Westen ohne Konzept für Syrien: Die bizarre Logik der Realpolitik

REUTERSDer israelische Angriff auf den syrischen Waffenkonvoi war eine Warnung. Israel handelt, während der Westen ratlos ist. Nach zwei Jahren Bürgerkrieg in Syrien zeigt sich: Es war ein Fehler, sich so früh gegen Assad zu stellen.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-881282.html
  1. #1

    Realpolitik ist etwas anderes...

    Zum Beispiel eine realistische Sicht auf die Dinge - und daher schon im Mai 2011 (!) das zu schreiben, was jetzt langsaaaam in die Hirne der sogenannten westlichen Alliierten sickert: Daß nämlich die 'Cholera' Assad weitaus angenehmer zu ertragen als die 'Pest' der kopfabhackenden, durchgeknallten Extremisten: http://www.zenithonline.de/deutsch/politik//artikel/ich-will-meinen-diktator-behalten-001800/
  2. #2

    Assads einziger Fehler war,

    dass er nach dem Kalten Krieg nicht die Russen aus dem Land schmiss und stattdessen amerikanische Basen baute. Ach ja, und alle iranischen Militärberater sollte er natürlich austauschen. Dann wäre der Mann unser bester Freund gegen den Islamismus in der Region und sein Clan könnte noch 10 Jahre regieren.
  3. #3

    Werter Hr. Augstein!

    Vielen herzlichen Dank fuer diesen Artikel! Damit sind sie einer der Ersten, die nun endlich zugeben, worum es den
    Westen in Syrien wirklich geht! Und auch das sie das nun bestaetigen, was von vielen Foristen hier schon lange gesagt wurde, naemlich das die ""Rebellen"' in Syrien total von Steinzeit- Islamisten total beherrscht und abhaengig sind! Dafuer vielen Dank an sie! Und mit der Einschaetzng das sich der Westen viel zu frueh auf den Sturz Assads festgelegt hat und nun nicht mehr so einfach eine Kehre um 180 Grad machen kann, ohne das Gesicht zu verlieren, haben sie total Recht! Aber das kommt eben davon, wenn man, als Westen, seine Gegner total unterschaetzt und vor allem vergisst, das diese ""Gegner""" auch maechtige Unterstuetzer haben, die nicht bereit sind, einfach klein bei zu geben! Nach dem Fiasko von Afghanistan ein weiteres Fiasko, was man ganz leicht im Westen haette verhindern koennen!
  4. #4

    Das sollte dem Westen doch zu denken geben

    " Der Journalist Jürgen Todenhöfer beschrieb das Kräfteverhältnis in der syrischen Opposition vor kurzemin einem Gastbeitrag für den "Kölner Stadt-Anzeiger" so: "Dort kämpfen mehr als 50.000 bewaffnete Rebellen gegen das Assad-Regime. 40.000 von ihnen sind nach Aussagen demokratischer Oppositioneller islamistische Extremisten. Mindestens 15.000 von ihnen bekennen sich zur Nusra-Front." Selbst wenn er keine Belege für diese Zahlen liefert: Die Rebellen können es sich möglicherweise nicht leisten, auf die Islamisten zu verzichten."
    Wenn Todenhöfer sich die Zahlen nicht aus den Fingern gesogen hat, und das glaube ich auch nicht, sollte die syrische Opposition allein im Interesse des syrischen Volkes auf diese islamistischen Gruppen verzichten. Die werden sie aber so schnell nicht wieder los.
    Ob die denken man kann den nach getaner "Arbeit" sagen -Danke für eure Hilfe und geht nach Hause-?
    Die gewaltbereite Opposition hat sich solchen Leuten eingelassen um selber an die Macht zu kommen. Daraus wird bei den Zahlenverhältnissen aber nichts werden.
    Freiheit und Demokratie kann man dann ganz vergessen.
  5. #5

    Gut so

    Das gleiche gillt für Ägypten, Lybien und den Irak. Ein sehr guter und differenzierter Artikel!
  6. #6

    Willkommen

    in der neuen Obama realpolitik, nichts machen mal abwarten vieleicht geht alles vorueber.
  7. #7

    Konzeptionslosigkeit

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der israelische Angriff auf den syrischen Waffenkonvoi war eine Warnung. Israel handelt, während der Westen ratlos ist. Nach zwei Jahren Bürgerkrieg in Syrien zeigt sich: Es war ein Fehler, sich so früh gegen Assad zu stellen.

    Jakob Augstein über Israels Rolle im Syrien-Krieg - SPIEGEL ONLINE
    Es war mit Sicherheit ein Fehler, dass der Westen so vehement Partei gegen Assad ergriffen hat. Die Frage, was nach Assad kommt oder kommen könnte, wäre einer der ersten und wichtigsten Fragen gewesen, die sich westliche Außenpolitik hätte stellen müssen. Und da man in Europa sich gewöhnlich schwertut, richtige Einschätzungen in Bezug auf die arabische Welt und den Nahostkonflikt zu treffen, wäre ein vorsichtigeres Vorgehen sicherlich sinnvoll gewesen. Die Tatsache, dass sich die Europäer und die USA mit einer Stimmungsmache gegen Assad in der Anfangsphase des Konfliktes beinahe überboten, war zum einen einer Anbiederung an die erfolgreichen Rebellen in Tunesien, Lybien und Ägypten geschuldet zum anderen innenpolitisch motiviert, denn welche westliche Regierung ist schon bereit, öffentlich zu bekennen, dass man lieber sinnvolle realpolitische Ziele verfolgt. Man tut sich doch sehr viel leichter, populistisch auf den Zug zur Unterstützung der"Demokratiebewegung" aufzuspringen, ohne allerdings die Konsequenzen zu bedenken. Denn eines ist nach dem "Arabischen Frühling" klar geworden. Demokratie, so wie sie die Amerikaner oder Europäer verstehen, ist in keinem der Länder, in denen es eine Rebellion gegeben hat, entstanden. Dies war aber auch nicht zu erwarten. An den "Muslim-Brüdern" in Ägypten werden wir noch sehr lange unsere "Freude" haben. Sollte Assads Regime fallen, dann würde ein sehr gefährliches Machtvakuum entstehen, das viele machtpolitische Optionen in der Region schlagartig auf den Tisch bringen würde. Eines kann man dann aber Sicherheit sagen, sehr viele, nein fast alle Optionen werden dem Westen überhaupt nicht gefallen. Insofern hat der Westen derzeit nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.
  8. #8

    Ist tatsächlich eine Gradwanderung …

    … und egal was der liebreizende Westen sich vornimmt, die Auflistung der bisherigen Ziele im Artikel gibt ja einen guten Abriss dazu, könnte am Ende nicht widersprüchlicher sein. Vielleicht erklärt dies auch das hin und her in der Frage. Nur eines sollte allen Förderern der Zerstörung des Assad Syriens klar sein. Am Ende wird die Region in Flammen stehen. Egel für welches Übel man sich entscheidet.

    Nur eine Option wurde scheinbar nie bedacht, Assad an der Macht zu halten um wenigstens eine formale Ruhe dort in der Region zu gewährleisten. Dazu scheint die Abneigung gegen ihn zu tief zu sitzen und die bisherigen Verstrickungen in dem von außen befeuerten Krieg in Syrien zu groß. Das nennt man am Ende eben Politik und hat auch nichts mit den Bedürfnissen der Syrer mehr zu tun, die sind inzwischen nur noch Spielball nebst Opfer der Mächte und deren Alibi.

    Zum Vergleich ein sarkastischer Blick nach Mali, dort ist alles ganz einfach: Industriestaaten helfen Mali bei Entsorgung gefährlicher Bodenschätze … und damit sonnenklar. Dort sind die Bösen auch noch die Bösen und nicht wie damals in Libyen oder jetzt in Syrien mit einem Mal die Guten. Kann es wohl sein das auch aus diesem Umstand ein gewisses Bauchweh entsteht? Im Bereich der globalen Politik sicher nicht, eher beim Gewissen, sofern bei den verantwortlichen denn noch eines zu finden ist.
  9. #9

    Ohne Konzept?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der israelische Angriff auf den syrischen Waffenkonvoi war eine Warnung. Israel handelt, während der Westen ratlos ist. Nach zwei Jahren Bürgerkrieg in Syrien zeigt sich: Es war ein Fehler, sich so früh gegen Assad zu stellen.

    Jakob Augstein über Israels Rolle im Syrien-Krieg - SPIEGEL ONLINE
    Wie heist es so schön, wer das Eine will muss das Andere mögen!
    In seiner Politik gegen Assad haben sich die westlichen Mächte gewaltig vergaloppiert. Nun stehen sie vor dem Dilemma nicht zu wissen wie sie mit den "Rebellen" (Terroristen) umgehen sollen. Noch ein islamistischer Staat mit Scharia und allem drum und dran? Dazu noch die Bedrohung durch chemische Waffen die den "Rebellen" dann in die Hände fielen. Gleichzeitig ein gutes Rückzugsgebiet für den internationalen islamischen Terrorismus zu schaffen. In Mali bekämpfen wir die Islamisten in Syrien stehen wir ihnen bei. Das ist Schizophren!
    Wenn Assad wirklich in der Bevölkerung so verhasst ist, wie uns immer sugeriert wird, wäre er schon längst hinweg gefegt worden.
    Was die Israelis angeht, deren Paranoia ist ja nun allgemein bekannt. Jedes Land hat ein Recht auf Selbstverteidigung aber Israel hat weiter das Recht seine Nachbarn zu überfallen und nach gutdüncken zu attakieren. Eigentlich müsste doch Israel ein großes Interesse daran haben ein in sich gefestigtes Syrien als Nachbarn zu haben denn wie die Islamisten über Isreal denken ist ja auch bekannt. Also sollten sie, anstatt Assad zu schwächen, eine Allianz gegen den islamistischen Terror gründen.
    Es muss eine UN Charta geben in dem alle Länder verpflichtet werden den islamistischen Terror zu bekämpfen. Kein Land darf als Rückzugsgebiet für Terroristen gelten. Länder die sich nicht daran halten müssen mit Sanktionen rechnen. Außerdem sieht die ganze Welt wer zu wem steht.
    Gruß HP