Psychische Leiden: Bin ich noch normal oder schon krank?

Tom Cool/ Jutta Fricke IllustratorsZwischen Alltagsproblemen und geisteskrank: Das Handbuch psychischer Störungen wird gerade überarbeitet, die neue Version enthält viele neue Krankheiten. Illustrator Tom Cool hat einige von ihnen illustriert - von der Angst vorm Arbeitsplatz bis hin zu unkontrollierten Fressattacken.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...-a-879250.html
  1. #1

    Küchenpsychologie

    Die erwähnten Beispiele findet man in jeder Frauenzeitschrift mit entsprechenden Ratschlägen von hochmotivierten und beschlagenen Fachleuten. Alles extrem unnormal, kommt aber dauernd vor. Danach sind alle bekloppt. Oder wie der Kölner sagt: „Jeder Jeck ist anders (bekloppt).“ „Psychoanalyse ist jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält.“ sagte Karl Kraus, der ein ähnlich positives Verhältnis zur Journaille hatte. Die Psychofreaks haben offensichtlich nichts zu tun und träumen von Wichtigkeit und Geld und Ruhm. Daß jemand gewaltig einen an der Waffel haben muß, um Psychologie zu studieren, wird man in dem DSM – Katalog vergeblich suchen. Der übrigens rein amerikanisch ist.
  2. #2

    Jäger und Sammler waren besser dran

    Natürlich ist die heutige Menschheit krank und zwar fürchterlich krank. Vom ärmsten bis zum reichsten Menschen. Keiner von ihnen scheint wissen zu wollen, worin der Sinn des Lebens tatsächlich besteht. Zur Welt kommen, wachsen, essen, trinken, zeugen, gebären und sterben. Nur ein Dach über dem Kopf, kein Auto, keine Versicherung, keine Handys und anderer Klumperquatsch. Die Jäger und Sammler waren tatsächlich besser dran, als die heutige ach so tolle Menscheit. So frei nach dem Motto, 'Hast du nichts, brauchst du nichts. Brauchst du nichts, kannst du glücklich sein.' Wer will dem widersprechen?
  3. #3

    der Artikel trifft die reale Lage...

    ... hier wird im Interesse der Industrie (Farma, Kliniken ...) Gegen den eigentlichen Sinn des Patientenwohls gewirkt. Unklares wird noch unklarer unwissenschaftliches zu einer Farce. Erschreckend welche 'Diagnosen' möglich sind. Erschreckender, das in Deutschland jüngst ein neues Gesetz zur "Zwangsbehandlung" auf den Weg gebracht wurde.
  4. #4

    nene

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Zwischen Alltagsproblemen und geisteskrank: Das Handbuch psychischer Störungen wird gerade überarbeitet, die neue Version enthält viele neue Krankheiten. Illustrator Tom Cool hat einige von ihnen illustriert - von der Angst vorm Arbeitsplatz bis hin zu unkontrollierten Fressattacken.

    Psychologie: Was ist noch gesund und was schon krank - SPIEGEL ONLINE
    ....

    Erstmal ist diese Vorgabe schon völlig krank, nämlich schwarz-weiß, zwischen Problemen und Geisteskrankheit gibts dann schon noch einige Facetten.
    Dann ist in diesem Zusammenhang der Begriff der Krankheit fragwürdig - Auffälligkeit oder Störung ist treffender und schließlich ist erstmal ziemlich einfach zu differenzieren: Wer seine Steuerungsfähigkeit behalten hat, ist intakt, bei wem die Steuerungsfähigkeit eingeschränkt oder nicht vorhanden ist, der hat wirklich ein Problem.
    rabenkrähe
    Geändert von ( um Uhr)
    Es gibt ein Leben vor dem Tod. Der wahre Pazifist ist bereit, mit der Waffe für seine Überzeugung zu kämpfen.....
  5. #5

    Polemisch und übertrieben

    Ihr Artikel entbehrt leider nicht einiger Übertreibungen und einer gewissen Polemik. Ganz davon abgesehen entbehrt er leider auch psychologischer Fachkenntnis. Wenn Sie eine Depression nicht von einem gewöhnlichen Trauerprozess unterscheiden können, oder aber Patienten mit einer Essanfallsstörung für gesunde Menschen halten, die mal etwas zu viel essen, dann mag es Ihnen wohl nachgesehen sein, dass Sie sich derartig über das DSM-V auslassen. Allerdings haben Sie ganz offensichtlich keine Erfahrung mit dem Erleben von Betroffenen. Ich versichere Ihnen als ehemalige Betroffene und Studentin der Psychologie, dass eine Depression herzlich wenig zu tun hat mit gewöhnlicher Traurigkeit. Und eine Essstörung wie die Bulimie (der die Esssanfallsstörung stark ähnelt, letztere grenzt sich von der Bulimie lediglich dadurch ab, dass keine purging-Maßnahmen wie selbtsinduziertes Erbrechen, Laxantienabusus oder übermäßiger sportlicher Betätigung ergriffen werden) erzeugt wesentlich mehr Leid, als Sie es sich möglicherweise vorstellen können. Wenn Sie Alltagsprobleme für psychische Störungen halten, mag das daran liegen, dass Sie noch an keiner solchen Störung gelitten haben und kein Verständnis für die Unterschiede pathologischen und nicht pathologischen Verhaltens entwickelt haben. Die Psychiatrie orientiert sich zwar in vielerlei Hinsicht an der kategorialen Diagnostik des DSM, lehnt aber ein dimensionales Verständnis psychischer durchaus nicht ab. Wer zu einem Therapeuten geht um sich behandeln zu lassen, leidet gewöhnlich. Das Ziel sollte es sein, dieses Leiden zu verringern, unabhängig davon, welches Etikett auf dem Antragsschein steht.
  6. #6

    Wer einen Leitartikel über ein so gesellschaftlich relevantes Thema wie Psychotherapie und psychische Krankheiten schreibt, sollte zum Ziel haben einen kritischen, aber ausgewogenen und gut recherchierten Artikel zu schrieben - und nicht durch Übertreibungen den emotionalen Gemütszustand der Leser ansprechen und ein so negatives Bild in ihren Köpfen lassen.

    In erster Linie dienen Diagnose-Kriterien der besseren Behandlung von Patienten. Die Entwicklung der DSM-Kriterien ist eng an Forschungsergebnisse geknüpft - noch enger, als das ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation. Ein Anstieg an möglichen Diagnosen über die Ausgaben des DSM hinweg ist in erster Linie die Differenzierung einzelner Störungen zurückzuführen - und die ist höchst positiv zu sehen! Störungen aus dem DSM-III sind im DSM-IV differenzierter betrachtet und weiter aufgespalten, wodurch ein besseres Störungsverständnis da ist und unterschiedliche Behandlungsmethoden besser auf einzelne Störungsbilder abgestimmt werden können. Eine Revision eines nun 20 Jahre alten Diagnosekatalogs ist demnach nicht nur sinnvoll, sondern auch zwingend notwendig!

    Desweiteren ist die Bagatellisierung in Ihrem Bericht sehr kritisch zu sehen. Erst seit wenigen Jahren bekommen psychische Störungen in der Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit, die angemessen ist. Stigmatisierungen aufgrund psychischer Leiden nehmen nur langsam ab. Ein Artikel, der z.B. Binge-Eating als kleinen Fressanfall darstellt, ist völlig Fehl am Platz. Zentraler Bestandteil psychischer Störungen - und daher auch fest in den Diagnosekriterien des DSM verankert - ist eine Beeinträchtigung des Alltags und Leiden. Und genau dieser Leidensaspekt unterscheidet oft zwischen klinisch-relevanter Störung und Nicht-Diagnose. Wer schon einmal in psychologischen oder psychiatrischen Einrichtungen gearbeitet hat und Patienten erlebt hat, weiß wie extrem die Beeinträchtigung durch psychische Störungen sein kann, wenn z.B. das soziale System als Folge der Störung wegbricht. Nun einen solchen Artikel lesen zu müssen, in einer renommierten Zeitschrift, ist traurig und enttäuschend.

    Natürlich sind einige Entwicklungen kritisch zu sehen. Vor allem der Einfluss von Pharmaunternehmen auf die Revision der Diagnosekriterien ist beunruhigend. Eine differenzierte Darstellung wäre jedoch im Sinne aller Arbeitenden in klinisch-psychologischen Bereichen und auch im Sinne der Gesellschaft wünschenswert gewesen.
    An den Kommentaren zeichnet sich das Ausmaß Ihres Artikels ab: Die Gesellschaft wird aufgehetzt gegen jegliche Form von psychotherapeutischer und psychiatrischer Intervention, psychische Probleme und Leiden werden bagatellisiert. Für mich ein Rückschritt in der Entstigmatisierung psychischer Leiden, die unsere Gesellschaft dringend notwendig hat!

    Der Artikel verfehlt es zwischen all der zynischen Kritik und dem Wettern gegen Klassifikationen und Diagnosen (und dem vermeintlichen Einordnen in Schubladen) die Errungenschaften der psychologischen Forschung zu sehen: Ohne Diagnosesysteme würden Psychotherapeuten und Psychiater immer noch "Schwachsinn" und "Wahnsinn" behandeln - oder eben nicht.