Spaniens Studenten in der Euro-Krise: Adiós, Erasmus!

Das Geld für Auslandsaufenthalte wird knapp in Spanien: Erhielten Studenten früher bis zu 800 Euro pro Monat, wird der Zuschuss jetzt stark zusammengestrichen. Können die Spanier trotzdem ihren Titel als Erasmus-Europameister verteidigen?

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-871960.html
  1. #10

    Man darf aber eine Sache nicht vergessen:
    Bei dem Erasmusprogramm duerfen nur soviel Studenten in ein Land geschickt werden, wie aus diesem Land entsendet werden.

    Das bedeutet:
    Die hohe spanische 'Entsendungsquote' entsteht, weil viele nichtspanische Studenten nach Spanien wollten.

    Ein Fallbeispiel (Erfahrungsbericht):
    Eine kleine deutsche FH (zw. 2000-3000 Studenten). Von den durchschnittlich 70 Erasmusstudenten je Semester wollen 50 nach Spanien. Bevorzugtes Ziel: Mittelmeerkueste. Diese FH unterhaelt Kontakt zu nicht weniger als 18 spanischen Universitaeten, damit alle deutschen Studenten einen Platz bekommen, weil von spanischer Seite niemand in die deutsche Provinz moechte. Auch muss angemerkt werden, das 1. Deutsche im Ausland sich abgrenzen (Gruppenbildung) und 2. nach dem Auslandssemester nicht besser z.B. spanisch sprechen als vorher.

    Erasmus-Programm=Orgasmus-Programm:
    Wie von einem Foristen schon angemerkt gibt es diesen Vergleich. Dies kommt aber nicht von den Spaniener, die ins Ausland gehen, sondern von den Spanien, die die auslaendischen Erasmusstudenten im eigenen Land erleben.

    Fazit: Man sollte nicht immer den anderen Menschen (Volksgruppen) etwas unterstellen, sondern sich auch selbst an die Nase fassen. Ausserdem sollte man auch nicht alle ueber einen Kamm scheren. So wie es schlechte Beispiele gibt, gibt es auch genuegend gute. Ueber die wird aber nicht gesprochen, weil das waere ja langweilig.

    ps: Erasmus-Programm=Singleboerse
    Leider muss ich mich da auch dazuzaehlen. Seit 8 Jahren sind meine Frau (jaja aus Spanien) und ich gluecklich verheiratet.
  2. #11

    Zitat von sirisee Beitrag anzeigen
    ... tja, wenn die berühmte Schlecker-Frau so wüßte, was sie alles mit ihren Steuergeldern zahlt? ...

    Alles mit lobenswerten Vorsätzen, natürlich. Aber dass Häschen das nicht selbst zahlen können?
    In dem Fall hätten die Kinder des berühmten Zahnarztes weiterhin Auslandssemester im Lebenslauf, die der Schlecker-Frau wohl eher nicht.
  3. #12

    @ andrenalin016

    Ich habe 6 Jahre im Ausland gelebt, in verschiedenen Ländern und Städte. Und eines ist mir IMMER aufgefallen und das ist genau das was Sie beschrieben haben. Die Franzosen waren immer multi-kulti unterwegs, genauso wie ALLE anderen Länder. Nur die Spanier waren immer unter sich. Sie waren NIE mit anderen Unterwegs. Die Spanier waren auch die Einzigen die nach England gegangen sind ohne nur ein Wort englisch zu sprechen.
    Schön das ich mit meinen Beobachtungen nicht alleine bin. Von daher ist das Erasmus-Programm für Spanier eh überflüssig.
  4. #13

    Kinderversorgung

    Zitat von E.Cartman Beitrag anzeigen
    In dem Fall hätten die Kinder des berühmten Zahnarztes weiterhin Auslandssemester im Lebenslauf, die der Schlecker-Frau wohl eher nicht.
    Ja, oder: ein weiteres Stück Griechenland für den Mittelstand. Ein unauffällig getarnter Selbstbedienungsladen. Ist schon praktisch.

    Ich habe nix gegen das Orgiasmus-Förderprogramm, nur sollte man die Teilnehmer nicht zu den europäischen Kulturträgern hochschreiben. Das sind für mich eher: der Italiener, der in D eine Eisdiele betreibt; der Tourist der sich in spanische Kultur verliebt hat; der Deutsche, der keinen Arbeitsplatz findet und in Fr. arbeitet, der Franzose, der in D arbeitet. Alles ohne Förderung und ohne, dass sich die Eliten stolz in die Brust werfen, was für tolle Typen ihre wohlversorgten und netzwerkenden Kinder doch seien ...
  5. #14

    .

    Zitat von andrenalin016 Beitrag anzeigen
    andere Kommentatoren mögen andere Erfahrungen gemacht haben, aber mein Erasmus in Mailand spielte sich ungefähr so ab: Es gab genau zwei Gruppen von Erasmus-Studenten. Die erste Gruppe bestand ausschließlich aus Spaniern. Die zweite Gruppe bestand aus allen anderen Erasmus-Studenten. Die erste Gruppe blieb unter sich selbst. Die zweite Gruppe knöpfte schnell Kontakte untereinander und zu Italienern, interessierte sich für die Kultur des Gastlandes und lernte dazu. Die erste Gruppe sprach nach Ende des Aufenthaltes kaum besser italienisch als zu Beginn. Die zweite Gruppe hatte nicht nur ihr englisch verbessert sondern die meisten sprachen auch passabel italienisch.
    Würde mich mal interessieren ob andere Kommetatoren ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
    Ich habe ähnliche Erfahrungen mit spanischen Ersamus-Studenten in Deutschland gemacht. Es gab vereinzelte Ausnahmen, die sich unter andere Nationalitäten und auch die Einheimischen gemischt haben, um die Sprache zu lernen. Der Rest blieb unter sich, sprach in großen Gruppen immer Spanisch und wunderte sich bei Abreise, dass sie ihr Deutsch nicht verbessert hatten und auch keinen Kontakt zu den, dann von den Spaniern als "kalten" bezeichneten, Deutschen aufgebaut hatten.
    Übrigens waren die Spanier, die aufgeschlossener waren, von den unter sich bleibenden Gruppen-Spaniern völlig genervt.
  6. #15

    Zitat von sirisee Beitrag anzeigen
    Ja, oder: ein weiteres Stück Griechenland für den Mittelstand. Ein unauffällig getarnter Selbstbedienungsladen. Ist schon praktisch.

    Ich habe nix gegen das Orgiasmus-Förderprogramm, nur sollte man die Teilnehmer nicht zu den europäischen Kulturträgern hochschreiben. Das sind für mich eher: der Italiener, der in D eine Eisdiele betreibt; der Tourist der sich in spanische Kultur verliebt hat; der Deutsche, der keinen Arbeitsplatz findet und in Fr. arbeitet, der Franzose, der in D arbeitet. Alles ohne Förderung und ohne, dass sich die Eliten stolz in die Brust werfen, was für tolle Typen ihre wohlversorgten und netzwerkenden Kinder doch seien ...
    Komisch, dass die Deutschen immer das Problem mit der "Elite" haben. Neid nicht dazu zu gehoeren? Das Erasmus Studium ermoeglicht jungen Leuten einfach ohne Probleme ins Ausland zu schnuppern. Nicht mehr und nicht weniger
  7. #16

    Zitat von Ludwigsburger Beitrag anzeigen
    Ich habe das "Vergnügen", unter anderem auch spanischsprachigen ERASMUS-Studenten Prüfungen abnehmen zu dürfen. Erstens hat der Vorkommentator recht: die Sprachkenntnisse der Spanier bewegen sich nach einem Jahr ungefähr auf dem selben niedrigen Niveau wie am Anfang. Und zweitens zeigt sich das in der Prüfung: wenn ich sprachlich schwerste Probleme habe, kann ich auch eine Fachprüfung nur mit entsprechendem Ergebnis bestehen.
    Der Spitzname der spanischsprachigen ERASMUS-Studenten an meiner Uni ist übrigens "Party People". Sagt doch alles!?
    Ich hatte mein ganzes Studium Party! Sie nicht?
    Oder bestaetigen Sie einfach nur das Vorurteil, dass Deutsche spassfrei leben? Cabeza quadrada eben .....
  8. #17

    Zitat von tobiwithyou Beitrag anzeigen
    Die hohe spanische 'Entsendungsquote' entsteht, weil viele nichtspanische Studenten nach Spanien wollten.
    Sehr richtiger Punkt. Spanien ist das Land, das die meisten Erasmusstudenten empfängt, und das auch noch immer eine "negative" Bilanz hatte (also mehr Studenten kommen rein, als raus). All die deutschen Studenten gehen auch bestimmt nur nach nach Spanien, um sich dort fachlich weiterzubilden...*Hüstel* (Aus diesem Grund ist Barcelona auch einer der beliebsten Zielorte: die deutschen Studenten haben bestimmt alle ein unglaubliches Interesse an der katalanischen Sprache, in der ein Großteil der Fächer im Bachelor gegeben wird).
  9. #18

    Zitat von sirisee Beitrag anzeigen
    Ich habe nix gegen das Orgiasmus-Förderprogramm, nur sollte man die Teilnehmer nicht zu den europäischen Kulturträgern hochschreiben. Das sind für mich eher: der Italiener, der in D eine Eisdiele betreibt; der Tourist der sich in spanische Kultur verliebt hat; der Deutsche, der keinen Arbeitsplatz findet und in Fr. arbeitet, der Franzose, der in D arbeitet.
    Denen hilft es aber auch, wenn Politik und Wirtschaft nicht von Leuten bestimmt werden die sich permanent von allem ausländischen bedroht fühlen.

    Zitat von sirisee Beitrag anzeigen
    Alles ohne Förderung und ohne, dass sich die Eliten stolz in die Brust werfen, was für tolle Typen ihre wohlversorgten und netzwerkenden Kinder doch seien ...
    Das würden die "Eliten" (also ab der oberen Mittelschicht) aber auch ohne Erasmus-Förderung. Ausgeschlossen wären Kinder mit einkommensschwächeren Eltern, die für Auslandssemester, einschließlich der entsprechenden Karriere-Vorteile, auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind.
  10. #19

    Das Boot ist voll

    Zitat von karhu1 Beitrag anzeigen
    Komisch, dass die Deutschen immer das Problem mit der "Elite" haben. Neid nicht dazu zu gehoeren? Das Erasmus Studium ermoeglicht jungen Leuten einfach ohne Probleme ins Ausland zu schnuppern. Nicht mehr und nicht weniger
    Keine Sorge, da ich zur Elite, wie immer man sie definiert, gehöre, stört mich allenfalls der inflationäre Elitenbegriff - man will ja unter sich bleiben und nicht jede 22jährige Göre, die im Ausland hemmungslos auf Parties tanzt, weil sie zu Hause zu verklemmt war, dazunehmen... Ich glaube übrigens nicht, dass die tatsächliche Elite am Schmuddelprogramm teilnimmt, die haben das auch finanziell nicht nötig ...