicht einzelne Stellen vorgeworfen, die nicht korrekt zitiert sind, sondern es handelt sich um eine sehr große Anzahl solcher Stellen. Kann man über hundert solcher Flüchtigkeitsfehler begehen? Worin besteht denn dann wissenschaftliches Arbeiten in dem Bereich? Der Promotionsausschuß war der Meineung, daß sich die Dame - aus welchen Gründen auch immer - mit fremden Federn schmücken wollte. Womöglich war bzw. ist das Usus in diesem Bereich und daher fühlt sie sich ungerecht behandelt. Um so dringender ist diese Hygienemaßnahme.

    Wundern Sie sich nicht auch, wie es möglich ist, daß Politiker oder Wirtschaftsgrößen so nebenher mal eben promovieren? Hätten Sie das auf Ihrem Gebiet geschafft? Ich auf meinem nicht.
  2. #161

    Zitat von radler_muc Beitrag anzeigen
    Frau Schawan werden ja nicht einzelne Stellen vorgeworfen, die nicht korrekt zitiert sind, sondern es handelt sich um eine sehr große Anzahl solcher Stellen. Kann man über hundert solcher Flüchtigkeitsfehler begehen?
    Ohne Experte in dem Gebiet zu sein oder Zeit zum langen Stöbern zu haben, schienen mir (ähnlich wie von 7eggert hier in diesem Forum ein paarmal in Details angesprochen) viele dieser "sehr großen Anzahl" an Fundstellen komplett an den Haaren herbeigezogen zu sein, z.B.: Korrektes Zitat als Zitat gekennzeichnet, direkt im Anschluss weiter mit sinngemäßer Zusammenfassung aus derselben Quelle ohne Anführungszeichen - wo soll da bitte schön das Plagiat sein? Leider weiß ich nicht, wie viele von diesen Stellen am Ende tatsächlich echte Fehler oder gar Plagiate waren (also Quelle komplett nicht erwähnt o.ä.). Aber das Querlesen der angeblich "schlimmsten Stellen" hat mich eher gegen schavanplag als gegen die Diss. misstrauisch gemacht...

    Worin besteht denn dann wissenschaftliches Arbeiten in dem Bereich? Der Promotionsausschuß war der Meineung, daß sich die Dame - aus welchen Gründen auch immer - mit fremden Federn schmücken wollte.
    Aber wenn man sieht, wie die reißerisch und alles andere als rational die Diskussionen zu diesem Thema geführt werden, umgekehrt aber nicht wenige Wissenschaftler vom Fach von verzeihlichen Flüchtigkeitsfehlern ausgehen, bin ich zumindest skeptisch. (Eine endgültige Wertung maße ich mir nicht an, dazu bin ich als Fachfremder und ohne Zeit zum Lesen aller fraglichen Stellen schlicht nicht qualifiziert.)

    Womöglich war bzw. ist das Usus in diesem Bereich und daher fühlt sie sich ungerecht behandelt. Um so dringender ist diese Hygienemaßnahme.

    Wundern Sie sich nicht auch, wie es möglich ist, daß Politiker oder Wirtschaftsgrößen so nebenher mal eben promovieren? Hätten Sie das auf Ihrem Gebiet geschafft? Ich auf meinem nicht.
    Jein, ich sehe durchaus Kollegen, die neben ihrer beruflichen Arbeit, natürlich entsprechend langsam und mühsam über viele Jahre hin, Promotionen (im selben Fachgebiet) tatsächlich durchziehen. Möglich ist es also, wenn man genug Ausdauer und Disziplin über all diese Zeit mitbringt (und man am Arbeitsplatz dabei unterstützt wird). Aber sicher, natürlich ist gerade bei denen, die das mal so "flott nebenher" machen, Skepsis angesagt.

    Aber soweit ich weiß, war das bei Schavan nicht der Fall, sondern tatsächlich ein Vollzeit-Studium+Promotion als junge Abiturientin, noch ohne nennenswerte Position in der Politik...
  3. #162

    Danke.

    Zitat von sikasuu Beitrag anzeigen
    Ich kann dir da nur VOLL zustimmen!
    Habe selbst 74-75 als HIWI mit Texten des Profs. vor Veröffentlichung tagelang in der Bib gesessen und Zitat für Zitat abgelichen!
    Bei der eigenen Diss machte man das in der vorletzten Fassung selber, hatte zuverlässige Freunde, bezahlt sogar mal einem Stud. ein paar Dollar damit der dabei hilft.
    .
    Erzähl mir keiner, das ging zw.70-80 nicht, war nicht üblich! Es gab nichts "ehrpusseliges" als die damals geproften"alten PH" Profs. über die in der UNI gelächelt wurde. Wenigstens im östlichen Ruhrgebiet.
    So locker der Betrieb vielleicht aussah,(Freitags am Abend. Kolloq. mit Rotwein Kerze und Kekse) alle beim Vornamen und per du, so pingelig sahen das viele, wenn etwas nach draussen ging!
    S hat KLAR plagiert und der Prof. war auch nicht der hellste, aber das bringt "Person und Gewissen" nicht aus dem Giftschrank, sondern wirft eher ein klares Licht auf die sagen wir es mal höfflich "etwas idiologisch verfassten" Fachbereiche.
    (der ca 10Jahre in dieser Zeit ,72-82, an der UNI in den Erziehungswissenschaften rumgeturnt ist)
    Ich habe auch einige nichtjuristische Diplom- oder Magisterarbeiten korrekturgelesen. Daneben eine umfangreiche juristische Dissertation meines damals besten Freundes - und das "gnadenlos" (so, wie man sich den übelsten Prüfer vorstellt), denn das allein deckt eventuelle Fehler auf.
    Kontrolle/ Gegenlesen der Fundstellen und deren wechselseitige Entsprechung mit dem Literaturverzeichnis, wechselseitiger Abgleich der Gliederung mit den Zwischenüberschriften und natürlich Tipp-/ Rechtschreib- und Grammatikfehler. Vom Thema selber hatte ich keine Ahnung - das war auch nicht Gegenstand der Aktion - allerdings habe ich Formulierungen moniert, die mir doppeldeutig oder uneindeutig erschienen - als unwissender Leser merkt man es eher, wenn es etwas nicht eindeutig formuliert ist. Und das alles natürlich in annehmbarer Form wohlwollend kritisch vermittelt.
    Die Bewertung ergab nach der Disputation (Verteidigung der Arbeit in kritischer Diskussion) schließlich ein summa cum laude.
    Das ganze Projekt haben wir dann mit einer Einladung in ein gutes Restaurant und einer Erwähnung in der - üblichen - Danksagung an den Doktorvater, die fleißige Schreibkraft (er hatte das ganze diktiert), den unermüdlichen Korrekturleser, die Eltern etc. "abgegolten". Das war
  4. #163

    Pöbeln für Recht und Ordnung

    Die gute Frau hat weder Kinder mißbraucht noch Erwachsene in einem Abhängigkeitsverhältnis vergewaltigt, keinen falschen Dienstwagengebrauch gemacht noch sich von irgendwelchen zwielichtigen Gestalten Urlaub oder Haus finanzieren lassen.

    Allerdings wollte sie unseren Bildungsfritzen ans Knie pinkeln, ihnen die absolut unverständlichen und überzogenen Privilegien beschneiden, etwas mehr Effektivität installieren, und deswegen wurde sie wohl rasiert. Und zwar komischerweise von der gleichen Saubande, der sie an den Karren fahren wollte. Hier weist die Geschichte eine gewisse Ähnlichkeit mit Guttenberg auf. Der wollte nämlich das Primat der Politik gegen den militärischen Komplex durchsetzen. Das war wohl arg naiv. Aber genau das ist ein typisches Qualitätsmerkmal unserer Politiker. Witzig ist es durchaus, wenn ein Politiker nicht weiß, wer mächtig ist. Und wo seine eigene Macht endet.

    Und der deutsche Korinthenkacker und Vorschriftenmacher freut sich von Herzen und geifert daß es eine Pracht ist. Er mag es einfach und ordentlich. Und Sündenböcke mag er auch, wie jeder Mensch. Die werden dann geschunden und gevierteilt. Es ist die alte Geschichte mit dem Splitter im Auge, die nichts von ihrer Aussagekraft verloren hat.

    Habilitationen, Dissertationen, wissenschaftliche Arbeiten und Aufsätze sind im Übrigen ein gräßliches Gebiet, in jedem Fach, und überall sehr viel anders. Es wird an jedem Lehrstuhl anders beschissen.
  5. #164

    Zitat von albert schulz Beitrag anzeigen

    Allerdings wollte sie unseren Bildungsfritzen ans Knie pinkeln, ihnen die absolut unverständlichen und überzogenen Privilegien beschneiden, etwas mehr Effektivität installieren, und deswegen wurde sie wohl rasiert. Und zwar komischerweise von der gleichen Saubande, der sie an den Karren fahren wollte. Hier weist die Geschichte eine gewisse Ähnlichkeit mit Guttenberg auf. Der wollte nämlich das Primat der Politik gegen den militärischen Komplex durchsetzen. Das war wohl arg naiv. Aber genau das ist ein typisches Qualitätsmerkmal unserer Politiker. Witzig ist es durchaus, wenn ein Politiker nicht weiß, wer mächtig ist. Und wo seine eigene Macht endet.
    Diese Verschwörungstheorien sind ja nun an Absurdität kaum übertreffbar und völlig faktenfrei.
  6. #165

    aber gewiss doch

    Zitat von kfp Beitrag anzeigen
    Blödsinn, natürlich hat jeder eins, auch wenn manche es gerne ignorieren.
    Das ist aber nur eine Mutmaßung!
  7. #166

    Politische Einflussnahme

    Ich möchte hier auf einen Artikel im Tagesspiegel verweisen:
    Schavan-Affäre:
    Interessant, wer alles versuchte, die Unabhängigkeit der Uni Düsseldorf zu untergraben. Ob Herr Biedenkopf sich auch für Lieschen Müller ins Zeug gelegt hätte?