Akademisches Recylcing: Darf ich bei mir selbst abschreiben?

DPAEin nordrhein-westfälischer SPD-Mann steht unter Plagiatsverdacht, weil er seine Magisterarbeit zur Doktorarbeit aufgemöbelt haben soll. Aber ist akademisches Recycling und Mehrfachveröffentlichung nicht durchaus üblich?

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-876819.html
  1. #1

    Gönnen wir uns doch nur mal kurz...

    einen klaren Gedanken, okokok... der Versuch eines klaren Gedankens: Wissenschaftler werden von anderen Wissenschaftlern denunziert, weil erstere auf der Grundlage ihrer Arbeiten zu weiteren Erkenntnissen kommen wollen. Im Ernst, wenn wir so weiter machen können wir die Geistes- und Sozialwissenschaften, inklusive der Reflexion als Instrument der Wissensermittlung, bald abschaffen!
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    ... Aber ist akademisches Recycling und Mehrfachveröffentlichung nicht durchaus üblich? ...
    Nein, durchaus nicht. Es gibt nur einige wenige Ausnahmen nach denen bspw. eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift vor Verteidigung einer Dissertation erlaubt, wenn nicht gar ausdrücklich erwünscht ist. Siehe auch: Eigen- und Selbstplagiat
  3. #3

    optional

    Und schon wieder wird hier im Brustton der Überzeugung die Einhaltung von Regeln angemahnt, die in dieser Form nicht existieren. Oder woher nimmt der Autor/die Autorin die Regel, dass Eigenzitate kenntlich zu machen seien?
  4. #4

    gehts noch?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein nordrhein-westfälischer SPD-Mann steht unter Plagiatsverdacht, weil er seine Magisterarbeit zur Doktorarbeit aufgemöbelt haben soll. Aber ist akademisches Recycling und Mehrfachveröffentlichung nicht durchaus üblich?

    Plagiatsaffären: Was ist ein Eigenplagiat - SPIEGEL ONLINE
    Auch wenn es im Sinne einer Konzessionsentscheidung ja mal ganz nett ist, dass diesmal ein SPD-Mann angezählt wird:

    Es ist wirklich abstoßend und öde den Versuch zu unternehmen, die Lebensleistung eines Politikers dadurch zu zerstören, dass man ihm irgendwelche Unsauberkeiten in der Promotion nachzuweisen versucht.
    Was soll das?
    Ist eine Promotion seit neuestem Einstellungsvoraussetzung für ein Ministeramt?
    Man stelle sich vor: Am Ende wollen sich womöglich noch Leute politisch betätigen, nicht nicht mal studiert haben! Also wo kämen wir denn da hin! Am Ende haben die auch noch beim Abi gespickt! Alles Betrüger, alle zurücktreten
    / ironie aus
  5. #5

    Quatsch

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein nordrhein-westfälischer SPD-Mann steht unter Plagiatsverdacht, weil er seine Magisterarbeit zur Doktorarbeit aufgemöbelt haben soll. Aber ist akademisches Recycling und Mehrfachveröffentlichung nicht durchaus üblich?

    Plagiatsaffären: Was ist ein Eigenplagiat - SPIEGEL ONLINE
    So ein Quatsch, das halbe Weihnachtsoratorium von Bach ist Eigenplagiat, und Bach hat die entsprechenden Stellen nicht gekennzeichnet. Who cares!

    Natürlich kopieren sich Autoren selbst, im Falle von Methodenbeschreibungen bei Experimenten ist dies sogar die Regel und wünschenswert. Und übermäßig viel Eigenzitate in einer Publikation können sogar als schlechter Stil gelten. Wer "Eigenplagiate" kritisiert, hat also noch nie wissenschaftlich gearbeitet.

    Eine gewisse Einschränkung gibt es natürlich dann, wenn die Copyrights eines Artikels bei einem Verlag liegen, und bestimmte zentrale Textpassagen inklusive Abbildungen erscheinen in identischer Form dann auch noch bei einem Mitbewerber in der Verlagslandschaft. Das ist dann nicht ganz sauber, ... allerdings erhalten die Autoren in der Regel auch kein Geld für ihre Werke, oder müssen sogar selbst dafür zahlen (open source) die Verlage sollten dann auch nicht so streng mit diesen Autoren sein.

    Also, bei sich selbst klauen hat nichts mit den Praktiken von Guttenberg und Schavan zu tun.

    Außerdem ist die obsessive Fließbandproduktion von Publikationen politisch gewollt und kein normaler Wissenschaftler kann soviel Resultate haben, um den Anforderungen an Publikationszahlen zu entsprechen. Eigenplagiate sind in dem Sinne auch ein natürliches Symptom unseres heutigen Wissenschaftsbetriebs.
  6. #6

    Freie Journalisten leben vom Selbstplagiat

    "Ja, es ist üblich, dass Wissenschaftler ihre Texte mehrfach veröffentlichen, oft unter verschiedenen Titeln" so schreiben Sie otr. Sie wissen sicherlich, dass ein Großteil Ihrer journalistischen Zunft davon lebt, dass ihre Texte mehrfach - in vielleicht leicht veränderter Form, in verschiedenen Zeitungen/Zeitschriften erscheint. Also bitte richten Sie nicht über Wissenschaftler, denn die Journalie ist keineswegs ein besserer Menschenschlag, sondern...
  7. #7

    Reformiert den Wissenschaftsbetrieb

    Es ist dringend notwendig den Veröffentlichungsdruck von den Wissenschaftlern zu nehmen. Primitives Zählen von Publikationen und Zitaten führt zu Recycling von
    Ergebnissen, Plagiaten, Freundschaftszitaten u.ä.
    Der Versuch wissenschaftliche Qualität nicht durch Verstehen sondern durch Zählen
    zu bewerten treibt seine Blüten.

    Natürlich gehört auch der Gebrauch von Titeln reformiert .....
  8. #8

    Vielen Dank für die Aufnahme des Hauptgebäudes der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms Universtität Bonn. Das ist wohl von der Absolventenfeier der Magister-, Bachelor- und Master-Absolventen und hat nichts mit einer Doktorhut bzw. -feier zu tun. Die Doktorurkunde der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät überreicht der Briefträger oder die Sekretärin des Dekanatbüros - ohne Doktorhut.

    Ich kann diese ganze Berichterstattung von Personen, die anscheinend keinen Doktortitel besitzen, gegenüber denjenigen, die dafür etwas geleistet haben, schon nicht mehr hören. Es ist auch nichts neues, dass eine Dissertation auf die Vorleistung einer eigenen Diplom- oder Magisterarbeit basiert. Wenn sie sehr gut ist, ist es legitim, sie zu zitieren. Entscheidend ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema in der Diskussion.

    Viel anstößiger finde ich es nur, dass offensichtlich der Doktorvater von dieser Dissertation finanziell profitiert haben könnte. Die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre wird wohl nur noch NRW gepredigt.
  9. #9

    Wird jetzt von den selbsternannten Plag-Jägern schon das Weiterdenken verboten?

    Das Fatale bei den ganzen Plag-Vorwürfen ist, dass es in Wahrheit keine eindeutigen Regeln gibt, was wie zu kennzeichnen ist. Es schwingen sich selbsternannte Ethik-Päpste zum akademischen Gesetzgeber, Richter und Vollstrecker in Personalunion auf - ohne jede nachvollziehbare Legitimation. Es ist absolut üblich, dass gute Masterarbeiten zu Dissertationen weiter entwickelt werden. Masterarbeiten werden häufig nicht einmal veröffentlicht. (Hat der Autor sich übrigens die Mühe gemacht, das in diesem Fall vorher zu recherchieren, bevor er den Vorwurf des "Eigenplagiats" nachschwätzt?) Die Frage ist doch eher die: Was soll man von einem Doktorvater halten, der jetzt behauptet, er habe nicht gewusst, dass vorher eine ganz ähnliche Masterarbeit geschreiben worden war. Hat er nicht mal den Lebenslauf des Doktoranden gelesen? Wenn die Diss. nicht gut genug war, weil sie keine neuen Erkenntnisse enthalten hat, wieso ist sie dann durchgekommen? Wissenschaft zeichnet sich durch oriiginelle Gedanken aus, nicht durch Fußnoten.