Vermurkste Groß-Bauprojekte: "Die meisten Projektmanager sind Dummköpfe oder Lügner"

DPAElbphilharmonie, Stuttgart 21, Flughafen Berlin-Brandenburg - bei praktisch jedem Groß-Bauprojekt schießen die Ausgaben in vorher ungeahnte Höhen. Mit einer einfachen Methode will ein Professor aus Oxford Kostenexplosionen stoppen. Im Verkehrsministerium will man davon aber nichts wissen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/ben...-a-876610.html
  1. #1

    Projektmanager sind Dummköpfe oder Lügner

    Ich find's ziemlich anmaßend, eine ganze Berufsgruppe die auch in anderen Branchen arbeitet mit einer so simplen Argumentation zu diskreditieren.
    Zumeist sind es außerdem nicht die späteren Projektmanager, die im Vertrieb den Angebotsprozess verantworten ...
  2. #2

    gebremstes Denken

    In Deutschland herrscht eher gebremstes Denken vor, zumindest auf Politik- und "Elite"-Ebene. Gerade Skandinavier und Niederländer, Gesellschaften übrigens die eher egalitär sind, sind deutlich innovationsfreudiger. Bei uns wird immer erst mal jahrelang zugeschaut wie andere es machen. Das bezieht sich auf alle Bereiche, wie Erziehung, Verkehr, Strafrecht, Ökologie, Städtebau, usw...
  3. #3

    nichts Neues

    Hier wird vergessen, dass die meisten auch Schwätzer sind, sonst wären sie nicht an diesen Posten gekommen. Fachleute findet man in solchen Positionen in der Regel nicht.
  4. #4

    Die einfache Version

    bei Ausschreibung und Vergabevorauswahl: alle Angebote sammeln, billigste und teuerste rausschmeißen (gestutztes Mittel bleibt übrig...), dann erst anschauen. Wird wohl gemacht. Nein, nicht in Dtl.
  5. #5

    .

    Zitat von shnirley Beitrag anzeigen
    Ich find's ziemlich anmaßend, eine ganze Berufsgruppe die auch in anderen Branchen arbeitet mit einer so simplen Argumentation zu diskreditieren.
    Zumeist sind es außerdem nicht die späteren Projektmanager, die im Vertrieb den Angebotsprozess verantworten ...
    Sehe ich auchso. Es müsste aber definitiv mal geklärt werden, wer demnächst für eine solche Fehlkalkulation aufkommt. Mir drängt sich auch der Verdacht auf, dass man bei öffentlichen Projekten gerne mal über das Ziel hinaus schießt, weil das Steuersäckle immer weiter geöffnet wird.
  6. #6

    Zitat von shnirley Beitrag anzeigen
    Ich find's ziemlich anmaßend, eine ganze Berufsgruppe die auch in anderen Branchen arbeitet mit einer so simplen Argumentation zu diskreditieren.
    Volle Zustimmung. Bezüglich der Kalkulationen ist es nämlich so, dass bei Ausschreibungen (kommunal oder bundespolitisch) immer das günstigste Angebot bevorzugt werden muss. Zudem muss bei der Verwendung öffentlicher Gelder jeder Pups ausgeschrieben werden. Logisch, das hier heruntergerechnet wird, dass sich die Balken biegen.

    Mit zunehmender Diskussion frage ich mich, warum Großprojekte in anderen Ländern (scheinbar) funktionieren und im Ausland ein architektonisches Highlight nach dem anderen gebaut wird und in Deutschland Stillstand herrscht.
  7. #7

    Das Paradoxe an korrigierten Budgets...

    ... und Zeitplänen ist, dass sie trotz allem aufgebraucht werden, und am Ende neu korrigiert werden müssen. Hat man noch genug Zeit und Geld über, genehmigt man sich das auch, und wird trotzdem nicht fertig. Bei Großprojekten kommt noch dazu, dass man wenn man einmal angefangen hat, auch zuende bauen muss, ein Zurück nach dem Motto "na dann halt nicht" wäre katastrophal für alle Beteiligten.
  8. #8

    auch in anderen Ländern funktioniert das nicht.

    Zitat von themistokles Beitrag anzeigen
    Volle Zustimmung. Bezüglich der Kalkulationen ist es nämlich so, dass bei Ausschreibungen (kommunal oder bundespolitisch) immer das günstigste Angebot bevorzugt werden muss. Zudem muss bei der Verwendung öffentlicher Gelder jeder Pups ausgeschrieben werden. Logisch, das hier heruntergerechnet wird, dass sich die Balken biegen.

    Mit zunehmender Diskussion frage ich mich, warum Großprojekte in anderen Ländern (scheinbar) funktionieren und im Ausland ein architektonisches Highlight nach dem anderen gebaut wird und in Deutschland Stillstand herrscht.
    Das was der gute Professor von sich gibt weiß doch jedes Kind - dazu muss ich nicht seine "Methode" ansetzen (im Übrigen gehört ein vernünftiges RISIKOmanagement schon seit Jahren zu vernünftiger Projektmethodik), man muss nur das "Vergaberecht für öffentliche Ausschreibungen ändern". Dieses Vergaberecht, das gnadenlos den billigsten Anbieter bevorzugt, ist die Ursache allen Übels.
    Da muss noch nicht mal am Preis manipuliert werden - dazu gibt es dann den Ausschlusskatalog,, in dem alles das abgegrenzt wird, was NICHT im Preis enthalten ist - der ist immer ganz hinten und kleingedruckt.
  9. #9

    optional

    Zitat:
    Ein Sprecher des Ministeriums hält sie aber auch nicht für sehr überzeugend: "Jedes Großprojekt hat Eigenheiten. Bei Stuttgart 21 gibt es zum Beispiel bei den Tunneln unvorhersehbare Unwägbarkeiten. Das vorher einzupreisen halte ich für schwierig."
    Zitatende

    Deswegen doch der Faktor. Für Unwägbarkeiten, die eben nicht vorher abzusehen sind.
    Wenn doch alles vorher bekannt wäre, würden die Kosten nicht aus dem Ruder laufen.

    Das Verfahren ist gut und nachvollziehbar.