Australien: Linguisten beleben ausgestorbene Aborigene-Sprache

AFPAustralische Linguisten haben eine ausgestorbene Aborigene-Sprache bei Adelaide wiederbelebt. Möglich machen dies die Aufzeichnungen deutscher Missionare aus dem 19. Jahrhundert. Lange nach dem Tod der letzten Sprecherin wächst nun die erste neue Muttersprachlerin heran.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-879496.html
  1. #20

    @orion4713

    Ich wollte mal ein Feedback dazu abgeben, weil ich es auch furchtbar finde mit diesem Pseudo-Weltläufigen Denglisch. Sollte sich dazu hier ein Update finden lassen, bitte ich um eine Message und zwar ASAP. Danke :-)
  2. #21

    Parfuemiertes Plattsprech

    Zitat von der_seher59 Beitrag anzeigen
    ganz nett fürs Kuriositäten-Kabinett.
    Ich selbst kann auch ein gepflegtes Plattdeutsch sprechen, aber wir sollten Forschung darauf verwenden, wie wir auf dieser kleinen Kugel möglichst überall in einer Sprache - wahrscheinlich englisch - sprechen.

    Wir müssen nun endlich über Grenzen hinweg zueinander finden - die Probleme da draussen sind nur gemeinsam zu lösen und eine "terranische" Sprache ist ein richtiger Schritt dahin.
    Ist zwar nett gemeint aber die Schweiz mit ihrer mindestens Dreisprachigkeit plus oertliche Idiome zeigt, dass ein miteinander auch bei unterschiedlichen Sprachen sehr gut geht.
    Womoeglich foerdert das sogar noch eine Art oertliches Identitaetsgefuehl und nutzt die Unterschiede zu bunterem miteinander bei weniger Agression.
    Ich bin aus Norddeutschland und kenne ausser in einigen skurilen Lokalteilen von Rundfunksendern oder einem bestimmten Barden kein "gepflegtes Platt". Was man heute hoert, ist eher alles ein "parfuemiertes".
    Ein inzwischen gestorbener Eckernfoerdener Fischer und auch ein verblichener Dorfschmied von der Westkueste waren vor Jahren die Letzten, von denen ich noch originaeres Platt hoerte.
    Die dachten auch anders als in der deutschen Sprache. Deutsch war fuer die nur eine Kunstsprache, die man zwar koennen muss, um seinen Beruf auszuueben oder mit Behoerden oder Staedtern umzugehen.
    Deren Platt hatte gewisse strukturelle Aehnlichkeit mit dem Londoner Cockney in der Art, wie Gleichnisse und Bilder zur Kommunikation eingesetzt und keine Definitionen benutzt werden.
  3. #22

    Seit wann ...

    bezeichnet man eine Sprache, die vom Vater erlernt wird, denn als Muttersprache?
  4. #23

    optional

    Einige lassen sich hier über Sprachwandel und die Unsinnigkeit des Festhaltens an bestimmten Sprachzuständen aus. Darum geht es hier doch gar nicht. Das Ziel ist ja nicht, irgendeine Form dieser Sprache zu konservieren und Sprachwandel zu unterbinden, sondern man hat schlicht die einzige uns zugängliche Stufe dieser Sprache verwendet. Gesprochen wird keine andere, überliefert ist auch keine andere.
    Niemand ist gezwungen, diese Sprache zu sprechen, da ja, soweit ich sehe, niemand beabsichtigt, das Englische aus dieser Region zu verdrängen, was auch aussichtslos wäre. Wenn das Projekt Erfolg hat, wird die Region also zweisprachig, wobei das Englische mit Sicherheit die dominante Sprache wäre. Was ist das Problem daran? Ebenso wenig kann ich das Mitleid mit der Tochter verstehen: Weil sie in einer überwiegend englischsprachigen Umgebung aufwächst, wird sie nicht schlechter englisch sprechen als andere Kinder. Sie wird dadurch auch nicht weniger andere, verbreitetere und nützlichere Fremdsprache lernen: Wenn sie im Kleinkindesalter zwei Muttersprachen erlernt, dann hat das mit späterem Fremsprachenunterrich an der Schule oder wo auch immer nichts zu tun.
    Das bedeutet natürlich nicht, daß man im Umkehrschluß das Projekt als besonders wichtig ansehen müßte, aber diejenigen, die zusätzlich zum Englischen - und nur darum geht es realistisch betrachtet und höchstwahrscheinlich auch nach der Absicht dieses Linguisten - auch Kaurna sprechen wollen, erleiden dadurch keinen Schaden und fügen auch anderen keinen zu. Wozu die Aufregung?
  5. #24

    Danke für diesen interessanten Artikel. Ich habe als Hesse für eine Zeit lang in Schleswig-Holstein gelebt, wo ich erfahren habe, wie wichtig die Beibehaltung der eigenen Sprache für die "Südschleswiger" war und ist. Umgekehrt weiss ich von Auslandsreisen, dass zumindest die ältere Generation von deutschen Auswanderern z.B. nach Australien, Brasilien oder den USA sich ebenfalls um den Erhalt der eigenen "Vatersprache" bemüht hat.

    "Romantisch", wie in einigen Kommentaren angedeutet, ist das sicherlich, zumal es sich bei diesen Beispielen um einen zumeist freiwillige Wechsel in eine andere Kultur handelte.

    Die interessante Parallele zur obigen Geschichte ist vielleicht der Fall der Rekonstruktion der der Sprache Israels, Ivrit (oder wie Linguisten sie heute nennen: Israelisch). Basierend auf dem biblischen Hebräisch als Text- und Liturgiesprache und anderen zeitgenössischen Schriften wurde sie Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts als eigenständige Umgangssprache rekonstruiert, mit allen Begriffen, die eine moderne Gesellschaft heute braucht. Sie ist damit die "grosse Schwester" zu der Wiederherstellung von ausgestorbenen oder vom Aussterben bedrohter Sprachen wie Kaurna.

    Solche Sprachen verschwanden zumeist mit dem Tod des letzten Muttersprachlers im Zuge der Kolonialisierung fremder Völker, wie eben auch in Südaustralien. Das Paradox dort aber ist, so scheint mir, dass eben die "First Nation People" im Raum Adelaide, die Kaurna (oder wie sie sich selbst nennen: "Miyurna" = schlicht: Mensch), die koloniale Invasion überlebt haben und sich wie andere Aborginal Sprachgruppen im Land wieder um die Bestimmung einer eigenen Identität bemühen. Und ohne eigene Sprache keine eigene kulturelle Identität ...

    Im Neoliberalismus scheint das ökonomisch gesehen keinen Sinn zu machen. Aber beim zweiten Blick dann schon: Die Bewahrung vor mentalen Erkrankungen wegen des Verlustes der eigenen kulturellen Identität; Gefängnisaufenthalte (unproportional mehr Aboriginals als andere Sprachgruppen in Australien); kulturelle Kreativität -- um nur einige wenige Faktoren zu nennen, und nicht zuletzt die Anerkennung Australiens durch Touristen. Unter Jugendlichen in Deutschland sind "Australien" und das Schicksal der "Aborigines" synonym!

    Ich habe in Adelaide viele Hinweise gesehen (z.B. die Doppelbenennung von Strassen und Plätzen), die ähnlich wie in Kanada (Quebec und den Gebieten der First Nation people) oder in Neuseeland so wenigstens erst einmal die Existenz dieser Sprachgruppen öffentlich und amtlich anerkennen --- und das ist dann doch deutlich mehr als die White Australia Policy im 20. Jahrhundert.
  6. #25

    Widerspruch Globalisierung Regionalisierung?

    "Während Buckskins bald zweijährige Tochter von ihrer australischen Mutter Englisch lernt, spricht der Vater nur Kaurna mit ihr."
    @der_seher59: Wo ist hier der Widerspruch. Das Mädchen wächst zweisprachig auf. Es gibt immer mehr Menschen, die Englisch lernen. Wir sind bereits auf dem Weg zu einer einheitlichen Weltsprache. Sprachen auszurotten ist leichter als Sprachen zu erhalten. Wir können auch solche kleinen Sprachen und Dialekte erhalten ohne dass dies in irgendeiner Weise mit der voranschreitenden Globalisierung konkurriert. Zweisprachigkeit ist keine Kunst. Das menschliche Hirn ist leistungsstärker als man denkt.

    @der_seher59: Wo ist hier der Widerspruch, das Mädchen wächst zweisprachig auf. Es gibt immer mehr Menschen, die Englisch lernen. Wir sind bereits auf dem Weg zu einer einheitlichen Weltsprache. Sprachen auszurotten ist leichter als Sprachen zu erhalten. Wir können auch solche kleinen Sprachen und Dialekte erhalten ohne dass dies in irgendeiner Weise mit der vorranschreitenden Globalisierung konkurriert. Zweisprachigkeit ist keine Kunst, das menschliche Hirn ist leistungsstärker als man denkt.