Urheberrechtsstreit: Gericht stoppt Loriot-Biografie

DPALoriots Tochter verteidigt das Erbe ihres Vaters: Susanne von Bülow hat im Rechtsstreit mit dem Münchner Riva Verlag einen Teilerfolg erzielt. Eine dort erschienene Biografie des Humoristen muss vom Markt genommen werden. Das Buch verstößt gegen das Urheberrecht.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...-a-877809.html
  1. #80

    Zitat von tatsache2011 Beitrag anzeigen

    2) Das Urheberrecht ist nicht verkäuflich, weil verhindert werden soll, dass sich jemand mit "fremden Federn schückt".
    Nur das Verwertungsrecht kann verkauft werden. Der Name des Autors muss bei Veröffentlichungen jedoch weiterhin genannt werden.
    Da das Urheberrecht vererbbar ist, muss das im Gegenschluss also heißen, die Tochter Loriots kann unter ihrem eigenem Namen, die Werke ihres Vaters veröffentlichen?
  2. #81

    Zitat von yumyum Beitrag anzeigen
    Da das Urheberrecht vererbbar ist, muss das im Gegenschluss also heißen, die Tochter Loriots kann unter ihrem eigenem Namen, die Werke ihres Vaters veröffentlichen?
    Nein. Das Urheberrecht ist ein unveräußerliches Persönlichkeitsrecht - Goethes Werke stammen von Goethe und niemals von xyz. Das urheberrechtliche Recht der [i]Verwertung[/b] eines (ererbten) Werkes wird vererbt.
  3. #82

    Zitat von niska Beitrag anzeigen
    In jeder anderen Branche ist der Erblasser, wenn er durch wirtschaftliche Unfähigkeit pleite ist eben pleite. Die Erben schauen dumm. Warum sollten Erben und Erbenerben von Urhebern eine zweite, dritte etc. Chance bekommen, wenn die Inhalte, das Geschäftsmodell schon einmal nicht funktioniert haben?
    Ah so – Sie wollen das Urheberrecht vom kommerziellen Erfolg zu Lebzeiten des Urhebers abhängig machen? Grotesk.
    Van Gogh hat zu Lebzeiten 1 einziges Bild verkauft.
    Kafkas wesentlichste Werke wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht.
    Bizets "Carmen" fiel bei der Premiere durch, Bizet starb kurz danach.
    Friedrich Hölderin wurde erst 100 Jahre nach seinem Tod anerkannt.
    Paula Modersohn –Becker hat zu Lebzeiten nur 4 Bilder verkauft, anerkannt wurde ihr Werk erst 50 Jahre nach ihrem Tod.
    Herman Melville ("Moby Dick") galt als Verrückter, gab das Schreiben wegen kompletten Mißerfolgs auf und wurde Zollinspektor; erst 50 Jahre nach seinem Tod wurde der Rang seiner Werke erkannt, seither gilt er als bahnbrechender, innovativer Klassiker der Romanliteratur.
    Heinrich von Kleist fiel im Urteil seiner Zeitgenossen durch und erschoß sich schließlich – erst die Nachwelt erkannte in ihm einen "Unzeitigen", der seiner eigenen Epoche weit voraus war.

    Alles Urheber mit erfolglosen "Geschäftsmodellen", denen Sie die Verwertung bzw. Vererbung ihrer Werke wegen kommerzieller Erfolglosigkeit absprechen wollen. Auch wenn es Ihnen bislang nicht bekannt war - es gibt in der Kunst das häufige Phänomen des zu Lebzeiten "verkannten" Künstlers, dessen Werke in ihrem Rang von seinen Zeitgenossen nicht verstanden und erst lange nach seinem Ableben von späteren Generationen begriffen werden.

    Und da wollen Sie argumentieren, ein Werk, das was wert sei, müsse sich sofort und augeblicklich kommerziell erfolgreich verwerten lassen, weil die "Inhalte" auf dem Markt eben funktionieren müßten - andernfalls eben das urheberrechtliche "Geschäftsmodell" nicht funktioniere und damit die Urheberrechte verwirkt seien? Der kommerzielle Erfolg als Wertmaßstab für ein Werk?

    Das ist sowas von abartig ignorant und konsumorientiert-kommerziell borniert, darüber kann man überhaupt nicht mehr reden. Ist aber leider wahrscheinlich Standard-Bildungsniveau bei den Piraten.
  4. #83

    Zitat von yumyum Beitrag anzeigen
    Da das Urheberrecht vererbbar ist, muss das im Gegenschluss also heißen, die Tochter Loriots kann unter ihrem eigenem Namen, die Werke ihres Vaters veröffentlichen?
    Nein, ich habe doch geschrieben, mit "fremden Federn schmücken" ist verboten.
    Lesen Sie Urheberrecht (Deutschland)
  5. #84

    Zitat von tatsache2011 Beitrag anzeigen
    Die Urkunde Kapitänspatent wird natürlich vererbt, aber die Befähigung ein Schiff zu führen ist auf den Vater beurkundet.
    Bei einem Buch bleibt ebenso der Autor fest mit dem Werk verbunden. Nur die Rechte an dem Werk werden vererbt.
    Und warum macht man das beim Kapitänspatent nicht genauso? Die Kapitän bleibt mit der Urkunde fest verbunden. Nur das Recht, ein Schiff zu führen, wird vererbt. Die Begründung ist die gleiche: Man stelle sich eine Familie vor, die von der Heuer des Vaters gelebt hat. Nun soll die Familie plötzlich mittellos dastehen, nur weil der Vater verstorben ist? Klar, er kann jetzt keine neuen nautischen Patente mehr erwerben. Aber die Familie muss doch das Recht haben, die bereits vorhandenen weiter zu verwerten.
  6. #85

    Zitat von tatsache2011 Beitrag anzeigen
    Praktisch ist es bedeutungslos, denn kein Verlag wird zum Zeitpunkt des Kaufs das Verwertungsrechte in 70 Jahren bewerten.
    Erst wenn die 70 Jahre ablaufen, wird neu bewertet, aber davon hat der Autor nichts.
    Ob es bedeutungslos ist oder nicht, hängt nicht davon ab, ob der Verlag diese Bedeutung heute oder in 70 Jahren bewertet.
  7. #86

    Mein Reden

    Zitat von Petra Beitrag anzeigen
    Nein. Das Urheberrecht ist ein unveräußerliches Persönlichkeitsrecht - Goethes Werke stammen von Goethe und niemals von xyz. Das urheberrechtliche Recht der [i]Verwertung[/b] eines (ererbten) Werkes wird vererbt.
    Genau darauf wollte ich ja hinaus. Vielleicht sollten sie die Posts lieber der Reihe nach in ihrem Zusammenhang lesen.

    Und wie sieht es nun damit aus, dass die Erben des verstorbenen Michael Jackson mit jedem Beatles Titel Geld verdienen, obwohl sogar noch 2 der Beatles leben?

    Vielleicht geht es doch nur um die Verwertung als um den Schutz der Urheber?

    Einem Van Gogh kann der posthume Erfolg im Übrigen tatsächlich reichlich egal sein.
  8. #87

    Zitat von Petra Beitrag anzeigen
    Ah so – Sie wollen das Urheberrecht vom kommerziellen Erfolg zu Lebzeiten des Urhebers abhängig machen? Grotesk.
    Van Gogh hat zu Lebzeiten 1 einziges Bild verkauft.
    Kafkas wesentlichste Werke wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht.
    Bizets "Carmen" fiel bei der Premiere durch, Bizet starb kurz danach.
    Friedrich Hölderin wurde erst 100 Jahre nach seinem Tod anerkannt.
    Paula Modersohn –Becker hat zu Lebzeiten nur 4 Bilder verkauft, anerkannt wurde ihr Werk erst 50 Jahre nach ihrem Tod.
    Herman Melville ("Moby Dick") galt als Verrückter, gab das Schreiben wegen kompletten Mißerfolgs auf und wurde Zollinspektor; erst 50 Jahre nach seinem Tod wurde der Rang seiner Werke erkannt, seither gilt er als bahnbrechender, innovativer Klassiker der Romanliteratur.
    Heinrich von Kleist fiel im Urteil seiner Zeitgenossen durch und erschoß sich schließlich – erst die Nachwelt erkannte in ihm einen "Unzeitigen", der seiner eigenen Epoche weit voraus war.

    Alles Urheber mit erfolglosen "Geschäftsmodellen", denen Sie die Verwertung bzw. Vererbung ihrer Werke wegen kommerzieller Erfolglosigkeit absprechen wollen. Auch wenn es Ihnen bislang nicht bekannt war - es gibt in der Kunst das häufige Phänomen des zu Lebzeiten "verkannten" Künstlers, dessen Werke in ihrem Rang von seinen Zeitgenossen nicht verstanden und erst lange nach seinem Ableben von späteren Generationen begriffen werden.

    Und da wollen Sie argumentieren, ein Werk, das was wert sei, müsse sich sofort und augeblicklich kommerziell erfolgreich verwerten lassen, weil die "Inhalte" auf dem Markt eben funktionieren müßten - andernfalls eben das urheberrechtliche "Geschäftsmodell" nicht funktioniere und damit die Urheberrechte verwirkt seien? Der kommerzielle Erfolg als Wertmaßstab für ein Werk?

    Das ist sowas von abartig ignorant und konsumorientiert-kommerziell borniert, darüber kann man überhaupt nicht mehr reden. Ist aber leider wahrscheinlich Standard-Bildungsniveau bei den Piraten.
    Also mit Verlaub, wenn sie die Bilder eines leicht verrückten Verwandten erben, ist ihnen deren Wert in 100 Jahren klar? Zumal dann die Nutzungsrechte längst abgelaufen sind.

    BTW. welchen "Geldwert" hätte denn zB so ein "Faust" von Goethe?
    Verstehen sie? Es gibt letztendlich Kulturgüter, welche zur Identifikation einer Kultur, eines Landes derart von Bedeutung sind, dass ein schnöder Begriff wie Nutzungsrecht nicht greifen sollte! Oder sollten die Erben von Fallersleben die Hand aufhalten, wann immer unsere Nationalsportler sich anstellen die Hymne zu singen?
  9. #88

    Zitat von yumyum Beitrag anzeigen
    BTW. welchen "Geldwert" hätte denn zB so ein "Faust" von Goethe?
    Wie kommen Sie auf eine so absurde Frage? Zu Goethes Lebzeiten (aus heutiger Sicht mit heutiger Regelung) : Denjenigen "Geldwert" für Verkauf des Buches und für Aufführungsrechte, den Goethe als Urheber verlangt, bzw. den er mit einem Verlag/Theater aushandelt – denn Goethe hätte das Verwertungsrecht.
    Goethe starb 1832 – hätte heutiges Recht damals gegolten, wären seine Werke bis 1902 urheberrechtlich geschützt gewesen. Seither sind sie unter allen denkbaren Umständen sowieso nicht mehr geschützt.
    Zitat von yumyum Beitrag anzeigen
    Verstehen sie?
    Nein.
    Zitat von yumyum Beitrag anzeigen
    Es gibt letztendlich Kulturgüter, welche zur Identifikation einer Kultur, eines Landes derart von Bedeutung sind, dass ein schnöder Begriff wie Nutzungsrecht nicht greifen sollte!
    Sie meinen, "Kulturgüter" entstehen von selbst, ohne menschliches erschaffendes Zutun? "Kulturgüter", mit denen sich eine "Kultur" identifiziert, schweben so erhaben heilig über den Niederungen, daß mit irdischen Begriffen wie "Bezahlung" gar nicht hantiert werden darf? Sie meinen, Goethe hätte den Faust gleich von vorneherein umsonst dichten sollen, weil er schon wußte, daß er ein "Kulturgut" schafft, das mit schnödem Geld und "Nutzungsrecht" gar nicht in einen entweihenden Zusammenhang gebracht werden darf?

    Erheiternd. Gerade Goethe, zu dessen Lebzeiten es noch kein Urheberrecht gab, ist als eine Art Vorkämpfer für den Schutz der Autoren zu sehen:

    "Goethe und sein letzter und langjähriger Verleger, der Schwabe Cotta, waren die Vorkämpfer für das deutsche -- international vorbildliche -- Urheberrecht. Goethes selbst unternommene editorische Arbeit an einer Werkausgabe, der Ausgabe letzter Hand war für ihn das Motiv sich ein Privileg für den Druck der Ausgabe zu sichern. Raub- und Nachdrucke waren zu Goethes Zeiten nicht nur üblich, sie wurden aus wirtschaftlichen Gründen von manchen deutschen Staaten gar gefördert."

    Goethe und seine Verleger: Amazon.de: Siegfried Unseld: Bücher

    Goethes Werke sind nach geltendem Recht nicht mehr geschützt, da 70 Jahre nach dem Tod das ausschließliche Verwertunsgrecht des Autors bzw. seiner Erben erlischt.

    Auch die Bibel ist nicht geschützt – aber Martin Luther hat sich Zeit seines Lebens über die Raubkopierer aufgeregt, die seine epochale Bibelübersetzung einfach nachgedruckt haben, ohne ihn um Erlaubnis zu fragen oder ihn zu bezahlen. Bereicherung auf Kosten anderer, wie bei der ehemaöigen staatlichen Duldung oder gar Förderung des Raubkopierens, um sich Einnahmen zu verschaffen, ohne den Urheber daran zu beteiligen. Zu ähnlichen gottseidank überholten Zuständen der Ausbeutung der Urheber wollen die Piraten offenbar zurück. Historisch und politisch reaktionär, eben.
  10. #89

    Urheberrecht sinnvoll

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Ob es bedeutungslos ist oder nicht, hängt nicht davon ab, ob der Verlag diese Bedeutung heute oder in 70 Jahren bewertet.
    "Praktisch ist es bedeutungslos" habe ich geschrieben.
    Wenn ein Verlag die Nutzungsrechte vom Urheber oder den Erben kauft, ist der Preis für 70 Jahre oder 130 Jahre praktisch gleich.

    Ob der Urheber kurz vor seinem Tod die Nutzungsrechte verkauft und das Geld vererbt,
    oder nicht verkauft und erst die die Erben verkaufen, ist gleich.
    Damit ist die rechtliche Regel über das Vererben von Nutzungsrechten sinnvoll.