250.000 Jugendliche ignoriert: Regierung trickst bei Lehrstellen-Statistik

dapdIst der Ausbildungspakt eine Mogelpackung? Arbeitgeber, Industrielle und Minister ignorieren laut einer DGB-Studie 250.000 Jugendliche. So viele gelten offiziell als versorgt - dabei haben sie gar keine Lehrstelle.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...-a-881445.html
  1. #200

    Schulabschluss entspricht oft nicht einer Ausbildungsreife

    Zitat von sucram31 Beitrag anzeigen
    ...eigentlich fast ausnahmslos den Worten eines Gewerkschaftlers geglaubt? Ausgerechnet die Gewerkschaften, die in all den Jahren nicht den geringsten Beitrag zur Lösung des Lehrstellenproblems beigesteuert haben, spielen sich wie immer, wenn es um Ausbildungs- oder Arbeitsmarktstatistiken geht, mächtig auf. Jede Statistik kann unterschiedlich interpretiert werden, das bedeutet noch lange nicht, dass sie gefälscht ist. Das Problem ist doch ein ganz anderes: Unter den 250.000 Jugendlichen befinden sich etliche, die nicht ihren Traumberuf bekommen und lieber warten, bis sich da vielleicht doch noch was tut. Andere überbrücken die Zeit bis zu einem Studienanfang. Gleichzeitig gibt es zig Tausend Lehrstellen, die unbesetzt bleiben, weil es sich um - oft nur auf den ersten Blick - unattraktive Ausbildungsberufe handelt. Außerdem sind viele Jugendliche schlicht und einfach (noch) nicht reif für eine Berufsausbildung. Selbst die Gewerkschaften geben hinter vorgehaltener Hand zu, dass sie oft ihre angebotenen Lehrstellen mit einigen, nicht geeigneten Jugendlichen nicht besetzen können (wollen). Für diese Jugendlichen ist eine Übergangsmaßnahme viel sinnvoller als ein Job, in dem sie kurz darauf wieder gekündigt würden. In jedem Herbst werden alle bis dato nicht versorgten Jugendlichen von den Arbeitsagenturen und Kammern eingeladen zu sog. Nachvermittlungsaktionstagen. Gerade mal knapp 50% der Angeschriebenen erscheinen überhaupt oder reagieren auf diese Einladungen. Jeder, der zu diesen Aktionstagen erscheint, bekommt auch ein Angebot. Man kann allerdings niemanden zu seinem Glück zwingen. Dann sollte man aber auch nicht später ständig nur herummosern.
    Da haben Sie völlig Recht. Man sollte auch nicht vergessen, dass viele Schüler zwar einen formalen Schulabschluss haben, aber keine wirkliche Qualifikation besitzen, da ihnen der Schulabschluss hinterher geworfen wurde. Das betrifft übrigens alle Schulformen. Hauptschüler, die kein Deutsch können und schon beim Rechnen auf Grundschulniveau versagen. Gymnasiasten, die die Bruchrechnung und Grammatik nicht beherrschen. Der Wahn vieler Bildungspolitiker, möglichst jeden zum Abitur zu führen, resultiert darin, dass Bildungsabschlüsse insgesamt immer weiter verfallen. So erzeugt man Menschen mit Hauptschulabschlüssen, die nicht ausbildungsfähig und Menschen mit Abitur, die nicht studierfähig sind. Die Ausbildung, die die Schule eigentlich leisten müsste, wird dann in Qualifizierungsmaßen ausge-lagert. Das Problem betrifft nicht nur die Hauptschüler, die eine Lehrstelle suchen. Auch Studierende müssen immer häufiger durch Einstiegs- und Angleichungkurse auf ein Niveau gebracht werden, das früher für jemanden mit „Hochschulreife“ selbstverständlich war.

    In diesem Zusammenhang würde mich daher nicht nur interessieren, auf welchen Berechnungen die Angaben der Ge-werkschaft fußen, sondern ob es bei den deklarierten Missständen auch wieder mal massive Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt. Meine Vermutung ist, dass da, wo die Hauptschulen noch etwas taugen, die Schüler später auch eine Stelle finden. Sogar in ländlich geprägten Regionen von NRW ist das noch so.
  2. #201

    Die Realität lehrt uns das Grausen

    Zitat von abby_thur Beitrag anzeigen

    Noten sagen doch recht wenig aus über das praktische Können der Schulabgänger.
    Wie wir aus Veröffentlichungen der AG wissen, sind die Ergebnisse bei den Einstellungsstest für Jugendliche dann teilweise noch desaströser als die Schulnoten, was auch von den Berufsschullehrern beklagt wird.

    Ergo. Ein schlechtes Zeugnis, wirdk respektive kann nur in den wenigsten Fällen durch Praxistalent wettgemacht werden.

    Und wie gestern gerade veröffentlcht wurde, haben 1,5 Mio. Jugendliche keinen Schulabschlusss!
    Nimmt man diese plus der Kandidaten mit den gruseligsten Schulnoten, so kriegen sie die Hartz-IV-HE-Zahlen zusammen.
  3. #202

    Zitat von kielerin78@icqmail.com Beitrag anzeigen
    Wir sind nicht mehr in den 1950er Jahren, wo es üblich war 15jährige zu vermitteln. Vielleicht gibt es ja einen guten Grund, dass die Sekundarstufe II in den meisten entwickelten Ländern nicht betrieblich, sondern schulisch absolviert wird.
    Für viele wäre es sinnvoller früh in die betriebliche Ausbildung zu gehen. Meinetwegen die schweren Pflegefälle auch in überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen, aber immer noch besser als weitere Zeit auf der Schuldbank zu vertrödeln.

    Das wir heute für die Hauptschule auch 10 Jahre ansetzen steht leider in keinem Verhältnis zum Ertrag.
    Da wird nur unnütze Zeit vergeudet.

    Nehmen Sie die Zahlen von gestern: Rund 1,5 Mio. Jugendliche haben keinen Schulabschluss. Plus derjenigen mit miesen Schulnoten im Abschlusszeugnis ergibt es ein gruseliges Bild. Ausbildungsungeeignet.

    Was nun? Die Teens weiter pampern, bis es endlich irgendwann mal klappt?
  4. #203

    Optional

    Zitat von MütterchenMüh Beitrag anzeigen
    Wie wir aus Veröffentlichungen der AG wissen, sind die Ergebnisse bei den Einstellungsstest für Jugendliche dann teilweise noch desaströser als die Schulnoten, was auch von den Berufsschullehrern beklagt wird.

    Ergo. Ein schlechtes Zeugnis, wirdk respektive kann nur in den wenigsten Fällen durch Praxistalent wettgemacht werden.
    Manch Arbeitgeber lässt den Jugendlichen vor Ausbildungsbeginn ein Praktikum machen. Wir haben öfters solche Jugendlichen, die in der Schule eher schlecht waren, aber im Berufsalltag aufblühen, weil man ihnen endlich auch mal Sachen beibringt, die sie wirklich brauchen und umsetzen können.