Präsidentschaftswahl in Tschechien: Unter Freaks

dapdDie Tschechen wählen am Freitag einen neuen Präsidenten - und zum ersten Mal direkt. Favoriten sind ein blasser Technokrat, ein trinkfester Polterer und ein am ganzen Körper tätowierter Kunstprofessor. Kandidaten der etablierten Parteien haben bei dieser Schau der Extreme keine Chance.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-876392.html
  1. #1

    wie überall...

    "Politik, so sein Befund, hat sich in die Hinterzimmer verlagert, der politische Deal den offenen, konfrontativen Wettstreit der Meinungen abgelöst."
    In Tschechien wie überall. Habe noch nie verstanden, warum die Entscheidungsfindung in Demokratien immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit zelebriert wird. Demokratien sollten den öffentlichen Diskurs pflegen! So würde Politik verständlicher. Aber welche Koalition will schon zugeben, dass es am ende nur ein kuhhandel ist in dem Überzeugungen eigentlich keine rolle spielen?
    Da wird die herdprämie lustig mit der praxisgebühr verrechnet um am ende noch ein paar Milliarden für mütterrenten hinterherzuschmeißen. Am Ende muss dann halt der vergünstigte Mehrwertsteuersatz gestrichen werden um die Wahlkampfgeschenke der letzten Legislaturperiode endlich gegenzufinanzieren...
    Einfach nur arm!
  2. #2

    Tschechien ...Absurdistan der EU

    Ich darf dem Autor gratulieren, dieser Artikel trifft die politische Realitaet in Tschechien ziemlich gut- ich kann das beurteilen, denn ich lebe schon 20 Jahre in Prag, als Exil-Deutscher. Es waere ja alles fast schon lustig, wenn die Realitaet nicht noch viel schlimmer waere: Ich glaube nicht, dass sich jemand in Bruessel das wahre Ausmass der Korruption in diesem EU-Land ueberhaupt vorstellen kann. Die West- und Nord-Europaer sind voellig naiv, nicht nur die Suedlaender sind ein grosses Problem (vor allem da im Euro), sondern auch die Ost-Laender: tickende Zeitbomben, die mit Demokratien nur im weitesten Sinn zu tun haben - denn: hier sind vor dem Gesetz nicht alle gleich, wer Geld oder Beziehungen hat, macht/kauft sich seine eigenen "Gesetze". Organisierte Kriminalitaet zieht sich in diesen Laendern durch Politik, Polizei, Banken, Aerzteschaft... es gilt das hier gefluegelte Wort: wer nicht betruegt und stiehlt, der bestiehlt damit seine eigene Familie (ein altes tschechisches Sprichwort - ohne Witz). Nicht zufaellig sieht man in Prag Massen an LuxusFahrzeugen, wie man diese in Berlin oder Muenchen in dieser Konzentration nicht antrifft. Der mit Abstand reichste Osteuropaer, und juengste Milliardaer (ohne Russland) ist Tscheche, und kam zu seinem Geld ueber nichts anderes als Bestechung von Ministern ueber X Jahre. Viele Prager sind inzwischen mit die reichsten Bewohner der EU- und wodurch? Ich weiss es, aber weiss man es in Bruessel ? Weiss man dort, welche Wege die Foerdergelder hier gehen, kennt man dort die Wege der Drogen wirklich, weiss man dort, dass man zum grossen Teil einfach verschaukelt wird ? Ich muss immer lachen, wenn ich lese, wie lt. EU-Statistik der Korruptionsindex in Tschechien mal wieder gefallen sein soll - das muss ein Scherzkeks sein, der das behauptet, hier in Tschechien koennen Sie 80% der Polizisten kaufen, und geschaetzt 30% der Richter. Es ist ganz einfach "Russland im Kleinen", man sollte sich hier einfach mal keine Illusionen in Bruessel machen: die Menschen in den ExKommunisten Laendern empfinden Korruption als "Alltag, Normalitaet" - das sollte uns klar sein oder schnell klar werden.
  3. #3

    der ehemalige Premier Jan Fischer, ein Mathematiker, Statistiker und Ökomon,

    Erste Frage: was ist ein Ökomon?
    Zweite Frage: ist ein gefürsteter Landgraf etwas ähnliches wie ein gerührter + geschüttelter Chefredakteur?
    Dritte Frage: kann es sein, daß der Landgraf (was das genau ist, erfahren wir vermutlich in Spon 2015, wenn dieses Blatt endgültig die Metamorphose zum Mann im Spiegel abgeschlossen hat) nicht gefürstet,sondern gebürstet wurde?
    Fortschritt? Raucher und LiqueurTrinker werden niedergemacht.
    Political Correctness olé!
    Jetzt fehlt nur noch eine erstarkende Waffenlobby, dann kann sich die EU als 52. Mitgliedstaat bewerben...

    Weiter so, Spon! Gemeinsam schaffen wirs!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Tschechen wählen am Freitag einen neuen Präsidenten - und zum ersten Mal direkt. Favoriten sind ein blasser Technokrat, ein trinkfester Polterer und ein am ganzen Körper tätowierter Kunstprofessor. Kandidaten der etablierten Parteien haben bei dieser Schau der Extreme keine Chance.

    Tschechien: Zur Wahl des Präsidenten dominieren Außenseiter - SPIEGEL ONLINE
  4. #4

    Recherche?

    ... wäre was gewesen!
    Der Becherovka ist keineswegs süß, sondern ist, wie sein urprünglicher Name "Karlsbader Becher-Bitter" schon sagt, dem Jägermeister ähnlich, allerdings mit dem Unterschied klar statt dunkel-trüb zu sein.
    Nichts desto trotz: Alkohol vernebelt den Verstand und hat, bei allem etl. nachvollziehbarem Verständnis ob ihrer Tollheiten, auch in der Politik, noch weniger in Politiikern etwas zu suchen!
  5. #5

    Hierzulande hat ja auch die Qualität des politischen Führungspersonals in den letzten Jahren abgenommen, ausser dessen Trinkfestigkeit. Übrigens, ein bißchen süß ist der Becherovka schon;-).
  6. #6

    Der Frust geht um in Tschechien.

    So langsam merken immer mehr Tchechen, dass nach der Wende nicht "die Freiheit" und nicht "der Wohlstand" in das Land kamen. Steigende Preise, niedrige Löhne bedrücken die Menschen.

    Bei den letzten Regionalwahlen in Karsbad (Karlovy Vary) hat die alte Kommunistische Partei die Mehrheit der Stimmen bekommen, mehr Stimmen als die Parteien des Kapitalismus, mehr als Konservative, mehr als Sozialdemokraten.

    Das tschechische Volk ist vom Kapitalismus enttäuscht und wendet sich deshalb immer mehr von dessen Politikern ab.
  7. #7

    Man darf gespannt auf das Ergebnis sein :-)

    Unvergessen, auch bei meinen tschechischen Freunden, ist diese Annekdote von Václav Klaus:

    168 hodin - Pero z Chile - Václav Klaus krade - Czech President steals pen - YouTube

    Von dem hätte Wulff noch viel lernen können ;-)
  8. #8

    Schade...

    ...wollte doch vor neun Jahren ein uns bekannter Gentleman Präsident Tschechiens werden, wäre damals das Staatsoberhaupt direkt gewählt worden:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/tschechien-karel-gott-will-angeblich-praesident-werden-a-233905.html
    Morgens das Volk mit den Klängen der Biene Maya wecken - etwas schöneres könnte man sich doch kaum vorstellen.
  9. #9

    Unter Freaks

    Dass (manche) Journalisten Hyaenen sind (wie von Ihnen Milos Zeman zugesprochen), haben Sie mit diesem Artikel eindrucksvoll bewiesen. Sachlichkeit schadet nur. Vaclav Havel war immerhin mehrere Male fuer den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, warum also "Freak"?Vladimir Franz hat nach derzeitigen Umfrageergebnissen keine Chance, aber natuerlich ist das Bild mit den Tatoos eindrucksvoll. Stattdessen hat Karl Schwarzenberg eine wirkliche Chance, er gehoert aber nicht der regierenden ODS an (wie von Ihnen geschrieben), sondern TOP 09. Und zu dem Bestechungsvorwurf gegen Necas muss man wissen, dass es sich dabei um drei ehemalige Parlamentarier handelt, die nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament mit auskoemmlichen Posten versehen wurden. Zur Amnestie ist schliesslich zu sagen, dass diese heftigst umstritten ist. Aber: Wenn Sie in Deutschland 7000 Gefaengnisinsassen auf einmal freilassen, kommt es mit Sicherheit auch sogleich zu neuen strafbaren Handlungen - das ist kein Spezifikum Tschechiens.

    Man kann hier ueber vieles serioes diskutieren und ernsthaft kritisieren, aber alles in allem weiss ich nicht, warum Sie in derart hoehnisch - ueberheblicher Weise ueber Tschechien berichten.