Drum-Revoluzzer Lillinger: Der Berliner mit der Rappelkiste

Katrin LillingerPlastikflasche, Autohupe, Kinderrassel: Christian Lillinger aus Berlin erweitert das traditionelle Werkzeug eines Drummers und wird dafür gefeiert als vollkommen neuer Typ des Jazz-Schlagzeugers. Und wie es sich für einen Revolutionär gehört, ist er jung.

http://www.spiegel.de/kultur/musik/j...-a-878223.html
  1. #10

    Zitat von mikko_keil Beitrag anzeigen
    Ich finde, dass so etwas schon sehr spannend sein kann und einen coolen Sound haben kann-nur eben ist das nicht mehr ganz so neu, es gibt durch Clicks & Cuts und Co. viele andere Möglichkeiten das ganz toll miteinander zu kombinieren und alte Regel im Jazz zu brechen...
    Egal was jemand spielt- ein "richtiger" Musiker schnippelt nichts zusammen was er nicht auch live spielen könnte. Die Regeln des Jazz- und besonders des europäischen- bricht man anders. Da muss wieder Struktur rein (oder "Uterus dran" wie meine Tochter sich auszudrücken beliebt).

    Aber es kommen spannende Zeiten auf uns zu. Es wächst eine Generation Musiker heran, die genau das machen will. Die tauchen bloß nirgends auf, weil sie eines nicht tun: bei einer deutschen Koryphäe zu studieren. Danach kann man nämlich erstmal keine Musik mehr machen.
  2. #11

    Ja....

    Zitat von inelson09 Beitrag anzeigen
    Hoch komplexe Rhythmen? Das sind eher spastische Zuckungen, autistische Selbstfindungen oder bestenfalls sportliche Übungen (siehe Martin Grubinger). Wie stellt Kenny Barron traurig fest:"Jazz Today is from the Head and Not the Heart." Kenny Barron - Jazz Today is from the Head and Not the Heart - YouTube . Dem ist nichts hinzuzufügen.
    Wahre Worte sind nicht schön, schöne Worte sind nicht wahr.
    Da haben sie den Nagel auf den Kopf getroffen und mit einem Hieb eingeschlagen.
    Ich bin nicht so der große Jazzfan, aber wenn Jazz, dann muß er aus dem Herzen und nicht nur aus dem Kopf kommen,weswegen ich fast nur alten Jazz höre. Wenn ich Radau hören will, dann Metal, da ist der Radau wenigstens in geordneten Bahnen.
    Ebenso erbärmlich wie der Jazz heute ist ja die sogenannte "neue Musik". Ich hatte mal das "Vergnügen" beim Zappen auf einen Musiker zu stoßen, glaube ein Cellist war das, der einen Komponisten in höchsten Tönen lobte. Es hätte seit fast hundert Jahren keinen Komponisten mehr von der Größe eines Beethovens oder Bruckners mehr gegeben, aber dieser, dieser hätte diese Größe wieder in die Musik gebracht (kann mich leider nicht mehr erinnern WER dieser Komponist war), ein einziges Loblied auf die Größe des Komponisten.
    Geschwafel über Geschwafel.Da keine Musik kam,zappte ich wieder weiter,wieder zurück,immer noch Geschwafel,wieder weggezappt und wieder hin und dann kam es endlich,das Konzert fing an.
    Was ich dann erdulden musste war etwas wofür ein Beethoven gewalttätig geworden wäre und ein Bruckner sich mit Grausen abgewandt und in depressive Katatonie gefallen wäre.
    Reine Disharmonie die sich nicht mehr in Harmonie auflöse,verkopftes grauses Gefiepe und Getröte das nur schwer zu etragen war.
    Arythmisch,disharmonisch.
    Das ist Musik mit der man Milch sauer werden lassen kann und die einen krank macht.
    Rockmusik soll ja auf Dauer Pflanzen eingehen lassen, aber DAS würde wohl zu einem sofortigen Verwelken durch Verzweifelung geben.

    Intellektueller Lärm......Hurz.
  3. #12

    Lillingers Musik ist komplex und emotional. Ich habe mit ihm in Dresden studiert, da war er gerade mal 16. An seinem frühen Einstieg in die Musik jenseits des Mainstreams liegt es vielleicht auch, dass es für manche nach spastischen Bewegungen oder einfach nur beliebig klingt. Im Wahrheit ist es aber von klein auf verinnerlicht und natürlich. Trotzdem ist es verständlich, dass viele nichts mit dieser Musik anfangen können. Ich empfehle Live-Konzerte und selber Musizieren um den Unterschied zwischen Qualität und Gekloppe einschätzen zu können, anstatt beleidigende Kommentare zu schreiben.
  4. #13

    Leider...

    wird auch hier wieder von einigen alles verdammt, was man nicht versteht oder auf was man sich nicht einlassen möchte. Und früher war selbstverständlich alles besser, auch der gute alte Jazz...Jedem seine Meinung und: warum sollte es in der Jazzwelt auch keine Spießer geben...
    Ich verfolge Lillingers Karriere seit Jahren und lasse mir hier im Rheinland selten eines seiner Konzerte entgehen. Viele seiner Projekte zählen zum intensivsten und emotionalsten, was man heutzutage hören kann, z. B. das großartige Gruenen-Trio mit Achim Kaufmann und Robert Landfermann. Wer die Freiheit besitzt, sich hierauf einzulassen, kann als Zuhörer Momente intensivsten musikalischen Glücks erleben. Ich bin hierfür sehr dankbar und sehe es mit einem weinenden und einem lachenden Auge, dass ich dieses Vergnügen meist nur mit ziemlich wenigen Mitbesuchern teilen muss...
  5. #14

    !

    Zitat von hotjazz Beitrag anzeigen
    Lillingers Musik ist komplex und emotional. Ich habe mit ihm in Dresden studiert, da war er gerade mal 16. An seinem frühen Einstieg in die Musik jenseits des Mainstreams liegt es vielleicht auch, dass es für manche nach spastischen Bewegungen oder einfach nur beliebig klingt. Im Wahrheit ist es aber von klein auf verinnerlicht und natürlich. Trotzdem ist es verständlich, dass viele nichts mit dieser Musik anfangen können. Ich empfehle Live-Konzerte und selber Musizieren um den Unterschied zwischen Qualität und Gekloppe einschätzen zu können, anstatt beleidigende Kommentare zu schreiben.
    Ich mache seit meinem über 30 Jahren aktiv Musik, in verschiedenen Bands, viel Live Erfahrung und habe mir autodidaktisch klassische Komposition beigebracht und weiß von daher was ich schreibe oder unterstreiche.
    Musik sollte nicht harmoniebefreit und verkopft sein, solch disharmonisches und hyterisches Gequietsche und Getrommele braucht kein Mensch.
    Das ist allenfalls Getue von Musikern die sich für "Avantgarde" halten für Menschen die sich zwanghaft intellektuell fühlen. Hurz eben, mehr nicht.
    Solche Leute bringen den Jazz um.
  6. #15

    Schade...

    dass Sie sich als Musiker mit angeblich so viel Erfahrung und Wissen so unqualifiziert und herabwürdigend über Ihre Kollegen äußern (vielleicht haben Sie doch nicht so viel Ahnung, zumindest jedoch keinerlei Toleranz Dingen gegenüber die Sie nicht verstehen...). Improvisierte Musik ist zwar oft disharmonisch, zugegeben, allerdings wüsste ich nicht, was daran negativ sein soll. Verkopft ist das dagegen auf gar keinen Fall, im Gegenteil findet bei Musikern vom Kaliber Lillingers ein Höchstmaß an Interaktion und spontanem musikalischen Ideenaustausch statt. Ist halt frei von den gängigen Konventionen, wie "richtige" Musik gefälligst zu sein hat. Wie ich oben schon schrob: Man kann es halt ablehnen oder sich vorurteilsfrei drauf einlassen. In letzterem Fall wird man meist reich belohnt...
  7. #16

    Zitat von hotjazz Beitrag anzeigen
    Lillingers Musik ist komplex und emotional. Ich habe mit ihm in Dresden studiert, da war er gerade mal 16. An seinem frühen Einstieg in die Musik jenseits des Mainstreams liegt es vielleicht auch, dass es für manche nach spastischen Bewegungen oder einfach nur beliebig klingt. Im Wahrheit ist es aber von klein auf verinnerlicht und natürlich. Trotzdem ist es verständlich, dass viele nichts mit dieser Musik anfangen können. Ich empfehle Live-Konzerte und selber Musizieren um den Unterschied zwischen Qualität und Gekloppe einschätzen zu können, anstatt beleidigende Kommentare zu schreiben.
    Ja, ja der frühe Einstieg in die Musik jenseits des Mainstreams(oh bööse).Man sollte sich schon ein bisschen in der Geschichte des Jazz auskennen und ein paar Meister studiert haben (Thigpen ist zB.kein Magenmittel,Dejohnette kein Auto und Gully kein Gulli) - dann gäbe es nicht so steile Äußerungen wie "Die Vorstellung von "Rhythmus-Gruppe hier, Melodie-Sektion da" sei "überholt". Ein Piano sei ein "Schlagzeug mit Tönen", so wie sein "Schlagzeug ein Melodie-Instrument" sei". Diese Musiker, diese Musik gibt es schon seit Jahrzehnten - auf einem ganz anderen Niveau. Aber für Selbsterfahrungskurse ist ein Studium bei Günter Sommer sicher auch der richtige Weg.
    Wer das weite, offene und fantastische Feld des Jazz nicht kennt, sitzt natürlich auch mit offenem Mund im Konzert und genießt hektisch geklöppelte Triolen, 16/5/3 6 9tel Takte, zuckende BassDrums und manisch einstudierte Paradiddles im "Dialog" mit den Kollegen, die sich auf ihren Instrumenten abmühen.
  8. #17

    Zitat von inelson09 Beitrag anzeigen
    Wer das weite, offene und fantastische Feld des Jazz nicht kennt, sitzt natürlich auch mit offenem Mund im Konzert und genießt hektisch geklöppelte Triolen, 16/5/3 6 9tel Takte, zuckende BassDrums und manisch einstudierte Paradiddles im "Dialog" mit den Kollegen, die sich auf ihren Instrumenten abmühen.

    Genau so ist es. Und Applaus brandet immer dann auf, wenn die Jungs mal zufällig für 5 Sekunden auf den Punkt kommen, das fällt schon auf.

    Irgendwie ist das eine Frage der Arbeitsweise. Die Musiker die ich kenne machen Sessions um Ideen zu entwickeln, die dann zu einem musikalischen Produkt ausgebaut werden. Bevor so ein Stück öffentlich gespielt wird, ist da jede Menge Arbeit drin. Keiner von denen würde auf die Idee kommen, das Publikum mit dem ersten Gedaddel zu behelligen. Dafür können die ein Stück auch mehrmals genau gleich spielen...

    Für mein Empfinden erfordert es ein gerüttelt Maß an Selbstüberschätzung zu glauben, dass jeder falsche Ton schon dadurch verkäuflich wird, dass man ihn einfach noch fünf mal wiederholt. Für mich ist das eine Missachtung des Publikums. Aber wegen nix geht der Jazz hier zu Lande ja nicht den Bach runter, da müssen sich die Herren nicht wundern.
  9. #18

    mhh

    Zitat von 33and45 Beitrag anzeigen
    dass Sie sich als Musiker mit angeblich so viel Erfahrung und Wissen so unqualifiziert und herabwürdigend über Ihre Kollegen äußern (vielleicht haben Sie doch nicht so viel Ahnung, zumindest jedoch keinerlei Toleranz Dingen gegenüber die Sie nicht verstehen...). Improvisierte Musik ist zwar oft disharmonisch, zugegeben, allerdings wüsste ich nicht, was daran negativ sein soll. Verkopft ist das dagegen auf gar keinen Fall, im Gegenteil findet bei Musikern vom Kaliber Lillingers ein Höchstmaß an Interaktion und spontanem musikalischen Ideenaustausch statt. Ist halt frei von den gängigen Konventionen, wie "richtige" Musik gefälligst zu sein hat. Wie ich oben schon schrob: Man kann es halt ablehnen oder sich vorurteilsfrei drauf einlassen. In letzterem Fall wird man meist reich belohnt...
    Also ich habe schon in jüngeren Jahren mal Zeug gespielt das ähnlich klingt. Meist am Ene von langen Juxsessions unter befreundeten Musikern und unter hohem Einfluss von harten illegalen Substanzen, da war dann die ganze Band eh nur noch zu SO etwas fähig.
    Wenn man aber NÜCHTERN so was produziert und das dann noch für große Kunst hält, na danke schön, dann hat man ein ECHTES Problem.
    Hurz.