Debatte um Sprach-Rassismus: Das hässliche "Neger" ist tot, tot, tot

"Was ist denn gegen das Wort Neger zu sagen?" Eine Menge. Nennen wir nur mal die einfachsten Argumente: Der Begriff ist deplatziert, hässlich und tot. Und Deutschland wird freier, schöner und aufgeklärter sein, wenn nicht nur Kinderbücher auf das N-Wort verzichten - sondern wir alle.

Georg Diez zur Neger-Debatte um "Die kleine Hexe" - SPIEGEL ONLINE
  1. #290

    optional

    Den Damen und Herrn Vertreter des N Wortes ist schon klar, dass sie damit das rassistische Gedankengut weiter pflegen. Es ist schwer zu begreifen, das wir sicherlich nicht mit böser Absicht wie selbstverständlich von unseren Eltern ohne Kommentar und Aufklärung rassistisch sozialisiert worden sind. Heute sollten wir so weit sein, es besser zu machen und aufklärerisch unseren Kindern Bücher näher bringen. Uns kommen allzu leicht Begriffe über die Lippen, die wir wie selbstverständlich benutzen, weil wir es so gelernt haben. Dazu gehört auch das N Wort. Es aus dem Sprachgebrauch zu verbannen, tut niemand weh und wer meint, dass das N Wort völlig harmlos ist, der hat keine Ahnung Alltagsrassismus. Ich bin weiß und dummerweise rassistisch sozialisiert worden. Ich arbeite daran, dies zu ändern sowohl im Verhalten als auch im Gebrauch der Sprache. Aber zuerst muss man für anerkennen, dass alle weißen rassistisch sozialisiert werden. Große Hoffnung habe ich, wenn ich heute moderne Kinderbücher sehe, wo Kinder mit Schwarzer und weißer Hautfarbe wie selbstverständlich nebeneinander gezeigt werden. Das ist ein großer Fortschritt und zeigt die Lernfähigkeit unserer Gesellschaft. Aber es gibt noch viel Zutun, so auch die bewusste Abschaffung des N Wortes aus dem Sprachgebrauch. Eine Frage an die Damen und Herren Vertreter des N Wortes: In welchem Kontext verwenden Sie das N Wort heute? Finden Sie es in Ordnung, dass ein Kind seinen Hund Neger nennt und nicht ein bisschen darüber reflektiert, welchen Namen es seinem Hund da gegeben hat?
  2. #291

    danke

    Dankeschön für den guten Beitrag zum Thema versteckte xenophobie. Zu ihrer Frage nach dem Motiv so vieler Aggressivität in der öffentlichen Diskussion, vermute ich ganz persönlich, es handelt sich um die gute alte Angst des Spiessers. Solche Menschen die am Stammtisch so agieren wie sie es beschreiben, kommen in der Regel aus Irgenwo an der Hinterau und haben nie mit einem solchen "Neger" zu tun. Als sie mal endlich aus dem Dorf in die große Stadt ziehen, haben sie furchtbare Angst (phobie!) vor dem böse, hässlichen "Neger".
  3. #292

    Zitat von MMargaretha Beitrag anzeigen
    Sie haben es auf den Punkt gebracht. Als man das Wort "Weib" durch "Frau" ersetzte, war der Widerstand auch enorm. Das N-Wort ist definitiv beleidigend, wirklich jeder versteht, daß Eltern ihren Kindern keine Texte mit dieser Vokabel vorlesen wollen, und schon gar nicht, wenn das Kind eine Südseeprinzessin ist.
    Ein dürres Beispiel in einem dürren Text. Sagen Sie, wenn "Weib" durchweg zu negativ belegt ist, wieso gibt es dann noch das adjektiv "weiblich" oder die Begriffe "Vollweib" oder "Götterweib".

    Vor allem hat man "Weib" nicht bewußt durch "Frau" ersetzt, sondern es war eine sprachliche Evolution.
  4. #293

    Zitat von blasphemiker Beitrag anzeigen
    Ein dürres Beispiel in einem dürren Text. Sagen Sie, wenn "Weib" durchweg zu negativ belegt ist, wieso gibt es dann noch das adjektiv "weiblich" oder die Begriffe "Vollweib" oder "Götterweib".
    Ist Weib für Sie nicht negativ besetzt? Und selbst Vollweib hat m.E. einen seltsamen Unterton. Götterweib hab ich noch nie gehört, wenn dann Göttergatte, das aber auch eher als scherzhaftes Necken.

    Vor allem hat man "Weib" nicht bewußt durch "Frau" ersetzt, sondern es war eine sprachliche Evolution.
    Und wegen dieser Evolution würde heute niemand mehr in einem Buch statt Frau Weib schreiben. Da es eine ähnliche Evolution auch beim Wort Neger gab, das Wort also negativ besetzt ist, sollte man es heute nicht mehr verwenden.
  5. #294

    Wie denn nun?

    Zitat von werdreich Beitrag anzeigen
    Ich bin schwarzer deutscher und sowohl der Artikel von Jan Fleischhauer als auch die Beiträge zu eben jenem, sowie diesem hier haben mich traurig und sehr nachdenklich gemacht. es ist die blinde Ignoranz die mir angst macht. Aussagen wie Herr Fleischbauer selber traf wie:"...Ich zum Beispiel habe noch nie einen Schwarzen getroffen, der daran Anstoß genommen hätte, dass in Deutschland über Jahrzehnte die berühmten Negerküsse und Mohrenköpfe verkauft wurden.
    Ihr Beitrag ist gewiss einer der ganz wenigen sinnvollen.
    Letztlich sollten nicht die politisch korrekten Berufsgutmenschen entscheiden, wie denn nun schwarze Deutsche bezeichnet werden sollen, sondern eben Menschen wie Sie.

    Also meine Frage an Sie, was wäre denn eine angemessene Bezeichnung? Afrikaner? Schwarzer? Bitte nicht Farbiger. Bei Afrikaner kann es ja auch zu Missverständnissen kommen, aber die sind m.E. nicht bedeutsam. Außerdem werden Weiße ja oft als "kaukasisch" bezeichnet. Ist auch blöd. Welche Seite des Kaukasus ist denn gemeint? Egal.

    Sie entscheiden, wie Sie benannt werden wollen.
  6. #295

    Selbt erlebt

    Zitat von booya Beitrag anzeigen

    Oder ist es bei Ihnen üblich jeden Menschen den sie nicht kennen, der Einfachheit halber mit "HEY WEISSER" zu rufen?
    In Afrika ist das durchaus üblich. Wenn einer meiner Nennen-Sie-ihn-wie-Sie-wollen-Kunden mich sprechen wollte, so sagte er einfach zu meiner Sekretärin "passez-moi le blanc". Glücklicherweise gibt es aber in Afrika keine Gutmenschen. Wenn man diesen Begriff wörtlich ins frz. als "bonhomme" und dann wieder zurück übersetzt hätte, so wären im Deutschen nämlich verschiedene Bedeutungen angefallen - von "netter Kerl" bis "Trottel" :)
  7. #296

    Toubab

    Zitat von booya Beitrag anzeigen
    Seelig sind die Unwissenden.
    Neger bedeutet eben nicht Schwarzer.

    Einfach den Namen des Menschen benützen und wenn man ihn nicht kennt dann herausfinden.

    Oder ist es bei Ihnen üblich jeden Menschen den sie nicht kennen, der Einfachheit halber mit "HEY WEISSER" zu rufen?
    So ist es. Seit rund zwanzig Jahren bin ich relativ regelmäßig bei meiner westafrikanischen Schwiegerfamilie. Auch dort habe ich mir verbeten, als 'Toubab' ('Weiße') adressiert zu werden, habe der Nichte, die dies anfangs ständig tat, erklärt, dass ich einen Namen habe und sie sicherlich auch nicht begeistert wäre, wenn sie in Europa nur auf ihre Hautfarbe reduziert würde. 'Toubab' hat, anders 'N', (noch) keine allzu negative Bedeutung, aber es konnotiert wie 'N' ein Stereotyp. 'N' ist doof, primitiv, taugt nur als Sklave, ist aber als Mann 'untenrum' beeindruckend ausgestattet und frisst kleine Kinder. 'Toubab' sollte man niemals vertrauen, aber man kann persönlich von ihm/ihr profitieren. 'Toubab' ist intelligent, stinkt vor Geld, ist gebildet, aber leider völlig zügel- und sittenlos und missbraucht kleine Kinder. Da finden wir uns doch alle genauso treffend portraitiert wie wir es mit dem 'N' tun, oder?
  8. #297

    Was ist politisch korrekt und wer bestimmt darüber?

    Zitat von MarioDeMonti Beitrag anzeigen
    ......
    Aber eine konkrete Antwort, welcher Begriff jetzt korrekt ist, wird man nicht bekommen, da gehen die Meinungen zu weit auseinander, und die Euphemismus-Tretmühle dreht sich ohnehin immer weiter.
    Vielleicht ist in dreißig Jahren 'Mohr' der korrekte Begriff.

    ........
    So ist es. Diese Problematik wird auch hier im Forum zu wenig reflektiert: Was ist "politisch korrekt" und wer bestimmt darüber? Bekanntlich wird auch der Begriff "Political Correctness" selbst von nicht wenigen Bürgern im abfälligen Sinn verwendet, als Ausdruck eines scheinheiligen Dominanzanspruchs auf Deutungshoheit, hinter der eine bestimmte Ideologie steht.

    Mit anderen Worten: Auch die Sprachregelung einer Gesellschaft muss demokratischen Prinzipien unterworfen sein und darf nicht von mächtigen Partikulerinteressen einfach durchgesetzt werden, so wie es zum Beispiel im Dritten Reich der Fall war. Wer nun meint, es sei doch eine harmlose Sache, wenn Kinderbuchverlage Märchen und andere Kinderliteratur nach ihren Vorstellungen von Korrektheit umschreiben, der unterschätzt die darin lauernde Gefahr. Wenn man erst mal damit anfängt, werden nicht nur bestimmte Vorstellungen politischer Korrektheit befördert, sondern es ist auch ein kleiner Schritt, noch ganz ander Aspekte der Zensur zu unterwerfen. So gilt zum Beispiel "Max und Moritz" von Wilhelm Busch als autoritär, was übrigens auch für viele andere berühmte Märchen gilt. Müssen unsere Kinder deswegen davor geschützt und die Bücher verboten werden?
    Als Näxhstes könnte dann die Erwachsenenliteratur und generell die Medien systematisch "gesäubert" werden.

    Man begibt sich also auf sehr gefährliches Terrain, wenn man selbsternannten Vertretern der Political Correctness, die meist eine materielle und ideologische Affinität zu den Herrschenden haben, die Deutungshoheit überlässt. Ich habe weiter oben schon geschrieben: Wehret den Anfängen und erscheinen sie zunächst als harmlos.
  9. #298

    Verteidigung der Ignoranz

    Ob ein Wort diskriminierend ist oder nicht, sollen ja doch die davon Betroffenen beurteilen und nicht die Verwender, ja! Die meisten erkennen ganz klar den Rassismus, und der hängt nicht am Wortursprung - ein Wort erlangt erst im sozio-kulturellen Zusammenhang seine Bedeutung. Gegenprobe: gibt es ein Wort für die "Nicht-Neger"? Nein! Wir sprechen von Deutschen, Franzosen, Engländern etc., und selbst wenn man hier "Krauts" sagt, ist das immer noch nicht so abwertend: wenigstens wird einem eine Identität zugestanden. Beim Wort "Neger" aber fragt man noch nicht einmal, wen man vor sich hat, derjenige wird an einem einzigen Merkmal, der schwarzen Hautfarbe, identifiziert. Niemand würde sich trauen einen "Weißen" Europäer zu nennen, man wartet ab, bis man weiß, wen man vor sich hat. Deshalb ist dieses Wort so schlimm: es wird nicht geschaut, habe ich einen Malier, Äthopier, Eriträer, Nigerianer oder vielleicht einen dunkelhäutigen Menschen aus Deutschland, USA, Brasilien vor mir: der Mensch wird zum Ding, zum Tier deklariert, nicht zu einem Wesen mit einer kulturellen Identität.
    Deshalb greift "dunkelhäutiger" auch nicht: es ist eine objektive Beschreibung die nur dann angemessen ist, wenn die Hautfarbe eine Rolle spielt: als Opfer von Rassismus etwa, oder als jemand, der nicht so schnell Sonnenbrand kriegt. Wer das N-Wort verwendet, will damit diskriminieren, schlimmer noch, die Diskriminierung hat schon vorher im Kopf stattgefunden, indem ein Mensch wie ein Ding oder ein Tier abklassifiziert wurde - damit man ein einfaches Verhältnis dazu herstellen kann und auf die mühsame differenzierte soziokulturelle Identifikation seines Gegenübers verzichten kann. Denn das würde auch seinen eigenen Vorurteilen den Wind aus den Segeln nehmen.