Sterbehilfe für belgische Zwillinge: Zusammen bis in den Tod

Sie wurden taub geboren und erblindeten langsam: Belgische Zwillingsbrüder haben sich entschieden, ihrem seit 45 Jahren gemeinsam verbrachten Leben auch gemeinsam ein Ende zu setzen. Belgien ist in Sachen Sterbehilfe ein liberales Land - doch der Fall wirft eine grundsätzliche Frage auf.

http://www.spiegel.de/panorama/gesel...-a-877696.html
  1. #1

    optional

    Furchtbar so etwas. Hoffentlich kommen wir da in Deutschland nie hin. Es hat übrigens vor ein paar Jahren einen noch viel krasseren Fall in Belgien gegeben. Eine 43-Jährige wurde auf dem Operationstisch todgespritzt, damit man sofort ihre Organe zur weiteren Verwendung entnehmen konnte.
  2. #2

    Mir ist schleierhaft was an dem Fall kontrovers sein soll? Taub und blind zugleich zu sein - das ist doch praktisch ein Dasein als lebendiger Leichnam. Etwas grausameres und gruseligeres kann ich mir kaum vorstellen.

    Sicher, jetzt wird irgendjemand Hellen Keller und derartige Beispiele in den Raum werfen, als beleg dass man durchaus blind-taubstumm leben kann. Nur können und wollen ist schon ein Unterschied. Und was der eine verkraftet und bewältigt ist für manch anderen eine absolute Unerträglichkeit.

    Es ist sowieso eine Unsitte unserer Zeit, das Leben nach rein mathematischen Gesichtspunkten zu bewerten: Länger - also "mehr" - Leben ist nicht automatisch auch besseres Leben. Lieber 50 jahre wie Sammy Davis Junior leben als 100 Jahre als ein untoter Stoffwechselautomat vor sich hinvegetieren. Die Art und Weise wie in Altersheimen und Pflegeheimen der natürliche Tod durch eine ausgefeilte, dem Leben aber völlig entrückte, Apparatmedizin verhindert und die Menschen jahrelang in bizarren Schwebezustand zwischen tot und lebendig "eingefrohren" werden ist auch so ein Beispiel der totalitären "Leben ist immer gut und muss um jeden Preis erhalten und bis zum Maximum des Möglichen ausgedehnt werden"-Ideologie, die unsere Politik und Medizin dominiert.

    In Sachen Sterbehilfe würde ich noch weiter gehen als die Belgier: Wieso muss man überhaupt medizinische Probleme haben um diese in Anspruch nehmen zu können? Was ist denn, wenn ein Mensch kerngesund ist aber gerne sterben möchte? Wieso soll es unzulässig sein, diesem eine entsprechende Pille zu geben die es ihm ermöglicht sich hinzulegen, einzuschlafen und einfach nicht mehr aufzuwachen? Sagen wir wenn ein 20 oder 25 oder 30jähriger gerne sterben möchte, weil er die Gesellschaft die ihn umgibt ablehnt, oder das Leben ihm zu anstrengend ist, oder er keine Lust zu arbeiten hat oder er philosophischen Überdruss gegenüber der Wirklichkeit in ihrer Tatsächlichkeit empfindet - meiner Meinung nach alles legitime Gründe, jemandem als Mediziner die Mittel zum friedlichen Freitod zugänglich zu machen.
  3. #3

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Sie wurden taub geboren und erblindeten langsam: Belgische Zwillingsbrüder haben sich entschieden, ihrem seit 45 Jahren gemeinsam verbrachten Leben auch gemeinsam ein Ende zu setzen. Belgien ist in Sachen Sterbehilfe ein liberales Land - doch der Fall wirft eine grundsätzliche Frage auf.

    Sterbehilfe in Belgien: Taube und blinde Zwillinge wählen den Tod - SPIEGEL ONLINE
    Wir sind geboren worden, ohne gefragt worden zu sein. Dürfen wir nicht einmal frei über unseren Tod entscheiden Die beiden Männer waren ihr Leben lang aneinandergeklebt, dazu taub und blind. Dieses Schicksal ist hinzunehmen? Was passiert denn, wenn man den Freitod wählt? Kommt man dann nicht mehr in den Himmel? Hätten sie am Leben bleiben müssen, damit die Menschen sich ihrer Humanität erfreuen können?Ja klar, normalerweise sind wir als freie Menschen geboren und haben alle Möglichkeiten uns frei zu entfalten.
  4. #4

    Geht es noch?

    Zitat von myrmidone Beitrag anzeigen
    Taub und blind zugleich zu sein - das ist doch praktisch ein Dasein als lebendiger Leichnam. Etwas grausameres und gruseligeres kann ich mir kaum vorstellen. Es ist sowieso eine Unsitte unserer Zeit, das Leben nach rein mathematischen Gesichtspunkten zu bewerten: Länger - also "mehr" - Leben ist nicht automatisch auch besseres Leben. Lieber 50 jahre wie Sammy Davis Junior leben als 100 Jahre als ein untoter Stoffwechselautomat vor sich hinvegetieren.
    Mann muss in Deutschland nur die richtige pseudo-linke Linie vertreten, dann darf man hier bei SPON alles rauspusten, was eigentlich - und zu recht - spätestens nach 1945 tabu ist. "Untoter Stoffwechselautomat" für einen Menschen das ist schon heftig.

    Zitat von myrmidone Beitrag anzeigen
    Es ist sowieso eine Unsitte unserer Zeit, das Leben nach rein mathematischen Gesichtspunkten zu bewerten.
    Falls Sie es nicht merken. Das Leben nach qualitativen Gesichtspunkten zu bewerten, haben wir in Deutschland schon hinter uns. Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, Leben nie wieder zu BEWERTEN. Aber stimmt, wir hatten uns eigentlich auch vorgenommen, nie wieder Soldaten in einen bewaffneten Konflikt zu schicken. Bis dann Joseph Wilhelm Fischer und Herr Struck den "Hufeisenplan" entdeckten.
  5. #5

    Das Leben endet mit dem Tod ... immer!

    Und ich bin der Ansicht das man den Wunsch eines Menschen zu sterben respektieren sollte! Natürlich sollte man auch erst mal versuchen zu helfen, vielleicht einen Weg finden den Menschen aufzubauen, ihn zu trösten und im Lebensmut zu geben.

    Ärzte retten übrigens kein einziges Leben, sie können es nur verlängern! Jeder Mensch wird sterben! Und wenn die beiden beschlossen haben das sie nicht noch mal vielleicht 40 Jahre im dunklen und geräuschlosen Raum sein wollen ist das nicht so schwer nachzuvollziehen für mich!
  6. #6

    Menschenwürde

    Ich finde es gut, dass Belgien, Niederlande und Luxemburg die Würde des Menschen dahingehend achtet, dass jedem Menschen, also auch denen, die es selbst nicht mehr bewerkstelligen können, aus dem Leben zu scheiden. Früher hat sich der Gesetzgeben nicht in diese persönliche Entscheidung des Einzelnen eingemischt, aber heute wird ja alles reglementiert, sogar das Sterben! Deshalb: Danke an die Benelux-Länder für ihre Haltung zum freiwilligen Ausscheiden aus dem Leben unter ärztlicher Aufsicht.
  7. #7

    Zitat von myrmidone Beitrag anzeigen

    In Sachen Sterbehilfe würde ich noch weiter gehen als die Belgier: Wieso muss man überhaupt medizinische Probleme haben um diese in Anspruch nehmen zu können? Was ist denn, wenn ein Mensch kerngesund ist aber gerne sterben möchte? Wieso soll es unzulässig sein, diesem eine entsprechende Pille zu geben die es ihm ermöglicht sich hinzulegen, einzuschlafen und einfach nicht mehr aufzuwachen? Sagen wir wenn ein 20 oder 25 oder 30jähriger gerne sterben möchte, weil er die Gesellschaft die ihn umgibt ablehnt, oder das Leben ihm zu anstrengend ist, oder er keine Lust zu arbeiten hat oder er philosophischen Überdruss gegenüber der Wirklichkeit in ihrer Tatsächlichkeit empfindet - meiner Meinung nach alles legitime Gründe, jemandem als Mediziner die Mittel zum friedlichen Freitod zugänglich zu machen.
    Ich stimme Ihnen bei allem zu, allerdings hier nicht.
    Sicher gibt es Menschen, denen das Leben als Ganzes zuwider ist.
    Die sich ihr Leben lang fehl am Platz fühlen.
    In der Regel sind aber Menschen, die von dieser Todessehnsucht besessen sind, krank.
    Und oft genug nicht lebenslang, sondern zeitlich begrenzt.
    Wollen Sie es nun einem 18jährigen mit seinem ersten Liebeskummer oder einer 35jährigen mit Depressionen so einfach machen, den Freitod zu wählen?
    Obwohl sie wissen, dass sie es JETZT zwar so sehen, in ein paar Jahren aber darüber lachen würden?
    Ich denke, es gibt Grenzen und diese ist hier erreicht.
    Ich verurteile Leute nicht, die sich das Leben nehmen möchten.
    Aber ich würde es ihnen auch nicht zu einfach machen.
    Jemand, der wirklich sterben will, wird es auch.
    Mit oder ohne Gesetz.
    Wer es ohne ärztliche Hilfe nicht schafft, hängt vielleicht doch noch etwas zu sehr an seinem Leben...
    Und so lange das so ist, gibt es auch noch die Chance auf einUmdenken.
    Tötet man so jemanden, ist er tot.
    Keine Möglichkeit zur Weiterentwicklung, keine Chance auf eine Einsicht.
    Darum finde ich, ihr Vorschlag geht zu weit.
    Wie es in Belgien ist, finde ich es gut.
  8. #8

    Zitat von Stefan Wenzel Beitrag anzeigen
    ...Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, Leben nie wieder zu BEWERTEN...
    Ich verbitte mir Ihren impliziten Vorwurf, wir Belgier würden "Leben Bewerten".

    Das schöne an dieser zweifelsohne nicht schönen Sache ist doch, dass jeder nur für sich selbst entscheiden darf.

    Wenn Sie also "ewig" und "unter allen Umständen" leben wollen, würde ihnen das auch bei potentieller Wohnhaft in Belgien niemals jemand absprechen!

    Im Gegenteil: Die Sterbehilfe wird Ihnen niemals jemand dem Sie sich medizinisch anvertrauen auch nur vorschlagen.

    Auf die Idee müssen sie schon selber kommen. Oder eben auch nicht.

    Ich verstehe nicht, warum sich alle Sterbehilfe-Ablehner in das Leben anderer einmischen wollen? Lassen sie die Betroffenen doch in Ruhe. Diejenigen lassen Sie doch auch in Ruhe!
  9. #9

    Zitat von Stefan Wenzel Beitrag anzeigen
    Mann muss in Deutschland nur die richtige pseudo-linke Linie vertreten, dann darf man hier bei SPON alles rauspusten, was eigentlich - und zu recht - spätestens nach 1945 tabu ist. "Untoter Stoffwechselautomat" für einen Menschen das ist schon heftig.

    Falls Sie es nicht merken. Das Leben nach qualitativen Gesichtspunkten zu bewerten, haben wir in Deutschland schon hinter uns. Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, Leben nie wieder zu BEWERTEN. Aber stimmt, wir hatten uns eigentlich auch vorgenommen, nie wieder Soldaten in einen bewaffneten Konflikt zu schicken. Bis dann Joseph Wilhelm Fischer und Herr Struck den "Hufeisenplan" entdeckten.
    Es ist in unser Gesellschaft viel humaner. Wer ein neues Organ braucht, der wird von einem Arzt auf einer Liste 3-4 Plätze rauf, oder runter geschoben...... und schon ist der Fall geritzt.

    Über so eine Liste entscheiden sich Schicksale und Banksalden.

    MfG. Rainer