Medizinische Forschung: Experten zweifeln am Nutzen von Maus-Studien

DPALassen sich die Ergebnisse von Maus-Studien auf den Menschen übertragen? Bei vielen Krankheiten eher nicht, berichten nun Mediziner. Mäuse und Menschen reagieren beispielsweise völlig unterschiedlich auf Entzündungsprozesse.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-882875.html
  1. #1

    The best laid plans of mice and men ...

    hat Robert Burns nicht umsonst gedichtet. Und auch in der hiesigen Postfiliale und bei meinem Lieblingsitaliener ist man von sehr vergleichbaren Reaktionen und Vorlieben bei Mäusen und Menschen überzeugt. Warum sollten sich ausgerechnet die Hohepriester der Gesundheit da täuschen? Womit soll man herumexperentieren? Es braucht doch immer mal wieder eine Schlagzeile wie 'Krebstherapie steht kurz vor einem Durchbruch' ....
  2. #2

    Ja, mehrere

    Schöne Studie, bestätigt aber das seit langem in der Immunologie bekannte Dogma: "Mice lie".
  3. #3

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mäuse und Menschen reagieren beispielsweise völlig unterschiedlich auf Entzündungsprozesse.
    Die Erkenntnis mag für jene enttäuschend sein, die sich zuviel von Mäusen erwartet haben. Aber eigentlich ist sie trivial. Man kann die Maus nicht unkritisch mit dem Menschen vergleichen. Aber deshalb ist die Mausforschung für viele Bereiche nicht verzichtbar, denn am Menschen kann man nur sehr begrenzt forschen, man kann ihn nicht so schön in Scheiben schneiden. Die Forschung muss mit dem leben, was sie zur Verfügung hat. Wunschdenken ist noch weniger hilfreich als Mausmodelle, sprich, es gibt keine Alternative. Die Maus ist immer noch eine enge Verwandte des Menschen und Verwandte haben Gemeinsamkeiten und Unterschiedlichkeiten. Man muss es halt kritisch erforschen und erkennen.
  4. #4

    Was für eine sensationelle Nachricht...

    ...gähn. Darüber reden Forscher, Industrie und Aufsichtsbehörden schon seit 20 Jahren. Wenn man die Tierversuche aber abschaffen und stattdessen mit Zellkulturen, Organ- und Computermodellen und Mikrodosierungsstudien arbeiten würde, kämen beim ersten Fall ernsthafter Nebenwirkungen eines auf dieser Basis zugelassenen neuen Medikaments die Anwälte daher und würden klagen, weil der Wirkstoff nicht ausreichend geprüft worden sei. Diese Angst hält alle Beteiligten von Innovationen und einer Veränderung des Status quo ab.
  5. #5

    unverzichtbare Tiermodelle

    Zitat von LuiW Beitrag anzeigen
    Wenn man die Tierversuche aber abschaffen und stattdessen mit Zellkulturen, Organ- und Computermodellen und Mikrodosierungsstudien arbeiten würde, kämen beim ersten Fall ernsthafter Nebenwirkungen eines auf dieser Basis zugelassenen neuen Medikaments die Anwälte daher und würden klagen, weil der Wirkstoff nicht ausreichend geprüft worden sei. Diese Angst hält alle Beteiligten von Innovationen und einer Veränderung des Status quo ab.
    richtig. Denn ein potentieller Wirkstoff lässt sich nunmal nicht im Zellkulturmodell auf seine Wirkungen und Nebenwirkungen austesten. Dafür ist ein Tiermodell wesentlich geeigneter bevor man klinische Studien am Menschen durchführt.

    Die Autoren des PNAS-Artikels schlagen daher vor, dass man zuerst mehr Daten an menschlichen Patienten sammeln sollte, um den Verlauf von Entzündungsreaktionen beim Menschen besser zu verstehen, bevor man dann wiederum die Tiermodelle optimiert, um an diesen neue Therapien auszuprobieren. Möglicherweise sind Mäuse nicht das geeignete Tiermodell, sondern eher Schweine oder Affen, weil sie dem Menschen genetisch noch ähnlicher sind. Wobei sich da wieder Probleme mit den Tierschützern ergeben, die es zwar auch nicht gerne sehen, wenn 100 Mäuse für die Forschung geopfert werden, aber bei 100 Schweinen oder gar 100 Affen auf die Barrikaden gehen.
  6. #6

    Falsch gedacht

    Zitat von LuiW Beitrag anzeigen
    ...gähn. Darüber reden Forscher, Industrie und Aufsichtsbehörden schon seit 20 Jahren. Wenn man die Tierversuche aber abschaffen und stattdessen mit Zellkulturen, Organ- und Computermodellen und Mikrodosierungsstudien arbeiten würde, kämen beim ersten Fall ernsthafter Nebenwirkungen eines auf dieser Basis zugelassenen neuen Medikaments die Anwälte daher und würden klagen, weil der Wirkstoff nicht ausreichend geprüft worden sei. Diese Angst hält alle Beteiligten von Innovationen und einer Veränderung des Status quo ab.
    Es werden wie immer die falschen Schlüsse gezogen. Daß Mäuse nur wenig mit Menschen gemeinsam haben, ist in vielen Forschungsbereichen ein Problem. Es gibt Dinge, die kann man an der Maus noch eingermaßen nachvollziehen und es gibt Dinge, da geht es nicht. Nur leider weiß man das meistens erst hinterher.
    Die Alternative hierzu sind Experimente an Primaten und/oder niederen Affen. Diese haben jedoch den Nachteil, daß sie noch teurer und noch schwer genehmigt zu bekommen sind.
    Die Menschen hierzulande werden sich also entscheiden müssen, ob sie im Rahmen klinischer Studien selbst Versuchskaninchen für schlecht charaktierisierte Substanzen spielen wollen, auf medizinischen Fortschritt verzichten werden oder die Arbeit und den Ertrag anderen überlassen wollen. Letzteres scheint momentan der favorisierte Weg zu sein.

    PS: Was glauben Sie eingentlich, wie gut die Übertragbarkeit von dissoziierten, unsterblichen Zellen auf den Menschen ist, wenn es schon von der Maus zum Menschen nicht reicht? Und wo Primärkulturen herkommen? Oder die Daten für die Computermodelle?
  7. #7

    Das wäre doch mal ein Ansatz endlich auf diese tierquälerischen Versuche zu verzichten. Medizinischer Fortschritt schön und gut, aber es kann nicht angehen, dass dieser auf dem Rücken Wehrloser herangetragen wird.
  8. #8

    Ansichtssache

    Zitat von aloneinthedark Beitrag anzeigen
    Das wäre doch mal ein Ansatz endlich auf diese tierquälerischen Versuche zu verzichten. Medizinischer Fortschritt schön und gut, aber es kann nicht angehen, dass dieser auf dem Rücken Wehrloser herangetragen wird.
    Falsch, das wäre ein Grund, weniger Mausversuche und dafür mehr Primatenversuche zu machen. Tierschutz schön und gut, aber es kann nicht sein, dass dieser auf dem Rücken des medizinischen Fortschritts herangetragen wird.
  9. #9

    Beobachtereffekt

    Hinzu kommt natürlich auch noch der Beobachtereffekt. Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass Absicht und Bewusstsein, sprich die Erwartung des Forschers, des Mediziners, des Beobachters, des Anwenders das Ergebnis eines jeden Experiments maßgeblich beeinflussen (John Wheeler, Physiker). Bei von der Pharmaindustrie finanzierten Tierversuchen steht immer die Absicht im Raum, möglichst schnell ein Produkt auf den Markt werfen zu können. Von diesem Druck, von dieser Absicht können sich nicht alle Forscher befreien und völlig absichtslos forschen.