Schavans Plagiatsaffäre: Die teutonische Titel-Teuerung

dapdDer Fall Schavan, mal ökonomisch betrachtet: Wer Inflation bekämpft, muss die Zinsen anheben. Wer die Flut fragwürdiger Doktortitel in Deutschland angehen will, sollte dementsprechend den Zugang zu diesem Titel schwieriger machen. So wie es in den USA und Großbritannien längst üblich ist.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/wol...-a-881802.html
  1. #1

    Theoretisch gut...

    Es reicht eine klitzekleine Gesetzesänderung: Der Doktortitel verschwindet aus dem Namen und wird zu einem normalen akademischen Titel. Und auf der Angebotsseite könnte man noch die Anzahl der Doktoranden pro Doktorvater auf zwei oder drei begrenzen.
    ...aber praktisch wohl kaum umzusetzen. Es ist doch gerade die angeprangerte Gruppe der Politiker, die diese Gesetzesaenderung anstossen muesste
  2. #2

    In den USA

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Fall Schavan, mal ökonomisch betrachtet: Wer Inflation bekämpft, muss die Zinsen anheben. Wer die Flut fragwürdiger Doktortitel in Deutschland angehen will, sollte dementsprechend den Zugang zu diesem Titel schwieriger machen. So wie es in den USA und Großbritannien längst üblich ist.

    Wolfgang Münchau über die Plagiatsaffäre um Annette Schavan - SPIEGEL ONLINE
    ist ja sowieso alles besser...

    Was den Dr.-Titel angeht: was ist nach Schavan/Guttenberg usw. anders als vorher? Die paar Leute machen den Unterschied nicht. Weiterhin geht es doch bloß darum, ordentlich und ehrlich zu arbeiten. Früher, zu Schavans (und meiner Zeit), lernte man das im ersten Semester.
  3. #3

    In den angelsächsischen Staaten wird im Übrigen auch nicht so nebenbei promoviert. Doktoranden sind in der Regel Vollzeitstudierende, die auch Vorlesungen besuchen. Eine Doktorarbeit ist dort nichts, was man nach Feierabend mal so eben aufschreibt.
    In den schon erwähnten "harten" (ingenieuer-)Fächern ist dies auch in Deutschland nicht so. Von meiner Universität kenne ich es so, dass die Doktoranden 3-4 Jahre Vollzeit an ihrer Doktorarbeit arbeiten. Hierbei hat jeder mindestens eine Übung zu betreuen, muss auf Konferenzen fahren um seine Ergebnisse dem Fachpublikum präsentieren, muss Ergebnisse veröffentlichen (Stichwort Papers) und hat Diplomanden zu betreuen.

    Die Diplomandenbetreung ist, richtig sogar ein Benefir für Doktorand und Diplomand. Der Doktorand überlegt sich ein neues technisches Verfahren einen Algorithmus etc. der Diplomand implementiert dies dann konkret. Damit zeigt der Diplomand, dass er als Ingenieur was taugt (kann aus Theorie Praxis machen) und der Doktorand hat dann am Realfall Messergebnisse zu seinem Verfahren/Algorithmus die im Optimalfall zeigen dass hier eine Verbesserung zum Stand der Technik erreicht wurde
  4. #4

    titles are for monarchs

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Fall Schavan, mal ökonomisch betrachtet: Wer Inflation bekämpft, muss die Zinsen anheben. Wer die Flut fragwürdiger Doktortitel in Deutschland angehen will, sollte dementsprechend den Zugang zu diesem Titel schwieriger machen. So wie es in den USA und Großbritannien längst üblich ist.

    Wolfgang Münchau über die Plagiatsaffäre um Annette Schavan - SPIEGEL ONLINE
    Es stimmt das ein Doktor Titel in den USA (von bestimmten Teilen der Ostkueste abgesehen) einen wesentlich kleineren sozialen Stellenwert hat als in DE und wird im Alltag meist nur fuer medizinische Titel wie MD, PsyD, DO etc benutzt. So wird aus einem John Q Doe MD einfach ein Doctor John.

    In fast allen anderen Bereichen steht der Titel auf der Visitenkarte oder auf dem Tuerschild aber spielt bei der Anrede kaum eine Rolle.

    Selbes gilt fuer den Professor. Der Titel wird an Colleges und Universities benutzt, aber nur selten ausserhalb.

    Es hat den Anschein das Titel wie Dr und Prof in DE leider immer noch wie monarchische Titel benuetzt werden.
  5. #5

    Plagiat Promotion

    Es wäre wünschenswert, wenn jeder Doktorvater oder jede Doktormutter jede Promotion persönlich und ohne Hilfskräfte betreuen würde. Das würde die Zahl der Promotionen deutlich verringern und dem ursprünglichen Zweck, der Fortentwicklung der Wissenschaft zu dienen und nicht der Ausschmückung der Visitenkarte. Weiter sollten alle (!) Promotionen im vollen Text über das Internet zugänglich sein, damit einmal Öffentlichkeit hergestellt und die Vielzahl von fast gleichen Promotionen deutlich wird. Der Dr.-Titel ist öffentlich, also müßten es auch die Promotionsarbeiten sein.
  6. #6

    Nur so als Nachschub: ich darf meinen US-Amerikanischen Doktortitel nicht als "Dr." in den Pass eintragen lassen, weil er nicht den deutschen Qualitaetsansspruechen entspricht....
  7. #7

    theoretisch schlecht

    Ich finde den Vorschlag ungeheuerlich. Nur jemand ohne Titel und ohne Kenntnis der Arbeit kann ernsthaft vorschlagen, dass der Titel von der Namensführung
  8. #8

    Regeln lernt man ab dem ersten Semester

    Wer in einer Doktorarbeit nicht in der Lage ist, ordentlich zu zitieren und zum Schluss auf eine halbwegs eigenentwickelte These zum Thema zu kommen, dem sollte auch Magister oder Diplom oder Master aberkannt werden. Eigentlich lernt man doch als Student schon ab dem ersten Semester, wie Hausarbeiten formal auszusehen haben. Was haben sie betroffenen Herrschaften dann eigentlich während acht oder mehr Semestern gemacht? Es reicht ja schon, wissenschaftlich abgefasste Literatur zu lesen, um mitzubekommen, wie gearbeitet werden muss. Das ist alles keine Hexerei, sondern Handwerk, das man lernen muss. Und wohin die Doktorväter/mütter bei diesen Arbeiten geschaut haben, würde ich auch mal gerne wissen.
  9. #9

    Mit Gutenberg fing alle an.

    Heute sehen wir dass ein Doktortitel seiner Wertschätzung nicht gerecht wird. Wir (ich meine damit die Plagiatsjäger, und damit die anderen) haben einen winzig kleinen Teil der Doktoren unter die Lupe genommen und festgestell: Bei vielen hapert es gewaltig.

    Was käme raus wenn wir alle unter die Lupe nehmen? 5% oder 50% diese Quote hängt nur noch vom angelgten Maßstab ab.

    Die dem Doktortitel entgegengebrachte Hochachtung früherer Zeiten ist entgültig dahin.

    Ich persönlich halte die aktuelle Lebensleistung (auch von Schavan) für relevanter. So nobel die Ziele der Plagiatsjäger auch sein mögen, sie sind schon längst die "McCarthy"s der Wissenschaft. Sogar der liebe Gott vergiebt den Sündern, die "Anti-Plagiatoren" nicht. Auch ich werde mein Schulnoten mit Unterschleif aufgehübscht haben. Ich hoffe meine Zeugnisse werden deswegen nicht ungültig

    Es ist eben da Inflationäre dass das Gute zerstört.

    Ganz nebenbei... ein Dr.-Ing. war noch nicht dabei! Sind die Ingenieurwissenschaften resisten gegen Plagiate, oder für die Jäger schlicht uninteresant? Oder erbringen sie tatsächlich mit Ihren tausenden von Laborstunden eine "gute Wissenschaftliche Leistung"?

    Ich hoffe dass jetzt alle "Nicht-Ing." fürchterlich aufschreien und mich zurechtweisen, dass die bischchen Laborarbeit keinesfalls mit dem wisssenschaftlichen Studium von Büchern zu vergleichen ist.