Arbeitslosenvermittlung: Arbeitsagentur spart 900 Millionen Euro

dapdDie Bundesagentur für Arbeit hat bereitstehende Mittel in Höhe von 900 Millionen Euro gespart - jetzt fließt die Summe zurück in den Bundeshaushalt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, sollten mit dem Geld eigentlich Arbeitslose in den Jobmarkt eingegliedert werden.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...-a-878339.html
  1. #20

    Curriculum

    Zitat von Progressor Beitrag anzeigen
    6. Anpassung des Curriculum an Anforderungen der Wirtschaft.
    7. Anpassung der Abschlussprüfungen an das Curriculum.
    Ihr Beitrag ist interessant.

    Wer definiert welches Curriculum? Was die Wirtschaft will, ist nicht 1:1 auf das zu übertragen, was für die Maßnahmenteilnehmer sinnvoll ist.

    Die Wirtschaft möchte eine schmallippige, weil billige, aber punktgenaue Qualifikation - just in time. Halbwertzeiten spielen keine Rolle. Ein Maßnahmeteilnehmer möchte eine Qualifikation, die ihm Türen und Möglichkeiten eröffnet. Das kann eine neue Berufsausbildung sein, daß kann aber auch eine Verbesserung der sg. Soft-Skills sein. Zwischen beiden Ansprüchen klafft eine Lücke. Bildungsträger wollen nur absahnen. Der Mitarbeiter bei der BA oder bei der ARGE weiß nicht, wie er dies alles unter einem Hut bringen soll, zumal die eigentlichen Entscheidungen nicht in seinem Ermessen liegen. Es sei auch darauf hingewiesen, daß es durchaus wahrscheinlich ist, daß in der Ebene oberhalb eines Fallmanagers, Arbeitsvermittlers Korruption im Spiel ist! Warum ist das nicht Thema?

    Wo Korruption möglich ist, findet sie auch statt - es denn, das Gegenteil wurde bewiesen. Jeder Bauer weiß das ...
    Daß da nicht hingeguckt wird, stinkt zum Himmel!

    Und wieso eigentlich lehnt die Wirtschaft Arbeitslose als Fachkräfte ab und jammert zeitgleich rum? Auch für einen Arbeitgeber hat zu gelten, was jedem Arbeitnehmer selbstverständlich zugemutet wird: Der Markt!

    Mich interessiert, wie Sie darüber denken.
  2. #21

    Gut so!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Bundesagentur für Arbeit hat bereitstehende Mittel in Höhe von 900 Millionen Euro gespart - jetzt fließt die Summe zurück in den Bundeshaushalt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, sollten mit dem Geld eigentlich Arbeitslose in den Jobmarkt eingegliedert werden.

    Arbeitsagentur spart bei Arbeitslosenvermittlung 900 Millionen Euro - SPIEGEL ONLINE
    Jeder cent, der nicht für irgendwelche Job-Drehtür-Modelle ausgegeben wird, nützt sowohl den ehrlichen Betrieben, als auch den wirklich einen Job suchenden und damit auch denen, die brav ihre Steuern und Sozialabgaben bezahlen.

    Aber man muss eben auch feststellen, dass weder Politik noch Arbeitsagentur die Zeit genutzt haben, um ihre Konzepte zu verbessern.

    Wie wäre es mal mit einer pragmatischen Lösung: Förderung nachträglich: Wenn die Probezeit überstanden und ein unbefristeter Arbeitsvertrag abgeschlossen ist, gibt es einmalig ein Monatsgehalt - für den Arbeitgeber und für den Arbeitnehmer. Stattdessen aber keine Lohnzuschüsse mehr. Und wenn der Arbeitnehmer diese Kohle für eine berufsbezogene Weiterbildung einsetzt, gibt es sogar noch etwas mehr.

    Aber den ersten Arbeitsmarkt mit irgendwelchen Beschäftigungstherapien, Zuschüssen und einer öffentlich geförderten Qualifizierungsindustrie zu verseuchen, hat sich nicht bewährt. Dieser Teil der Hartz-Gesetzgebung bedarf dringend einer Überarbeitung. Aber dort gibt es natürlich keine Lorbeeren zu ernten. ein nicht ganz kleiner Teil unserer Langzeitarbeitslosen hat sich in diesem Status eingerichtet und will in Wirklichkeit gar nicht da raus, weil die standfestigkeit für einen 8-Stunden-Tag und die 5-Tage-Woche nicht gegeben ist. Insofern ist de Versuch diese Menschen zu ändern das Bohren ganz harter Bretter mit einem sehr stumpfen Bohrer. Erfolge sind dort nur als etwas weniger Misserfolg sichtbar. Mit etwas derart Unpopulärem wird sich Frau von der Leyen niemals vor ein Mikrofon stellen.
  3. #22

    Ein unerbittlich harter, scharfer, kalter Wind!

    Zitat von MütterchenMüh Beitrag anzeigen
    Die Ergebnisse respektive die Erfolge dieser Fortbildungsindustrie war doch nachgewiesen sehr sehr bescheiden.
    Weil zuviele Leute ihren Reibach haben machen wollen und weil dies nicht nur politisch zugelassen sondern aktiv unterstützt wurde um eine Klientel zu schaffen. Die ganze Arbeitsmarktpolitik seit den frühen 1990gern war so!

    Zitat von MütterchenMüh Beitrag anzeigen
    Da ist die Vermittlung an Zeitarbeitsbuden doch erst einmal Positiv.
    Sie wissen nicht, wovon Sie schreiben.

    Zitat von MütterchenMüh Beitrag anzeigen
    Dort können die Betroffenen Erfahrungen sammeln, und sich dann selber weiterentwickeln.
    Sie brauchen einen gediegenen Einlauf; vielleicht entwickeln Sie sich dann weiter.

    Zitat von MütterchenMüh Beitrag anzeigen
    Sozialstaatlichkeit muss nicht bedeuten, dass man lebenslänglich gepampert wird.
    Doch, genau das bedeutet er! Warum? Weil nicht 100 Personen benötigt werden, um die Güter und Dienstleistungen zu produzieren, die 100 Personen konsumieren ( Argument, s.u. ).

    Ihre, diese ewige dreiste Dummdenke ist inakzeptabel! Es reicht!
    Wagen es Sie ja nicht ohne Argumente ( s.o. ) mir gegenüberzutreten! Und seien Sie sich gewiß: Die Welt gehört Ihnen und Ihresgleichen nicht. Soweit Sie also bereit sind, die Lebensgrundlagen anderer in Frage zu stellen, seien Sie darauf gefaßt, daß diese auch mit Gewalt Ihnen in Ihrem Anspruch entgegentreten! Ein Sieg ist undenkbar; aber Ihr und Ihresgleichen Untergang sehr wohl. Kein Staat, kein Geld und keine Hightech kann Sie und Ihresgleichen davor schützen.

    Treibt das Spiel nicht zu dolle! Dies ist eine konditionierte Drohung; dies ist eine Warnung! Auge um Auge, Zahn um Zahn! Macht nicht den Untergang zu einer Option!
    Ich hoffe, ich habe mich deutlich und verständlich ausgedrückt.

    <kann weg>Diesen Beitrag habe ich protolliert.</kann weg>
  4. #23

    Super-Spitzen-Kommentar von Progressor

    Was Progressor schildert, habe ich als Arbeitsloser von der anderen Seite gesehen in mehreren Maßnahmen auch
    so erlebt. Ich bin Akademikerin (Geisteswissenschaftlerin) . Meine erste Erfahrung mit arbeitsamtlicher Fortbildung war eine "Umschulung" zum Programmierer. Mein Antrag, eine solche machen zu dürfen, wurde - nach einem Test - zunächst abgelehnt.
    Ein Jahr später landete ich dann in dieser Maßnahme. Wie neun von zehn Geisteswissenschaftlern verstand ich nur "Bahnhof". Das Problem mit den Prüfungen wurde sehr "elegant" gelöst. 50 % der Aufgaben waren so, dass man einfach Seiten aus dem Ordner abschreiben musste. Wer 0,00 Ahnung vom Stoff hatte, bestand so mit Note Vier.
    Da wir (Akademiker) ja nur den EDV-Stoff nicht verstanden, aber nicht dämlich waren, fühlten wir uns total verarscht. Selbst als ich in meine Prüfung eine Fotokopie meines Ordners einklebte, bekam ich die volle Punktzahl.
    Ein einziger Dozent hat mir dann mal klar gesagt, er wolle sich mit meinen Fragen nicht mehr beschäftigen. Ich sei einfach unbegabt für EDV und würde nicht in einen solchen Kurs gehören. In Zusammenhang mit der "Auseinandersetzung" (im guten Sinn des Wortes!) mit diesem Dozenten erfuhr ich dann auch Folgendes:
    Ich und weitere Geisteswissenschaftler hatten eigentlich im Eignungstest die erforderliche Punktzahl nicht erreicht. Wir wurden aber dann trotzdem in den Kurs genommen, weil er sonst nicht hätte beginnen können!
    In dieser Situation ging ich zur Arbeitsagentur und sagte: "Ich habe nichts von dieser Maßnahme. Ich verstehe nichts. Die Dozenten nehmen keine Rücksicht auf den Wissensstand der Geisteswissenschaftler (15 von 30 Teilnehmern)."
    Antwort: "Wenn Sie den Kurs nicht zu Ende machen, müssen Sie die Kosten dafür tragen und wir sperren Ihnen die Leistungen." Also ging das Theater weitere 10 Monate weiter. Von den 15 Geisteswissenschaftlern fanden nur die zwei Arbeit, die sich vor dem Kurs schon massiv mit EDV beschäftigt hatten. Die anderen Teilnehmer (Physiker, Mathematiker) verbrachten die Hälfte der Zeit mit Warten.
    Denn wenn auch wir Schwächeren ständig das Gefühl hatten , nur ein Zehntel soviel erklärt zu bekommen, wie wir gebraucht hätten, ging doch viel Zeit weg für die Arbeit mit den "chronischen Nicht-Durchblickern".

    In meinem konkreten Fall fanden von 30 Teilnehmern gerade mal sieben Arbeit im EDV-Bereich.
    Die offizielle "Erfolgs"quote lag natürlch viel höher.
    Denn alle Akademiker, die nach der Maßnahme wieder als Kelllner, Taxifahrer, Putzfrau arbeiteten, galten als "erfolgreich vermittelt" - auch wenn die teure Maßnahme keinen Nutzen für sie gehabt hatte.
    Und wer - wie ich - immer noch keine Arbeit hatte, wurde in die nächste Maßnahme gesteckt und war dann auch "erfolgreich vermittelt"!

    Viele Jahre später (von denen ich die meisten Jahre arbeitslos war), landete ich wieder in einer Maßnahme. Wieder war EDV angesagt - diesmal Anwenderschulung (Windows, Office)
    In Phase 1 warteten 80 % - auf die 20 %, die keinerlei Schreibmaschinen-Kenntnisse hatten. Diesen Sachverhalt hätte der Dozent allerdings durch Kopieren der Texte
    ändern können. Dann hatten wir 20 % Teilnehmer, die wirklich erschreckend "schwer von Begriff" waren.

    Und dann waren da wieder die Pannen, die mangels Vorkenntnissen passierten.
    Ich war richtig stolz, dass ich das Zinsrechnen noch beherrschte. Viele Mit-Lerner, die vor zwei Jahren noch im Büro gearbeitet hatten, konnten das nicht mehr.
    Dafür hielt ich(!) dann den ganzen Betrieb auf, als ich die Spalte "VE" als Käsesorte in meine Excel-Tabelle einarbeitete. Woher soll ich als Geisteswissenschaftler auch das Wort "Verpackungseinheit" kennen?

    Und dann die "Prüfung" (in diesem Fall ohne IHK).
    Am Tag vor der Prüfung machten wir eine "Probe-Prüfung".
    Da hätte ich in Word und Excel jeweils eine Vier geschafft.
    Dann wurde uns ganz genau erklärt, was warum richtig ist.
    Dann machten wir am Tag danach die gleiche (!) Prüfung nochmal. Da hatte ich dann Note Zwei und Drei.
    Aber natürlich wusste ich wieder (genauso wie damals in der Schulung zum "Programmierer" ), dass diese höchst albernen Pseudo-Noten überhaupt nichts mit meinen wirklichen (schlechten) Leistungen zu tun hatten .
    Und wenn man dann als Arbeitsloser Pech hat, dann bekommt man noch Ärger mit dem Vermittler (oder einen "Coach" in Vermittlungsmaßnahmen) wenn man nach einem solchen Kurs in Bewerbungsfomularen bei EDV "Grundkenntnisse" ankreuzt.
    Denn die erwarten ja, dass man aus einer mit solchen Lügen-Methoden erworbenen Zwei die Folgerung zieht, man habe tatsächlich gute EDV-Kenntnisse.
    Irgendwie sind in solchen Maßnahmen alle die Opfer:
    die Dozenten, die überforderten Teilnehmer, die Teilnehmer, die wegen der (dummen Fragen der) Überforderten nicht richtig lernen können.
    Und das Opfer sind natürlich auch die Steuerzahler, die auch für solch unsinnige Maßnahmen brav zahlen müssen.