Liberalisierung des Schienenverkehrs: Bahn-Chef Grubes Punktsieg

dapdDie EU-Kommission hat die weitere Liberalisierung des europäischen Schienenverkehrs vertagt. Das massive Lobbying von Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte vorerst Erfolg.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/bah...-a-878424.html
  1. #1

    Was soll man denn da glauben ?

    Also 3,7 Mrd. EURO bekommt die DB-Netz und nimmt das Geld, um auf den Regionalstrecken Mitbewerber auszuschließen ? Dann liegt doch klar auf der Hand, dass DB-Netz so viel Geld garnicht braucht, wenn Grube einiges davon abzweigt, da kann doch gekürzt werden Herr Schäuble !
  2. #2

    Vorstandsvermögensbildung und Börsenfrische

    Die Unterbindung der Netzgewinne in die DB AG zu transferieren käme einer Gehaltskürzung des Vorstands gleich. Deren variablen Vergütungsbestandteile würden darunter leiden, wenn keine schwarzen Zahlen mehr vorzuzeigen sind. "Vorstandsvermögensbildung" ist die zentrale Aufgabe einer AG, zumindest aus der Sicht des Top-Managements.

    Die Politik macht hier gerne mit. Schließlich ist sie daran interessiert, dass die DB AG kontinuierlich schwarze Zahlen ausweist. Auf den Tag, dass das Börsenklima günstiger wird und es dort Milliarden "geschenkt" gibt, hofft sie noch immer, egal welche Partei gerade die Regierungsbank besetzt. Es wird somit versucht die Bahn dauerhaft "börsenfrisch" zu halten.

    Die von der EU verlangte Trennung bedeutet für Fahrgäste und Steuerzahler (der ist der eigentlich Eigentümer von Netz und DB AG) keinen Nachteil. Nur DB-Vorstand und Politik würden nicht mehr so ungestört im Wettbewerbs reduziertem Umfeld wirtschaften können.
  3. #3

    Man kann natürlich da ein EU

    Fan werden, aber ein freier Wettbewerb wird das nicht.
    Oder glauben Sie tatsächlich, daß andere Länder, z.B. die Franzosen, diese Trennung vollziehen und ihre Staatseisenbahn zerlegen ?
    Im Leben nicht !
    Schauen Sie sich nur die "Wettbewerbsstruktur" auf dem französischen Strommarkt an.
    Im Übrigen sind die "privatisierten" Eisenbahnen im Regionalverkehr nichts als Volksverdummung, schauen Sie sich doch mal die Eigentumsverhältnisse genauer an.
    Das sind nur Kostenerzeuger und Zubrotgeneratoren (Aufsichtsrat- und Sitzungsgelder) für Landräte, Oberbürgermeister und sonstige Kommunalschrate.
    OK, auf diese Art wurden durch kleinteilige Organisationen eine Menge Arbeitsplätze in nicht ausgelasteteten Verwaltungen geschaffen, die Leitungsebenen nach Proporz und keineswegs nach höchster Qualifikation besetzt.
    Das Ganze wird dann durch Zuschüsse aus den jeweiligen Kommunen, Landkreisen und Zweckverbänden mit noch mehr Steuergeld gefüttert.
    Dann lieber wieder alles in einer Hand, das Geld klar im Bundeshaushalt ausgewiesen und die Verschwendung zumindestens im Bericht des Rechnungshofes nachlesbar.
  4. #4

    Tja ...

    Einerseits wünschte ich mir Konkurenz, aber andererseits würde dies zu einer (weiteren) Zerfaserung der Transportoptionen führen. Ehrlich gesagt war das Leben einfacher, als es nur die Post und nur die Bahn gab. Bringt mir nichts, wenn demnächst Dutzende Bahn-Unternehmen und dann noch 100e Buslinien versuchen, sich den Verkehrsmarkt zu teilen und der Passagier dann versuchen darf die beste Option zu finden, obwohl niemand mehr aufeinander wartet und kein allumfassender Fahrplan mehr existiert, geschweige denn, daß dieser optimal abgestimmt wäre. Am liebsten wäre mir eine Rückkehr zur Staatsbahn. Da stiegen die Preise langsamer, die Pünktlichkeit war nicht schlimmer als heute, die Züge wurden vernünftig konzipiert, die Mitarbeiter waren besser dran und alles Steuergeld ging in den Betrieb, nicht für irgendwelche Börsengeschichten ... Aber was soll's Privatisierung ist doch das Mantra, oder ?
  5. #5

    Infrastrktur ist Gemeingut

    Eigentlich war ich immer EU-Fan. Doch wozu schliessen sich viele Staaten zusammen, wenn dabei letztlich immer nur "Wettbewerb" rauskommen soll? Was das in der Realität bedeutet sehen wir an der Einkommensentwicklung, wenn wir mal die prozentual immer kleiner aber absolut immer geldhaltiger werdende Oberschicht ausnehmen. Was nützt dem Bürger denn dieser Wettbewerb? Bahnfahren wird dadurch nicht billiger. Und viele Regionen sind ja ohnehin schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen abgehängt worden. Es "rechnet sich" halt nicht...
    Die bundesweite Infrastruktur sollte auch beim Bund bleiben. Aber nach der geplanten PKW-Maut werden wir wohl auch bald nach Günstig-Tarifen für das Befahren von privaten Autobahnabschnitten googeln. Der Unterschied ist nur, dass wir das Ganze dann mehrfach bezahlen, damit auch die Aktionäre zufrieden sind. Irgendein staatlich vorgesehener Auftrag zur Aufrechterhaltung einer komplett nutzbaren und bezahlbaren Infrastruktur wird da nur stören. Meint vermutlich auch die FDP...
  6. #6

    Hat Herr Grube schon etwas zu dem Vorfall bei Stockholm gesagt, bei dem ein Nahverkehrszug der DB-Tochter Arriva in ein Haus krachte? Nachdem dieser Bahnbetreiber erst die Putzfrau der Kaperung des Zuges beschuldigte, haben sich nun gravierende Sicherheitsmängel beim Betrieb des Zuges und bei der Stellung der Weichen herausgestellt:

    »Doch nun wirft Ankläger Pär Andersson dem Bahnbetreiber Arriva und der Bahnaufsicht SL "mehrere ernste Sicherheitsmängel am Zug und auf der Bahnanlage" vor.«

    Zugunglück in Stockholm: Schwedische Putzfrau ist unschuldig - SPIEGEL ONLINE
  7. #7

    Absurd

    Die DB Netz erhält Steuergelder für den Erhalt und Ausbau des Schienennetzes. Dieses Netz kann jede Bahngesellschaft gegen Bezahlung nutzen.
    Soweit so gut.
    Nur: Die Streckennutzung ist in Deutschland ziemlich teuer, bspw. erheblich teurer als in Österreich.
    Gut, könnte man sagen, alle bezahlen ja denselben Preis, also gleiche Bedingungen für alle.

    Stimmt, ABER: DB Netz macht dadurch hübsche Gewinne, die in den Konzern zurückfliessen. D.h. die DB bezahlt die hohen Trassengebühren faktisch an sich selbst und bedient sich gleichzeitig beim Mitbewerb.
    Die Gewinne fließen in den Gesamtkonzern und werden dort verwendet, um den Mitbewerb etwa im Regionalbereich auszustechen oder gar in ganz anderen Geschäftsfeldern auf dem Weltmarkt zu spielen (DB Schenker im Bereich Seefracht, Luftfracht, Stückgut - das hat mit Bahn schon gar nichts mehr zu tun).

    Wäre ich in der Branche tätig und ich hätte einen Konkurrenten (DB Schenker), der de facto mit Steuergeldern subventioniert Dumpingpreise anbieten kann - ich würde mich aber bedanken.
  8. #8

    merkwürdig

    wie im Stundenabstand etwa gleichlange Beiträge zugunsten der alten Struktur reinrauschen. Alle mit demselben Tenor und etwa derselben Länge... Jaja, wenn der Druck auf die Regierung nicht ausreichend ist, muss wohl die informelle Pressestelle ran und die Foren zuschütten?
  9. #9

    Die Europäische Kommission ist das Durchsetzungsinstrument der Interessen von Industrie und Hochfinanz. Nicht jede Privatisierung führt automatisch zu geringen Kosten und Qualitätssteigerungen. Während Staatsbetriebe ohne Probleme eine Schwarze Null aufweisen können, sind private Anbieter geradezu verpflichtet Gewinne zu machen. Und diese Gewinne müssen erst einmal erwirtschaftet werden, sei es durch Kosten- oder Qualitätseinsparungen oder Steigerung der Effizienz. Meistens werden die Gewinne jedoch die beiden zuerst genannten Konzepte realisiert.

    Sucht im Internet mal nach Monitor Europäische Kommission und Wasserrichtlinie und ihr findet Informationen über den neusten Plan der Kommission europaweit die Wasserversorgung zu privatisieren. Wehrt euch gegen diesen undemokratischen Bürokratenmoloch!