Vorwurf von Opferanwälten: Concorde-Mängel waren seit Jahrzehnten bekannt

AP / Toshihiko SatoDer Absturz der Concorde im Juli 2000 mit 113 Toten wäre womöglich vermeidbar gewesen - das behaupten nun Anwälte der Familie des Piloten. Der Vorwurf: Strukturmängel des Überschallflieger seien seit Jahrzehnten bekannt gewesen, die Behörden hätten aus Prestigegründen geschwiegen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/t...-a-881330.html
  1. #1

    Ist sonst nix los?

    Bei jedem Flugzeug muss mit schwerwiegenden Schäden gerechnet werden, wenn ein Reifen platzt. Die Reifen haben schließlich Dimensionen von LKW Reifen und stehen unter weit höherem Druck als PKW Reifen, nämlich um die 8 bar.
    Was allerdings in dem reißerischen Artikel nicht zur Sprache kommt, sind bekannte Mängel an den Reifen. Die Reifen der Concorde sind höheren Belastungen ausgesetzt als bei konventionellen Airlinern. Dem wurde professionelleren Berichten nach nicht genügend Beachtung geschenkt.
  2. #2

    Was sind schon ...

    ... 113 Menschenleben gegen das Prestige der Manager großer Konzerne oder sogar ganzer Staaten?
    Titanic, Challenger, Costa Concordia, "Witwenmacher" Starfighter und Co. lassen grüßen.
  3. #3

    Bin selbst 1987 ein Mal mit der Concorde von London...

    nach Washington geflogen und bedaure, dass es bisher keinen Nachfolger dieses tollen und sauschnellen Flugzeugs gibt.
    Wenn nur Transportmittel zugelassen würden, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit pannensicher sind, würden wir heute noch mit dem Pferdewagen unterwegs sein. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass involvierte Behörden, Politiker und wer weiß ich noch alles gemeinsam eine Entscheidung trafen, ein Flugzeug in der Luft zu lassen, obwohl die Mängel als lebensbedrohend bekannt waren. Das würde ein ganzes System in Frage stellen, das heute noch existiert und für die Sicherheit von Millionen Passagiere zuständig ist.
    Wenn ich recht erinnere, waren die Flugzeuge 1999/2000 komplett unberholt worden, um die eiligen und zahlungsfähigen Kunden weiterhin bedienen zu können.
    Es ist m.E. eine sehr bedauerliche Verkettung unglücklicher Umstände, die zu dem Absturz in Paris geführt haben.
    Dennoch: Wenn einerseits heute auf Tests gedrängt würde, ob die Hülle an der Stelle, wo sie durchschlagen wurde, bei einer größeren Metallstärke wohlmöglich gehalten hätte, dann sollte man diese Überprüfungen auch bei Leichtbaufliegern wie dem Dreamliner bitte auch durchführen. Dann würden auch die Passagiere der Zukunft etwas davon haben.
  4. #4

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Absturz der Concorde im Juli 2000 mit 113 Toten wäre womöglich vermeidbar gewesen - das behaupten nun Anwälte der Familie des Piloten. Der Vorwurf: Strukturmängel des Überschallflieger seien seit Jahrzehnten bekannt gewesen, die Behörden hätten aus Prestigegründen geschwiegen.

    Absturz der Concorde: Mängel am Überschallflieger waren lange bekannt - SPIEGEL ONLINE
    Anwälte müssen auch solche Behauptungen aufstellen. Sonst würden sie nie einen Prozess gewinnen. Tatsache ist doch, daß es nur einen Absturz einer Concorde gab. Wenn man bei anderen Flugzeugtypen genauso gehandelt hätte, würde bestimmt kaum noch ein Flugzeug fliegen.
  5. #5

    Überfordertes Gummi

    Der Schwachpunkt Reifen war in der Tat seit Jahrzehnten bekannt, zumindest unter Luftfahrt-Journalisten. Die Deltaflügel der Concorde, für Überschallflug vorzüglich geeignet, liefern wenig Auftrieb im Langsamflug. Folglich mußte die Concorde mit hohem Tempo starten und landen, mehr als 300 Kilometer pro Stunde. Da waren und sind Luftreifen eigentlich überfordert. Ich erinnere mich eines Beitrags aus einer Fachzeitschrift der sechziger Jahre, wo die Frage aufgeworfen wurde, ob aufgepumptes Gummi für den Überschall-Verkehr der Zukunft überhaupt tauglich sei. Der Autor riet zu Versuchen mit einer Art Kettenlaufwerk - ganz ohne Gummi.
  6. #6

    Fachzeitschriften

    Zitat von panzer-tom Beitrag anzeigen
    Ich erinnere mich eines Beitrags aus einer Fachzeitschrift der sechziger Jahre, wo die Frage aufgeworfen wurde, ob aufgepumptes Gummi für den Überschall-Verkehr der Zukunft überhaupt tauglich sei. Der Autor riet zu Versuchen mit einer Art Kettenlaufwerk - ganz ohne Gummi.
    Auch die Autoren von Fachzeitschriften sind nicht immer über den Entwicklungsstand der Technik informiert. Die heutigen Schwergewichte im Luftverkehr fliegen nicht unbedingt mit weniger Druck auf den Reifen.

    Die Space Shuttle landeten auch mit "Gummireifen" bei hohen Geschwindigkeiten.

    Was bei der Diskussion vergessen wird ist, dass die Concorde nach dem Unfall mit Änderungen wieder eine Flugerlaubnis erhielt.

    Es ist einfach nicht möglich, jede Gefahr frühzeitig zu erkennen und zu neutralisieren. Dazu kann man sich die aktuellen Probleme von Boeing mit den Lithium-Cobalt-Akkus der B787 ansehen.
  7. #7

    Letztendlich ist die Concorde..

    ... aufgrund des wegen der Sekundärschäden bedingten Totalausfalls beider Triebwerke an einer Seite abgestürzt. Das wurde aufgrund der Aussichtslosigkeit einer solchen Situation nie geübt. Bei konventionellen Flugzeugen sieht die Sache völlig anders aus. Sonst würde auch kaum noch jemand fliegen wollen. Ich habe den Vogel ja von Kindesbeinen an innig geliebt, aber so ist nun mal die Faktenlage!
  8. #8

    Parallelen zu Airbus

    Unmittelbar nach dem Concorde-Unfall sagte mir ein britischer Ingenieur, was auch in dem Artikel steht: Britisch Airways hat Schwachstellen an der Beplankung der Tragflächen beseitigt, Air France jedoch nicht. Vermutung damals war, dass Frankreich das Image des Prestigefliegers schützen wollte und deswegen Korrekturen für unnötig erklärte. -

    Bei Airbus gabe es ebenfalls eine ganze Reihe von Fast-Katastrophen und einige tatsächliche Unfälle. Auch dort wurden diese Ereignisse, die man bei aufmerksamer Verfolgung von Berichten aus der Presse, vor allem der Luftfahrtpresse, sehen konnte, unter den Teppich gekehrt. Die weitgehend automatisierte Steuerung der Airbusse ist vielen Piloten, auch solchen der Lufthansa, die ich kenne, immer noch ein Dorn im Auge. Auch die Airbus-Katastrophe Pfingsten 2009 hat mit dieser Steuerungs-Philosophie zu tun. Aber diskutiert werden diese Probleme eher unter vorgehaltener Hand.
  9. #9

    Unglück vermeidbar?

    Es war ein toller "Vogel" nur England und Frankreich hatten ihn aus Prestige - Gründen. Wirtschaftlich war die Concorde ein Flop. Der eigentliche Vorteil war nur die kurze Flugzeit!