Digitale Medien und Erziehung: Ist doch ein Kinderspiel

DPAIhre Kids verbringen Stunden mit der Spielkonsole, sind vom Smartphone nicht mehr weg zu kriegen - viele Mütter und Väter stehen der digitalen Besessenheit ihres Nachwuchses hilflos gegenüber. Mit raffinierten Tricks versuchen Eltern, den Konsum ihrer Kinder in den Griff zu kriegen.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/k...-a-875640.html
  1. #10

    Verblödung

    "Dann sollten sich die Eltern aber beeilen. Wenn sich die Kids erst mal an den Flow permanenter Reaktion gewöhnt haben, ist es meist zu spät. .... Wie öde und langweilig ist doch die reale Welt im Vergleich zur virtuellen, wo man auf jede Aktion SOFORT eine Reaktion erhält. Es ist eine Art Pest ...."

    Stimmt leider genau. Ich stelle bei meinen Schülern (15 -19 Jahre) eine bisher nicht vorstellbare Tendenz zur Verblödung fest. Richtig schlimm ist es, seitdem die Streichelhandys den dauerhaften Kontakt zum Internet ermöglichen.

    Aufgabenstellungen, die Konzentration und ein wenig Geduld erfordern, werden nach 60 Sekunden mit den Worten " Das versteh ich nicht" oder "Das ist viel zu kompliziert" abgebrochen. Es wird förmlich erwartet, dass die Aufgabe sich durch Anschauen sofort selbst bearbeitet.

    Texte die mehr als drei (!) Sätze umfassen, oder Sätze mit mehr als 15 Wörtern werden nicht gelesen oder nicht verstanden. Die Frustrationstoleranz ist inzwischen bei Null! Die Fähigkeit sich mehr als einige Minuten auf irgendwas zu konzentrieren ebenfalls.

    Die Auswirkungen dieser Medien für junge Menschen sind durchaus gleichzusetzen mit dem Konsum harter Drogen. Abhängigkeit bis zur Selbstaufgabe, geistiger Zerfall, oft kaum noch wirkliche soziale Kontakte, aber 1000 Freunde bei Facebook.

    Eltern, die ihren Kindern (< 16) mehr als eine Stunde Medienkonsum am Tag erlauben, begehen schwere Kindesmißhandlung und fügen ihrem Nachwuchs irreparablen Schaden zu.

    Übrigens, meine Schüler wollen Fachabitur machen !!!!! Abbruchquote 70%, Tendenz stark zunehmend. Der Zusammenhang "Je Smartphone, desto blöd" ist leider ziemlich eindeutig.
  2. #11

    stimmt

    Zitat von Tatsache Beitrag anzeigen
    Die Auswirkungen dieser Medien für junge Menschen sind durchaus gleichzusetzen mit dem Konsum harter Drogen. Abhängigkeit bis zur Selbstaufgabe, geistiger Zerfall, oft kaum noch wirkliche soziale Kontakte, aber 1000 Freunde bei Facebook.
    Ist vielleicht etwas hart formuliert, aber es stimmt. Es ist mir ein Rätsel, warum man da nichts tut. Es gibt doch genug wissenschaftliche Grundlage, es gibt EEGs und Hirnscans. Da Gehirn gewöhnt sich an den Flow, es entsteht eine Abhängigkeit. Und wenn man es dann absetzt, sitzen die Betreffenden einfach nur frustriert herum und wissen nichts mit sich anzufangen. Selbst Aufmerksamkeit aufzubauen und auf etwas zu richten, sich für etwas interessieren (was nicht permanent Feedback gibt..) oder sich konzentrieren: Fehlanzeige.

    Noch schlimmer: die Fähigkeit zur Empathie, zum sich in andere hinein versetzen, fremde Motivlagen verstehen, das alles nimmt rapide ab.

    Ich denke, viele Ältere, die sich mit den neuen Medien nicht auskennen, schweigen halt lieber, weil sie sich nicht als Unwissende oder Altmodische outen wollen. Ich kann den betroffenen Eltern nur raten: nehmt den Kampf um die Zukunft Eurer Kinder auf. Leicht wird das nicht, denn auf der anderen Seite stehen eine Milliardenindustrie und die besten digitalen Verführer dieses Planeten.
  3. #12

    halte diese Thematik für äußerst wichtig und finde sie wird viel zu wenig diskutiert. Die Problematik wird sich in den nächsten Jahren immer weiter verschärfen. Ich halte Smartphones für sehr sinnvoll, allerdings habe ich das Gefühl, dass die meisten Leute - und schon gar nicht Kinder - damit sinnvoll umgehen. Klar ist es praktisch schnell mal etwas nachzuschauen. Allerdings halte ich es nicht für sinnvoll in jeder freien Minute in Facebook und Co. herumzuhängen und ständig zu posten, was man denn gerade macht und wo man ist. Ich bin der Meinung, dass sehr viele Erwachsene sich überhaupt nicht darüber bewusst sind, wieviel Zeit sie mit diesen, scheinbar wichtigen Dingen, verbringen. Und woher sollen es dann die Kinder wissen?
  4. #13

    Zitat von Tatsache Beitrag anzeigen
    "Dann sollten sich die Eltern aber beeilen. Wenn sich die Kids erst mal an den Flow permanenter Reaktion gewöhnt haben, ist es meist zu spät. .... Wie öde und langweilig ist doch die reale Welt im Vergleich zur virtuellen, wo man auf jede Aktion SOFORT eine Reaktion erhält. Es ist eine Art Pest ...."

    Stimmt leider genau. Ich stelle bei meinen Schülern (15 -19 Jahre) eine bisher nicht vorstellbare Tendenz zur Verblödung fest. Richtig schlimm ist es, seitdem die Streichelhandys den dauerhaften Kontakt zum Internet ermöglichen.

    Aufgabenstellungen, die Konzentration und ein wenig Geduld erfordern, werden nach 60 Sekunden mit den Worten " Das versteh ich nicht" oder "Das ist viel zu kompliziert" abgebrochen. Es wird förmlich erwartet, dass die Aufgabe sich durch Anschauen sofort selbst bearbeitet.

    Texte die mehr als drei (!) Sätze umfassen, oder Sätze mit mehr als 15 Wörtern werden nicht gelesen oder nicht verstanden. Die Frustrationstoleranz ist inzwischen bei Null! Die Fähigkeit sich mehr als einige Minuten auf irgendwas zu konzentrieren ebenfalls.

    Die Auswirkungen dieser Medien für junge Menschen sind durchaus gleichzusetzen mit dem Konsum harter Drogen. Abhängigkeit bis zur Selbstaufgabe, geistiger Zerfall, oft kaum noch wirkliche soziale Kontakte, aber 1000 Freunde bei Facebook.

    Eltern, die ihren Kindern (< 16) mehr als eine Stunde Medienkonsum am Tag erlauben, begehen schwere Kindesmißhandlung und fügen ihrem Nachwuchs irreparablen Schaden zu.

    Übrigens, meine Schüler wollen Fachabitur machen !!!!! Abbruchquote 70%, Tendenz stark zunehmend. Der Zusammenhang "Je Smartphone, desto blöd" ist leider ziemlich eindeutig.
    Nur eine Stunde Medienkonsum am Tag? Das reicht ja gerade mal, um gemeinsam ein Bilderbuch vor dem Schlafen anzuschauen. Oder sind Bücher, Radio, Hörspiele für Sie keine Medien? Vielleicht ist Verblödung ja ansteckend. Haben Sie auch etwas dagegen, wenn man auf einem digitalen Gerät, einen Roman liest? Vielleicht sind auch Ihre Aufgaben einfach nur völlig uninspiriert und dröge.

    Jedenfalls: Herzlichen Glückwunsch. Sie haben sich genau den richtigen Beruf ausgesucht. Wird Zeit, dass Lehrer wie Sie, die Schülern derart verachtend gegenübertreten, aussterben. Und dass Lehrer nachkommen, die in der Lage sind, interessanten Unterricht zu halten. Dass Zeiten und Menschen sich verändern, war schon immer so. Lehrer, die dies nicht begreifen können, bleibt eben nur, ihre Schüler für blöd zu erklären. So kann man seine eigene Dasein wenigstens gegenüber Kindern ein kleinwenig aufwerten. Das Problem ist halt, dass Leute wie Sie nicht aus Leidenschaft Lehrer werden, sondern aus Bequemlichkeit.

    Aber in einem Punkt haben Sie ja recht: Ich betrachte es auch mit Sorge, dass an vielen Schulen (aus lauter Begeisterung des Schulleiters, endlich auch ein PC-artiges Gerät bedienen zu können), elitäre iPad-Klassen für ausgewählte Schüler eingeführt werden. Frage mich nur, wie dass dann mit der einen Stunden hinhauen soll.
  5. #14

    unterschätzt

    Zitat von Rattenpudel Beitrag anzeigen
    Dass Zeiten und Menschen sich verändern, war schon immer so.
    Klar, haben sich Zeiten und Menschen schon immer verändert. Aber wirklich radikale Veränderungen, wie z.B. die industrielle Revolution oder jetzt die digitale sind doch eher die Ausnahme.

    Ich halte dieses Relativieren für extrem gefährlich, weil es die Veränderung unterschätzt. Habe Sie schon mal den Begriff "Aufmerksamkeitsökonomie" gehört? Am meisten Geld machen Sie heute, wenn es ihnen gelingt, die Aufmerksamkeit der Menschen zu fesseln. Muss Ihnen ja nichts über die Börsenwerte von FB oder Medienkonzernen erzählen, oder über die Gagen von Künstlern oder selbst C-Promis. Nur: die Aufmerksamkeit brauchen die Jugendlichen für sich und ihre Zukunft selber!

    Das ist ein sehr ungleicher Kampf, der da abläuft.
  6. #15

    Zitat von blowup Beitrag anzeigen
    Klar, haben sich Zeiten und Menschen schon immer verändert. Aber wirklich radikale Veränderungen, wie z.B. die industrielle Revolution oder jetzt die digitale sind doch eher die Ausnahme.
    Es ist eigentlich noch schlimmer. Die Zeiten verändern sich dahingehend, dass sich die Anforderungen an die Menschen im Berufsleben, was Denken, Konzentration und Aufnahmefähigkeit betrifft, erhöhen. Doch die Menschen ändern sich, wie es der Forist Tatsache beschreibt, in die entgegengesetzte Richtung.

    Rattenpudels Antwort auf den Beitag von Tatsache ist schon Beleg genug für dessen Beobachtung, was Aufnahme und Verständnis von Texten betrifft.
  7. #16

    nicht sicher

    Zitat von cobobka Beitrag anzeigen
    Es ist eigentlich noch schlimmer. Die Zeiten verändern sich dahingehend, dass sich die Anforderungen an die Menschen im Berufsleben, was Denken, Konzentration und Aufnahmefähigkeit betrifft, erhöhen.
    Da bin ich mir nicht sicher. Mir scheint es so, als würden sich Anforderungen vor allem in Richtung Multitasking und Stressresistenz erhöhen. Vieles gleichzeitig machen und nichts richtig, das ist der Kurs. Stelle das im Berufsleben schon seit einiger Zeit fest. Alles Hopplahopp, keine Zeit, die nächste Aufgabe wartet schon. Schnell mal was zusammen gekloppt, dank Powerpoint fällt ja nicht so auf, dass das ziemlich subtanzlos ist... ;-)
  8. #17

    optional

    Zitat von Tatsache "Je (mehr) Smartphone, desto blöd"
    1. Ich stimme Ihnen zu bei der Tatsache "Immer mehr Kinder und Jugendliche besitzen ein Smartphone".
    2. Der Zusammenhang zwischen dem Besitz eines Smartphones und mangelnder Intelligenz ergibt sich für mich nicht, er ist meiner Meinung nach sogar falsch. Hier die Daten, die meine Meinung belegen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Abiturientenquote_und_Studienanfängerquote
    3. In Deutschland sind die Möglichkeiten, durch Bildung einen sozialen bzw. gesellschaftlichen Aufstieg zu erreichen, stark gesunken: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/armut-und-reichtum-mittelschicht-in-deutschland-wird-immer-kleiner-oder-doch-nicht-11991975.html
    4. Menschen, die wie Sie Forist "Tatsache" nicht belegten Unsinn erzählen, wurden damals an meinem Gymnasium als "Leerkörper" bezeichnet. Genau dieser Zusammenhang "Intellektuelles Vorbild erzählt Unsinn und hält diesen Unsinn dann auch noch für richtig" führt aber zu Flucht von Kindern und Jugendlichen in die virtuelle Welt.
  9. #18

    optional

    Mein Mann und ich beschäftigen uns selbst viel am Rechner, lesen
    (z.B. SPON), spielen, wenn andere Leute abends vor dem Fernseher
    hängen. Das unsere Tochter (9) dann auch reges Interesse dafür
    zeigen würde, war uns durchaus bewusst. Daher hat sie seit etwa einem
    Jahr ihren eigenen Rechner in ihrem Zimmer. Installieren kann sie nichts
    ohne, dass wir ein Passwort eingeben, welches sie nichts kennt. Auch
    allgemeine Jugendschutzfunktionen sind aktiviert und sie weiss, was
    sie darf und was nicht. Zum Beispiel, dass man niemandem seinen
    vollen Namen, die Adresse oder die Telefonnummer gibt. Bei uns klappt
    das sehr gut und ich bin immer wieder erstaunt, wie viel sie weiss, wie
    leicht ihr der Umgang mit diesen Dingen fällt. Mir ist es wesentlich lieber,
    wenn sie an ihrem Rechner sitzt und etwas spielt oder sich mit ihrer Wii
    beschäftigt, als wenn sie nur vor dem Fernseher hängt und nichts tut.
    Natürlich soll ein Kind auch draussen spielen und seine freie Zeit nicht
    ausschliesslich vor dem Bildschirm verbringen. Regeln wie "eine Stunde
    am Tag" lehne ich aber ab, weil es Kinder nur frustiert, wenn sie mitten
    in einem Spiel sind, vielleicht nicht speichern können, Mama aber einfach abschaltet, weil ja die Zeit um ist. Auch hier haben Kinder eine Chance, eigenverantwortlichen Umgang mit etwas zu lernen.
  10. #19

    Erst das Radio,

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ihre Kids verbringen Stunden mit der Spielkonsole, sind vom Smartphone nicht mehr weg zu kriegen - viele Mütter und Väter stehen der digitalen Besessenheit ihres Nachwuchses hilflos gegenüber. Mit raffinierten Tricks versuchen Eltern, den Konsum ihrer Kinder in den Griff zu kriegen.

    Kuriose Erziehungsmethoden: Eltern erziehen ihre Digital Natives - SPIEGEL ONLINE
    dann das Telefon, dann der Fernseher, dann der Videorekoreder, dann der PC, dann die Spielekonsolen, jetzt die Tablets und Smartfones. Hilfe, der Untergang des Abendlands ist nah!

    Wie immer finden sich auch gleich angeblich Wissende, die sich einbilden, die ultimative Lösung für ein Problem gefunden zu haben, dass die meisten anderen gar nicht haben. Weshalb dann gleich danach verlangt wird, die eigene Lösung - und selbstbverständlich nur diese - in Gesetze zu gießen. So können die vermeintlich Dummen und Verweigerer dann gezwungen werden zu tun, was der angeblich Wissende will.

    Wie das Radio, das Telefon, den Fernseher usw. wird die Welt auch die Spiele, selbst die unsagbar schlechten, die Tablets und die Smartfones überleben. Die heutigen Eltern werden die gleichen Erfahrungen machen wie deren Eltern mit Telefon und Fernsehen und deren Großeltern mit dem Radio: mit strengen Kontrollen und Verboten züchtet man Junkies!

    Nichts weiter als ein paar weitere Möglichkeiten unter vielen anderen Möglichkeiten wird virtuelle Welt dagegen für diejenigen Kinder und Jugendlichen sein, denen das während ihrer Kindheit und Jugend vorgelebt wird.

    Die spielen dann vielleicht schon mit 2 Jahren auf dem Tablet herum wie meine Enkelin. Für wenige Minuten, um sich dann wieder dem nächsten Spielzeug zu widmen. Veranstalten die Eltern deshalb dann einen Aufstand, lernt das Kind ganz schnell, dass dieses Ding etwas ganz Besonderes sein muss, was man möglichst nie aus der Hand geben darf ...

    Wer schon in der frühen Kindheit gelernt hat, die neuen Medien als etwas Selbstverständliches zu sehen, was man nutzt, wenn es Sinn macht, hat auch in höherem Alter keine Probleme damit. Natürlich werden auch diese Kinder in der Pubertät so oft wie möglich im Fratzenbuch sein oder dem, was dann dessen Stelle eingenommen hat. So wie die Generationen vorher eben Tausende von SMS geschrieben haben oder stundenlang am Telefon hingen oder in Haufen der Ecke rumstanden. Das ist Pubertät.

    Trotzdem ist es für solche Kinder normal, Freunde zu haben und in die Musikschule und/oder den Sportverein zu gehen. Die fragen ihre Junckie- Mitschüler auch durchaus mal, ob die ihrer Zeit nichts anderes anzufangen wissen, als immer vor der Kiste zu sitzen. Was vor allem bei deren Eltern sehr gut ankommt. Die dann allerdings regelmäßig völlig entsetzt reagieren, wenn sie auf Nachfrage erfahren, dass diesen Kindern niemals der Umgang mit den Geräten etc. verboten oder auch nur stark eingeschränkt wurde ...