Hirnhautentzündung: Neuer Impfstoff gegen wichtigsten Erreger

Novartis VaccinesDie EU-Kommission hat einen neuen Impfstoff gegen Meningokokken zugelassen. Die Bakterien können eine tödlich verlaufende Hirnhautentzündung auslösen und sind besonders für Säuglinge gefährlich. Wie gut der Impfstoff wirkt, muss allerdings noch im Detail geklärt werden.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...-a-879033.html
  1. #1

    mal wieder so herrlich vorhersehbar, wer die Studie bezahlt hat...

    "Die Autoren der von Novartis gesponserten Untersuchung" ...herrlich, wie sich der allererste Gedanke des Zweifels immer wieder sofort bestätigt :/
    Studien für das eigene neue Medikament fallen irgendwie immer positiv aus. Beeindruckender Erfolg. Ich bin gespannt auf die Sicht der Stiko (oder von wem werden die nochmal bezahlt?) ;)
  2. #2

    Genau diese Reaktion habe ich erwartet. Übrigens: Auch wenn die Forschung von der Pharmaindustrie bezahlt ist, heisst das nicht, das die da Ergebnisse bestellen. Ich kenne in diesem Fall die Hintergründe und da waren ungefähr 10 unterschiedliche MenB Proteine im Test. Die meisten davon sind durchgefallen (und raten sie mal, wo sie jetzt sind), nur die positiven Kandidaten sind im Impfstoff. Und der ist durchaus wirksam.
  3. #3

    Stiko

    Bleibt abzuwarten, was die Stiko davon hält. Ich meine mich erinnern zu können, daß es beim B-Neisserien Typ das Problem der antigenen Mimicry gibt, weshalb es schwierig sei, eine Autoimmunreaktion zu vermeiden.
    Könnte natürlich funtionieren, wenn der neue Impfstoff, statt Polysacchariden, sich gegen Kapselproteine richten würde... aber selbst dann würde man autoimmune Wechselwirkungen nicht ausschließen können.
    So sehr mich das auch freuen würde, endlich einen Impfstoff gegen bakterielle Meningitis hierzulande zu haben, so skeptisch sehe ich das Ganze momentan noch.
  4. #4

    Wer, wie ich...

    in seiner Laufbahn als Kinderarzt (zu) viele Kinder an Meningokokken hat versterben sehen, der hat lange auf diesen Impfstoff gewartet. Bisher konnten wir gegen rund 1/3 der Fälle schützen, jetzt haben wir eine gute Chance, fast alle schweren Infektionen zu verhindern. So wie es seit der Einführung der HIB-Impfung kaum noch schwere Infektionen mit diesem Erreger gibt, die zuvor viele Kinder schwer krank gemacht oder getötet hat. Die ersten Studien muss übrigens immer der Hersteller vorlegen, um den Zulassungsprozess zu bestehen. Diese werden bei Impfstoffen - da es sich um eine prophykaktische Maßnahme handelt - extrem genau geprüft. Wer einmal ein Kind mit einer Meningokokken-Sepsis weinend vom Arm der Mutter genommen hat und dieser trotz maximler Therapie nach 3 Stunden mitteilen mußte, dass das Kind verstorben ist, der will dies nie mehr wieder erleben müssen. Meningokokken sind Killer, die wir nicht ausrotten können (siehe Artikel), vor denen wir die Kinder ab schützen können. Ich habe solche Verläufe in meiner 15 Jahre dauernden Zeit als Kliniksarzt (Pädiatrie) - davon die Hälfte als Intensivmediziner und mehrere Jahre als Oberarzt einer Kinder-Intensivstation - viel öfter zu oft erleben müssen und bin über diese Impfung sehr dankbar. Leute, wann werdet ihr endlich begreifen, wie glücklich ihr sein sein könnt, dass wir in einem Land leben, in dem diese Impfungen jedem zugänglich sind. Die Menschen in ärmeren Ländern können sich das nicht leisten, wären dankbar dafür. Aber in unserer übersättigten Gesellschaft gilt es in einigen Kreisen als schick, zum Teil zu Lasten der anderen (und durch den Schutz der anderen, die Impfen, zumindeste etwas geschützt) ihre Kinder zu gefährden. Wenn diese Menschen (nur) sich selbst gefährden würden, wäre mir das egal - da es auch um ihre Kinder geht und sie auch Ihre Umgebung gefähreden (siehe insbesondere Masern, Pertussis, Röteln, Mumps, die ersten beiden insbesondere bei kleinen Säuglingen, die noch nicht geimpft werden können), ist mir das als Kinderarzt nicht mehr egal! Wer seine Kinder hier nicht schützt, begeht an diesen ein Unterlassung, die streng genommen mit einer Vernachlässigung gleichzusetzten ist!
  5. #5

    Zitat von mortimer001 Beitrag anzeigen
    "Die Autoren der von Novartis gesponserten Untersuchung" ...herrlich, wie sich der allererste Gedanke des Zweifels immer wieder sofort bestätigt :/
    Studien für das eigene neue Medikament fallen irgendwie immer positiv aus. Beeindruckender Erfolg. Ich bin gespannt auf die Sicht der Stiko (oder von wem werden die nochmal bezahlt?) ;)
    Wer sollte auch sonst bezahlen?
    Die Konkurrenz?
    Der Staat?
    Gar Forschungsstiftungen (die sich einen Scheiss fuer Anwendungen interessieren und nur Grundlagen sponsoren, mit der Aussage: Den Rest soll die Industrie machen!)?

    Die Studien sind auch vorgeschrieben, um ueberhaupt das Medikament auf den Markt bringen zu duerfen.
    Sollte es sich nicht bewaehren, braucht man die Studie nicht veroeffentlichen, weil es niemand interessiert - das Medikament kommt dann wohl nicht auf den Markt.

    Zum Medikament selber:
    Ich hoffe es wird ein Erfolg, und man wird diese Erkrankung bannen koennen, wie einst die Polio.
  6. #6

    Bingo!

    War ja klar:

    Zitat von mortimer001 Beitrag anzeigen
    "Die Autoren der von Novartis gesponserten Untersuchung" ...herrlich, wie sich der allererste Gedanke des Zweifels immer wieder sofort bestätigt :/
    Studien für das eigene neue Medikament fallen irgendwie immer positiv aus. Beeindruckender Erfolg.
    Nein, das tun sie nicht. Was glauben Sie, wie viele Entwicklungen in der Versenkungen versinken, weil Studien zeigen, dass sie nicht funktionieren?

    So einen Kommentar kann eigenlich nur jemand machen, der in einer Branche arbeitet, in der nichts entwickelt wird.
  7. #7

    Zitat von testthewest Beitrag anzeigen
    Sollte es sich nicht bewaehren, braucht man die Studie nicht veroeffentlichen, weil es niemand interessiert - das Medikament kommt dann wohl nicht auf den Markt.
    Sie werden oft auch deswegen nicht veröffentlicht, weil fehlgeschlagene Entwicklungsversuche normalerweise noch wertvolles Wissen generieren. So etwas wirft man der Konkurrenz nicht hinterher.
  8. #8

    Danke, prüter!!!

    Voll aus der Seele gesprochen! Allerdings habe ich wenig Hoffnung, dass sich auch durch solche engagierten und vor allen Dingen kompetenten Aussagen an der Einstellung mancher "aufgeklärter" Eltern etwas ändern wird. Dazu wirkt das Gift ideologischer Verblendung zu stark...
  9. #9

    Endlich ist er da! Ich habe schon einige Kinder an dieser gefürchteten Krankheit sterben sehen und war machtlos. Also Sponsoring hin und her. In diesem Fall ist mir das egal.Hauptsache, es muß kein Kind mehr sterben oder amputiert werden. Ich schließe mich da hundertprozentig der Meinung meines Kollegen an.