Ein rätselhafter Patient: Lähmendes Entsetzen

dapdLähmung, Sinnesstörungen, Bewusstlosigkeit - die Symptome einer Patientin sprechen für einen Schlaganfall. Doch in der Krankengeschichte der Frau stoßen die Ärzte auf Überraschungen. Und auch die Untersuchungsbefunde wollen nicht recht zur Diagnose passen.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...-a-882047.html
  1. #1

    Vor die Therapie hat der liebe Gott die Diagnostik gestellt!

    Eine Thrombolyse - ohne Korrelat in der Bildgebung??
    Eine Thrombolyse - bevor die Patientin anständig körperlich untersucht wurde?

    Bin ich froh in Deutschland zu leben und nicht in Großbritannien. Eine Thrombolyse ist sehr risikoreich und nur bei strengster Indikation durchzuführen. Banalste Untersuchungen hätten der Frau diese diagnostischen und therapeutischen Exzesse erspart!
  2. #2

    bekanntes Phänomen

    Ich kenne auch eine Person, die im Rahmen einer psychischen Erkrankung infolge einer schweren langanhaltenden Traumatisierung im Rollstuhl saß, ohne nachweisbare physische Schäden zu haben. Nach längerer Therapie besserte sich diese Symptomatik. Jedoch gab es später wieder einen "Rückfall", da weitere verdrängte Traumainhalte hochkamen.
  3. #3

    Auweia

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Vermutet wird, dass den körperlichen Symptomen eine psychische Belastung zugrundeliegt. Haben Ärzte den Verdacht, müssen sie - wie im Fall der britischen Patientin geschehen - zunächst körperliche Ursachen ausschließen und überprüfen, ob der Patient seine Beschwerden simuliert.

    Patientin mit Schlaganfallsymptomen: Psychische Störung als Ursache - SPIEGEL ONLINE
    Was wird in dieser "Aufklärungsreihe" für ein Bild psychosomatischer Krankheiten vermittelt? Das ist ja tiefstes Mittelalter!

    Psychosomatik = simulierte Beschwerden?

    Bei so viel gepflegtem Vorurteil überkommt einem ja nun wirklich lähmendes Entsetzen. Da muss man ja glatt dankbar sein, dass der Vorschlag ein paar Entspannungsübungen zu machen, nicht noch auftaucht.

    Ein Basiskurs Psychosomatik täte gut, nein Not!
  4. #4

    Interessanter Artikel. Der Fall erinnert mich an eine Patientin, die wir im Unikurs Psychiatrie hatten.
    Eine (Profi-)Tänzerin, die plötzlich nicht mehr laufen konnte. Alle klinischen Prüfungen waren unauffällig, sie hatte jedoch keine Willkürkontrolle über ihre Beine. Auslöser war bei ihr enormer Stress und ständiger Druck, immer die Beste sein zu müssen. Erstaunlich, wie sich der Körper seine Auszeit nimmt, wenn sie ihm nicht selbst zugestanden wird.
  5. #5

    Eingebildete Krankheiten ...

    ... gibt es oft. Wobei der konkrete Fall schon heftig ist, wo die Frau zeitweilig sogar ihn Ohnmacht fällt. Allerdings könnte die Symptomatik auch zu einer heftigen Migräne passen. Insofern stellt sich die Frage, ob die Frau zu Anfang auch eine Aura und/oder Kopfschmerzen hatte. Wobei die Kopfschmerzen bei Migräne meist erst hinterher kommen.

    Jag
  6. #6

    Es wurde kein Titel angegeben

    Zitat von Lorbeerblatt Beitrag anzeigen
    Was wird in dieser "Aufklärungsreihe" für ein Bild psychosomatischer Krankheiten vermittelt? Das ist ja tiefstes Mittelalter!

    Psychosomatik = simulierte Beschwerden?
    Die Zusammenfassung für's Forum kann bei flüchtiger Lektüre diesen Eindruck erwecken - der Artikel ist durchaus korrekt und differenziert: Die Aussage soll lauten, dass sowohl körperliche Beschwerden wie auch Simulation ausgeschlossen sind, wenn die Diagnose einer psychosomatischen Erkrankung gestellt werden.

    Aber offensichtlich...
    Zitat von JaguarCat Beitrag anzeigen
    Eingebildete Krankheiten gibt es oft. Wobei der konkrete Fall schon heftig ist.
    ...gibt es noch mehr Leser, die diese falsche Information aus dem Artikel lesen. Es ist Journalisten halt nicht immer bewusst, wie genau sie formulieren müssen, damit auch flüchtige Leser sie nicht missverstehen.
  7. #7

    Hysterie und Burnout

    Früher hieß diese Krankheit hysterische Lähmung oder Konversionshysterie. Aber seit die Diagnose Hysterie zum Schimpfwort mutierte kommt sie kaum noch vor. Sie wurde durch "unbelastete" Neurosen ersetzt und durch gesellschaftlich akzeptierte Diagnosen wie "Burnout" .
  8. #8

    Ich wusste nicht, das der Körper bei zu viel psychischem Stress eine "Auszeit" nehmen kann. Die Tatsache, dass man dann in einem Schlaganfallähnlichen Zustand ist schockiert mich.
    Wenigstens geht es ihr mittlerweile besser.
  9. #9

    ...bewusst gewusst...

    Zitat von heikoprasse Beitrag anzeigen
    ...Es ist Journalisten halt nicht immer bewusst, wie genau sie formulieren müssen, damit auch flüchtige Leser sie nicht missverstehen.
    "...bewusst...", Schmunzel...

    ...ja, das mit dem "bewusst" ist so ne Sache. Murksel z.B. sagt ja immer etwas "ganz bewusst", der KTzG damals hat dagegen "unbewusst" abgeschrieben.

    Aber im Ernst, der Artikel ist schon ein rechtes Geschwurbel, irgendwie ohne roten Faden. Erstaunlich, dass der Ballwieser so an der "Konversionsstörung" hängt. Er hätte es auch dissoziative Störung nennen können, oder funktionell - dann wäre er nicht so am alten Sigmund kleben geblieben. Aber so sind nun mal die Docs - Medizin ist eine Wissenschaft, da gibt es keine Theorien.
    Na, ich hoffe mal, dass er besser medizinert als er schreibt.