Zukunftsvorstellung: Menschen unterschätzen eigene Wandlung

CorbisVorlieben, Werte und Persönlichkeit können sich ändern. Doch unabhängig vom Alter glauben die meisten, bei ihnen sei die Entwicklung beendet - zu Unrecht, wie Experimente zeigen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-875729.html
  1. #1

    129 $ in zehn Jahren?

    abzüglich Inflation dürfte das ungefähr den Gegenwert von heute 80$ entsprechen... :)
  2. #2

    bewundernswerte Werte und vernünftige Vorlieben

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Vorlieben, Werte und Persönlichkeit können sich ändern. Doch unabhängig vom Alter glauben die meisten, bei ihnen sei die Entwicklung beendet - zu Unrecht, wie Experimente zeigen
    Zitat von Bertold Brecht, Das Wiedersehen
    Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: "Sie haben sich gar nicht verändert." "Oh!" sagte Herr K. und erbleichte.
    Zitat von Artikel
    Die Autoren der Studie erklären die "Ende der Geschichte"-Illusion zum einen damit, dass die meisten Menschen glaubten, ihre aktuelle Persönlichkeit sei ansprechend, ihre Werte bewundernswert und ihre Vorlieben vernünftig. "Und nachdem sie diesen erhabenen Zustand erreicht haben, könnten sie zögern, über mögliche Veränderungen nachzudenken."
    In meinem Umfeld gibt es durchaus zahlreiche Menschen, die beständige Veränderung - auch der eigenen Persönlichkeit - als Lebensprinzip wahrnehmen. Und auch die Weltreligionen - vom Buddhismus bis zum Christentum - mit ihren Milliardenen von Anhängern lehren dies ja ebenfalls. Auch gute Literatur zeichnet sich zum Teil dadurch aus, daß Persönlichkeiten sich verändern.

    Wie kann denn auch einer auf die dämliche Idee kommen, seine Werte seien "bewundernswert" und seine Vorlieben "vernünftig". Werte, die Menschen haben, zeichnen sich dadurch aus, daß die Menschen sich damit im Einklang fühlen oder davon profitieren, und Vorlieben sind Geschmacksache und betreffen nicht die Vernunft-Ebene. Wenn die meisten Werte tatsächlich bewundernswert und die meisten Vorlieben vernünftig wären, wieso ist die Welt dann so unvollkommen?
  3. #3

    Henne oder Ei oder Lückenbüßer

    Kein Mensch denkt darüber nach, ob und wie er sich ändern wird. Er will leben, und dazu gehört, sich nach der Decke zu strecken, angepaßt zu tun. Danach richtet man sein Verhalten aus.

    Ein junger Mensch wird normalerweise nicht darüber nachdenken, ob und wie er sich geändert hat. Das ist dauernd passiert, war unheimlich aufregend und wurde in der Regel gar nicht bewußt erfaßt. Älter geworden laufen sehr viel mehr Vorkommnisse über den Verstand und Erfahrung und dann erkennt man immer wieder, wieviele Überzeugungen man geändert hat, und daß das immer wieder vorkommen wird. Man hat einfach nicht darüber nachgedacht, Lernen passiert lebenslang.

    Die Persönlichkeit hat einen feuchten Kehricht mit Werten oder Überzeugungen zu tun, und auch nicht mit Verhalten, das positivistisch geprägt ist. Sie ist erstens ungeheuer vielschichtig, und wird sehr früh in ihren wesentlichen Punkten angelegt, und sie ist überwiegend unterbewußt, man kann also gar nicht darüber nachdenken. Das Selbstwertgefühl wächst mit überstandenen Kämpfen, oder es wird gepflegt demoliert. Die Haltung bleibt aber regelmäßig davon unberührt.

    Die Persönlichkeit ist ein Wischiwaschibegriff wie Gott oder die Liebe oder der Charakter. Alles und nichts, vor allem nicht definiert.
    Natürlich gebe ich zu, daß man über „Gott und die Welt“ mehr ablassen kann als über ein begrifflich eingegrenztes Thema. Aber es bringt so gar nichts, also ganz persönlich. Nicht einmal dem Verstand. Bestenfalls Mühe und Hilflosigkeit wegen der Unüberschaubarkeit.

    Da fällt mir noch eine gewaltige Veränderung ein, nämlich meine Domestizierung. Eine junge und maßlos ehrgeizige Dame hat es innerhalb kurzer Zeit geschafft, daß mein Verhalten vom reinen Trotz zu einer frauenkompatiblen Aufmerksamkeit gerierte. Meine Persönlichkeit hat sie dabei offenbar nicht verändert, worüber sich ihre Nachfolgerinnen immer bitter beklagt haben. Offensichtlich habe ich nur vorzutäuschen gelernt, handzahm und umgänglich zu sein.