Bafög-Stau in Berlin: Wo bleibt mein Geld?

SPIEGEL ONLINEWeil ein Berliner Bafög-Amt mit der Antragsflut nicht zurecht kam, machte es für einige Wochen einfach dicht. Seit Jahresbeginn empfängt es jetzt wieder Schüler - doch Tausende stehen noch immer ohne Geld da. Und das Warten kann dauern, auch bei Studenten.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-878327.html
  1. #30

    Zitat von vorschau Beitrag anzeigen
    Wie wäre es mit arbeiten?
    Das kann nur von jemandem kommen, der die Realverhältnisse von heute vollständig ignoriert. Zumindest in den MINT-Studiengängen sind 30-35 SWS an Veranstaltungen mittlerweile Normalität, hinzu kommen Hausarbeiten und Übungszettel, die meist im Wochenrhythmus abzugeben sind und natürlich die berühmte "Nacharbeitung" der Vorlesungen und die Prüfungsvorbereitung, und das ist auch der Grund, warum "wir" (also Forschungsinstitute) kaum noch studentische Hilfskräfte bekommen, und warum es besonders lustig ist, wenn in der Studienordnung noch irgendwelche vorlesungsbegleitende Praktika festgeschrieben sind, die bitte auch in der Vorlesungszeit stattfinden sollen.

    Klar, man (= der Student) kann auch noch Nachts an der Tanke jobben oder kellnern, wenn man keinen Schlaf braucht und seine Hausaufgaben fleißig abschreibt. Zu meiner Zeit hatte ich nur 20-25 SWS, die aber auf die Woche schön verteilt waren, und ja, ich hatte einen Studentenjob, bei dem allerdings erwartet wurde, dass man mindestens 6h am Stück zu büroüblichen Zeiten arbeiten kann, sprich, mindestens an 2 Wochentagen sind die Vorlesungen für mich halt ausgefallen. Habe halt dann etwas länger studiert, als es sonst notwendig wäre. Das ist aber meine ganz private Entscheidung gewesen und ich halte es nicht für klug, so was zur Normalität zu erklären.

    Zum Thema: das ist nun nicht wirklich nur ein Berliner Problem und auch kein Problem der doppelten Jahrgänge (auch wenn die das Ganze noch verschärfen). Im Jahre 2000 habe ich ganz woanders im Schnitt 4-5 Monate auf das Geld vom Bafögamt gewartet (man stellt vor dem Beginn des Semesters, also sagen wir Mal im August) den Antrag für Oktober bis März, irgendwann Mitte Januar kriegt man dann das Geld für 5 Monate am Stück überwiesen), die Zeit musste man dann mit Kleinkrediten und Nebenjobs irgendwie überbrücken. Nach 3 Semestern wurde mir das zu bunt und ich habe dankend darauf verzichtet und halt mehr gearbeitet und länger studiert.
  2. #31

    Zitat von Carlo Nappo Beitrag anzeigen
    Sorry, das diese unglaublich arbeitsamen Menschen in diese unsägliche qualvolle Ausbildung, die sogar ohne Lohn absolviert werden muß, quasi geprügelt wurden.

    Ich bin so unendlich betroffen und stelle mich erst mal in die Ecke, weine bitterlich und Bitte um Entschuldigung, das ich selbst trotz eines guten Abi's eine Ausbildung in der IT vorgezogen habe, in der ich stets reel entlohnt wurde und letzten Endes sogar massenhaft frustrierte Studienabbrecher anlernen durfte!
    Diese Argumentation kann man auch umkehren: "Ooooh, Sie Armer! Sie müssen Studienabbrecher anlernen. Sie haben es aber schwer. Und werden dafür ja noch entlohnt."

    Haben Sie eigentlich ne Vorstellung, wie ein Studium abläuft?
    Niemand schimpf auf die Azubis, die arbeiten ja für ihr Geld, aber Studenten? Pfft! Die stehen doch erst um 14 Uhr abend, machen jeden Tag Party, könnten später eventuell mal etwas mehr verdienen und sind stinkend faul. Sie schwänzen die Uni und und und...

    Falls ich was vergessen haben, kann jeder es für sich ergänzen!
  3. #32

    Zitat von hemithea Beitrag anzeigen
    Diese Argumentation kann man auch umkehren: "Ooooh, Sie Armer! Sie müssen Studienabbrecher anlernen. Sie haben es aber schwer. Und werden dafür ja noch entlohnt."

    Haben Sie eigentlich ne Vorstellung, wie ein Studium abläuft?
    Niemand schimpf auf die Azubis, die arbeiten ja für ihr Geld, aber Studenten? Pfft! Die stehen doch erst um 14 Uhr abend, machen jeden Tag Party, könnten später eventuell mal etwas mehr verdienen und sind stinkend faul. Sie schwänzen die Uni und und und...

    Falls ich was vergessen haben, kann jeder es für sich ergänzen!
    Ich habe mich vermutlich unklar ausgedrückt. Frustrierte Studienabbrecher sind für mich besonders diejenige Masse, die nach dem Abi einfach mal munter das studieren anfängt, denn es machen ja alle Freunde und irgendwie wird das so sein wie Schule, also "besser" als arbeiten. Dann kommt irgendwann der Frust, weil das Studienfach doch nicht passt und dann folgt oft der Abbruch.

    Im übrigen habe ich nach der Lehre noch studiert - neben meinem Fulltime-Job!
  4. #33

    Zitat von Carlo Nappo Beitrag anzeigen
    Ich habe mich vermutlich unklar ausgedrückt. Frustrierte Studienabbrecher sind für mich besonders diejenige Masse, die nach dem Abi einfach mal munter das studieren anfängt, denn es machen ja alle Freunde und irgendwie wird das so sein wie Schule, also "besser" als arbeiten. Dann kommt irgendwann der Frust, weil das Studienfach doch nicht passt und dann folgt oft der Abbruch.

    Im übrigen habe ich nach der Lehre noch studiert - neben meinem Fulltime-Job!
    Achso :-), dann ist ja gut ;-).

    Ich bin aber als Studentin, ständig mit Vorurteilen konfrontiert, die ich aufgezählt habe. Das regt mich mittlerweile auf, dass alle auf die faulen Studenten schimpfen, ohne sich auch nur ein bisschen mit "unserer" Realität zu beschäftigen.

    Bei meinen engen Freunden ist es einfach so, dass wir überlegen müssen, an welchem Tag wir nun die Uni ausfallen lassen müssen, damit wir arbeiten gehen können. Nach der Uni ist einfach nicht drin, bzw. wäre möglich wenn man komplett auf Schlaf verzichten würde. Dann sind solche Sprüche von wegen "geht doch arbeiten" einfach ein Schlag ins Gesicht.
    Man sollte einen guten Abschluss erreichen, nicht die Regelstudienzeit überziehen, nebenbei Arbeiten, sich politisch und sozial engagieren, nebenbei noch Praktika machen, am besten noch ein Auslandssemester...Das ist so ABSURD diese Forderungen...
    Wie soll man denn das alles schaffen??!
  5. #34

    Zitat von hemithea Beitrag anzeigen
    Man sollte einen guten Abschluss erreichen, nicht die Regelstudienzeit überziehen, nebenbei Arbeiten, sich politisch und sozial engagieren, nebenbei noch Praktika machen, am besten noch ein Auslandssemester...Das ist so ABSURD diese Forderungen...
    Wie soll man denn das alles schaffen??!
    Es gibt immer wieder Leute, die ihre unreflektierte persönliche Meinung auf die ganze Bevölkerung übertragen wollen.
    Oder: wenn man studiert, ist man für diese Leute faul - wenn man eine Ausbildung macht, fragen jene, warum man nicht studiert hat.

    PS: Viel Erfolg beim Studium! Vielleicht werden Sie einst Chef von solchen Nörglern ;-)
  6. #35

    Zitat von Plasmabruzzler Beitrag anzeigen
    Es gibt immer wieder Leute, die ihre unreflektierte persönliche Meinung auf die ganze Bevölkerung übertragen wollen.
    Oder: wenn man studiert, ist man für diese Leute faul - wenn man eine Ausbildung macht, fragen jene, warum man nicht studiert hat.

    PS: Viel Erfolg beim Studium! Vielleicht werden Sie einst Chef von solchen Nörglern ;-)
    Danke :-) Sie werden von mir hören, als Chef aller Phyrmaziekonzerne der EU ;-)...
  7. #36

    Vorurteile

    Zitat von hemithea Beitrag anzeigen
    Ich bin aber als Studentin, ständig mit Vorurteilen konfrontiert, die ich aufgezählt habe. Das regt mich mittlerweile auf, dass alle auf die faulen Studenten schimpfen, ohne sich auch nur ein bisschen mit "unserer" Realität zu beschäftigen.
    Ignorieren Sie doch einfach die ganzen Nörgler. Das sind oftmals doch Leute, die für 8 Euro die Stunde buckeln gehen. Je nachdem, was Sie studieren und wie gut Sie sind, stehen Sie in ein paar Jahren nicht mal für 20 Euro die Stunde morgens auf. Viel Erfolg!
  8. #37

    Titel muss nicht sein

    Carlo Nappo
    Viele fangen entgegen aller Neigungen an zu studieren, weil sie nach der Schule keine Ausbildung bekommen haben.
    Da ist ein Studium mit Kindergeldanspruch und vielleicht auch noch Bafög die Alternative zur Arbeitslosigkeit.
    Zumal man als Hartz IV Empfänger bei den Eltern wohnend nicht mal ausziehen darf, wenn man noch nicht 25 ist.
    Was Bafög angeht.
    War 1997-2002 in Leipzig auch nicht besser.
    Der Antrag durfte erst am 01.08. abgegeben werden. Ob man dann zum Semesterbeginn 01.10. Bafög bekam ?! Ich jedenfalls nie.
    Meist erst zum Februar oder März hin, auch wenn die Unterlagen vollständig waren...
  9. #38

    Zitat von zufriedener_single Beitrag anzeigen
    Zum Rechtsanwalt gehen und klagen. Ein Gerichtsvollzieher holt die Kohle aus dem Amt.
    So einfach läuft das nicht, wenn Ihnen Bafög noch nicht durch Bescheid bewilligt wurde (was vorliegend wohl der Fall sein dürfte, da es ja um die Bearbeitung von Bafög-Anträgen geht). Da bleibt Ihnen nur eines: Vor dem Verwaltungsgericht eine Verpflichtungsklage auf Bewilligung von Bafög, was aber nach § 75 VwGO erst nach drei Monaten ab Antragstellung geht. Dann kommt noch das gerichtliche Verfahren hinzu, und sobald das erfolgreich abgeschlossen ist, haben Sie einen Verwaltungsakt, der Ihnen Bafög bewilligt. Und erst dann können Sie mit dem den Gerichtsvollzieher losschicken, falls immer noch nicht bezahlt wird; ohne diesen Bescheid geht da zwangsvollstreckungsrechtlich überhaupt nichts. Da dürfte es schneller gehen, zu warten, bis die Behörde den Antrag selber bearbeitet hat.
  10. #39

    stimmt

    Zitat von Plasmabruzzler Beitrag anzeigen
    Wenn Sie studieren, erhalten Sie keine Unterstützung durch die Agentur für Arbeit oder die ARGE - denn Sie stehen ja dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung.
    Das ist übrigens sehr interessant - wenn Sie sich mit eine Studium bilden, um danach einen Beruf auszuüben, erhalten Sie außer eventuell BAföG (und/oder ggf. ein Stipendium) keine Unterstützung vom Staat; aber jemand, der die Schule abbricht und es nicht nötig hat zu arbeiten oder eine Ausbildung anzufangen, der erhält in der Regel ALG II (vulgo Hartz IV).



    Rückfrage: Arbeiten statt Studium oder arbeiten während des Studiums?
    Die erste Möglichkeit ist denkbar schlecht. Wir brauchen nicht nur Arbeiter, sondern auch Wissenschaftler.
    Die zweite Möglichkeit trifft häufig zu. Durch Einführung der Bachelor-/Master-Studiengänge ist jedoch der Stundenplan voller Pflichtveranstaltungen. Wer viel nebenher arbeitet, muss ggf. seine Krankenversicherung selbst zahlen und bekommt weniger BAföG (s. Eigenes Einkommen - BAföG-FAQ - Studis Online).

    Wenn man nicht gerade reiche Eltern hat, ist ein Studium über mehrere Jahre gewollte Armut. Nicht einmal auf die Rente wird die Ausbildung + Studium komplett angerechnet, s. Anerkennung von Studienzeiten für die Rente - wissenswerte Kenntnisse



    Bei Ingenieurstudiengängen ist es auf Fachhochschulen üblich, dass man vorher eine handwerkliche Ausbildung gemacht hat (3,5 Jahre). Wenn man es straff durchziehen kann, bleiben einem 4,5 Jahre (9 Semester) für Bachelor+Master.
    nicht ganz. Auch Bafoeg Beziehende können beim Jobcenter einen "Zuschuss zu den ungedeckten Kosten der Unterkunft" erhalten, § 27 Abs. III SGB II.

    Das wissen die im Jobcenter meistens nicht, daherverdn Se zum Sozialgericht gehen muessen.