Titelsammlung von Wissenschaftlern: Wer hat den Längsten?

Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. - manche Titelketten lesen sich, als hätte der Besitzer einen Sprung in dr-dr-der Schallplatte. UniSPIEGEL-Kolumnistin Anna Kistner fragt sich: Sammeln Wissenschaftler vielleicht präventiv, weil sie wissen, wie schnell man heutzutage einen Doktortitel wieder los ist?

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...-a-871964.html
  1. #1

    Es gibt auch solche und solche. Selbst der Wissenschaftsrat sieht mittlerweile in einem Dr. med. oder Dr. dent. nur einen Diplomgrad, keinen "echten" Doktorgrad. Im Ausland wird der Dr. med. auch nicht äquivalent mit einem dem Ph.D., dem "richtigen" angelsächsischen Doktorgrad, gesehen, sonden entspricht eher den M.D. (Medical Doctor), der nach Studienabschluß quasi automatisch vergeben wird.

    Bleibt noch hinzufügen, das ein mehrfacher Doktorgrad eigentlich mit Dr. mult. angebeben wird und nicht mit einer Dr.-Stotterkaskade.

    Charme hat auch die Methode unseres südlichen Nachbarn, die in diesem Fall pro Grad jeweils ein D anhängen. DDr. ist daher nicht unbedingt eine ehemaliger Staat und wer es arg dolle treibt, kommt vielleicht dort sogar auf einen DDDDr.
  2. #2

    "Sammeln Wissenschaftler vielleicht präventiv, weil sie wissen, wie schnell man heutzutage einen Doktortitel wieder los ist?"

    Was soll denn diese alberne (wenn auch rhetorische) Frage?

    Natürlich klingen diese Prof.-Dr.-irgendwas-Ketten etwas überzogen, aber deswegen Leuten, die offenbar etwas geschafft haben, Betrug zu unterstellen, ist schlicht Frechheit.
    Ich habe großen Respekt vor Leuten, die überhaupt einen Titel dieser Art geschafft haben - ein Freund (Bereich Mathematik/Informatik) hat sich dafür jahrelang sehr intensiv mit einer Thematik auseinandergesetzt und extrem viel gearbeitet. Ich dagegen habe überhaupt nur grob verstanden, um was es überhaupt geht.

    Die allermeisten dieser Leute haben sich den Titel hart erarbeitet. Was soll dieses Bashing?

    Ist das Neid?
  3. #3

    Wenig Ahnung

    Der Autor hat wenig Ahnung vom Wissenschaftsbetrieb.

    Wenn ein Dr. habilitiert, sich also für eine Universitätsprofessur qualifiziert, darf/durfte er entsprechend der Habilitationsordnungen bzw. der Landeshochschulgesetze zB den akademischen Grad Dr. med. habil tragen. So kommt man dann schonmal auf zwei Doktor-"Titel". Dr. med. Dr. med. habil. Manchmal wird das "habil." auch an den ersten Doktorgrad angehängt.

    Ein Ehrendoktor einer renommierten Universität (Dr. h.c.) ist eine hohe Auszeichnung im akademischen Betrieb. Sie werden von deutschen Hochschulen eher selten vergeben. Meist an verdiente Wissenschaftler, die in ihrem Fachgebiet ein hohes Ansehen (und meist ein hohes Alter) haben und sich jahrzehnte lang durch Publikationen einen Namen gemacht haben. So kommt es dann zu einem dritten Doktorgrad, dem Dr. h.c. oder Dr. e.h.

    Dann waren es schon drei: Dr. med. Dr. med. habil Dr. med h.c.

    Nun können sehr anerkannte Wissenschaftler auch mehrere Ehrendoktorate erhalten haben und damit ihre Titelsammlung anreichern. Oftmals schreibt man dann aber Dres. h.c. oder Dr. h.c. mult.

    Dies sind alles Konventionen in der Wissenschaft und zeigen Anerkennung für die Leistung eines Wissenschaftlers. Das hat nicht mit "Schwanzvergleich " zu tun (wie ich finde ist ein solcher Gossenjargon bei SPON eigentlich überflüssig). Wer den Verdinstorden der Bundesrepubil Deutschland erhalten hat, trägt ja auch oft die Miniatur ständig am Revers. Warum sollte ein Wissenschaftler seine Doktorate verschweigen?

    Es gibt natürlich auch Wissenschaftler die zweimal promoviert haben oder sogar dreimal. Vielleicht kann man denen auch einfach Freude am wissenschaftlichen Arbeiten unterstellen oder ein besonderes Interesse in mehreren Gebieten.

    Natürlich gibt es auch solche Doktoren, die Titel zweifelhafter Universitäten führen oder sich von diesen Ehrendoktorate erteilen lassen. Dies ist durch die EU-weite Anerkennung von Abschlüssen und Graden deutlich einfacher geworden als früher, als solche Titel noch nostrifiziert werden mussten. Nun können sich doch einige Titelträger mit zweifelhaften Doktoraten vornehmlich aus dem osteuropäischen Raum schmücken. Dies ist aber ein EU-Problem.

    Insgesamt könnte man vor der Lebensleistung eines Professors mit mehreren Ehrendoktoraten ebenso Respekt haben, wie vor einem Handwerks-Meister, der die goldene Ehrennadel der IHK erhalten hat.
  4. #4

    Nicht besser

    Zitat von malox Beitrag anzeigen
    "Sammeln Wissenschaftler vielleicht präventiv, weil sie wissen, wie schnell man heutzutage einen Doktortitel wieder los ist?"

    Was soll denn diese alberne (wenn auch rhetorische) Frage?

    [...]

    Ist das Neid?
    Was soll denn diese alberne (wenn auch rhetorische) Frage?
  5. #5

    Leben außerhalb des Wissenschaftsbetriebes

    Zitat von norwood1969 Beitrag anzeigen
    ...
    Insgesamt könnte man vor der Lebensleistung eines Professors mit mehreren Ehrendoktoraten ebenso Respekt haben, wie vor einem Handwerks-Meister, der die goldene Ehrennadel der IHK erhalten hat.
    Der Handwerksmeister wird die Ehrennadel nicht von von der IHK (Industrie- und Handelskammer) sondern von der HWK (Handwerkskammer) erhalten. Außerdem finde ich den Artikel für SPON-Verhältnisse sehr ordentlich recherchiert und redigiert. Dass das Forum so sachlich bleibt, wenn die übliche Klientel den Hintern aus dem Bett bekommen hat, bezweifele ich aber.
  6. #6

    Die Lobhudelei der scientific community....

    bringt solche Blüten hervor. Kaum eine(r) der Damen und Herren hat die Leistungen für den zweiten, dritten und x-ten Dr. allein und selbst erarbeitet. Professorentitel sind nur Berufungen und werden inflationär - für entsprechende Gegenleistungen - auch an Vorstände und andere Gönner vergeben. Wer's braucht sollte bei all dem nicht vergessen, dass "wichtig" die Eigenschaft des Wichts beschreibt.
  7. #7

    Natürlich vergrößert ein Doktortitel kein Gehalt. Sondern er hat eher dieselbe Ursache wie ein größeres Gehalt. Aber geschenkt!
    Wenn ein Doktortitel das Gehalt um 25% vergrößern würde, dann würde ein zweiter davon das Gehalt nochmal (sic) um 25% vergrößern. Das macht dann (Zinseszins) schon 56,25%. Und der dritte Titel würde abermal 25% drauf setzen, also insgesamt 95% mehr Gehalt bedeuten.
    Also 95% statt 75%. Oder anders gesagt: 27% mehr als im Artikel dahingerotzt.
    Das, liebe Spiegel-Redaktion, kann man auch ohne Doktortitel ganz leicht ausrechnen. Dazu gleich die achte Klasse.
  8. #8

    Understatement statt Prahlerei....

    Zitat von norwood1969 Beitrag anzeigen
    ....

    Wenn ein Dr. habilitiert, sich also für eine Universitätsprofessur qualifiziert, darf/durfte er .... zB den akademischen Grad Dr. med. habil tragen. So kommt man dann schonmal auf zwei Doktor-"Titel". Dr. med. Dr. med. habil. Manchmal wird das "habil." auch an den ersten Doktorgrad angehängt.....
    Was man darf und was man draus macht unterscheidet den Prahler vom Könner. Genau darum geht's doch und deshalb trifft der "Schwanzlängenvergleich" ins Schwarze. In angelsächsischen Ländern ist mir übrigens diese affige Titelprahlerei nicht begegnet. Respekt erwirbt man nicht durch Titel aus der Vergangenheit sondern durch Taten in der Gegenwart. Wer sich als Prof. von jedem Doktoranden und Diplomanden auf die Publikation nehmen lässt, ist ein eitler Täuscher.
  9. #9

    Mir persönlich sind Fälle bekannt, bei denen ein Dr. in einem "brotlosen" Fach gezwungenermaßen durch ein Zweitstudium und einen zweiten "Dr." ergänzt werden mußte, um die akademische Karriere zu sichern. Die Arbeit halst sich keiner freiwillig auf. Und gerade bei den Kieferchirurgen erscheint mir der Dr. med. Dr. med. dent. durchaus angebracht.