Mein erstes Mal: Jannis, 19, debattiert um den Weltmeistertitel

Mathias HamannSind Debattierer Nerds? Diese Frage nervt Jannis Limperg. Zu seiner ersten Debattier-WM in Berlin fuhr der 19-jährige Informatikstudent aus Freiburg, weil sich kein anderer fand. Doch dann erreichten er und sein Teampartner das Finale im Wortsport - trotz rhetorischer Schwächen.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/l...-a-875815.html
  1. #1

    optional

    Ich hoffe, Herr Thierse weiß, dass die Freiburger Gelbfüßer sind und keine Schwaben. Nicht, dass der glorreichen Sieger am Endo noch von der Fusselbart-Armeefraktion mit Pflaumenkuchen gesteinigt wird.
  2. #2

    optional

    Das muss man sich mal verallgegegnwärtigen- im Finale einer WM im Debattieren. Und ich dachte immer, Frauen wären den Männern im palavern klar überlegen. Aber ähnliches dachte ich auch mal über das Kochen- dabei sind Schuhbeck, Witzimann oder Jamie Oliver klar als Männer zu identifizieren. Nun fällt also die nächste Frauen-Bastion. Bravo! :-) Hach, ich liebe die Emanzipation, die sich mehr auf fachliches Können konzentriert, statt auf archaisches Revierverhalten.
  3. #3

    optional

    ich verstehe nicht, warum die SpOn-Zensur meinen ersten Kommentar nicht durchgelassen hat? Weil die Bezeichnung "Nerd" für den jungen Mann beleidigend sein könnte?

    Ich sag es noch mal andersherum: Jannis IST ein Nerd, und zwar nach der Definition, die ihm offensichtlich nicht bekannt ist.

    Charakteristisch für Menschen, die gerne als Nerds bezeichnet werden oder die sich selbst gerne so bezeichnen, sind ein überdurchschnittlich ausgeprägtes Interesse an der Erlangung von Fach- oder Allgemeinwissen sowie auffällig rational geprägte Denk- und Verhaltensweisen. Dies lässt sie aus Sicht ihrer Altersgenossen oft unangepasst und eigenbrötlerisch erscheinen. Viele Nerds zeigen deutlich wenig Interesse an den vorherrschenden Jugend- oder gesellschaftlichen Trends. Im weiteren Sinn konzentrieren sich Nerds auf Spezielles, das anderen Menschen langweilig oder abstrus erscheinen kann, aber nicht muss.
    (Quelle: Wikipedia)

    Einer der bekanntesten und beliebtesten Nerds ist Wil Wheaton, der sich selbst auch als solcher bezeichnet. Nerds sind oft ausgesprochen kommunikativ (und hängen nicht sozial vereinsamt den ganzen Tag vor dem PC, wie Jannsi abwertend behauptet), nur haben Nerds oft das Problem, in ihrem regelmäßigen Umfeld keine geeigneten Ansprechpartner zu finden, mit denen sie sich über "ihre" Lieblingsthemen unterhalten können - weshalb sie auch gern und oft über das Netz Gleichgesinnte suchen und finden - aber nicht zwangsläufig müssen.

    Ironisch ist an dieser Geschichte, dass Jannis Debattier-Vizeweltmeister geworden ist, obwohl er mit so schwachen und haltlosen Argumenten um sich wirft. ("Ich bin kein Nerd, denn ich bin kommunikativ, aber die sind alle einsam und hocken nur vor dem PC"). Darum schrieb ich in meinem ersten Kommentar, er solle die Definition noch mal nachschlagen, ehe er sowas behauptet.

    Mit freundlichen Grüßen,

    ein Nerd.
  4. #4

    Da Spiegel Online den Artikel in Anführungszeichen gesetzt hat, würde ich gerne darauf hinweisen, dass es sich weder um ein wörtliches Zitat noch um einen von mir verfassten Text handelt. Vielmehr wurde der Beitrag von Mathias Hamann auf der Grundlage eines Gesprächsprotokolls angefertigt und ich bekam vor der Veröffentlichung telefonisch die Gelegenheit, ihn zu redigieren.

    Jannis Limperg
  5. #5

    Gelabere.

    Bei der kurzen Vorbereitungszeit wird man Fachwissen zu einer gestellten Frage nicht herausfinden können. Wenn Fachwissen nicht verlangt ist, um zu diskutieren, dann ist die Frage selbst überflüssig. Und wenn man zu einer Frage per Zufall die eine oder andere Position vertreten soll, dann ist die Diskussion nicht aufrichtig. So oder so bleibt es beim Gelabere. Wer macht bei solchen unsinnigen Wettbewerben eigentlich mit? Und warum muss man so oft einen Weltmeister küren, der gar keiner ist?
  6. #6

    Zitat von kritilligenz Beitrag anzeigen
    Schrecklich, dass in unserer Gesellschaft jeder intelligente oder engagierte Schüler direkt als "Nerd" oder "Streber" bezeichnet wird.
    Und armselig ist, dass sich der Debattierer dadurch beleidigt sieht. Sollten nicht die intelligenten und/oder engagierten dagegen einsetzen?
    Wie wärs mit: "Ja. Zumindest stelle ich keine dummen Fragen."
    Er ist doch Debattierer und kann das.
  7. #7

    mich wundert es das es nicht leichter ist, bei solch Karrierefördernden Übungen und Auszeichnungen Teamkollegen zu finden, wo noch dazu die WM in Dland statt fand. Wo ist da die deutsche Elite, sind die ambitionierten Managementstudenten? Glückwunsch zum Vizetitel Jannis, das ehrt mich als Deutscher mit, denn im Ausland gilt der Deutsche tendenziell als ... Nerd
  8. #8

    Gratulation

    der nächste potentielle Steinbrück, der seine Umgebung mit Argumenten überzeugt, hinter denen er nicht einmal stehen muss. Sowas übt zweifellos.
  9. #9

    Pathos, Ethos und Logos

    Herzlichen Glückwunsch zum Titel!

    Allerdings eine Anmerkung:

    "Bei der WM zählen glücklicherweise vor allem Inhalt, Argumente und Logik. [...] Positionen werden zugelost, [...] Unterbrechen ist verboten ebenso wie persönliche Angriffe - es zählen nur Argumente."

    Gerade das finde ich schade. Ich denke, dass eins der großen Probleme unserer Redekultur darin besteht, nicht mehr alle drei rhetorischen Felder zu bedienen: Statt Pathos, Ethos und Logos wird nur noch auf Logos gesetzt. Pathos ist verdächtig, Ethos wird durch die zugeloste Meinung ausgeklammert. Was bleibt, sind knochentrockene Argumente. Da sind sich allerdings alle großen Rhetoriker der Vergangenheit einig: Das allein genügt nicht, man muss mit seiner Rede entflammen und selber dafür brennen.

    Vor allem halte ich die verordnete Fairness für einen Hemmschuh beim Debattieren. Es ist klar, dass es allen beteiligten Spaß machen muss und niemand zu (seelischem) Schaden kommt. Aber gerade unfaire Sophismen geben einer Debatte die Würze. Sie souverän zu kontern ist ebenfalls Aufgabe eines gewieften Rhetorikers (siehe Schopenhauers Dialektik). Das Verbot solcher enthebt das Debattieren dem Alltag: Abseits von Podiumsdiskussionen wird eben auch mit Trugschlüssen oder Argumenten ad personam gearbeitet.

    Man muss eben nicht nur Recht haben, sondern auch Recht behalten.