Angeklagter Mediziner: Heilbronner Klinik feuert niederländischen Skandalarzt

In den Niederlanden ist er wegen Körperverletzung in mindestens 21 Fällen angeklagt - und als Skandalarzt bekannt. Trotzdem konnte der Mediziner in Heilbronn weiter ungestört praktizieren. Nun hat die betroffene Klinik reagiert.

http://www.spiegel.de/panorama/justi...-a-875959.html
  1. #1

    skandalarzt?

    Das der in Deutschland einen Job bekommt, zeigt doch nur wie kaputt unser Gesundheitswesen ist. Da kann jeder mit einem "Dr. med. Titel" daher kommen und der wird eingestellt - mangelhafte Deutschkenntnisse oder kriminelle Vergangenheit wird nicht ueberprueft. Es sind eben Halbgoetter in Weis.
    Da muss dringend was geaendert werden!
  2. #2

    Unglaublich !

    Eine Ärztevermittlungsagentur habe ihn angeboten.

    In der Zeit davor sei er an anderen deutschen Kliniken beschäftigt gewesen.

    "Alle erforderlichen Qualifikationsnachweise - auch eine deutsche Approbation - lagen dem Klinikum bei der Einstellung vor."


    Da hilft nur ein eigenes Schmalspur-Medizinstudium, um vor solchen Leuten - s.a. die letzte Diskussion zur sprachlichen Fertigkeit - geschützt zu sein.
  3. #3

    Wieso

    wurden in den Niederlanden Operationen, ja sogar eine Gehirnoperation ohne medizinische Indikation durchgeführt? Normalerweise prüfen Chirurgen die gestellte Indikation bevor sie zum Skalpell greifen. Oder hat er selbst operiert?
  4. #4

    Auch in deutschen Krankenhäusern gibt es schlimme Finger

    Leider wissen die meisten Patienten nicht, wie sich wehren können und sehen Pfusch in der momentanen Situation als gottgegeben an. Ich selbst wurde nach einem schweren Arbeitsunfall, 1992 ohne mein Wissen wegen Epilepsieverdacht in eine Studie mit schweren Psychopharmaka einbezogen. Hätte nicht zufällig meine Exfrau, eine Krankenschwester in der Psychiatrie, den Waschzettel gelesen und mich auf die enormen Nebenwirkungen hingewiesen, ich hätte die Pillen wohl weiter geschluckt obwohl ich schon ein merkwürdiges "klicken" im Kopf verspürte. Als ich die Pillen eigenverantwortlich absetzte, kam der Studienleiter und machte drei Tage Aufstand obwohl er mich ohne mein Wissen einbezogen hatte und obwohl ich klar gemacht habe, dass ich eher Epilepsie in Kauf nehme als die Nebenwirkungen von denen Impotenz die Geringste war. Das ist jetzt über 20 Jahre her und immer noch keine Epilepsie. Heute würde ich den verklagen, damals, nach meinem Unfall, den ich nur durch das Zusammentreffen mehrerer Wunder überlebte, fehlte mir einfach die Kraft.

    Das Krankenhaus ist übrigens eines der renommiertesten in Deutschland.
  5. #5

    Mal zusammenfassen:

    SPON: "Politiker, und Verbände von Ärzten und Patienten in den Niederlanden reagierten entsetzt. Es sei unvorstellbar, dass der Skandalarzt in Deutschland ungehindert praktizieren konnte.
    ...
    2003 hatte das Krankenhaus in Enschede den Arzt entlassen, nachdem seine Abhängigkeit von Medikamenten bekannt worden war. Er soll auch Rezepte gefälscht und mehr als 80.000 Euro veruntreut haben. Ein offizielles Disziplinarverfahren gab es allerdings nie. Unter Druck des Krankenhauses hatte der Arzt sich freiwillig aus dem Ärzteregister streichen lassen."

    Das sind also die Fakten: Der Arzt wurde in den Niederlanden entlassen, es gab kein Disziplinarverfahren, und als sich der Arzt freiwillig aus dem Ärzteregister hatte streichen lassen, war für die Niederländer der Fall offenbar erst einmal erledigt. Und jetzt ist man dort entsetzt, daß dieser "Arzt" in Deutschland praktizieren konnte? Gab es denn einen internationalen Haftbefehl? Warum wurde dieser Arzt nicht schon in den Niederlanden verhaftet?

    Meine lieben entsetzten Niederländer, in deutschen Krankenhäusern arbeiten keine Hellseher. Und wenn ihr einen derart krassen Fall so niedrig hängt und nicht einmal ein Disziplinarverfahren für nötig haltet, dann beschwert euch bitte nicht, wenn dieser Arzt in Deutschland eingestellt wird. Für mich klingt das mit dem nicht erfolgten Disziplinarverfahren und der "freiwilligen" Streichung aus dem Ärzteregister schon sehr nach einer Vertuschungsabsicht. Man wollte den Fall in den Niederlanden aus der Öffentlichkeit heraushalten und beschwert sich jetzt, daß nicht in allen deutschen Krankenhäusern ein Steckbrief dieses Verbrechers hing.

    Wenn man versucht, etwas unter den Teppich zu kehren, dann klappt das auch manchmal, zumindest für eine gewisse Zeit.
  6. #6

    Zitat von Politiker und Arztverbände
    Es sei unvorstellbar, dass der Skandalarzt in Deutschland ungehindert praktizieren konnte.
    Deren Vorstellungsvermögen ist völlig irrelevant, da der Mann in Deutschland praktiziert hat.
  7. #7

    Lieber Forist horstma,

    kein Arbeitgeber in Deutschland vertraut dem Arbeitszeugnis, man greift zum Telefon und ruft den ehemaligen Arbeitgeber an! Scheinbar hat das KH in Heilbronn da gepennt! Wenn es um eine Krankenschwester gegangen waere, haette die " HOtline" funktioniert, nur bei einem Arzt =DR.med. versagen wegen dem Arztmangel in Deutschland alle Kontrollorgane.
    Ihr Beitrag, Ihre Analyse des Spon Artikels gefaellt mir, nur Aerzte haben in unserer Gesellschaft, in Deutschland, nach wie vor einen " Persilschein". Der Titel und ein wenig Berufserfahrung reicht und schwupp, haben die einen Job.
    In Deutschland ist das Patientenrecht im ENTWICKLUNGSSTADIUM und das nutzen die Kliniken und Praxen schamlos aus.
  8. #8

    ===

    Zitat von synanon Beitrag anzeigen
    Wieso wurden in den Niederlanden Operationen, ja sogar eine Gehirnoperation ohne medizinische Indikation durchgeführt? Normalerweise prüfen Chirurgen die gestellte Indikation bevor sie zum Skalpell greifen. Oder hat er selbst operiert?
    Als jemand, der niederländische Krankenhäuser auch von Innen kennt, schüttle ich über die Zustände dort immer wieder den Kopf und frage mich z. B. auch, warum es in der vielbesuchten Notaufnahme des Academisch Medisch Centrum in Amsterdam keine Türen, sondern nur Vorhänge gibt. Wohin uns ein Gesundheitssystem führen kann, bei dem man an den falschen Ecken und spart, lässt sich auch bei unseren Nachbarn gut beobachten.
  9. #9

    Aus der »Heilbronner Stimme«:

    »Bereits 2011 sei Dr. Ernst J. S. zunächst kurzfristig über eine Ärztevermittlungsagentur als Honorararzt eingesetzt und dann in befristeten Arbeitsverhältnissen bis zum gestrigen Freitag mehrfach in Heilbronn beschäftigt worden.«

    - Ärztevermittlungsagentur
    - Honorararzt
    - befristete Arbeitsverhältnisse

    Geht's noch?

    Bis zum 12. Mai 2011 war ein gewisser Phillip Rösler Gesundheitsminister. Der tritt ja gerade in der Nähe von Heilbronn auf.

    Ach ja, das Krankenhaus nennt sich »SLK-Kliniken«. Ich hatte SLK immer für einen Sportwagen aus Untertürkheim gehalten, aber so ist das halt im deutschen Gesundheitswesen.

    »Gesellschafter der SLK-Kliniken Heilbronn GmbH sind die Regionale Gesundheitsholding Heilbronn-Franken GmbH sowie die Stadt Heilbronn und der Landkreis Heilbronn; Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach, sein Stellvertreter ist Landrat Detlef Piepenburg, Geschäftsführer ist Dr. Thomas Jendges.«

    SLK-Kliniken Heilbronn GmbH

    »Gesundheitsholding« - alleine davon wird einem ja schon übel.