Streit um Flagge: Krawalle in Belfast

DPABenzinbomben, brennende Busse und Autos: In Nordirland ist die Polizei mit Gummigeschossen und Wasserwerfern gegen probritische Demonstranten vorgegangen. Mindestens 16 Beamte wurden verletzt.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-877216.html
  1. #1

    Ein erstklassiges..

    ..Beispiel dafür, dass ausufernder Nationalismus nichts Gutes nach sich zieht. Dummerweise liegen die Ursachen dieses Konflikts auch in der Geschichte. Relativ hoch industrialisierte Briten haben vor längerer Zeit den eher ländlich geprägten Norden Irlands erobert. Die Religion wird hier instrumentalisiert zur "Unterscheidung" sich gegenseitig bekämpfender Gruppen. Kleiner Korrekturvorschlag an SPON: Nordirland gehört nicht zu Großbritannien. Großbritannien besteht aus England, Wales und Schottland. Großbritannien und Nordirland bilden das Vereinigte Königreich.
  2. #2

    Unvertändnis

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Benzinbomben, brennende Busse und Autos: In Nordirland ist die Polizei mit Gummigeschossen und Wasserwerfern gegen probritische Demonstranten vorgegangen. Mindestens 16 Beamte wurden verletzt.

    Krawalle wegen britischer Flagge: Verletzte und Festnahmen in Belfast - SPIEGEL ONLINE
    Geht es hier tatsächlich noch um eine Flagge, die nicht mehr täglich wehen soll? Sind die denn vollkommen verrückt geworden?
  3. #3

    -

    Zitat von Herr Hold Beitrag anzeigen
    Geht es hier tatsächlich noch um eine Flagge, die nicht mehr täglich wehen soll? Sind die denn vollkommen verrückt geworden?
    Zumal dieses demokratisch entschieden wurde und einen Kompromiss darstellt.
    Sogar deutsche Zeitungen meinen, dass dieser Beschluss falsch sei. Im Nachhinein betrachtet, weil es wieder zu Gewalt gekommen ist, kann man das vielleicht so sehen. Allerdings würde ich eher die Krawallmacher verurteilen, die noch immer nichts gemerkt haben.
    Nordirland hat vom Boom in Irland profitiert, die Beziehungen der beiden Länder wurden dadurch entspannter.
    Nun ist die wirtschaftliche Situation in der Rep. Irland nicht mehr gut, also leidet Nordirland ebenfalls. Die Demonstranten auf Belfasts Straßen sind keine Intellektuellen, sondern einfache Menschen, zumeist arbeitslos, die man leicht manipulieren und anstacheln kann, weil sie eben unter Perspektivlosigkeit leiden. Die Loyalisten nutzen das gnadenlos aus.

    Es ist sehr, sehr schade, was da gerade wieder abläuft, denn ich habe in Nordirland nur tolle Menschen kennengelernt, die alle froh waren, dass sich die Situation dort inzwischen entspannt hatte.
  4. #4

    @ silberwolf relativ hoch industrialisierte Briten ein irisches Shire ist im 13 jahrhundert an einen britischen lord gefallen. Damals gab es keine industrialisierung!! Schon heinrich der 8 hat dann gesamt irland regiert das war im 16 jahrhundert. Auch da gab es keine industrialisierung!! Der norden irland gehört zum UK da hier die Mehrheit der Bevölkerung 1922 dafür war weiterhin zum UK zu gehören (durch die mehrheit der protestanten in diesem gebiet) da gab es eine industie und handelsnation aber die industrialisierung war auch schon um. Eine demokratische abstimmung ist ebenfalls keine eroberung
  5. #5

    Demographie

    durch die demographische Entwicklung (höhere Geburtenrate der pro-irischen Katholiken) geraten die pro-britischen Protestanten Stück für Stück in die Minderheit. Ich wage die Prognose, dass in vielleicht 15 oder 20 Jahren über Belfast die grün-weiß-orangene Flagge wehen wird. Ich lasse mich aber gerne von Leuten, die sich da gut auskennen, eines besseren belehren.
  6. #6

    von London gesteuert?

    warum greift die britische Regierung nicht hilfreich ein?
    Weil Nordirland sich nicht völlig dem englischen Königreich unterwirft.
    Freiheit für das ganz Irland!!!
  7. #7

    Darum geht es selbstredend nicht.

    Zitat von Herr Hold Beitrag anzeigen
    Geht es hier tatsächlich noch um eine Flagge, die nicht mehr täglich wehen soll? Sind die denn vollkommen verrückt geworden?
    Der tägliche Hissen des Union Jack auf/an kommunalen Gebäuden wurde in Großbritannien (also dem größeren Teil des UK) vor längerer Zeit nach Rechtslage abgeschafft. Wird nur nach bestimmten Tagen durchgeführt, z. B. am Geburtstag der Neureichen Tochter Kate geb. Middleton. Das muss für Ulster irrelevant bleiben.

    Denn die royalistischen Oranier wären sofort in der Minderheit. Da könnte ja zukünftig irgend ein Prince of Wales eine Katholikin aus Ulster heiraten wollen. Das die Mountbattens (eigentlich Battenberg) beim Einheiraten in den englischen Hochadel zum scheitern verurteilt sind, haben die nämlich spätestens mit Diana Spencer begriffen. Da braucht es Alternativen; vor allem, da sie für das Haus Hohenzollern nicht mehr standesgemäß sind.
  8. #8

    Zitat von kahabe Beitrag anzeigen
    Der tägliche Hissen des Union Jack auf/an kommunalen Gebäuden wurde in Großbritannien
    Sie meinen die Union Flag, der Union Jack wird am Bug von Kriegsschieffen gehisst (am jackstaff um genau zu sein).
  9. #9

    @jochen1978

    Zitat von jochen1978 Beitrag anzeigen
    durch die demographische Entwicklung (höhere Geburtenrate der pro-irischen Katholiken) geraten die pro-britischen Protestanten Stück für Stück in die Minderheit. Ich wage die Prognose, dass in vielleicht 15 oder 20 Jahren über Belfast die grün-weiß-orangene Flagge wehen wird. Ich lasse mich aber gerne von Leuten, die sich da gut auskennen, eines besseren belehren.
    Da Sie diesen Kommentar schon unter einem anderen fast eins-zu-eins wiedergegeben und auf meine Antwort nicht geantwortet haben, poste ich diese einfach auch noch einmal eins-zu-eins: Mit der höheren Geburtenrate der Katholiken haben Sie Recht - das ist unter anderem genau einer der Gründe, warum das Hissen bzw. Nicht-Hissen einer Flagge so eine Bedeutung bekommt. Von der Gründung Nordirlands 1921 bis in die 1980er/1990er Jahre stellten die Unionisten ca. eine 2/3-Mehrheit. Nordirland wurde extra geschaffen, um die britische Identität der Unionisten zu erhalten und einen offenen Bürgerkrieg zu vermeiden (nicht weil London unbedingt ein Fitzelchen von Irland behalten wollte). Die wussten ja, auf Gesamt-Irland gesehen, dass sie von Anfang an in der Minderheit waren - seit die ersten Siedler dort vor über 400 Jahren ankamen. Dies führte zur Entstehung einer Frontiergesellschaft ("zivilisatorische" Minderheit vs "barbarische" Mehrheit) wie eigentlich in jeder Siedlergemeinschaft (Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland, Sibirien oder die afrikanischen Siedlerkolonien), was zu einer extremen Belagerungsmentalität geführt hat, die auch nicht völlig aus der Luft gegriffen war und bis heute anhält. Deswegen auch die aktuellen Auschreitungen wegen solch einer Nichtigkeit wie einer Flagge. Außerdem bedeutet eine zukünftige katholische Mehrheit noch lange keine Mehrheit für eine Vereinigung, denn es sind auch nicht alle Katholiken dafür. Abgesehen davon, wollen auch viele Iren in der Republik nichts davon wissen. Selbst wenn es dazu kommen sollte, hätte man immer noch das Problem einer großen Minderheit von 1 Mio Unionisten (6 Mio. Gesamtbevölkerung). Solange man diese nicht friedlich von einer Vereinigung überzeugen kann, würde es wahrscheinlich sehr blutig werden. Dann würden eben keine Bomben mehr in London explodieren, sondern in Dublin - schließlich gibt es auch loyalistische Terrorgruppen, die auch schon in den 1970er Jahren als "Warnung" verheerende Anschläge in der Republik Irland verübten.