Entamteter Lehrer: "Der Beamtenstatus ist ein Klotz am Bein"

Daniel SchmittNiemand hatte den Lehrer Arne Ulbricht gefragt, ob er verbeamtet sein wollte. Er wollte nicht. Der Wuppertaler Pädagoge hält den krisenfesten, von vielen begehrten Status für ungerecht - und bat um seine Entamtung. Im Interview erläutert er seine Gründe.

Lehrer lehnt Verbeamtung ab und möchte als Angestellter arbeiten - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    Respekt. Das ist ein Vorbild.

    Ich kann nicht beurteilen, wie Herr Ulbricht fachlich als Lehrer ist. Aber Schüler brauchen auch die richtigen Vorbilder, um sich im Leben zu orientieren. Herr Ulbricht ist ehrlich, uneitel, sozial und bereit, etwas zu leisten. Schön, das es solche Lehrer gibt.
  2. #2

    Ob das so gut war?

    Ich an seiner Stelle -da bin ich ganz ehrlich in Anbetracht von Altersarmut usw.- wäre lieber unglücklicher Beamter, als permanent von der Entlassung bedrohter Angestellter.
    Als Beamter ist dir deine Pension sicher und du genießt z.B. bei Versicherungen noch finanzielle Vorteile.
  3. #3

    viel zu viele

    Wir haben viel zu viele Beamte. Der Mann hat recht. Für was soll ein Lehrer Beamter sein?

    Ich würde das ganze Beamtentum abschaffen. Die sollen mal arbeiten müssen wie wir in der freien Wirtschaft. Da wärs dann aus mit ruhiger Kugel schieben. Müssten endlich mal die Hintern hoch kriegen. Wenn ich auf mein Arbeitsamt gehe und sehe was da läuft wird mir übel. Überhebliches Volk.

    Polizei und Feuerwehr lasse ich mir noch als Beamten gefallen, aber alle anderen nicht.
  4. #4

    Nicht schlecht.

    Ha, Herr Ulbricht ist der lebende Beweis, dass die Refrendariatsnoten nichts aussagen. Ein engagierter Lehrer mit Rückgrat und Gewissen, der sicht traut so etwas öffentlich zu machen? Hut ab.
  5. #5

    Konsequentes Verhalten.

    Mein Respekt. Besonders ehrlich - und selten gehört ist die Auflistung der ganz konkreten Nachteile, die der Beamtenstatus mich sich bringt. Die Liste ließe sich fortsetzen: Eine Erhöhung der Arbeitszeit ohne jeden Lohnausgleich ist durch einseitigen Akt des Dienstherrn möglich. Bezahlung nach Dienstgrad nicht nach ausgeübter Tätigkeit. Dass Herr Ulbricht auf den Beamtenstatus verzichtet ist also nicht nur seinem Gerechtigkeitsempfinden geschuldet sondern zumindest auch einer nüchternen Kosten-Nutzen-Analyse.
  6. #6

    Der Mann hat mein absoluten Respekt. Abgesehen davon, dass die Pensions-Renten-Diskrepanz ohnehin keinem normal denkenenden Menschen einleuchtet und nur der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass die Beamtenschaft in Deutschland eine unschlagbare Lobby bildet, ist es schon der glatte Wahnsinn, dass Lehrer überhaupt verbeamtet werden.

    Gerade unsere Kinder, die eigentlich nur das beste in der Schule an Betreuung verdienen, bekommen Menshen, die sich nicht durch Leisung beweisen müssen, sondern ausschließlich dank eines lebenslangen Statuses im Klassenzimmer festgeschnallt sind. Warum beispielsweise Lehrer verbeamtet werden und Krankenschwestern in staatlichen Krankenhäusern nicht, konnte mir bis heute keier erklären. Verbeamtete Lehrer sind gesellschaftlich ungefähr so sinnvoll wie das Betreuungsgeld.
  7. #7

    Klischee

    wie werfoll zu der aktuellen Beamtendiskussion ist der Beitrah eines Lehrers dessen Familie auch ohne sein Einkommen abgesichert ist und der als Angestellter in einer Gehaltsgruppe steht mit der die meisten Beamten gerne tauschen würden Zudem wird fàlschlich der Eindruck erweckt die Bezahlung nach Engagement und Leistung scheitere am Beamtenststus. Bei Angestellten im ÖD ist sie ebenfalls nicht möglich. Fazit: ein weiterer Beitrag zur unsachlichen Beamten Neid Debatte. Schade!
  8. #8

    Phantastisch

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Niemand hatte den Lehrer Arne Ulbricht gefragt, ob er verbeamtet sein wollte. Er wollte nicht. Der Wuppertaler Pädagoge hält den krisenfesten, von vielen begehrten Status für ungerecht - und bat um seine Entamtung. Im Interview erläutert er seine Gründe.

    Lehrer lehnt Verbeamtung ab und möchte als Angestellter arbeiten - SPIEGEL ONLINE
    Ich denke, ein Lehrer mit solchen Ansichten und dem Werdegang ist super geeignet, um Kinder auf das wirkliche Leben vorzubereiten. Glückwunsch an die Kids in Mettmann.
    Aber Herr Ulbricht tut sich selbst tatsächlich was Gutes. Die Beamten in meinem Bekanntenkreis sind alle am Maulen (egal ob Lehrer, Richter, oder sonst was), dass es ihnen ach so schlecht geht. Sie erkennen gar nicht mehr die Vorzüge der Beamtung und dass sie ein Spitzengehalt haben. Aber wenn sie so ca. 45 Jahre alt sind, kommt dann wirklich das Problem, dass keine nennenswerte weitere Entwicklung mehr möglich ist. Das Berufsleben enthält keine spannenden Abwechselungen mehr bereit. Alles ist vorprogrammiert. Der Beamte muss sich ja noch nicht einmal um seine Finanzen kümmern und mal ein wenig investieren, was auch spannend sein kann.
    Bei meinen verbeamteten Bekannten führt dies anscheinend tatsächlich zu einer tiefen Midlife Crisis. Herr Ulbricht hingegen kann, wenn es bei ihm soweit ist, insbes. mit seiner Einstellung dann auch mal was völlig anderes machen.
  9. #9

    Klotz am Bein

    Der Beamtenstatus ist in der Tat auch ein Klotz am Bein für die Lehrer selbst. Er motiviert geradezu zu einem Verhalten, das der Arbeit selbst nicht angemessen ist. Wer seinen Status bis an die Grenze des Missbrauchs ausreizt, wird mit einer grosszügigen Frühpension "belohnt", wer wie ich nach fast 20 Jahren (mit stets ausgezeichneten Zeugnissen) aufgrund einer besseren Perspektive das Bundesland verlässt mit einer geradezu lächerlichen Nachversicherung in der gesetzlichen RV "bestraft". Leider hatte ich in jungen Jahren weder den Mut, noch die Weitsicht, noch die finanziellen Möglichkeiten, auf die Verbeamtung zu verzichten. Übrigens ist das Beamtentum auch die grösste Quersubventionierung der privaten Krankenversicherung.
    Ich fühle mich heute regelrecht von meinem Status befreit. Fast wie ein begnadeter "Lebenslänglicher".