Arbeitslosenvermittlung: Arbeitsagentur spart 900 Millionen Euro

dapdDie Bundesagentur für Arbeit hat bereitstehende Mittel in Höhe von 900 Millionen Euro gespart - jetzt fließt die Summe zurück in den Bundeshaushalt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, sollten mit dem Geld eigentlich Arbeitslose in den Jobmarkt eingegliedert werden.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...-a-878339.html
  1. #10

    Wo es happert: Fortbildungsmaßnahmen

    Ich war mehr als 20 Jahre als Trainer/Ausbilder für Umschulungsmaßnahmen des Arbeitsamtes bundesweit unterwegs. Meine Erfahrungen konsequent und permanent:

    - Das Arbeitsamt sucht sich den billigsten Anbieter für eine Umschulungsmaßnahme aus. Ob ein entsprechendes Know How vorhanden ist, ist zweitrangig.
    - Man bittet mich einen Aufnahmetest mit den potentiellen Teilnehmern durchzuführen um zu sehen, ob sie für die Maßnahme überhaupt geeignet sind. Dieser wird zwar durchgeführt, hat aber keine Konsequenzen, da der Bildungsträger alle Teilnehmer benötigt um auf seine Kosten zu kommen. Wenn trotzdem im Konsens mit dem Bildungsträger aus wichtigem Grund ein Teilnehmer abgelehnt wird, ruft am nächsten Tag das Arbeitsamt an und fordert diesen doch aufzunehmen. Diese Leute ziehen mir dann im späteren Unterricht 60 % meiner Zeit ab. Ich muss die Schulung deshalb auf ein Niveau reduzieren, mit dem man in der freien Wirtschaft keinen müden Euro mehr verdienen kann.
    - So sitzen in den Maßnahmen Leute die von vornherein keine Aussicht haben, später in diesem Beruf tätig zu werden und/oder keinen Bock haben. Falls ich es als Trainer trotzdem wagen sollte, einen Unterricht zu machen, der auf guten Niveau ist bekomme ich von solchen Leuten dermaßen Druck, dass der Bildungsträger erwägt sich von mir zu verabschieden.
    - Nach Abschluss der Maßnahme stellt sich heraus, dass nur 20 % der Leute eine Stelle finden. 80 % ist zum Fenster hinaus geworfen.
    - Die Anschlussprüfungen der IHK sind so verquer, dass kaum jemand mit akzeptablen Noten davon kommen würde, wenn mir die IHK nicht vorab die Prüfungsaufgaben zukommen ließe, damit ich sie mit den Teilnehmern bespreche. Dadurch schneiden selbst solche Teilnehmer gut ab, die das eigentlich nicht verdient hätten. Deshalb nehmen Arbeitgeber Leute mit solchen Zertifikaten nicht gerne an. Das Image ist futsch.

    Hier müssen Änderungen erfolgen:

    1. Fortbildungsmaßnahmen nur an solche Bildungsträger vergeben, die schon entsprechende Erfahrungen haben.
    2. Bezahlung nicht pro Köpfe der Teilnehmer, sondern eine konstante Summe über den gesamten Maßnahmezeitraum.
    3. Nur Leute teilnehmen lassen, von der nach Aufnahmeprüfung der kompetente Lehrgangsleiter überzeugt ist.
    4. Keine Aufnahme von Leuten mit massiven Problemen mit er deutschen Sprache.
    5. Falls regional nicht genug Teilnehmer zusammen zu bekommen sind, Durchführung der Maßnahme bundesweit. Dazu muss natürlich der Wille kommen, den Teilnehmern die Fahrtkosten sowie die Unterbringung zu erstatten.
    6. Anpassung des Curriculum an Anforderungen der Wirtschaft.
    7. Anpassung der Abschlussprüfungen an das Curriculum.
  2. #11

    Berufseinstiegsbegleitung

    Ich kenne eine Schule, wo gegen den großen Wunsch der Schulleitung und trotz positivster Evaluation die Teilnehmerplätze in der Berufseinstiegsbegleitung ab der neunten Klasse von der Arbeitsagentur gnadenlos von 44 auf 10 zusammen gestrichen wurden. Es sei halt nicht genug Geld da.
    Wenn ich so etwas lese, kommt mir schon etwas die Galle hoch.
  3. #12

    nicht ewig pampern

    Zitat von Progressor Beitrag anzeigen

    Ich war mehr als 20 Jahre als Trainer/Ausbilder für Umschulungsmaßnahmen des Arbeitsamtes bundesweit unterwegs. Meine Erfahrungen konsequent und permanent:

    -.
    Aufgrund der von Ihnen geschilderten Mißstände der letzten 20 Jahre finde ich es gut, dass dieser Fortbildungswahnsinn ein Ende gefunden zu haben scheint. Und dabei sollte man es auch belassen.

    Die Ergebnisse respektive die Erfolge dieser Fortbildungsindustrie war doch nachgewiesen sehr sehr bescheiden.
    Das ist die Vermittlung an Zeitarbeitsbuden doch erst einmal Positiv.
    Dort können die Betroffenen Erfahrungen sammeln, und sich dann selber weiterentwickeln.
    Sozialstaatlichkeit muss nicht bedeuten, dass man lebenslänglich gepampert wird.
  4. #13

    @12. nicht ewig pampern, MütterchenMüh heute, 13:54 Uhr

    Mit Verlaub: Sie wissen nicht, wovon Sie da reden! Wenn Sie Zeitarbeit so toll finden, dann arbeiten Sie doch mal für weniger als 70% von dem, was Sie jetzt verdienen. Was die Weiterbildung angeht: Natürlich hat die Arbeitsagentur in der Vergangenheit oft sinnfreie Maßnahmen ausgeschrieben (Florist, Landschaftsgärtner usw.). Es gab gerade bei der Hartz-Gesetzgebung massivste Fehler und es wurde Geld schlicht verbrannt (z.B. bei den Personal-Service-Agenturen). Aber das ist kein Grund, die Weiterbildung insgesamt infrage zu stellen. Vielen Arbeitslosen fehlen immer noch Schlüsselqualifikationen und persönliche Unterstützung, damit sie im Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen können.
  5. #14

    @12. nicht ewig pampern, MütterchenMüh heute, 13:54 Uhr

    Mit Verlaub: Sie wissen nicht, wovon Sie da reden! Wenn Sie Zeitarbeit so toll finden, dann arbeiten Sie doch mal für weniger als 70% von dem, was Sie jetzt verdienen. Was die Weiterbildung angeht: Natürlich hat die Arbeitsagentur in der Vergangenheit oft sinnfreie Maßnahmen ausgeschrieben (Florist, Landschaftsgärtner usw.). Es gab gerade bei der Hartz-Gesetzgebung massivste Fehler und es wurde Geld schlicht verbrannt (z.B. bei den Personal-Service-Agenturen). Aber das ist kein Grund, die Weiterbildung insgesamt infrage zu stellen. Vielen Arbeitslosen fehlen immer noch Schlüsselqualifikationen und persönliche Unterstützung, damit sie im Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen können.
  6. #15

    Nun, die 900 Mio. werden nicht lange im Bundeshaushalt bleiben, da bereits dieses Jahr die Agentur für Arbeit wohl wieder massive Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt benötigen wird, wenn die Rezession uns trifft.
  7. #16

    Geld muss ausgegeben werden!

    Das ist in der Tat das Denken von gestern! Gut, die B-Agentur das auch so klar sagt! Ob mehr Geld hätte ausgegeben werden können / sollen lässt sich ohne genaue Kenntnisse der Vorgänge schlecht sagen. Aber gut zu wissen, dass die Agentur scheinbar nicht völlig willkürlich ihr Budget raushaut!
  8. #17

    Also Knete ist genug vorhanden,

    aber die Ideen für Bildung, Qualifizierung und Jobvermittlung werden knapp.
    Oder hat man endlich kapiert, dass hier sinnlos Geld ausgegeben wurde?
  9. #18

    stiime voll zu

    Zitat von chramb Beitrag anzeigen
    Aus eigener Erfahrung und der von Bekannten frage ich, wozu ist diese Behörde eigentlich gut? Ich habe noch nie von jemandem gehört der dank Arbeitsagentur wieder in Lohn und Brot gefunden hat. Wirkliche Hilfe bei der Stellensuche von Seiten des Amtes kommt nie. Stellenvorschläge waren i.d.R relativ veraltet oder unpassend, im Vergleich was man selber auf entsprechenden Fachportalen verschiedener Berufe im Netz finden kann....
    Das deckt sich vollumfänglich mit meinen Erfahrungen.
    Pervers ist jedoch, daß, wenn man sich nicht auf diese unpassenden Stenangebote bewirbt, die ja auch mit Kosten verbunden sind, die nicht von der Arbeitsagentur übernommen werden, eventuell Sanktionen durch die Arbeitsagentur nach sich zieht.

    Mein Fazit: Wer sich auf die Arbeitagentur verlässt, ist verlassen.
  10. #19

    Das ist ja toll das man auch noch spart bei den Jobcenter

    Gelder die für die Arbeitslosen zur Verfügung gestellt werden bekommt jetzt der Schäuble zurück.
    Warum hat man mit diesen Geldern junge arbeitslose keine Ausbildungsplätze bezahlt? Ich denke es fehlen Pflegekräfte in Deutschland? Der Spahn will den Ärzten das Gehalt kürzen um 15 000 Krankenschwestern und Pfleger einzustellen. Ich kann aber nicht begreifen das die Jobcenter das Geld nicht richtig ausgegeben haben.