Agenda 2020 für Bildung: Wirtschaft macht den Hochschulen Dampf

DPAMehr Zuwanderer, mehr Arbeiterkinder, mehr Wirtschaftsnähe: Stifterverband und McKinsey drängen auf Hochschulreformen und sinkende Abbrecherquoten. Ihre Studie lobt zwar die Vielfalt in der Schülerschaft - doch die Lehrerzimmer seien "zu weiblich und zu deutsch".

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-878094.html
  1. #10

    zweiundvierzig...

    ...sie sprechen mir aus der Seele. Ziel universitärer Bildung ist es nicht in erster Linie maßgeschneiderte Absolventen für die Wirtschaft zu produzieren. Vielmehr brauchen wir Studenten, die lernen komplexe Zusammenhänge zu analysieren und Strukturen kritisch zu hinterfragen. Solche Absolventen bereichern die Gesellschaft am Ende mehr als vermeintliche Topabsolventen, die schon an der Uni kritiklos alles lernen was ihnen vorgesetzt wird.
  2. #11

    Selbstfindung des eigenen Ichs

    dies steht im Mittelpunkt jedes einzelnen und ein Wir. Nicht die Kommerizialsiierung des Individiums f. willkürliche Instrumentilisierung des Lebens denn dieses wehrt nur einmal!!!
    McKinseys antreten zum Friseur.. die ewig gleichen alten Zöpfe sind ausgedient. Ich Denke! also bin Ich!
  3. #12

    McKinsey?

    Da braucht man eigentlich gar nicht weiterlesen... Kann man sich sowieso schon denken - und natürlich verneinen. Wir brauchen dringend wieder denkende Menschen, statt wirtschaftsgläubig-braves Fußvolk. Eine Hochschule sollte zudem keine öffentlich finanzierte Berufsschule für Abiturienten sein, denen außer BWL und Co. nichts Sinnvolleres einfällt. McKinsey und Co. dürfen ihre intelligenten Ratschläge gerne irgendwelchen privat finanzierten Business-Management-Schule unterbreiten und auch dort ihren eigenen Nachwuchs rekrutieren - irgendwie passender...
  4. #13

    Die Unis belohnen für höhere Absolventenzahlen? Damit garantiert man praktisch eine Niveausenkung. Wie kurzfristig eine Unternehmensberatung wie McKinsey denkt, ist schon erstaunlich. Aber vielleicht typisch für den ganzen Sektor. Also bitte nicht wieder drauf reinfallen, die "Empfehlungen" der Wirtschaft haben uns mit dem Turbo-Abitur schon genug eingebrockt.
  5. #14

    noch mehr Informatiker?

    Ich finde als Dipl.-Wirtschaftsinformatiker (41J.) mit sehr guten Referenzen in der "Technologie-Region" Karlsruhe jetzt schon keinen Job. Dummes Gejammere der Wirtschaft....
  6. #15

    optional

    Dabei fällt mir ein, daß wir der Wirtschaft ja auch dieses idiotische Vorziehen des Schuleingangsalters verdanken, die automatisch zwei Drittel der Schüler zu angeblich Behinderten macht.
  7. #16

    optional

    Vielmehr brauchen wir Studenten, die lernen komplexe Zusammenhänge zu analysieren und Strukturen kritisch zu hinterfragen.

    Das ist auch die Definition eines Akademikers.
  8. #17

    Hurra, verblödet uns!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mehr Zuwanderer, mehr Arbeiterkinder, mehr Wirtschaftsnähe: Stifterverband und McKinsey drängen auf Hochschulreformen und sinkende Abbrecherquoten. Ihre Studie lobt zwar die Vielfalt in der Schülerschaft - doch die Lehrerzimmer seien "zu weiblich und zu deutsch".

    Stifterverband stellt Hochschulbildungsreport 2020 vor - SPIEGEL ONLINE
    Es ist nur noch zum kotzen, wie aus Hochschulen Anpassungsfabriken für die Wirtschaft gemacht werden. Aber gut, da schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Man produzierte genormte unkritische Geister und erzeugt gleichzeitig ausreichend Humankapital für den eh schon deformierten "Arbeitsmarkt".
  9. #18

    Hochschulprofil

    Zitat von zweiundvierzig Beitrag anzeigen
    Was wir brauchen, sind Hochschulen, die wieder das Denken lehren...
    ganz genau! Das sollte den Unternehmensberatungen nach den Erfahrungen des letzten Jahrzehnts eigentlich klar geworden sein... Wie das gestaltet wird, hängt immer auch von der Profilierung der Hochschulen zusammen und mit der Frage, welche Rolle sie in unserer Gesellschaft spielen (sollen).

    Zu den Punkten im einzelnen: Die Ungerechtigkeit des Bildungssystems beginnt selten nach dem Abitur. Hier scheint es mir problematischer, dass Abiturientinnen "mit Migrationshintergrund" (aber "Bildungsinländerinnen") ohnehin deutlich seltener sind oder dass sie in der Schule teilweise Schwierigkeiten haben, die sie von einer Hochschulbildung abhalten. Also: Die Schulen müssen an dieses Problem ran.
    Hochschulbildung hat einen wissenschaftlichen Anspruch. Die Politik hat ja versucht, Fachhochschulen und Universitäten zu egalisieren. Das ist weder gesellschaftlich-politisch noch ökonomisch sinnvoll. Ein duales Studium kann durchaus sinnvoll sein. Adressat hierfür ist klarerweise in der Regel die Fachhochschule, nicht die Universität. Man darf dann freilich nicht erwarten, dass bei einem dualen Studium mit 50% weniger wissenschaftlichen Grundlagen im gleichen Zeitraum die gleichen Kompetenzen erworben werden wie bei einem Vollzeitstudium. Keine Frage: dafür erwerben die Studentinnen praktische Kenntnisse aus der Ausbildung. Muss das dann aber so etikettiert werden als wäre es ein Uni-Abschluss? Das hilft niemandem.

    Das Bologna nicht optimal umgesetzt wurde ist klar. Dass Praktika verschwanden, ist nur teilweise richtig und ist eher in der parallel einhergehenden Bürokratisierung begründet. Praktika während des Studiums reduzieren die "offiziellen" Lehrveranstaltungen und sie müssten von den Universitäten qualitätsgesichert werden. Man kann nicht einfach Studentin X in Firma Y schicken, sondern müsste jetzt nachweisen, dass dort abprüfbare Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt wurden. Das wollen die Firmen sicher nicht und können die Unis auch nicht. Früher legte man einen Zettel über ein geleistetes Praktikum vor, niemand fragte danach, das wurde abgehakt.

    Weiterbildung ist ein interessanter Aspekt. Hier wäre was zu machen. Bei chronischer Raumnot und ohne Personalzuwachs ist aber nicht daran zu denken, einen Masterstudiengang mal nebenher nach 18:00 Uhr anzubieten.

    (to be continued)
  10. #19

    Fortsetzung folgt

    Die Sache mit den ausländischen Studienabbrecherinnen ist wirklich nicht gut (vor allem bei "Bildungsausländerinnen"). Hier würde ein Mentorinnensystem helfen, das die Studentinnen an die Hand nimmt und sich vor allem der kulturellen Hintergründe, Bildungstraditionen und Vorkenntnisse der Studierenden bewusst ist. Das kann in der Regel die Wissenschaftlerin oder Professorin nicht leisten.

    Die Lehrerinnenausbildung an den Universitäten steht oft in Konkurrenz zur Fachwissenschaft. Da Unternehmensberatungen und Einrichtungen wie CHE ja so darauf drängen, dass die Hochschulen in einem Wettbewerb miteinander stehen, kommt in der Regel dem Lehramtsstudium nicht die Förderung zu, die dort benötigt würde, denn (i) neben der Fachwissenschaft muss die Fachdidaktik vermittelt werden, (ii) Fachdidaktiker sind nur selten wissenschaftlich sichtbar, (iii) durch zwei Hauptfächer und Erziehungswissenschaft sind die Absolventinnen keine Fachwissenschaftlerinnen auf höchstem Niveau. Sie bringen den Unis Arbeit, keine Vorteile im Wettbewerb. Man könnte hinzufügen (iv) Fachdidaktiker und Erziehungswissenschaftler erhalten in der Regel keine Millionenbeträge als (Forschungs-)Förderung.
    Um besonders die Frauen in den technischen Fächern hervorzuheben, habe ich - in Anlehnung an einen jüngst erschienenen Bericht bei SPIEGEL Online und die dortige Diskussion - diesen Forumsbeitrag mit "generischem Femininum" geschrieben. Sicher können viele deswegen den Inhalt meiner Bemerkungen nicht verstehen, so wurde jedenfalls dort im Forum argumentiert. Interesse wecken für MINT beginnt in der Schule und im Elternhaus. Die Unis sind zu spät dran. Mehr Absolventinnen darf nicht heißen: weniger Qualität, denn das kann die Wirtschaft nicht wollen.