Steuerhinterziehung in der Schweiz: Im Seminar der Selbstanzeiger

REUTERSDas Schweizer Bankgeheimnis bröckelt, Steuersünder sind nervös - und Profis wittern ein Riesengeschäft. In einem Zürcher Seminar lernen Berater, wie sie mit ihren Klienten eine perfekte Selbstanzeige zu Papier bringen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...-a-879982.html
  1. #20

    Wo leben Sie?

    Zitat von j.vantast Beitrag anzeigen
    Unfassbar. Für alles andere muss man mit harten Konsequenzen rechnen, nur Steuerhinterziehung wird nach wie vor wie ein Kavaliersdelikt behandelt.
    Warum Straffreiheit bei einer Selbstanzeige? Sowas gibts nicht einmal bei Fahrerflucht mit geringem Blechschaden.
    Für was muss man denn bei uns mit harten Konsequenzen rechnen außer für Ungehorsam gegen die Obrigkeit?
  2. #21

    optional

    Sich selbst anzeigen ist keine gute Idee, wenn man es richtig gemacht hat kriegen die einen nicht... :-)
  3. #22

    Zitat von tw1974 Beitrag anzeigen
    Ganz Einfach: Der Staat will einen Anreiz schaffen, Steuern nachzuentrichten. Es sind letztlich "fiskalische Interessen" des Staates (weniger vornehm könnte man auch von Geldgier sprechen), die über das Strafverfolgungsinteresse gestellt werden.
    Unsinn, diese Strafbefreiung ist einfach dem Kapitalistischen Anspruch geschuldet das Reiche so oder so nichts zahlen wollen, und das geht letztlich über die letzten 150 Jahre in allen weltlichen Staaten so! Wenn da ein fiskalisches Interesse von der politik bestanden hätte, dann hätte man die steuerhinterziehung ziemlich schnell mit drastischen Erfolgen durchsetzen können!

    Naja, wenn Sie bei Fahrerflucht mit Blechschaden einen Zettel hinterlassen und sich innerhalb von 24 Stunden bei der Polizei melden, ist das keine Fahrerflucht.

    Außerdem: Es gibt auch Strafbefreiung (für den Versuch) beim versuchten Mord, wenn der Täter vom Versuch zurücktritt.
    Ihr Rechtsverständnis ist etwas dürftig - das gesetz sagt nichts von 24 H..
    Fahrerflucht ist ein Verkehrsdelikt und wird in Deutschland im § 142 StGB unter der Deliktsbezeichnung Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort geregelt.

    Nach dieser Vorschrift wird derjenige bestraft, der sich als an einem Verkehrsunfall Beteiligter vom Unfallort entfernt, ohne zuvor den anderen Unfallbeteiligten die Feststellung seiner Personalien ermöglicht zu haben oder hierzu wenigstens eine angemessene Zeit gewartet zu haben, sowie derjenige, der sich zwar erlaubterweise vom Unfallort entfernt hat, die erforderlichen Feststellungen aber nicht unverzüglich nachträglich ermöglicht.
    Und Unverzüglich heißt - nächste Polizeistation anfahren .. nix 24 h.

    Und Mordversuch der scheitert bleibt trotzdem Mord - da gibts auch kein Zurücktreten vom Moment an wo sie den gestartet haben!
    Und eine Strafbefreiung dürfen sie sich gerne einbilden , werden aber trotzdem im Knast landen , vielleicht nur etwas weniger lange!
  4. #23

    Wenn Jäger und Lehrer etwas mehr riskieren würden...

    ...würde die Steuerehrlichkeit drastisch ansteigen.
    Achja: wie wärs mit einem Internet-Pranger für Steuerbetrüger?
  5. #24

    Der überwiegende Teil der Anleger kommt unangetastet davon....

    Mit der Ablehnung des Steuerabkommens hat sich die SPD selbst ins Bein geschossen.
    Erstens kommen immer mehr Betroffene in die Verjährung, und sind damit raus aus dem "Spiel"....

    Zweitens entgehen €-Mrd. Beträge als sichere Einnahmen den Ländern, welche diesen Zustupf sehr gebrauchen könnten (Infrastukturerneuerung, Strassenausbesserung, Renovation von Schulen, Bildungsstätten usw. usw.)

    Nicht ohne Grund sind die Schweizer Banken mit der Ablehnung durch den dt. Bundesrat sehr zufrieden....
    Der finanzielle Aufwand mit der Abgeltungssteuer, und die Abgeltung selber hätte sie um einiges mehr beunruhigt...
  6. #25

    Zitat von 002614 Beitrag anzeigen
    Steuerhinterziehung gibt es doch schon lange. Auch schon zu Zeiten, als Rot/Gelb oder Rot/Grün regierten. Man sollte besser froh sein, daß das Thema angegangen wird. Mal sehen, ob Herr Steinbrück - auch ohne die Kavallerie in die Schweiz zu schicken - ein besseres Abkommen zustande kriegt.
    Warum sollte H.Steinbrück das machen? Die EU arbeitet doch schon daran mit dem Fiskalpakt und der Bankenunion. Was glauben sie den welchen Umfang das haben wird? Natürlich wird dabei der gesamte Geldverkehr in der EU durchleuchtet werden , und dann wird nicht nur bei den Amis über Swift jede Transaktion mitgehört ,sondern man wird auch die gesamten Finanzämter in dieses System einbinden!

    Es ging für die CH eher darum mit nationalen Zwischenstaatlichen Verträgen das ganze auszuhebeln, was aber inzwischen gründlichst gescheitert ist!
  7. #26

    Vorwärts machen!

    Dass Deutschland Massnahmen unternimmt, um alle seine Bürger vollumfänglich zu besteuern ist richtig und fair. Dass Bürger sich grundsätzlich gegen ein gläsernes Selbst schützen auch. Das ursprünglich verhandelte Steuerabkommen mit der Schweiz trägt beiden diesen Aspekten Rechnung, Zeit also, es nach dem politischen Spiel wieder aus der Schublade zu holen.
  8. #27

    SPD/Gruene

    Erinnert sich den keiner mehr daran, wie SPD und Gruene Anfang 2000 eine Steueramnesrie mit 15% Abgeltung erlassen hatten? Und jetzt wird das von Schaeuble durchverhandelte Abkommen mit duchschnittlich 30% Abgeltung fuer die Vergangenheit auf den Kapitalbetrag und 26,375% Abgeltung auf die Kapitalertraege wie Zinsen und Dividenden sowie Veraeusserungsgewinne verworfen. Das ist blanker Populismus und Wahlkampf und dazu verlogen.
  9. #28

    Zitat von j.vantast Beitrag anzeigen
    Unfassbar. Für alles andere muss man mit harten Konsequenzen rechnen, nur Steuerhinterziehung wird nach wie vor wie ein Kavaliersdelikt behandelt.
    Wir sind ein demokratischer Staat und in einem solchen bestimmt nun einmal das Volk, was wie bestraft wird. Und für das Volk ist nur eine verhinderte Steuer eine gute Steuer. Denn der Staat verschwendet das sauer verdiente Geld nur, wie jeder weiß, um seinen überteuerten Beamten auch noch eine dicke Pension hinterherzuwerfen. Wer sich dagegen wehrt, ist ein Held und verdient eigentlich eine Orden.
  10. #29

    Strafbefreiung

    Zitat von silverhair Beitrag anzeigen
    Unsinn, diese Strafbefreiung ist einfach dem Kapitalistischen Anspruch geschuldet das Reiche so oder so nichts zahlen wollen, (...)!
    (1) Sie haben die Funktion der strafbefreienden Selbstanzeige nicht verstanden. Die strafbefreiende Selbstanzeige führt nicht dazu, dass irgendjemand "nichts zahlen" wird. Die hinterzogene Steuer muss weiterhin (zzgl. Hinterziehungszinsen, § 235 AO) gezahlt werden. Die Selbstanzeige führt darüber hinaus nur zur Straffreiheit, wenn der hinterzogene Steuerbetrag gezahlt wird (§ 371 Abs. 3 AO).

    (2) Schön, dass Sie für alles eine Erklärung haben (die "kapitalistische Weltverschwörung"). Leider ist diese Erklärung aber (auch) in diesem Fall falsch. Intention der strafbefreienden Selbstanzeige war das fiskalische Interesse des Staates, mann wollte "Steuersünder aus ihrem Versteck hervorlocken, um samt ihrem (Geld-)Beutel zum Wohle der Staatskasse noch gefügig zu machen". Das können Sie in der Protokollen der Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung von 1919 (132. Sitzung v. 17.12.1919, Bd. 331, S. 4136ff) nachlesen, die den ursprünglichen § 374 RAO beschlossen hat.
    Zitat von silverhair Beitrag anzeigen
    Wenn da ein fiskalisches Interesse von der politik bestanden hätte, dann hätte man die steuerhinterziehung ziemlich schnell mit drastischen Erfolgen durchsetzen können!
    (3) Warum sollte man die Steuerhinterziehung durchsetzen wollen?

    (4) Ausgehend davon, dass Sie die Durchsetzung der Verfolgung der Steuerhinterziehung oder die Durchsetzung des staatliches Steueranspruchs meinen: Welche Mittel meinen Sie konkret, mit denen man - Rechtsstaatskonform und unter Wahrung der Grundrechte des Bürgers - "drastische Erfolge" hätte erzielen können?

    Zitat von silverhair Beitrag anzeigen
    Ihr Rechtsverständnis ist etwas dürftig - das gesetz sagt nichts von 24 H..
    (5) Sie haben vollkomen Recht. Das Gesetz sagt nichts von 24 h. Allerdings hat die Rechtsprechung - bei Bagatellschäden, um die es hier geht ("Blechschaden") - den Begriff "unverzüglich" sehr weit ausgelegt.

    Außerdem: Der Unfallbeteiligte muss nicht unbedingt eine Polizeidienststelle anfahren. Es genügt auch, dass er seine Unfallbeteiligung dem Berechtigten mitteilt (§ 142 Abs. 2 iVm Abs. 3 StGB). Bei einem Bagatellschaden kann da auch der "Zettel" ausreichen. Von daher war meine Darstellung ungenau, ich wollte nicht mit juristischen Details langweilen. Ich bitte, das zu entschuldigen.

    Aber: In jedem Fall muss der Unfallbeteilgte erst eine angemessene Zeit am Unfallort gewartet haben.
    Zitat von silverhair Beitrag anzeigen
    Und Mordversuch der scheitert bleibt trotzdem Mord - da gibts auch kein Zurücktreten vom Moment an wo sie den gestartet haben!
    Und eine Strafbefreiung dürfen sie sich gerne einbilden , werden aber trotzdem im Knast landen , vielleicht nur etwas weniger lange!
    (6) Nein, das ist schlicht falsch. Ein Rücktritt vom Versuch, der nicht gehlgeschlagen ist - führt zur Strafreiheit. Das gilt auch bei versuchtem Mord.