Mittelmanager: Lastesel der Konzernwelt

Gulliver Theis / Outfit: Herrenausstatter BraunDruck von oben, Nörgeln von unten - die Sandwichposition in der Unternehmenshierarchie reibt viele Führungskräfte auf. Die Mittelmanager sind näher an den Kunden als ihre Vorstände, doch ihr Urteil gilt den Chefs wenig. So riskieren Firmen ihre Zukunft.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-882289.html
  1. #1

    optional

    Ein schöner Artikel, kann man so unterschreiben. Selber habe ich in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass hauptsächlich die Middle-Manager aufsteigen, die die Fähigkeit entwickeln sich nach unten hin abzustoßen. Sprich: Druck schön ungefiltert nach unten durchgeben, damit die Zeit für das Networking und die Präsentation nach oben da ist. Sowas freut die blöden Arbeitsbienen immer am meisten.
  2. #2

    Sehr guter Artikel ... Viele Probleme sehe ich korrekt beschrieben!
  3. #3

    Brückenbauer

    Freut mich, dass den Führungskräften im mittleren Management mal wieder ein Artikel gewidmet wird. Ich arbeite in meinen Coachings überdurchschnittlich häufig mit diesen Managern. Sie sind meiner Erfahrung nach oft starke Leistungsträger, die durch ihre Sandwich-Position vor ganz besonderen Herausforderungen stehen. Trotz ihrer wichtigen Rolle als Brückenbauer erhalten sie in vielen Unternehmen zu wenig Wertschätzung.
  4. #4

    Ach so, Managermagazin

    Habe mich schon gewundert, warum die Beispiele keine Frauen sind, wo die Suggestionen, dass alles die Schuld der Männer ist?
  5. #5

    Hamsterrad

    Mir kommt da gleich der alte Spruch: "Das Hamsterrad sieht nur von innen aus wie eine Karriereleiter" in den Sinn. Die wenigsten wissen wirklich wie abhängig sie schon sind vom "nächsten Schritt" wie, größerer Dienstwagen, höherer Bonus ect. um sich dann mit überteuerten Konsumartikeln kurz etwas Sinn in Ihr Leben zu zaubern. Die die dann mit Mitte 40 aufwachen und merken wie die besten Jahre vorbeigezogen sind fallen erstmal in ein tiefes Loch... Die die es wieder rausschaffen machen sich Selbstständig - viele als Coach für die die noch im Rad feststecken ;)
  6. #6

    Management by Ludwig XIV.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Druck von oben, Nörgeln von unten - die Sandwichposition in der Unternehmenshierarchie reibt viele Führungskräfte auf. Die Mittelmanager sind näher an den Kunden als ihre Vorstände, doch ihr Urteil gilt den Chefs wenig. So riskieren Firmen ihre Zukunft.

    Mittelmanager sind in einer aufreibenden Sandwichposition - SPIEGEL ONLINE
    Klingt alles sehr vertraut für mich.

    Die Fähigkeit des Menschen den Widerspruch zwischen seinen Worten und seinen Taten zu verdrängen, verblüfft mich immer wieder. Dabei ist dies die Top Führungsqualifikation.

    Seit Jahrzehnten wird von flachen Hierarchien und transparenten Entscheidungen gesprochen. Was aber praktiziert wird, ist das höfische Herrschaftsmodell Ludwigs XIV.

    Ein Sonnenkönig als zentrale Figur, der seinen Hofstaat durch fein austarierte Gunstbezeigungen bei Laune und in Abhängigkeit hält.

    Nach außen hin wird über Boten und Erlasse kommuniziert, herein kommen nur Bittsteller. Allein der Wunsch den König sprechen zu wollen, gilt als Affront.

    Als ich selber noch in einem großen, deutschen Konzern gearbeitet habe, wurde uns eines Tages der Besuch des Vorstandschefs angekündigt. Unser Projekt war in einer kritischen Phase und sehr wichtig für die Firma. So weit so gut.

    Was mich erstaunte, war die hektische Betriebsamkeit, die dann ausbrach. Die Arbeit am eigentlich kritischen Projekt war auf einmal zweitrangig. Überall musste aufgeräumt werden, es wurde gefegt, gefeudelt und geschrubbt, es tauchten sogar Maler auf, welche die schmuddeligen Wände neu gestrichen haben.

    Dann kam der Chef, umgeben von einem ganzen Hofstaat rauschte er durch die Räume. Er durfte von uns nicht angesprochen werden, ab und zu hat ihm einer von seinen Höflingen etwas ins Ohr geflüstert, dann war er wieder verschwunden und wir konnten endlich wieder arbeiten.

    Nach oben kommen in solch einem System eben nur Höflinge und nicht Macher. Einer der zentralen Irrtümer im mittleren Management, dass fachliche Kompetenz irgend etwas mit Beförderung zu tun hätte.

    Man muss die Hierarchie um ihrer selbst willen lieben und respektieren, nur dann kommt man weiter.
  7. #7

    Und wo ist da jetzt der große Unterschied...

    ...zum Abteilungsleiter? Mal ganz plakativ: Hat einen Abteilungsleiterin in einem Kaufhaus weniger Stress als der neudeutsche "Middle Manager"?
  8. #8

    Gesprochen ...

    Zitat von Olaf Beitrag anzeigen

    Seit Jahrzehnten wird von flachen Hierarchien und transparenten Entscheidungen gesprochen. Was aber praktiziert wird, ist das höfische Herrschaftsmodell Ludwigs XIV.
    ... wird viel, aber alles Lippenbekenntnisse. Die Unternehmen wären in den letzten Jahren deutlich flexibler geworden, so heißt es in jeder Arbeitgeberpräsentation und der Politik. Realität und Anspruch sind zwei paar Schuhe, aber das System funktioniert, somit bleibt alles beim Alten - nur die Daumenschrauben werden für alle Beteiligten allmählich stärker zugedreht.

    Ich würde hoffen, dass solche Artikel zu einigem Umdenken gerade bei Studenten sowie Berufseinsteigern führen. Nur wenn sich alle einig sind, ist mit einer Änderung zu rechnen. Aber die Naivität einiger Kollegen anfangs 30 ist himmelschreiend, teilweise wird gar die Realität negierend. Ganz oben ist die Lüft dünn und die Sandwich-Position ist meist ein sehr unbefriedigendes Karriereende, aber die überwiegend realistische.
  9. #9

    Naja...

    ...sollen denn alle Karriere machen? Wer soll dann noch die Arbeit machen? ;) Um Ernst: Mit Machiavelli - oder zumindest dem "Paten" - und einer gehörigen Portion Teflon wird es wohl eher gehen, als mit Leistung. Ich glaube, dass ist ein Irrtum. Ich halte das übrigens nicht für beklagens- oder verachtenswert.