Ist das Votum der Universität Düsseldorf gegen Annette Schavan zu hart?

Der akademische Grad ist weg, der Ruf schwer angeknackst: Annette Schavans Affäre um ihre Dissertation ging bisher fatal für die Ministerin aus. Nicht allein der Streit, auch das Urteil über ihre wissenschaftliche Arbeit aus Düsseldorf setzte ihr schwer zu. War es damals wirklich so einfach wie heute, Fehler beim Zitieren zu vermeiden? Ist das Votum der Uni Düsseldorf einfach zu hart?
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der akademische Grad ist weg, der Ruf schwer angeknackst: Annette Schavans Affäre um ihre Dissertation ging bisher fatal für die Ministerin aus. Nicht allein der Streit, auch das Urteil über ihre wissenschaftliche Arbeit aus Düsseldorf setzte ihr schwer zu. War es damals wirklich so einfach wie heute, Fehler beim Zitieren zu vermeiden? Ist das Votum der Uni Düsseldorf einfach zu hart?
    Wenn die Arbeit so "gefälscht" ist, dass man den Doktortitel aberkennen muss, wäre es ebenso angemessen, nachträglich dem Professor der Universität Düsseldorf, der diese Doktorarbeit beurteilte ebenso nachträglich den Professorentitel zu nehmen.
    Schließlich war es (im weiteren Sinne) die Uni Düsseldorf, die in womöglich "leitender Täuschungsabsicht" einen Doktortitel verliehen hat, der nicht hätte verliehen werden dürfen.
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der akademische Grad ist weg, der Ruf schwer angeknackst: Annette Schavans Affäre um ihre Dissertation ging bisher fatal für die Ministerin aus. Nicht allein der Streit, auch das Urteil über ihre wissenschaftliche Arbeit aus Düsseldorf setzte ihr schwer zu. War es damals wirklich so einfach wie heute, Fehler beim Zitieren zu vermeiden? Ist das Votum der Uni Düsseldorf einfach zu hart?
    Wie auch immer und ganz unabhängig davon, ob Frau Schavan besonders sympathisch und kompetent ist oder nicht: Die ganze Angelegenheit hat einen derart üblen und heuchlerischen Anstricht, dass es einem lspeiübel wird. Jeder kocht hier sein Süppchen, und ich glaube keine fünf Minuten mehr, dass die Sorge um die Wissenschaft im Vordergrund steht.

    Der Rheinischen Post zum Beispiel ist heute Folgendes zu entnehmen: Der selbsternannte Hüter wissenschaftlicher Reinheit, und Betreiber einschlägiger Internet-Plattformen, Martin Heidingsfelder, gibt an, dass das Dissertations-Spitzeln inzwischen sein Beruf ist, von dem er gut leben. Derzeit "prüft" er die Arbeit von Frau Merkel und ohne Hemmungen gibt er zu, dass ihm ein einzelner Auftraggeber eine hohe Summe Geld versprochen habe für den Fall, dass er fündig wird.

    Er selbst war übrigens erst in der SPD, jetzt vertritt er die Piraten. Vor allem aber vertritt er eine in diesem Land neue Seuche, die in neuem Gewand durchaus Anleihen an das aufweist, was man noch aus eigentlich überwunden geglaubten Systemen kennt. Schlimm, dass auch viele seriöse Medien sich dranhängen.
  3. #3

    das Votum ist gerecht

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der akademische Grad ist weg, der Ruf schwer angeknackst: Annette Schavans Affäre um ihre Dissertation ging bisher fatal für die Ministerin aus. Nicht allein der Streit, auch das Urteil über ihre wissenschaftliche Arbeit aus Düsseldorf setzte ihr schwer zu. War es damals wirklich so einfach wie heute, Fehler beim Zitieren zu vermeiden? Ist das Votum der Uni Düsseldorf einfach zu hart?
    Frau Schavan mag ihre Verdienste haben, und sie mag auch vielen Leuten sympathisch sein. Aber Fakt ist, dass sie ihre Karriere auf einem erschlichenen Doktorgrad aufgebaut hat. Sie hat 100 Seiten ihrer ca. 300 Seiten langen Doktorarbeit abgeschrieben, ohne ihre Quellen zun nennen, das heißt, sie hat plagiiert - das schlimmste Vergehen bei einer Dissertation. Es waren keine Flüchtigkeitsfehler, die jedem unterlaufen können, sondern eine systematische Übernahme fremder Gedanken und Ideen, ohne dies in ihrer Arbeit kenntlich zu machen. Sie schmückte sich mit fremden Federn.

    Frau Schavan hat keinen anderen Uni-Abschluss als den Doktorgrad, weder ein Staatsexamen, noch einen Magister-Titel. Ihr beruflicher Werdegang beruht auf einer Täuschung, einer getürkten Doktorarbeit, denn ohne den Doktortitel, der sie als Akademikerin auswies, wäre sie in BA/Wü nicht zur Kultusministerin ernannt worden, also zur obersten Dienstherrin von Professoren an den Universitäten. Ba/Wü war ihr Sprungbrett nach Berlin.

    Auch vor 30 Jahren wurde schon in den Proseminaren den Erstsemestern die wissenschaftlich korrekte Zitierweise von Literaturquellen beigebracht, wie ich es selbst erlebt habe. Erst recht in den Mittel- und Hauptseminaren, deren erfolgreiche Absolvierung die Voraussetzung zur Erlangung eines Dissertationsthemas war.

    Es gibt für Frau Schavan keine mildernden Umstände. Ihr Rücktritt als Bildungsministerin ist unvermeidlich.
  4. #4

    Zitat von Piri Beitrag anzeigen
    Vor allem aber vertritt er eine in diesem Land neue Seuche, die in neuem Gewand durchaus Anleihen an das aufweist, was man noch aus eigentlich überwunden geglaubten Systemen kennt. Schlimm, dass auch viele seriöse Medien sich dranhängen.
    Die "neue Seuche" des Denunziantentums ist längst gesellschaftsfähig. Es scheint weiten Teile dieses seltsamen Volkes mittlerweile einen ungeheuren Spaß zu bereiten, mit moralisierend erhobenem Zeigefinger auf "Sexisten", "Rassisten" "Fälscher" zu zeigen.
    Irgendwo im geistigen Raum dieser Nation wabert ein Tausendaugenmonster , darauf lauernd, dass irgendjemand politisch unkorrekt agiert. Hat das Tausendaugenmonster zwischenzeitlich nichts zu tun, beschäftigt es sich damit, die Bezeichnungen "Neger" und "Mohr" aus Kinderbüchern zu entfernen. Dann startet die Empörungsmaschinerie, an der die Presse verdient, die Foren sich am Leben erhalten und in der die Empörten die eigenen Unzulänglichkeiten auf öffentliche Personen projizieren. Die Uni Düsseldorf tut in Teilen nichts anderes, wenn sie Schavan verurteilt, sich selbst aber gleichzeitig freispricht.


    Ich weiß nicht, wie es andern geht
  5. #5

    Aua, der Beitrag tut ja richtig weh.....

    Zitat von Piri Beitrag anzeigen
    Wie auch immer und ganz unabhängig davon, ob Frau Schavan besonders sympathisch und kompetent ist oder nicht: Die ganze Angelegenheit hat einen derart üblen und heuchlerischen Anstricht, dass es einem lspeiübel wird. Jeder kocht hier sein Süppchen, und ich glaube keine fünf Minuten mehr, dass die Sorge um die Wissenschaft im Vordergrund steht.

    Der Rheinischen Post zum Beispiel ist heute Folgendes zu entnehmen: Der selbsternannte Hüter wissenschaftlicher Reinheit, und Betreiber einschlägiger Internet-Plattformen, Martin Heidingsfelder, gibt an, dass das Dissertations-Spitzeln inzwischen sein Beruf ist, von dem er gut leben. Derzeit "prüft" er die Arbeit von Frau Merkel und ohne Hemmungen gibt er zu, dass ihm ein einzelner Auftraggeber eine hohe Summe Geld versprochen habe für den Fall, dass er fündig wird.

    Er selbst war übrigens erst in der SPD, jetzt vertritt er die Piraten. Vor allem aber vertritt er eine in diesem Land neue Seuche, die in neuem Gewand durchaus Anleihen an das aufweist, was man noch aus eigentlich überwunden geglaubten Systemen kennt. Schlimm, dass auch viele seriöse Medien sich dranhängen.
    Hier geht es nicht um sympathisch u.Ä oder nicht

    Wer derart scheinheilig ist wie Frau Schavan ( siehe Ihre Guttenberg-Äußerungen) und sich ohne sonstigen akademischen Abschluss mit einer „Doktorarbeit“ sofort eine Referentenstelle erschleicht, der täuscht,
    lügt und betrügt, dass es nur so kracht.
    Aber interessant, dass Sie hier ganz andere Massstäbe anlegen wie sonst.

    Guttenberg wusste ja zumindest noch, was zu tun ist.

    Mal sehen was Frau Schavan macht, wenn das Gespräch" mit "Mutti"
    stattgefunden hat.

    Auf Dauer werden die Uni’s gar nicht drumkommen den Job der Plagiatsjäger selbst zu machen.

    So gesehen sind diese Vorreiter.

    Erste Uni's beginnen ja auch den Job für zukünftige Arbeiten selbst zu machen.
  6. #6

    Zitat von werbe Beitrag anzeigen
    Wenn die Arbeit so "gefälscht" ist, dass man den Doktortitel aberkennen muss, wäre es ebenso angemessen, nachträglich dem Professor der Universität Düsseldorf, der diese Doktorarbeit beurteilte ebenso nachträglich den Professorentitel zu nehmen.
    Schließlich war es (im weiteren Sinne) die Uni Düsseldorf, die in womöglich "leitender Täuschungsabsicht" einen Doktortitel verliehen hat, der nicht hätte verliehen werden dürfen.
    Bei diesen Dingen geht es auch um Vertrauen und eidesstattliche Versicherungen....
  7. #7

    Zitat von werbe Beitrag anzeigen
    Wenn die Arbeit so "gefälscht" ist, dass man den Doktortitel aberkennen muss, wäre es ebenso angemessen, nachträglich dem Professor der Universität Düsseldorf, der diese Doktorarbeit beurteilte ebenso nachträglich den Professorentitel zu nehmen.
    Dann muss man auch jedem, dem die Brieftasche gestohlen wurde, eine Geldstrafe aufbrummen, weil er sich hat bestehlen lassen.
  8. #8

    Zitat von werbe Beitrag anzeigen
    Die "neue Seuche" des Denunziantentums ist längst gesellschaftsfähig. Es scheint weiten Teile dieses seltsamen Volkes mittlerweile einen ungeheuren Spaß zu bereiten, mit moralisierend erhobenem Zeigefinger auf "Sexisten", "Rassisten" "Fälscher" zu zeigen.
    Irgendwo im geistigen Raum dieser Nation wabert ein Tausendaugenmonster , darauf lauernd, dass irgendjemand politisch unkorrekt agiert. Hat das Tausendaugenmonster zwischenzeitlich nichts zu tun, beschäftigt es sich damit, die Bezeichnungen "Neger" und "Mohr" aus Kinderbüchern zu entfernen. Dann startet die Empörungsmaschinerie, an der die Presse verdient, die Foren sich am Leben erhalten und in der die Empörten die eigenen Unzulänglichkeiten auf öffentliche Personen projizieren. Die Uni Düsseldorf tut in Teilen nichts anderes, wenn sie Schavan verurteilt, sich selbst aber gleichzeitig freispricht.


    Ich weiß nicht, wie es andern geht
    Als "Cheflogiker" können Sie doch bestimmt erklären, warum
    jeder Abiturient weiss was ihm blüht, wenn er beim Schummeln erwischt wird während man da ja an eine "Bildungsministerin"
    offenbar ganz andere Massstäbe anlegen soll.

    Doch, doch.

    Das ist logisch....
  9. #9

    Zitat von IB_31 Beitrag anzeigen
    Hier geht es nicht um sympathisch u.Ä oder nicht
    Richtig, hier geht es vornehmlich um ganz widerwärtiges politisch zielgerichtetes Denunziantentum. Gezielt und bezahlt. Pfui Teufel. Von wegen Reinheit der Wissenschaft!

    Zitat von IB_31 Beitrag anzeigen
    Aber interessant, dass Sie hier ganz andere Massstäbe anlegen wie sonst.
    Ich gehöre ganz gewiss nicht zu den Fans von jemandem, der den Weg von PISA nach Bologna ebnen hilft. Das wissen Sie genau.


    Zitat von IB_31 Beitrag anzeigen
    Auf Dauer werden die Uni’s gar nicht drumkommen den Job der Plagiatsjäger selbst zu machen.
    Ach, was Sie nicht sagen. Das sollte dann allerdings unabhängig von Politik, Parteien, Lobby-Denken, Spenden etc. geschehen.
    Zudem sollten Doktorarbeiten außerhalb der Wissenschaft rapide an Zahl abnehmen.
    Und die Professoren sollten wieder die Zeit für eine angemessene Betreuung erhalten, die ihnen die ganze Soße bolognese geraubt hat.