Geschlechter-Diskriminierung: Noch immer auf den Bäumen

dapdDer mächtige alte Mann, die wehrlose junge Frau: In der Causa Brüderle scheinen die Rollen fest vergeben. Dabei ist es an der Zeit, die Sexismus-Debatte vom Denken des 19. Jahrhunderts zu befreien.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-880578.html
  1. #1

    Die Projektion des akzeptierten Mannes

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der mächtige alte Mann, die wehrlose junge Frau: In der Causa Brüderle scheinen die Rollen fest vergeben. Dabei ist es an der Zeit, die Sexismus-Debatte vom Denken des 19. Jahrhunderts zu befreien.

    Christoph Kucklick zu Sexismus: Wir sind nicht von den Bäumen gekommen - SPIEGEL ONLINE
    Vielleicht sollte man einfach akzeptieren, dass der Stern keine Sexismus-Debatte anzetteln wollte, sondern "nur" den FDP-Politiker Brüderle "erlegen" wollte.

    Dass sich die Seximus-AnklägerInnen eine so rundum durchstrukturierte Anklage zurechtlegen konnten, die im Grunde von einem Mann, mit all seinen genetisch bedingten Anlagen und Verhaltensweisen, niemals widerlegt werden kann, ist der Beleg dafür, dass das Pendel zu weit ausschlägt.

    Die Projektion des akzeptierten Mannes ist ein Zerrbild. Die Eigenschaften die die Sexismusjäger diesem Mann zugestehen, sind feministisch geprägt. Selbstfesselung und teilweise Unterwerfung lugt zwichen den Texten hervor.

    Mit Argumenten aus dem Mittelalter und der Steinzeit sollte man den Männern im 21. Jahrhundert nicht kommen, da erwarte ich schon einen adäquaten Diskurs.
  2. #2

    optional

    Der Denkanstoss Sexismus nicht nur als einen Begriff der vor allem die Benachteiligung von Frauen beschreibt zu verstehen ist sehr gut.
    Wir Männer beklagen uns sicher weniger als Frauen, sonst sind wir in den Augen vieler Frauen Weicheier.
    Der Status des unterwürfigen, schwachen, leidenden Opfers passt in sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung als auch im Gefühlsleben der meisten Menschen nach wie vor besser zur Weiblichkeit. Es macht diese nicht aus, aber es tangiert sie auch nicht so sehr.
    Das Bild eines Mannes dagegen wird davon sehr tangiert.
    Und mehr Testosteron, mehr Muskeln, mehr Agression das ist genetisch und nicht weg zu diskutieren.

    Wir sollten einfach anfangen in diesen Debatten die Frauen zu fragen, wo sie eine Benachteiligung der Männer sehen. Und ob Sie unter Gleichberechtigung wirlklich verstehen, 50% der Soldaten zu stellen, der Maurer, der Strassenarbeiter. Genau so viel Überstunden zu machen. usw. ...
    Nicht zu vergessen zu fragen, ob Frau, bei Scheidung 50% der Erziehungsaufgaben bereit ist ab zu geben und selber für sich zu sorgen. Ob sie bereit ist, auf den beinahe Lebenslangen Versorgungsanspruch durch den Exmann zu verzichten.
  3. #3

    moderner

    ja. unabhängig der parteipolitischen fragen, ist doch bedenklich, wie die selbsternannte liberale partei fdp mit vorwürfen des sexismus umgeht. die stellungnahmen vieler fdp-politiker waren doch vormodern. man kann nur hoffen, dass andere parteien klüger und moderner damit umgehen.
  4. #4

    Ach nö ...

    In dieser ganzen Diskussion wird immer wieder deutlich, dass sich vor allem Männer ganz gern dümmer stellen, als sie eigentlich sind. Diese ganze angebliche Verunsicherung ist doch Quatsch. Ich persönlich halte es so: In allem, was ich tue, bin ich ich selbst. Mit einer ganz klaren Grenze: Wo ich andere einschränke, schlecht behandle, ihnen Dinge aufzwinge, hört es auf. Da ist es egal, ob ich es mit Frauen oder Männern zu tun habe. Diese soziale Intelligenz anzuwenden, ist die Aufgabe jedes Menschen im Leben. Da bleibt viel Freiraum für eigene Entscheidungen, aber natürlich auch für Fehler. Genau an dieser Stelle ist #aufschrei eine Chance. Dort können Menschen erzählen, wo ihre Grenzen verlaufen und wann sie überschritten wurden. Für die anderen geht es (simpel) ums Zuhören, reflektieren und ggf. eine Änderung des eigenen Verhaltens. Wie daraus jetzt a) eine angebliche "Opferrolle" der Schreibenden bei #aufschrei gemacht wird und b) eine angebliche Verunsicherung entstanden ist ("Darf man jetzt überhaupt noch Komplimente machen" etc. pp.) ist offenbar eine willkommene Exit-Strategie, um sich an diesem Prozess nicht beteiligen zu müssen. Wie wäre es denn, einfach nicht mehr die Worte "schwul" oder "behindert" als Schimpfwort zu benutzen, andere Personen auf der Straße nicht ungefragt anzugrapschen oder den Untergebenen in der Firma eben nicht vor anderen klein zu machen? #aufschrei hat einfach nur geholfen, denen, die sonst schweigen, eine Stimme zu geben. Dass sich dort verschiedenste Betroffene äußerten, ist doch den Interessierten schon immer klar gewesen. Dass das wiederum nicht adäquat diskutiert wird, ist ein peinliches Versäumnis der Medien. Und genau wie die Brüderle-Diskussion steht auch das Problemfeld der Balance zwischen Männern und Frauen auf einem ganz anderen Blatt.
  5. #5

    Ich schlaf auf der Couch

    Habe vorgestern zu meiner Holden gesagt: "Nach 3 Millionen Jahren Evolution und 20.000 Jahren Zivilisation erfinden die Frauen mit dem Feminismus zu erstmal etwas eigenständiges und prompt funktioniert´s nicht.". Nachdem ich dann noch auf die bedrohlichen Geburtenraten und die letzte Kinderfreundlichkeits Debatten in DE hinwies war´s das für mich... naja.

    Ansonsten einer der besten/gelassenstens Texte zum Thema bislang
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Neu ist immerhin der Versuch, in der Brüderle-Debatte das Ende der Macht des weißen Mannes zu sehen. Die Argumentation von SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist Jakob Augstein läuft in etwa so: Brüderle = weiß = ewiggestrig = bislang Herrscher = bald nicht mehr.

    Christoph Kucklick zu Sexismus: Wir sind nicht von den Bäumen gekommen - SPIEGEL ONLINE
    Ein kluger SPIEGEL-Leser wiederspricht niemals einem Jakob Augstein
    -
    Er wartet bis er es selber tut!


    Frauenfeindlichkeit und Sexismus gibt es auch bei Männern mit NICHT-weißer Hautfarbe.

    ACHTUNG
    Ich bin ANTI-Rassist.

    Aber gerade deswegen erwähne ich Das.


    Teilweise ist Frauenfeindlichkeit in anderen Ländern sogar noch schlimmer als im "weißen Westen":

    Ländervergleich: Wo es für Frauen am gefährlichsten ist - SPIEGEL ONLINE

    "Nirgendwo leben Frauen so gefährlich wie in Afghanistan - das ist das Ergebnis einer neuen globalen Studie.
    ....
    Sie sollten die Länder der Welt nach sechs unterschiedlichen Risiken für Frauen bewerten: Mängel in der medizinischen Versorgung, sexuelle Gewalt, generelle Gewalt, kulturelle oder religiöse Faktoren, fehlender Zugang zu wirtschaftlichen Ressourcen, Menschenhandel.

    Nach Afghanistan gehören der Kongo, Pakistan, Indien und Somalia zu den für Frauen gefährlichsten Ländern der Welt - in der genannten Reihenfolge. Die Gründe für die immensen Probleme der Frauen in diesen Staaten sind der Studie zufolge zum Teil höchst unterschiedlich."
  7. #7

    Es geht immer um Macht.

    Zitat von Emil Peisker Beitrag anzeigen
    ...

    Mit Argumenten aus dem Mittelalter und der Steinzeit sollte man den Männern im 21. Jahrhundert nicht kommen, da erwarte ich schon einen adäquaten Diskurs.
    Was die Macht mit Männern macht, das macht sie auch mit Frauen. Sie kann den Charakter versauen.

    Schafft die Chefstrukturen ab. Ersetzt sie durch demokratische Gremien aus Frauen und aus Männern, nur dann kann sik wat ännern
  8. #8

    langsam reichts

    nach dem seit vielen Tagen über diese "Brüderle-Geschichte" diskutiert wird, sollte man langsam zu wirklichen Problemen zurückkehren. Nach dem auch die Grünen durch Petra Roth Ihren üblichen opportunistischen Senf dazu gegeben haben, wirde es Zeit diese Frau Himmelreich vom Stern dahin zustellen wo sie hin gehört. Nach einem Jahr hat diese Frau endlich enddeckt wie mies sie von Brüderle behandelt wurde. Was bei ihm nicht geklappt hat - nämlich sie einzuschleimen mit dümmlichen Fragen - hat sie jetzt zum Aufmacher des Stern gebracht. Was diese FRau macht ist Sexismus der übelsten Art. Sie spielt eine Diskreminierte u. alle "Gutmeinenden" dieser Republik nehmen den Ball auf u. kochen ihr eigene opportunistische Suppe mit. Allen voran die Grüne Entrüstetfrau Roth.
    Es gibt in jeder Gesellschaft Männer u. Frauen die sich daneben benehmen. Wenn eine Frau gleichberechtigt ist (nicht nach dem Gesetz sondern in sich selber) dann antwortet sie direkt, entweder durch einen ebensolch lockeren Spruch, im Härtefall mit einer Ohrfeige oder mit einer Anzeige. Spielt sie aber nach einem Jahr wegen einer solchen dussligen Äußerung die Geschändete, so sollte man sie dahin tun wo sie in gehört - in den Mülleimer der Geschichte. Also Adieu endlich Frau Himmerlreich u. wer Ihnen noch ein Interview gibt als Mann muß wirklich dusslig sein.
  9. #9

    wenn nur der Diskussionsstil weniger steinzeitlich wäre ...

    Guter Beitrag.

    "Wir müssten dann von gegenläufigen, vielfältigen Sexismen sprechen, ..."

    Ich sehe dies noch etwas genereller: die Qualität der Diskussion läßt sehr zu wünschen übrig. Begriffe wie Sexismus, sexuelle Belästigung / Gewalt, Vergewaltigung usw. werden nicht sauber unterschieden oder sind per se unscharf definiert, was schon für sich genommen die Diskussionen zum Scheitern bringen kann.

    Darüber hinaus hat dieses Thema eine Besonderheit im Vergleich zu allen anderen gesellschaftlichen Themen: praktisch niemand bringt die Pubertät und die Folgejahre ganz ohne Blessuren hinter sich. Diese Blessuren gehören zu den am stärksten wirkenden, um nicht zu sagen traumatisierendsten Erfahrungen. Ich wage die These, daß der scharfe Ton, der sehr schnell in diese Diskussion kommt, und die Verabsolutierung relativ spezieller Sonderfälle, die man auch als Tunnelblick bezeichnen kann, damit zu erklären ist, daß fast jeder seine Traumatisierungen und seinen individuellen Frust abarbeitet.

    Ich wünsche mir auch wie Kucklick eine abgeklärte, rationale, dem 21. Jahrhundert gemäße Diskussion des Themas. Ich habe nur Zweifel, ob unsere Selbstreflexion und Kontrolle über unsere persönlichen Traumatisierungen weit genug gediehen ist. Wenn ich mir die Blogs und Diskussionsrunden der letzte Zeit ansehe, dann habe ich den Eindruck, daß selbst dann, wenn viel aktuelles Faktenwissen vorhanden ist, der Diskussionsstil oft noch auf Steinzeit-Niveau ist.