Autismus-Therapie: Der Weg ins fast normale Leben

REUTERSIn eine reguläre Schule gehen, enge Freunde haben, Partnerschaften eingehen: Für viele Autisten ist das undenkbar. Doch es gibt immer mehr Therapiemethoden, um autistische Symptome schon bei Kleinkindern abzumildern - und ihnen damit ein fast normales Leben zu ermöglichen.

http://www.spiegel.de/gesundheit/psy...-a-876742.html
  1. #1

    arme Kinder, arme Eltern,

    keine Frage. Beide tun mir sehr leid. Aber wie soll so eine Therapie bezahlt werden? Und das über viele Jahre.
  2. #2

    Bärendienst!

    Derartige Artikel machen uns Eltern von Autisten das Leben sehr schwer - Einzelfall-Wunderstories ohne jegliche empirische Grundlage. Aber mit der Konsequenz, dass die Eltern wieder irgendwie Schuld haben. Derartige Berichte gab es schon immer (Stichwort "Delfintherapie"). In der Realität da draußen ist es hingegen ein gewaltiger Therapieerfolg, wenn sich ein Kind mit frühkindlichem Autismus alleine anzieht, in der Öffentlichkeit keinen Schreikrampf bekommt oder halbwegs sauber bleibt. V.a. die Nachbarn freuen sich aber über die solche Artikel, da diese sowieso keinerlei Verständnis für die motorische Unruhe und das Geschrei des Kindes aufbringen und nun nun wieder einen "Beleg" für die scheinbare Schuld der Eltern bekommen ("Habe ich ja schon immer gesagt, dass die sich einfach keine Mühe geben!").Tipp für die Autorin: Mal Einfach mal ein Autismustherapiezentrum besuchen und dort die Eltern und das Fachpersonal interviewen. Bevor solch unverantwortliche Artikel publiziert werden.
  3. #3

    optional

    Asperger und viele Autisten brauchen Akzeptanz, nicht Umformungstherapie. Nur weil der Wunsch der Eltern nach Anpassung an Konventionen und so genannte Normen übermächtig ist darf man nicht die Persönlichkeit der Kinder vergewaltigen. Dabei geht es nur um das "Funktionieren", nicht um ein erfülltes Leben, das den meisten Asperger-Autisten nur mit ihrem eigenen Lebensstil möglich ist, nicht mit der übergestülpten Verhaltensschablone der Üblichen.
  4. #4

    Es geht noch mehr beim Autismus

    Schade, dass der Beitrag über Autismus einen sehr wichtigen Aspekt der Therapie ausklammert, nämlich die Darmsanierung, mit der so gute Erfolge erzielt werden, dass darüber sogar im Deutschen Ärzteblatt berichtet wurde - und das ist sicher kein alternatives Heilmagazin!
  5. #5

    Individuum

    Asperger sind keine Kranken, sondern besondere Menschen mit Einschränkungen im normalen Leben. Und ich gebe dem Kommentar "Bärendienst" recht. Hier werden einzelne Wunder beschrieben und die normalen Menschen bleiben mit ihren Problemen alleine und unverstanden.
  6. #6

    Zitat von dr.laus Beitrag anzeigen
    ... die Darmsanierung,...
    Und ich wollte schon schreiben. Pseudomediziner in 3.2.1....

    Aber da war einer schon schneller.
  7. #7

    ***

    Zitat von a.vollmer Beitrag anzeigen
    Asperger und viele Autisten brauchen Akzeptanz, nicht Umformungstherapie. Nur weil der Wunsch der Eltern nach Anpassung an Konventionen und so genannte Normen übermächtig ist darf man nicht die Persönlichkeit der Kinder vergewaltigen. Dabei geht es nur um das "Funktionieren", nicht um ein erfülltes Leben, das den meisten Asperger-Autisten nur mit ihrem eigenen Lebensstil möglich ist, nicht mit der übergestülpten Verhaltensschablone der Üblichen.
    Genau so ist es. Bei den meisten Therapien ist das Ziel, dass das Kind in Zukunft nicht mehr so auffallen soll. Es soll - wie im Artikel deutlich wird - NICHT STÖREN. Das ist in etwa so wie wenn man von einem Schwulen verlangen würde, mit einer Frau zusammenzuleben, um nicht weiter "aufzufallen". Äußerlich mag das wohl gehen, aber es bedeutet ein Leben in ewiger Verleugnung und Verstellung (wobei Autismus oft auch mit Verstellung nicht zu leugnen ist, weil es eben nicht nur ein Einzelparameter wie sexuelle Orientierung betrifft, sondern die gesamte Wahrnehmung).

    Besonders schlimm an dieser ganzen Übertherapiererei, wo das Kind in meinen Augen gegen seine innere Empfindung handeln muss, ist dass das Kind von früh an begreift, dass es nur als Defizit wahrgenommen wird: ständig wird ihm zu verstehen gegeben, dass es so wie es ist, nicht gut ist. Und dass es nur dann geliebt wird, wenn es anders ist.

    Wie jeder andere Mensch sollte es in seinen Fähigkeiten bestärkt werden, diese ausbauen und ein Rahmen geschaffen werden, den es ertragen kann (Stichwort: Geräusche).

    Diese ständige Verstellerei, diese "Normalo-Darsteller"-Dressur hat m. E. gravierende Spätfolgen, weil es enorme Anstrengungen kostet, ständig etwas darzustellen, was der eigenen Empfindung diametral gegenübersteht. Untersuchen Sie doch mal, wie es solche Autisten geht, wenn sie alter sind als 40.

    Inzwischen hat sich jedoch eine regelrechte Autismus-Industrie entwickelt, wo die hanebüchensten "Therapien" angeboten werden und die schon selbst für Kundennachschub sorgt.

    Ein autistisches Kind, das in seinen Stärken unterstützt wird und auf diese Weise Selbstbewusstsein entwickeln kann und damit auch eine gewisse Grundlage für Zufriedenheit und Selbstachtung wird auf alle Fälle eher die Voraussetzung für ein schönes Leben haben als eines, das sich nur als Defizit wahrnimmt, dafür aber wie ein Sprechautomat ordentlich "Guten Tag" sagen kann.
  8. #8

    Therapieunsinn

    Unser Sohn konnte einer langen Odysee auch eine Regelschule besuchen, nachdem wir irgendwann sämtliche Therapien verweigert haben.
    Wir bekamen ein derart unsinniges und zeitintensives Therapiekonstrukt übergestülpt, dass er kaum dazu kam, die Dinge zu tun die für ihn wichtig sind.
    Er bekam als Vorschulkind z.B. Kunsttherapie, bei der er nur mit einer Betreuerin leere Klorollen bemalen sollte - irgendwann zeigte die Therapeutin mir stolz seine "Werke", nachdem er bei uns zu Hause wunderbar exakte Nachbauten von Gebäuden erstellte. Aber dann für sich und mit den Materialien, die er brauchte, keine vorgegebenen Riesenpinsel und Fingerfarben.
    Genauso Logopädie und Ergotherapie - um zu den 1:1 Therapien zu fahren musste ich ihn teilweise aus den wenigen, sehr zaghaften Spielsituationen herausreißen, die sich mit Gleichaltrigen ergeben haben. Was für ein Unsinn!
    Obwohl er zu Hause fast normal sprach, in Kindergarten oder Schule dagegen garnicht, wurden wir immer wieder unter Druck gesetzt, ihn in eine Ganztagsbetreuung zu geben. Ich will nicht wissen, was dort aus ihm geworden wäre!
    Damals noch voller Hoffnung, dass es ihm helfen könnte, besuchten er mal eine spezielle Vorschule für Autisten. Die Kinder setzten sich möglichst weit getrennt in den Ecken und suchten - nicht wirklich verwunderlich - keinerlei Kontakt. Wie hätte sich wohl ein (von Therapeuten empfohlener!) regelmäßiger Schulbesuch mit lauter anderen Autisten ausgewirkt, das verstärkt sich doch noch!
    Mit NT Kindern ergaben sich doch gelegentliche Kontakte, auch wenns nicht in dem üblichem Maße war, aber z.B. eine Frage an ein anderes Kind, ob man mal die Schaufel haben könne ist schon ein gewaltiger Schritt und der geht eben nicht mit einem Therapeuten sondern nur auf einem normalen Spielplatz.
    Autistische Kinder sprechen irgendwann von selbst oder tun es eben nicht.
    Aber wenn sie es tun, dass dann auf den Erfolg der Intensivtherapien zu schieben dürfte wohl mehr als zweifelhaft sein!
  9. #9

    Schwieriges Thema...

    ...Gut zu wissen, dass es immerhin Chancen gibt, die unter Umständen wahrgenommen werden können.

    Vor einigen Jahren las ich einen Artikel in einer Zeitung über einen Elterngruppe mit behinderten Kindern. Sie nannten ihre Gruppe "Eltern mit besonderen Kindern". Ich persönlich bin dagegen, in dieser Form zu verschönlichen. Zuerst mal ist im Grunde jedes Kind besonders. Darüber hinaus sehe ich nicht das Problem darin, eine Behinderung als das zu benennen, was sie ist - Eine Behinderung (Von Krankheit wurde hier im Artikel nirgends gesprochen).

    Natürlich ist's eine ethisch gesehen nicht leicht zu beantwortende Frage, inwieweit man durch Therapien in die Persönlichkeit des Kindes nun eingreifen darf. Jedoch ist es meiner Meinung nach ein wichtiger Gedanke, dass dadurch dem Menschen gewisse Dinge vermittelt werden können, die sein späteres Leben erleichtern bzw. ein gewissermaßen eigenständiges Leben erst ermöglichen.

    Es muss abgewogen werden und ich bin froh, zu diesem Thema (noch) keine Entscheidung zu treffen.

    Ich begrüße derartige Artikel als Informationsquelle, würde mir aber dennoch wünschen, dass Aussagen etwas deutlicher belegt wären.