Tom Wolfes "Back to Blood": Fehlerteufel mit Eitelkeiten

APHaitianer gegen Kubaner, Kubaner gegen Afro-Amerikaner, alle zusammen gegen die Americanos: In "Back to Blood" nimmt Tom Wolfe die ethnischen Verteilerkämpfe Miamis ins Visier - ohne Gespür für die Gegenwart. Der Meister liefert bloß eine selbstgefällige Stilübung auf 768 Seiten.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...-a-879076.html
  1. #10

    Lesevergnügen

    Bin gerade im Urlaub und ca. auf Seite 500 des neuen Romans von Tom Wolfe (englischsprachige Ausgabe). Schon jetzt spare ich ein wenig mit dem Lesen, um das Vergnügen an diesem Roman noch ein wenig länger zu haben. Man weiß einfach, daß hier tiefe Einblicke in die Gesellschaft und auch Psyche von Einzelpersonen gewährt werden, wie man sie anderweitig kaum erhalten kann. Wie schon bei den Vorgängerromanen von Tom Wolfe kann man gewissernmaßen süchtig werden nach einem neuen Kapitel, in dem immer wieder eine neue Facette der amerikanischen Gesellschaft essayhaft seziert wird oder das persönliche Empfinden der handelnden Personen in für sie existenziellen Situationen eindrücklich beschrieben wird. Tatsächlich könnten einige Kapitel auch als abgeschlossene Essays stehen, so wie ja auch einige Episoden der Sopranos sich exemplarisch auf bestimmte soziologische oder psychische Phänomene beschränken. Es gibt in diesem an sich handlungsarmen Roman zwei Hauptfiguren, um die herum allerdings ein großes Personentableau gruppiert ist. Leider ist es wieder mal so, daß Tom Wolfe auf 700 Seiten doch nicht so viel erzählen kann, wie man gerne erfahren möchte. Würde es daher sehr begrüßen, wenn er im monatlichen Abstand unterhaltsame und scharfsinnige Essays schreiben würde, das Thema ist bei einem Meister wie ihm fast nebensächlich.
  2. #11

    Redakteur-Bashing

    Ich bin gerade bei Wolfe's neuen Werk eingestiegen, und nach 50 Seiten ist der Funke noch nicht übergesprungen. Mal sehen, was noch kommt...

    Reichlich daneben finde ich allerdings die ziemlich platte Kritik an der Rezension des Herrn Buß. Er begründet immerhin, warum ihm das Buch altbacken und teilweise der Realität etwas entrückt erscheint, während die Kommentatoren hier außer herablassenden Einwürfen bezüglich der Unmöglichkeit, das Werk von einem Redaktionsbüro in Deutschland aus angemessen beurteilen zu können, kaum etwas vorzubringen wissen.