Hetze gegen Nazi-Gegner: Gericht verurteilt rechtsextremen Burschenschafter

DPAEr verunglimpfte einen Nazi-Widerstandskämpfer als "Landesverräter", wurde verurteilt und ging dagegen vor. Doch jetzt unterlag der rechtsextreme Burschenschafter Norbert Weidner vor Gericht: Er muss eine Geldstrafe zahlen.

Burschenschafter: Gericht bestätigt Urteil gegen Norbert Weidner - SPIEGEL ONLINE
  1. #30

    falsch

    Zitat von westerwäller Beitrag anzeigen
    Wenn ich mich recht an den Ursprungsartikel entsinne, hat der Burschenschafter damals die Frage diskutiert, ob eine Verurteilung nach den damaligen Gesetzen als Landesverräter gerechtfertigt war.

    Dies Frage ist vollkommen.......
    Burschenschafter hetzt gegen Nazi-Widerstandskämpfer Bonhoeffer - SPIEGEL ONLINE
    ich verweise auf einen früheren Spiegel-Aritkel (hier Auszüge)
    Zitat:
    1. Ein nicht zuständiges SS-Standgericht hatte Bonhoeffer in den Tod geschickt, ohne Verteidigung, ohne schriftliche Aufzeichnung, mit dem KZ-Kommandanten als Beisitzer. Bonhoeffer starb am Tag nach dem Urteil am Strang, wenige Tage vor Kriegsende.
    Also kann man auch nach damaligen Mßstäben Bonhoeffer nicht als Landesverräter bezeichnen. Er wurde nie rechtskräftig verurteilt (wie so viele).
    2. Der Leserbrief erschien im Herbst 2011 als Antwort auf einen Artikel, in dem Bonhoeffer als Vorbild für heutige Burschenschafter skizziert wurde - eine Einschätzung, der der Leserbriefschreiber vehement widerspricht: Bonhoeffer habe "politische und militärische Pläne vor allem den Briten" übermittelt und so den Tod Tausender deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg mitverschuldet. Schlussfolgerung: "Bonhoeffer war zweifelsfrei ein Landesverräter." Er habe nicht sehen wollen, dass es den Alliierten darum gegangen sei, "Deutschland nachhaltig zu schwächen, zu zerschlagen und zu dominieren, um es deutlich zu formulieren".

    Experten sehen darin eine "abwegige Argumentationskette", wie es Joachim Perels formuliert, Professor für Politikwissenschaft in Hannover und renommierter Widerstandsforscher. Zitat Ende
    dieser Leserbrief-Scheiber hat mitnichten eine Diskussion der strafrechtlichen Relevanz einer Verurteilung Bonhoeffers (die es ja nicht gab (siehe1)). Wenn man über angebliche deutsche Opfer und eine Stärkung der Alliierten schreibt, dann ist die Sichtweise des Schreiber eindeutig (zumal bei der Vergangenheit, wie im Spiegel beschrieben, wohl keine Fragen offenbleiben).

    Michael

    die Diskussion ist eh müßig. Und dass Sie in Ihren Annahmen falsch liegen, hat je ein Gericht jetzt klargestellt. Im Gegensatz zu Bonhoeffer hatte da der Leserbriefschreiber sogar die Möglichkeiten eines eigenen Anwaltes und somit einer angemessenen Verteidigung...
  2. #31

    Faktencheck?

    Schade, daß die SPIEGEL-Redaktion es "versäumt" hat, die Behauptungen Weidners einem Faktencheck zu unterziehen, inwieweit sie tatsächlich stimmen oder nicht stimmen. Oder wäre so eine sachliche, kritische Analyse bereits ebenfalls strafbar?
  3. #32

    Sie übersehen da etwas

    Zitat von westerwäller Beitrag anzeigen
    Wenn ich mich recht an den Ursprungsartikel entsinne, hat der Burschenschafter damals die Frage diskutiert, ob eine Verurteilung nach den damaligen Gesetzen als Landesverräter gerechtfertigt war.

    Dies Frage ist vollkommen anders zu bewerten, als eine heutige, moralische Beurteilung.

    Ebensogut könnte man die Frage diskutieren, ob ein ehemaliger Ketzer nach den selbst aufgestellten Richtlinien des Vatikans zu Recht oder zu Unrecht verbrannt wurde.

    Studenten der Geschichte lernen schon im ersten Semester, dass man bei der Beurteilung historischer Ereignisse keine Maßstäbe von Heute anlegen darf.

    Ebenso lernen Studenten der Rechtwissenschaften auch im ersten Semester, dass Recht und Gerechtigkeit zwei Kategorien sind, die nur unwesentlich etwas miteinander zu tun haben. Man wollte sicher nicht haben, dass jeder Richter nach seinem Gerechtigkeitsgefühl urteilte, daher kodifiziertes Recht ...

    Ein (nach heutigen Maßstäben) Unrechtsurteil kann also sehr wohl zu seiner Zeit "Recht" gewesen sein...
    Sie übersehen da etwas Grundsätzliches. Als Jurist sehen Sie dabei nicht gut aus.

    Der ertse Punkt ist, dass Weidner sich mit dem damaligen System indentifizierte, als er von einem "akzeptablen Urteil" sprach. Das sagte er nicht während der Nazizeit, sondern heute. Er hat also in der Nachbetrachtung das Urteil akzeptiert, obwohl ihm heute die Informationen zur Verfügung stehen.

    Er bewegt sich in seinen Grundeinstellungen innerhalb der Überzeugungen, die Bonhoeffer als Landesverräter zum Tode verurteilten.

    Warum Sie das nicht sehen wollen..... ?
  4. #33

    Gute Demokratie

    Zitat von servius Beitrag anzeigen
    ... Findet nicht statt. Tolle Demokratie die wir da haben...
    die wir da haben. Immerhin bleibt dem verurteilten Burschenschafter noch der Rechtsweg: Berufung oder Revision. Sollter er dann immer noch durch ein Strafurteil beschwert sein, so kann er gegen dieses Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht einreichen. Meines Erachtens - obwohl ich die Meinung des verurteilten Burschenschafters nicht teile - könnte letzteres durchaus von Erfolg gekrönt sein.

    Und zum Verständnis von Demokratie (heute) und Tyrannis (3. Reich zumindest im Krieg) und dem Recht auf Widerstand sollte auch einmal nachgedacht werden. So schrieb der Grö(ßte)f(ersager)a(ller)z(eiten) in seinem Buch "Mein Kampf" sinngemäß, dass wenn das Wohl und Wehe eines Volkes lediglich vom Verhalten eines Herrschers abhängt und dieser es nicht auf die Reihe bringt, dann sei es nicht nur das Recht diesen Herrscher zu töten, sondern gar die Pflicht. Diesen Herren Worte waren damals geltendes Recht!
    - Jurstisch bewertet kann dann bei dem "Bißchen" was Dietrich Bonhoeffer getan hat, wohl kaum noch von Landesverrat gesprochen werden
  5. #34

    Zitat von Bundestrainer Beitrag anzeigen
    Der NS-Staat war - als Terror- und Unrechtsstaat - nicht verratsfähig.
    Wer Staatsgeheimnisse an einen Feind verrät muss mit einer Verurteilung als Landesverräter rechnen. Dass ist in jedem Staat so, auch wenn dieser nachträglich als unrechts Staat bezeichnet wird oder wahrscheinlich dann sogar besonders.