S.P.O.N. - Der Kritiker: Funkelnde Moderne, verquastes Geraune

Sony PicturesDeutschland erledigt sich seiner Nachkriegsmoderne - im Furor gegen eine Architektur, die eine andere, fortschrittliche Republik entwarf. Die Gedankengebäude des Jubilars Ernst Nolte dagegen machen klar, wie gefangen die alte BRD in Angst und Aggression war.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...-a-877027.html
  1. #1

    Deutschland im Rückwärtsgang

    Mir geht es jedenfalls so. Ich empfinde viele heutige gesellschaftliche Diskussionen rückwärtsgewendet und von Angst geprägt. Angst vor vielem, was Foirtschritt ausmacht. Vor allem Angst vor fast jeder Art von Technik, bis hin zur Angst vor dem Handy.

    Ich bin in einer Zeit gross geworden, wo Technik und Moderne noch als Chance gesehen wurde, alte Schranken, alte Grenzen, alte Hemmnisse zu überwinden. Das ist leider vorbei. Deutschland hat vor allem ANGST, Angst vor jeder Art von Veränderung, und als Ergämzung eine illusionäre Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die es so nie gab.
  2. #2

    Was?

    Die Fünfziger und Aufklärung?
    Da hat jemand wohl die Jahrzehnte verwechselt?
    Statt dessen hieß es: "Keine Experimente!" (Konrad Adenauer)
    und heute: "Die bleierne Zeit".
    Die Architekten, die schon für die Nazis megalomane Bauten entwarfen, machten bruchlos weiter- nur in kleinerem Maßstab.
    Und die "Moderne" unter Mies van der Rohe & Co. war hell, lichtdurchflutet- und menschenfeindlich, da Form mehr zählte als Funktion. Beide Fraktionen begrüßten die großflächigen Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg und versuchten, auch noch die verbliebenen Reste historisch gewachsener Architektur zu beseitigen.
    Einzelne herausragende Werke ausgenommen wurden Gebrauchsbauwerke am Fließband produziert, was ganze Innenstädte zu autofreundlichen Betonwüsten machte.

    Aus der Ferne grüßt Walter Ulbricht, der alles sprengen ließ, was nicht in sein einseitiges Weltbild passte...
  3. #3

    Geschichts- und Architekturinterpretationen...

    ...haben zum Glück deutlich weniger Auswirkungen auf das Leben der Menschen, als sich so mancher Kritiker träumen lässt.
  4. #4

    Ich kann es nicht mehr hören!

    "...in was für einer Welt wollen wir eigentlich leben?"
    Anstatt diese Frage wieder und wieder zu stellen, wird es langsam mal Zeit für Antworten! Wo sind denn die gesellschaftlichen Visionäre, die neue, kooperative und vor allem menschenfreundliche Konzepte anzubieten haben? In der ewigen Nabelschau werden wir nur die Reste vom vorgestrigen Frühstücksei finden. Oder fehlt auch einem Herr Diez die Traute, seine (heute noch) politisch unkorrekten Vorstellungen anzubieten, die (morgen dann) zum gesellschaftlichen Konsens reifen könnten?
  5. #5

    Ach ja, der Stil, der Stil!

    Zitat von Booker_T Beitrag anzeigen

    Deutschland hat vor allem ANGST, Angst vor jeder Art von Veränderung, und als Ergämzung eine illusionäre Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die es so nie gab.
    Vor allem sollten Sie konkret benennen, was genau an den (politischen) Veränderungen im letzen Jahrzehnt eigentlich so löblich und modern war, dann hätte man eine konkrete Basis zur Diskussion.

    Der Autor berauscht sich an der modernen Architektur – andere erleben den modernen Ikea-Einrichtungs-Stil als Änderung einer verstaubten Lebensweise. Was Geschmack betrifft, so behaupten die einen, könne man darüber nicht streiten, die anderen finden es durchaus richtig, darüber einen Streit anzuzetteln. Die wichtigen Lebensfragen der Nation werden durch derlei Streitereien sicher keiner Lösung näher gebracht.
  6. #6

    Aha

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Gedankengebäude des Jubilars Ernst Nolte dagegen machen klar, wie gefangen die alte BRD in Angst und Aggression war.
    ...
    ...alles an Nolte ist im Grunde unangenehm, vor allem sein Geraune, sein Gebohre und sein Man-wird-doch-noch-mal-sagen-Dürfen.
    Wieso Nolte? So schreibt doch ein anderer, gerade hier im Spon, im Zweifel gegen Israel.
  7. #7

    Sorgfalt ist die Gouvernante der Kultur

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Deutschland erledigt sich seiner Nachkriegsmoderne - im Furor gegen eine Architektur, die eine andere, fortschrittliche Republik entwarf. Die Gedankengebäude des Jubilars Ernst Nolte dagegen machen klar, wie gefangen die alte BRD in Angst und Aggression war.

    Ernst Nolte und die Nachkriegsmoderne - ein Debattenbeitrag - SPIEGEL ONLINE
    Liebe Spiegelfechter,

    das zweite Wort sollten Sie berichtigen...
  8. #8

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was war das für ein Land. Entschieden und elegant sind die Formen, Altäre, Lampen. Weit und angstfrei sind die Räume, krass und fensterlos recken sich die Wände dem Himmel entgegen. Und wenn es doch Fenster gibt, dann erzählen sie eine Geschichte, die nicht vom Sehen handelt, sondern vom Spüren, es geht um die Poesie in der Physik, es geht um das, was hinter den Dingen liegt und doch im Licht: schöner, heiliger Beton.
    Ernst Nolte und die Nachkriegsmoderne - ein Debattenbeitrag - SPIEGEL ONLINE
    Herr Diez, das ist ein Gedicht.
    Respekt.
  9. #9

    Sanfte Korrektur

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    ... was auch immer Nolte damit sagen wollte, was auch immer das am Verbrechen des Holocaust geändert hätte, was auch immer überhaupt Parallelen oder Vergleiche sollen: Noltes dauerndes "und doch", sein "aber" und "andererseits" standen beim Historikerstreit 1986 insinuierend quer im Land, das war damals hässlich, und ist es heute noch. ....
    Ernst Nolte und die Nachkriegsmoderne - ein Debattenbeitrag - SPIEGEL ONLINE
    Mein lieber Diez, sprachlich formal ist das aber nicht ganz richtig: Ein "und doch", ein "aber" und "andererseits" kann nichts insinuieren (unterstellen, andeuten), weil es ja klar ausgesprochen wird. Watt Sie da waaschainlich meinten, is "insistieren".
    Inhaltlich aber völlig korrekt: Das dritte Reich als missglückte Moderne zu interpretieren, scheitert am idiotischen Rassenwahn der Nazis, die offenbar bis heute ihr Unwesen treiben. Dafür darf man als Nolte und anderswer durchaus auch mal ganz hässlich argumentieren.