Ausbildung zum Geomatiker: Die Vermesser der Welt

TMNIhre Arbeit steckt im Navigationsgerät, in der Wanderkarte oder der Wegweiser-App: Geomatiker verwandeln Daten in Karten. Die Jobaussichten sind gut - und in der Ausbildung gibt es viel frische Luft. Denn messen müssen die Azubis am Anfang selbst.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-875780.html
  1. #1

    schwierig

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ihre Arbeit steckt im Navigationsgerät, in der Wanderkarte oder der Wegweiser-App: Geomatiker verwandeln Daten in Karten. Die Jobaussichten sind gut - und in der Ausbildung gibt es viel frische Luft. Denn messen müssen die Azubis am Anfang selbst.

    Ausbildung zum Geomatiker: Ein Job mit guten Aussichten - SPIEGEL ONLINE
    Der nicht existierende Fachkräftemangel hat also die Geobranche erreicht? Na dann.
    Ich habe selber Ausbildung und Studium in der Branche gemacht und kann sagen, dass sowohl Unternehmen als auch Behörden mehr als wählerisch sind wen sie einstellen. Weil wiele Stellen schon seit Jahren besetzt sind aus einer Zeit wo man keine Alternativen hatte.
    Vermessungstechniker, Geographen, Geologen, Kartographen, Informatiker oder sonstwer ist - seit Jahren arbeiten mit GIS-Programmen zur Auswertung, Analyse und Darstellung von Geodaten auch Leute die aus Mangel an Alternativen sich die Materie durch Fortbildungen etc. aneignen mussten.

    Ein weiteres Problem bei der ganzen Verarbeitung von Geodaten ist, dass das heute JEDER kann der an die Daten herankommt - Was in Deutschland zugegebenermaßen schwieriger ist als z.B. in den USA. Leistungsstarke Programme sind jedoch open-source und die Handhabung mit entsprechendem Interesse gut erlernbar.

    Ich persönlich halte den Markt für mehr als übersättigt, sollte sich an der allgemeinen Einstellung der Unternehmen und Behörden zu den Leuten die sie einstellen WOLLEN nichts ändern denn, dass es von Fachkräften in dem Bereich zu wenige gibt, halte ich schlicht für eine Lüge. Wenn ich sehe wieviele Azubis und Akademiker quer durch die Branche allein Mitte 2000 auf den Markt "geschissen" wurden.
  2. #2

    Fachkräftemangel?

    Ich arbeite auch in der Branche und bin darin vom kleinen Ingenieurbüro bis zur großen Verwaltung unterwegs.
    Fachkräftmangel? Von welchem Planeten wird hier berichtet? Sicher, es werden hier und da Spezialisten gesucht. Wie immer aber mit einem Gehalt am Existenzminimum und befristet. So schlimm kann der "Fachkräftemangel" also nicht sein.
  3. #3

    Keine Zustimmung

    1. Dass der Markt für "Vermesser" überschwemmt ist, kann man pauschal nicht bestätigen. Für den Vermessungstechniker mag das stimmen, zumal ich nicht wirklich einen Unterschied ausmachen kann zwischen dem herkömmlichen Techniker und dem "Vermesser der Welt" genannten Geomatiker. Die Zusammenlegung der Ausbildungen zum Bergvermesser, Kartograph und Vermessungstechniker werden dieser Überkapazität nicht zuträglich sein. Da von "guten Aussichten" auf dem Arbeitsmarkt zu sprechen halte ich auch mehr als fraglich.

    2. Beim Geomatiker von dem "Vermesser der Welt" zu sprechen kommt dieser Bezeichnung nicht im Geringsten nahe, zumal ja die Anspielung auf das Buch Kehlmanns hier eindeutig ist. Das es in diesem aber um zwei der größten Gelehrten unserer Menschheit ging lässt an der Qualität und Richtigkeit dieser Aussage zweifeln. Bei einem studierten Geodäten und bei der englischen Bezeichnung Geomatic, die noch am ehesten unserem Geodäten nahe kommt, mag diese Bezeichnung (hoffentlich) zumindest in Grundzügen stimmen. Bei einem ausgebildeten Geomatiker würde ich aber eher von einem halben Vermessungstechniker mit Geoinformatik-Kenntnissen sprechen.

    Ein Studium der Geodäsie ist auf jeden Fall einer Ausbildung vorzuziehen um von einem "Vermesser der Welt" zu sprechen. Alles andere würde einen studierten Markscheider oder Geodäten beleidigen und überflüssig machen. Denn das Verständnis oder die Entwicklung der genannten GIS-Programme kann nicht von einem Geomatiker verlangt werden.

    Da muss man dann auch differenziert betrachten an welchen Stellen, mit welchen Arbeitskräften und warum der Arbeitsmarkt "überschwemmt" ist. In den Behörden oder in einer mittelständischen Firma zur Geodatenverarbeitung wird viel zu häufig aus Kostengründen auf Vermessungstechniker (zukünftig Geomatiker) zurückgegriffen, weil gut ausgebildete, studierte Geodäten nicht bezahlbar sind! Da ist der Bedarf und wohlbemerkt der Engpass in der Ausbildung/ im Studium. Ein Bruttogehalt von 2000 Euro lockt keinen Geodäten in ein Amt und einen (selten verfügbaren!) Bergvermesser nicht in ein Unternehmen. Die wenigen studierten Vermesser werden von den großen Firmen und Ingenieurbüros mit anderen Zahlen abgeworben, noch aus dem Studium heraus!
  4. #4

    In der Branche.......

    gibt es doch bestimmt auch Arbeitnehmerüberlasser. Da können sich doch die Firmen und Behörden von den vermieteten Leihhunden erst mal ein Bild machen. Tja, der Gulag ist wohl schon überall präsent, armes Deutschland.
  5. #5

    "Die Gehälter variieren zwischen 500 und 900 Euro brutto im Monat, das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt im Schnitt bei 2000 Euro brutto" ??
  6. #6

    Schöner neuer Name für Hilfskräfte

    Seit Mitte der Neunziger wird kaum noch gebaut, auch keine Straßen. Dazu kommt, daß fast alle vorhanden Daten digitalisiert worden sind. Und daß moderne Geräte von einem Standpunkt aus das Mehrfache an Daten erfassen können als die überkommenen rein optischen Gerätschaften. Ein Klick, und die Gesamtgeometrie eines angepeilten Punktes ist im Kasten. Dazu gibt es ungeheuer leistungsfähige Rechner, die nicht mehr eine ganze Nacht benötigen, um den Massenabtrag eines Flurstücks zu berechnen. Und die legen mir in jede Landschaft eine Straße oder ein Gebäude, wenn ich Breite Höhe Länge Steigung eingebe. Völlig automatisch, eigenes Wissen und Denken sind dabei absolut überflüssig, dem Ausdruck lassen sich alle geometrischen Größen und Massen entnehmen und sogar die Kosten. Dann werden noch ein paar Variable verändert, und der Rechner findet ganz alleine das Optimum. In Zukunft werden also Tippsen benötigt, die die geometrischen Daten halbwegs richtig eingeben. Nicht sehr viele, und immer weniger.

    In den letzten zehn Jahren hat über die Hälfte der Geodäten aller Wissensebenen ihren Job verloren, die Leistung wird immer billiger angeboten. Und die Darstellung in allen Plänen und Landkarten wird von Tag zu Tag beschissener. Und kosten immer mehr. Obwohl eigentlich viel weniger Lohnstunden zu bezahlen sind.
  7. #7

    Geomatiker ist ein Lehrberuf, wie der Vermessungstechniker

    Bei der ganzen Diskussion darf man nicht vergessen, dass der Geomatiker ein Lehrberuf ist und kein Studium. Der Vermessungstechniker bleibt weiterhin erhalten. Der Geomatiker soll gerade die verstärkte Nachfrage nach der digitalen Verarbeitung von Nutzungen mit Geodaten erfüllen. Es geht nicht darum das Geodäsiestudium oder artverwandte Studiengänge zu ersetzen.
    Bezüglich des Nachwuchsmangels muss man nur mal versuchen einen Fachmann für diese Tätigkeiten auf dem Markt zu bekommen, dann sieht jeder, dass Mangel da ist.
  8. #8

    2000 EUR brutto...

    ...sind ja wohl ein Witz. Wer soll sich denn freiwillig etwas derartiges antun.
    Das entspräche TVÖD der Länder (West) E5-E6.
    Realistisch wäre für einen technischen Ausbildungsberuf mindetens E8.
    Und wenn sie wirklich einen Fachkräftemangel hätten eher E10.
    Unter E10 zu arbeiten ist übrigens für jemanden der eine technische Ausbildung in einem wirklich gesuchten Beruf gemacht hat ziemlich bescheiden.
  9. #9

    Geograph oder Informatiker ?

    Bei diesem neuen Beruf geht es darum Fachkompetenz in der Schnittmenge zwischen den oben genannten akademischen Berufen auf der Ebene der beruflichen Erstausbildung zu entwickeln. Also, für junge Menschen, die nach der mittleren Reife eine dreijährige Berufsausbildung absolvieren und dann mit 19 Jahren dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Wie viele Unternehmen diese qualifizierten jungen Menschen einstellen werden, wird sich erst noch zeigen, da die ersten Geomatiker im Sommer 2013 ihre Ausbildung abschließen. Mir erscheint nicht nur ein zukunftsträchtiges Marktpotenzial (Apps, Navis, ...) vorhanden, sondern ich hege auch die Hoffnung, dass Infografiken, etc. wieder besser werden, indem bezahlbare Fachleute von den entsprechenden Unternehmen eingestellt werden.