Mecklenburg-Vorpommern: Rückkehr der Kopfnote

dpaIm Nordosten sollen Schüler ab kommendem Schuljahr Zensuren für ihr Arbeits- und Sozialverhalten bekommen: Die rot-schwarze Koalition in Mecklenburg-Vorpommern will die Kopfnoten wieder einführen.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/m...-a-880097.html
  1. #1

    Womit will man messen und vergleichen...

    Unproblematisch ist die Vergabe von Zensuren für Verhalten sicherlich nicht. Andererseits muss man an irgendetwas ja messen und vergleichen können - das ist mit den Kopfnoten jetzt wieder möglich.
    Es bleibt dann abzuwarten was man aus den Noten macht - verwenden die nur die Betriebe beim Aussortieren / Einstufen der Bewerber (wenn die derzeit schon beklagen, dass das Verhalten nichts taugt, dann wird sich mit den Noten am Fakt erst mal nichts ändern - man kann nur das allerschlimmste schon mal gar nicht erst zum Gespräch einladen).
    Allerdings muss man sich auch Überlegen: Im Zweifel hat man gar keinen Nachwuchs im Betrieb und schreit dann nach Fachkräften.

    Es ist vielleicht die verfehlte Politik der Unternehmen bzw. deren geforderte Flexibilität von Arbeitnehmern die jetzt zurück kommt wie ein Boomerang - Eltern die sich aufgrund der Arbeitsbelastung (weil es eben hinten und vorne sonst beim Geld nicht reicht) nicht im vielleicht notwendigen Maße um die Erziehung ihrer Sprößlinge kümmern konnten. Das fehlende Sozialverhalten kommt jetzt in die Betriebe - selfmade so traurig das für alle Beteiligten ist.
  2. #2

    Zitat von murphy83 Beitrag anzeigen
    Es bleibt dann abzuwarten was man aus den Noten macht - verwenden die nur die Betriebe beim Aussortieren / Einstufen der Bewerber (wenn die derzeit schon beklagen, dass das Verhalten nichts taugt, dann wird sich mit den Noten am Fakt erst mal nichts ändern - man kann nur das allerschlimmste schon mal gar nicht erst zum Gespräch einladen).
    Die Hoffnung ist wohl, dass ein Umdenken bei Eltern und Schülern einsetzt. Wenn etwas benotet wird, dann ist es wohl wichtig und man investiert darin. Obs hilft, wird man sehen
  3. #3

    Zitat von cs01 Beitrag anzeigen
    Die Hoffnung ist wohl, dass ein Umdenken bei Eltern und Schülern einsetzt....
    Prinzipiell befürworte ich Kopfnoten. Aber das ist eine zweiseitige Sache: Wenn man als Junge in Betragen eine 1 oder 2 hat, sollte man das nicht zu laut sagen... ;-)
  4. #4

    Hilfreich

    Im Grunde gehen die Schulen auf die Bedürfnisse der Ausbildungsbetriebe ein, wonach es einen objektiven Massstab bei der Bewertung des Sozialverhaltens geben muss. Ich hoffe, das eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über den Wert solcher Maßnahmen angestossen wird, in dessen Ergebnis besondes Eltern und Angehörige positiv auf das Sozialverhalten ihrer Sprösslinge einwirken. Dann könnten sich Lehrer wieder auf die Vermittlung von Wissen konzentrieren.
  5. #5

    Konservativer Bockmist

    Da Frage ich wann wir wieder einen Kaiser auf dem Thron setzen und uns von ihm regieren lassen. Diese Kopfnoten stammen doch aus Kaiserszeiten. In unserer Leistungsgesellschaft kommt man doch eigentlich nur voran, wenn man alle Gegner gnadenlos umrennt und wegwalzt. Gibt es dann also gute Noten für besonders gemeine Schüler?
  6. #6

    Kopdnoten?

    Zitat von parcius Beitrag anzeigen
    ...
    Dann könnten sich Lehrer wieder auf die Vermittlung von Wissen konzentrieren.
    Aktuelle Erkenntnise der Lehr-Lern-Forschung weisen schlüssig nach, dass Vermittlung von Person zu Person (Lehrer -> Lerner) nicht möglich ist. Der Lehrer ist vielmehr Lernbegleiter, Lerncoach und Lernassistent, der Lerner konstruiert sich das Wissen selbstständig.

    Das Problem liegt vielmehr am weitverbreiteten Frontalunterricht, der zu Aggression und Widerwillen bei den Recipienten führt. Ob da die Einführung von von Methoden aus der wilhelminischen Paukschule helfen kann, das bezweilfe ich.
  7. #7

    optional

    Das Problem an Kopfnoten ist, dass sie auf sehr subjektiven Wahrnehmungen beruhen. An der Festlegung der Notenstufe müssten ja alle beteiligten Lehrer mitwirken und sich einigen. Das können an einer Schule der Sekundarstufe ja schon mal 8-10 verschiedene sein. Jeder hat eine andere Meinung, weil Schüler ja Lieblings- und Hassfächer haben, in denen sie sich unterschiedlich gut oder schlecht verhalten können. Und wenn diese Diskussion dann über jeden einzelnen Schüler eführt werden musss, dehnt sich eine Notenkonferenz schnell auf das Dreifache an Zeitaufwand. Und wenn dann drei Schultage ausfallen müssen wegen der Konferenzen gehen die berufstätigen Eltern auf die Barrikaden, weil sie nicht wisse, wohin mit dem Nachwuchs.
    Es ist einfach nicht praktikabel. (Von der Aussagekraft der Kopfnoten ganz abgesehen.)
  8. #8

    Erfahrung aus NRW

    Im Prinzip befürworte ich die Kopfnoten, vor allem aus Sicht der Lehrherren, Arbeitgeber, usw.
    Diejenigen Schüler, denen wir schlechtes Sozialverhalten attestiert haben, hätte ich als Chef nicht mal in der Nähe von meinem Betrieb haben wollen!
    ABER: Gerade diese Schüler haben sich an den Noten nicht gestört, der Erziehungseffekt war gleich Null.
  9. #9

    Hattie

    Zitat von discipulus_neu Beitrag anzeigen
    ... Der Lehrer ist vielmehr Lernbegleiter, Lerncoach und Lernassistent, der Lerner konstruiert sich das Wissen selbstständig.
    Das Problem liegt vielmehr am weitverbreiteten Frontalunterricht, der zu Aggression und Widerwillen bei den Recipienten führt ...
    Nun mal langsam mit der Dresche auf den ungeliebten Frontalunterricht! Es gibt ihn so und auch so!

    Haben Sie von der Hattie-Studie gehört? Absolut lesenswert!! Googlen Sie mal den Zeitartikel dazu: Ein guter Lehrer hat mit Frontalunterricht gute Erfolge, ein schwacher oder fauler Schüler kann/will sich kein Wissen selber konstruieren!